Roy Kerr

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Roy Kerr (2006)

Roy Kerr (Roy Patrick Kerr; * 16. Mai 1934 in Kurow, Neuseeland) ist ein neuseeländischer Mathematiker.

Kerr wurde bekannt für die Entdeckung einer Lösung (Kerr-Lösung) der Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie.[1] Während Karl Schwarzschild eine Lösung (die äußere Schwarzschild-Lösung) für die in Wirklichkeit nicht existierenden, statischen Schwarze Löcher fand (der Mittelpunkt eines Schwarzen Loches wird singulär: Punktsingularität), entwickelte Roy Kerr eine Lösung für rotierende Schwarze Löcher, bei denen ein eindimensionaler Ring in der Äquatorebene singulär wird. Diese Lösung wird auch Kerr-Metrik genannt. Sie ist das seltene Beispiel einer exakten Lösung einer Differentialgleichung der Physik (in diesem Fall der einsteinschen Feldgleichungen), die auch in der Natur realisiert ist, bei Schwarzen Löchern, die nach dem No Hair Theorem durch wenige Parameter (Drehimpuls, Masse, Ladung) beschrieben sind.

Kerrs außerordentliches mathematisches Talent wurde erkannt, als er während seiner High Schoolzeit Kursteilnehmer an St. Andrews Hochschule in Christchurch war. Er erwarb im Jahr 1953 an dem Canterbury University College seinen Abschluss als Master. Kerr ging dann an die Harvard-Universität in Cambridge, wo er im Jahr 1960 seinen Doktortitel erwarb. Seine Doktorarbeit handelte schon von den Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie.

Danach arbeitete er als Habilitationskursteilnehmer an der Syracuse University in Syracuse, New York, bei Peter Bergmann und für kurze Zeit bei der US-Luftwaffe auf dem Wright-Patterson Luftwaffenstützpunkt an einem bizarren Antigravitations-Projekt mit, das aber bald eingestellt wurde. 1962 ging Kerr an die University of Texas at Austin, wo er 1963 dann seine berühmte Theorie entwickelte,[2] deren Bedeutung von den Astrophysikern zunächst nicht erkannt wurde.[3]

Im Jahr 1965 führte er mit Alfred Schild zusammen die Kerr-Schild-Raumzeit ein. Von 1971 an war er bis zu seiner Emeritierung 1993 als Professor für Mathematik wieder an der University of Canterbury in Christchurch (Neuseeland) und leitete zehn Jahre lang als Dekan die Fakultät für Mathematik.

Kerr lebt seit seiner Emeritierung sehr zurückgezogen.

1984 erhielt er die Hughes Medal der Royal Society in London und 2006 den Marcel Grossmann Award. Die Royal Society of New Zealand verlieh ihm 1982 ihre Hector Medal und 1993 die Rutherford Medal. Zu Beginn des Jahres 2011 wurde er für seine Leistungen in der Astrophysik als Companion (CNZM) in den neuseeländischen Verdienstorden New Zealand Order of Merit aufgenommen.[4] 2013 erhielt er die Albert-Einstein-Medaille.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kerr Fest: Black Holes in Astrophysics, General Relativity and Quantum Gravity. University of Canterbury, 2004 (PDF; 246 KB – mit Curriculum Vitae und Veröffentlichungen)
  • Marilyn Head: Man of mystery. In: New Zealand Listener. 25. September 2004 (PDF; 568 KB)
  • David L. Wiltshire, Matt Visser & Susan M. Scott: The Kerr Spacetime: Rotating Black Holes in General Relativity. Cambridge University Press, Cambridge 2009, ISBN 0-521-88512-4; darin
    • Roy P. Kerr: The Kerr and Kerr-Schild-Metrics. S. 38–72 (Erstveröffentlichung: Discovering the Kerr and Kerr-Schild metrics. arXiv:0706.1109)
  • Brian Woods: Professor Roy Kerr. In: NZMS Newsletter. No. 58, August 1993

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Andreas Müller: Schwarze Löcher: Die Kerr-Lösung. In: Wissenschaft-Online. August 2007
  2. Roy P. Kerr: Gravitational Field of a Spinning Mass as an Example of Algebraically Special Metrics. In: Physical Review Letters. Bd. 11, 1963, doi:10.1103/PhysRevLett.11.237, S. 237-238
  3. Christoph Drösser: Schwarze Löcher: „Ich wusste sofort: Das ist fantastisch!“ In: Die Zeit. 6. Juli 2013. Im selben Interview wies er die in der deutschen Wikipedia bis dahin enthaltene Darstellung, ihm selbst sei die Bedeutung seiner Entdeckung „nach eigenem Bekunden (…) lange Zeit nicht klar“ gewesen, als „völligen Unsinn“ zurück.
  4. Department of the Prime Minister and Cabinet: New Year Honours List 2011
  5. Hansjörg Friedli: Einsteinfeier 2013 - Verleihung der Einstein-Medaille: Vorstellung des Laureaten. Website des Einstein-Hauses Bern