SMS Viribus Unitis

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SMS Viribus Unitis
Vu1912.JPG
p1
Schiffsdaten
Flagge Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Seekriegsflagge) Österreich-Ungarn
Schiffstyp Schlachtschiff
Klasse Tegetthoff-Klasse
Bauwerft Stabilimento Tecnico Triestino, Mulgs
Baukosten 82.000.000 Kronen[1]
Stapellauf 20. Juni 1911
Indienststellung 6. Oktober 1912
Verbleib Am 1. November 1918 versenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
161,0 m (Lüa)
160,0 m (KWL)
Breite 27,3 m
Tiefgang max. 8,6 m
Verdrängung Konstruktion: 22.078 t
Maximal: 22.860 t
 
Besatzung 962 bis 1.050 Mann
Maschine
Maschine 12 Dampfkessel
2 Parsons-Turbinen
Maschinen-
leistung
25.000 PS (18.387 kW)
Geschwindigkeit max. 20,8 kn (39 km/h)
Propeller 4
Bewaffnung
  • 12 × 30,5 cm L/45 Sk
  • 12 × 15,0 cm L/50 Sk
  • 18 × 7,0 cm Sk
  • 2 × Torpedorohr ∅ 53,3 cm (Seiten, unter Wasser)
Panzerung
  • Gürtel: 100–280 mm
  • Zitadelle: 180–200 mm
  • Panzerdeck: 48 mm
  • Torpedoschott: 36 mm
  • Türme: 205 mm
  • Barbetten: 280 mm
  • Kasematten: 100 mm
  • vorderer Kommandoturm: 250–356 mm
  • achterer Kommandoturm: 250 mm

Die SMS Viribus Unitis war das erste Schlachtschiff der Tegetthoff-Klasse der k.u.k Kriegsmarine. Der Name (dt. = mit vereinten Kräften) war der Wahlspruch des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. Das Schiff wurde am 20. Juni 1911 vom Stapel gelassen und nahm am 5. Oktober 1912 seinen Dienst in der österreichisch-ungarischen Marine auf. Es wurde zum Ende des Ersten Weltkrieges am 1. November 1918 von italienischen Kampfschwimmern versenkt, um eine Inbesitznahme durch die Kriegsmarine des neuen Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen zu verhindern.

Bau[Bearbeiten]

Der Bau, welcher 1910 auf Drängen des k.u.k. Admirals Graf Rudolf Montecuccoli begonnen wurde, kostete rund 82 Millionen Goldkronen.[1] Es waren während der rund 25-monatigen Bauzeit ständig durchschnittlich 2.000 Arbeiter beschäftigt. Die Pläne für das Schiff wurden vom k.u.k. Schiffbau-General-Ingenieur Siegfried Popper entworfen.

Admiral Montecuccoli gab das Schiff auf eigene Kosten bei STT in Triest in Auftrag, um keine Zeit zu verlieren, bis die Gelder durch den Reichsrat bewilligt wurden. Dieses sehr mutige und riskante Handeln führte dazu, dass die Regierung unter Druck geriet und – um das Gesicht nicht zu verlieren – den Bau der Viribus Unitis finanzierte. Infolge der Missachtung des Reichsrates musste Montecuccoli aber seine Position räumen und als Flottenkommandant zurücktreten.

Konstruktionsdaten[Bearbeiten]

Die Schiffe der Tegetthoff-Klasse waren kleiner als die Dreadnoughts anderer Großmächte, sie hatten eine Verdrängung von nur etwa 22.000 Tonnen. Sie besaßen insgesamt zwölf schwere 30,5-cm-Geschütze in vier Drillingstürmen, welche in überhöhter Endaufstellung montiert waren. Auf einen Turm mittschiffs konnte so verzichtet werden. Damit folgten die Österreicher dem Vorbild der amerikanischen South-Carolina-Klasse. Diese Art der Geschützaufstellung wurde bei den Schiffen der Tegetthoff-Klasse weltweit erstmals angewandt. Die Bewaffnung war damit ebenso stark wie die ihres italienischen Gegenstücks Dante Alighieri und sogar noch stärker als die der deutschen König-Klasse mit nur zehn 30,5-cm-Geschützen. Die zwölf Škoda-Geschütze waren von hervorragender Qualität und an Reichweite und Zielgenauigkeit, wie auch die Feuerleittechnik, denen vieler anderer Staaten überlegen. Der Unterwasserschutz war relativ schwach ausgelegt; Torpedoschutz wurde durch Netze aus Stahl gewährleistet, welche nur bei gestoppt liegendem Schiff anwendbar waren. Sie waren teuer und schwer instandzuhalten. Die Maschinen waren nicht übermäßig stark, das Schiff war wie der Rest der Flotte als Küstenverteidiger konzipiert.

Geschichte des Schiffs[Bearbeiten]

Die Taufe der Viribus Unitis erfolgte am 20. Juni 1911 in Triest durch Erzherzogin Maria Annunziata, welche die hierzu übliche Flasche Champagner nicht auf herkömmliche Art und Weise am Bug des Schiffes zerschellen, sondern mittels eines Schalters die schon am Bug befestigte Flasche platzen ließ. Kaiser Franz Joseph I. konnte wegen Krankheit am Stapellauf nicht teilnehmen; höchstrangiger Anwesender war daher Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand.[2] Nach seiner Ermordung in Sarajewo am 28. Juni 1914 überführte das Schiff seinen Leichnam von Metkovic nach Triest.

Im Ersten Weltkrieg hatten die Schiffe der Tegetthoff-Klasse gemäß dem strategischen Konzept einer Fleet-in-being die meiste Zeit keine nennenswerte Feindberührung. Erst im Juni 1918 entschloss sich der Marine-Oberbefehlshaber Miklós Horthy zu einem Angriff auf die Otranto-Sperre unter Einsatz aller schweren Einheiten. Diese Unternehmung wurde nach der Torpedierung des Schwesterschiffs SMS Szent István abgebrochen und die gemeinsam mit der Prinz Eugen bereits einen Tag zuvor ausgelaufene Viribus Unitis musste nach Pola zurückkehren.

Kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges (Österreich-Ungarn schloss den Waffenstillstand am 3. November 1918) wurde das Schiff – wie die gesamte in Pola stationierte k.u.k.-Kriegsflotte – am 31. Oktober 1918 auf Anordnung von Kaiser Karl I. durch Vizeadmiral Miklós Horthy von Nagybánya an den tags zuvor neu gegründeten Staat der Serben, Kroaten und Slowenen (der die Südslawen Österreich-Ungarns umfasste) übergeben, da Österreich durch die Gründung dieses Staates seinen Anteil an der Adriaküste verloren hatte. Die Viribus Unitis sollte in Jugoslavija umgetauft werden, wozu es aber tatsächlich nicht mehr kam.[3] Obwohl der zum Chef der SHS-Marine ernannte bisherige Kommandant der Viribus Unitis, Janko Vuković-Podkapelski, die Flotte für neutral erklärt hatte, wurde das Schiff am 1. November von zwei italienischen Kampfschwimmern, die mittels eines umgebauten Torpedos Sprengsätze am Rumpf verteilten und zündeten, in den Morgenstunden versenkt. Italien wollte keine neue Seemacht an der Ostküste der Adria. Über 400 Seeleute starben beim Untergang, darunter auch Janko Vuković-Podkapelski, zu dessen Ehren eine Gedenktafel in Pola aufgestellt wurde.

Anker der Viribus Unitis vor dem Palazzo della Marina in Rom

Zur Erinnerung an den Sieg Italiens im Krieg gegen Österreich-Ungarn sind vor dem Marinemuseum in Venedig, dem Marineministerium in Rom und am „Monumento al Marinaio d'Italia“ in Brindisi die Anker der Viribus Unitis und des Schwesterschiffs SMS Tegetthoff aufgestellt. In Brindisi befindet sich auch ein Geschütz der Viribus Unitis.

Museale Rezeption[Bearbeiten]

Modell der SMS Viribus Untitis im Heeresgeschichtlichen Museum
Modell der SMS Viribus Unitis im k.u.k.-Marine-Museum in Novigrad, Kroatien

Ein Schnittmodell der Virbus Unitis im Maßstab von 1:25 und einer Gesamtlänge von sechs Metern wird im Marinesaal des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien ausgestellt. Es wurde von acht Facharbeitern der Werft Stabilimento Tecnico Triestino von 1913 bis 1917 gebaut und ist in Schiffskonstruktion, Raumaufteilung und Maschinenanlage seinem Original völlig gleich. Die Genauigkeit im Detail geht dabei sogar so weit, dass beispielsweise das Gemälde in der Offiziersmesse des Modelles nicht nur im Motiv, sondern auch in der Maltechnik (Öl auf Leinwand) dem originalen Vorbild vollkommen angeglichen wurde.[4] Friedrich Prasky hat das Modell 1997–1999 restauriert und ein umfassendes Werk über diese Arbeit sowie Technik und Geschichte aller vier Schiffe der Tegetthoff-Klasse verfasst.[5] Neben diesem Modell sind noch weitere Schiffsmodelle der Viribus Unitis und ihrer Schwesterschiffe in verschiedenen Maßstäben ausgestellt. Auch auf mehreren zeitgenössischen Gemälden und Fotografien ist das Schiff zu sehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Bühnau: Schiffe und ihre Schicksale. Ein Buch vom Abenteuer der Seefahrt. Arena Verlag Georg Popp, Würzburg 1968.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SMS Viribus Unitis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ludwig Bühnau: Schiffe und ihre Schicksale. Ein Buch vom Abenteuer der Seefahrt. Arena Verlag Georg Popp, Würzburg 1968.
  2. Fred Hennings: Solange er lebt. Band 4: „Ich ärgere mich immer, wenn ich Ihre Denkschriften lese!“ Herold-Verlag, Wien 1970, S. 20.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSchicksal der absurden Art – Das Ende der Viribus Unitis – eine groteske Tragödie. In: Der Standard. 29. Oktober 2007, abgerufen am 25. März 2012.
  4. Manfried Rauchensteiner: Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Fotos von Manfred Litscher. Verlag Styria, Graz u. a. 2000, ISBN 3-222-12834-0, S. 91.
  5. Friedrich Prasky: Die Tegetthoff-Klasse. Modellbau – Technik – Geschichte. Verlag Österreich u. a., Wien u. a. 2000, ISBN 3-7046-1481-5, mit Schnittplan 1:200.