Dreadnought

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dreadnought (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der englische Begriff Dreadnought (vom englischen dread nought frei übersetzt Fürchtenichts) bezeichnete in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen neuen Typ von Kriegsschiff, der ab 1906 die bis dahin vorherrschenden Linienschiffe in jeder Hinsicht übertrumpfte. Der Begriff geht zurück auf das erste Schiff dieser Art, die in jenem Jahr fertiggestellte HMS Dreadnought. Die Vorgängerbauten, die noch nicht über eine Bewaffnung mit einem Einheitskaliber verfügten, wurden fortan als „Pre-Dreadnoughts“ oder Einheitslinienschiffe bezeichnet.

Alle diese Bezeichnungen waren aber nur von umgangssprachlicher Bedeutung, während amtliche Stellen diese Typen weiter als „Linienschiffe“ bzw. „Großlinienschiffe“ oder „Schlachtschiffe“ einstuften. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Begriff allmählich durch „Großkampfschiff“ oder „Schlachtschiff“ verdrängt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurden technologische Fortschritte erzielt, die den Kriegsschiffbau gleich mehrfach revolutionierten. Die Erfindung und stetige Weiterentwicklung von Dampfantrieben, Sprenggranaten, Schnellfeuerkanonen und Panzerungen ließen eine Vielfalt von neuen Schiffstypen entstehen, die oftmals bei ihrer Fertigstellung schon veraltet waren. Zum Ende des Jahrhunderts kristallisierte sich der Typ des „Einheitslinienschiffs“ heraus, der nach und nach das Rückgrat der meisten größeren Kriegsflotten stellen sollte und diese Bezeichnung trug, weil er in allen Ländern nahezu identische Merkmale aufwies:

Einheits-Linienschiff Louisiana der US Navy, 1906
  • Schwere Bewaffnung von vier Geschützen in jeweils einem Doppelturm vorne und achtern. Das Kaliber dieser Haupt-Artillerie lag zwischen 28 cm und 30,5 cm.
  • Mittelartillerie von 12 bis 16 Geschützen in Einzelaufstellung oder Doppeltürmen an den Schiffsseiten mit einem Kaliber zwischen 12,7 cm und 17 cm; dazu eine Anzahl kleinerer Geschütze zur Abwehr von Torpedobooten.
  • Geschwindigkeit von zumeist 18 kn.
  • Verdrängung zwischen 12.000 t und 16.000 t.

Es gab zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich erkennbare Tendenzen zur Steigerung dieser Werte: Neue US-amerikanische Linienschiffe von 18.000 t wurden begonnen, während die britische Marine ein „halbschweres“ Kaliber von zuletzt 23,4 cm anstelle der Mittelartillerie einführte. Diese Zwischenlösung erwies sich im Hinblick auf eine einheitliche Feuerleitung und -beobachtung als unbefriedigend und ließ ein einheitliches Kaliber aller Hauptgeschütze wünschenswert erscheinen.

Das all big gun one caliber battleship[Bearbeiten]

In diesen letzten Linienschiffsentwürfen ist bereits die Tendenz zu einer Vereinheitlichung der Hauptgeschütze unter Aufgabe der Mittel- oder halbschweren Artillerie zu erkennen. Ein solcher Schiffstyp wurde als all big gun one caliber battleship in verschiedenen Marinen durchdacht. Der Chefkonstrukteur der italienischen Marine, Vittorio Cuniberti, veröffentlichte bereits 1903 einen Entwurf für ein neuartiges Schlachtschiff mit zwölf Hauptgeschützen des Kalibers 30,5 cm, einer Verdrängung von 17.000 t und einer Höchstgeschwindigkeit von 24 kn durch Turbinenantrieb.

Skeptiker wandten ein, dass die großen Geschütze mit ihrer geringeren Feuerrate auf kurze Entfernungen einer größeren Anzahl von schneller schießenden kleinen Geschützen unterlegen wären. Nachts oder bei schlechter Sicht durch Nebel oder Pulverqualm würde der Reichweitenvorteil wenig nützen.

Die Seeschlacht von Tsushima 1905 zeigte, dass die schweren Kaliber auf relativ große Entfernungen tatsächlich eine Seeschlacht entscheiden können. Wenn nun aber der Schwerpunkt auf die großen Kanonen gelegt werden sollte, wäre es aus vielerlei Gründen (darunter die bessere Beobachtung und Zuordnung der Einschlagsäulen) konsequent, auf eine mittlere Artillerie vollständig zu verzichten. In der britischen Marine trieb der Erste Seelord, Admiral Sir John Fisher, schließlich die Realisierung eines all big gun one caliber battleship voran, der HMS Dreadnought:

Turmanordnung der Dreadnought
  • Zehn 30,5-cm-Geschütze in Doppeltürmen, davon drei mittschiffs und jeweils einer seitlich der Aufbauten, so dass vier Türme auf dasselbe Ziel feuern konnten.
  • Verzicht auf Mittelartillerie, dafür 22 Geschütze mit 7,6 cm zur Torpedobootabwehr.
  • Turbinenantrieb mit einer Höchstgeschwindigkeit von 22,4 kn.
  • Verdrängung: rund 18.000 t.

Der Name dieses ersten Einheitskaliber-Schlachtschiffes wurde zum Synonym für alle neu gebauten Schlachtschiffe dieser Art. Linienschiffe herkömmlicher Bauweise verschwanden sehr bald aus den Bauprogrammen der Seemächte bzw. wurden durch Dreadnought-Typen ersetzt. Von nun an unterschied man die Hauptkampfschiffe der Schlachtflotten in „Dreadnoughts“ und „Pre-Dreadnoughts“.

Die mit 14 Monaten ungewöhnlich kurze Bauzeit des schließlich im Dezember 1906 indienstgestellten Schiffes konnte durch umfangreiche Vorbereitungsarbeiten sowie Prioritätsverschiebungen erreicht werden. Der Grund hierfür lag darin, dass die Vereinigten Staaten ebenfalls 1905 den Bau zweier eigener all big gun one caliber battleships in Angriff genommen hatten. Aufgrund von Verzögerungen in der Genehmigung des Budgets durch den Kongress wurden die Schiffe der South Carolina-Klasse allerdings erst 1910 fertiggestellt. Im Gegensatz zur Dreadnought verwendeten diese Schiffe aber anstatt Turbinen noch die bewährten Dreifach-Expansionsdampfmaschinen als Antrieb. Ein ähnliches Projekt in Japan, die Satsuma-Klasse, scheiterte an der Nichtverfügbarkeit einer genügend großen Anzahl schwerer Geschütze.

Die Dreadnought-Ära[Bearbeiten]

Internationales Wettrüsten[Bearbeiten]

Die HMS Dreadnought, die keine Schwesterschiffe hatte, entwertete schlagartig die bis dahin gebauten Linienschiffe. Die Royal Navy hoffte, damit die britische Überlegenheit zur See zu wahren, denn der für den Bau solcher Schiffe erforderliche finanzielle Mehraufwand war erheblich, und man glaubte nicht, dass konkurrierende Seemächte – es wurde speziell an Frankreich, Russland und Deutschland gedacht – sich ein groß angelegtes Dreadnought-Programm würden leisten können. Tatsächlich gingen aber alle bedeutenden Seemächte zum Dreadnought-Bau über. Frankreich wartete mit dem Baubeginn der ersten Einheiten bis 1910, Spanien bestellte seine ersten Einheiten 1907, Russland 1908. Cuniberti baute 1907 den ersten italienischen Dreadnought, weitere Einheiten folgten dann erst ab 1910. In Österreich-Ungarn wurde das erste Schlachtschiff mit Einheitskaliber 1910 auf Stapel gelegt, weitere drei Einheiten wurden bis 1914 fertiggestellt. Die USA legten nach den Einheiten der South Carolina-Klasse 1906 und 1907 jeweils eine, ab 1908 kontinuierlich jedes Jahr zwei Dreadnoughts auf Stapel.

Während diese Mächte zwar aufrüsteten, aber keinen ernsthaften Versuch unternahmen, Großbritannien in einen offenen Rüstungswettlauf zu verwickeln, war dies in Deutschland, dem ambitioniertesten Herausforderer der britischen Seemacht, längst der Fall (siehe auch Deutsch-Britisches Wettrüsten). Dabei stieß der deutsche Flottenbau bald an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Zwar wurden 1907 die ersten deutschen Dreadnoughts der Nassau-Klasse begonnen und diese Einheiten an die Stelle der nach den Flottengesetzen vorgesehenen Linienschiffe gesetzt. Jedoch konnte Alfred von Tirpitz die Mehrkosten nicht mehr im bestehenden Finanzierungsrahmen bewältigen. Es entwickelte sich über die Finanzfrage (Steuererhöhungen) eine Regierungskrise, die Reichskanzler Bülow das Amt kostete und die nationale Unterstützung des Flottenbaus allmählich schwinden ließ. Wie weit die britischen Kapazitäten überlegen waren, zeigte sich im Rahmen der „Flottenpanik“ von 1909: Auf den Übergang der deutschen Marine zum „Vierertempo“ reagierte Großbritannien, indem es im selben Jahr (trotz anfänglicher innenpolitischer Widerstände) gleich acht Dreadnoughts in Bau gab – zusätzlich zu den weiteren Einheiten, die im Auftrag kleinerer Seemächte auf britischen Werften gebaut wurden.

Rüstungswettläufe in kleinerem Rahmen fanden in verschiedenen Regionen statt: In Südamerika gab Brasilien schon 1907 zwei Schiffe bei britischen Werften in Auftrag, Argentinien im darauf folgenden Jahr zwei Schiffe in den USA. Brasilien legte daraufhin 1910 ein Schiff „nach“, woraufhin auch Chile zwei Dreadnoughts in Großbritannien bestellte. Ähnlich reagierte Griechenland, das die Inbaugabe zweier Dreadnoughts durch die Türkei 1910 mit einem eigenen Schiff 1912 beantwortete. Keines dieser drei auf britischen und deutschen Werften begonnenen Schiffe ist fertiggestellt worden, denn die Arbeiten wurden jeweils zu Kriegsbeginn 1914 eingestellt.

Verschiedene Dreadnought-Typen[Bearbeiten]

Die japanische Kongō

Fast gleichzeitig mit der Dreadnought als neuartigem Schlachtschifftyp gab Großbritannien den ersten Schlachtkreuzer als Weiterentwicklung des herkömmlichen Panzerkreuzers in Bau. Dieser Schiffstyp entsprach dem Gedanken des all big gun one caliber battleships, er sollte aber nicht mit den anderen Schlachtschiffen in der Schlachtlinie eingesetzt werden, sondern vor der Schlachtflotte die feindlichen Aufklärungskreuzer bekämpfen. Deshalb wurde beim Schlachtkreuzer der Schwerpunkt auf eine höhere Geschwindigkeit auf Kosten der Panzerung gelegt – nach dem Motto Lord Fishers: „Speed is the best protection“ (deutsch: Geschwindigkeit ist der beste Schutz). Das erste Schiff dieser Art, die HMS Invincible, wurde ebenfalls 1905 begonnen, aber erst 1908 in Dienst gestellt. Sie war mit 25 kn Höchstgeschwindigkeit der Dreadnought an Schnelligkeit deutlich überlegen – den älteren Linienschiffen sowieso – , allerdings stellte sich die reduzierte Panzerung später als eklatante Schwäche heraus, als die Invincible und zwei weitere britische Schlachtkreuzer während der Skagerrakschlacht explodierten.

Deutschland antwortete, ebenfalls 1907, mit seinem ersten Schlachtkreuzer SMS Von der Tann, innerhalb der deutschen Marine als Großer Kreuzer bezeichnet. Der Typ des Schlachtkreuzers blieb im Wesentlichen britische und deutsche „Spezialität“; nur Japan baute vier Einheiten der Kongō-Klasse, deren Typschiff allerdings in England gebaut wurde. Das Schlachtkreuzerprojekt der USA von 1916 wurde nicht fertiggestellt, stattdessen zwei der sechs vorgesehenen Einheiten in den 20er Jahren zu Flugzeugträgern umgebaut (Lexington-Klasse).

Die Aufstellung der Hauptgeschütze entwickelte sich in mehreren Schritten und national unterschiedlich. Die HMS Dreadnought und ihre unmittelbaren Nachfolger hatten jeweils zwei seitlich angeordnete Geschütztürme, so dass beim Feuern einer Breitseite ein Turm nicht am Ziel war. Bei den ersten deutschen Einheiten der Nassau- und Helgoland-Klassen waren die insgesamt sechs Türme in einer Hexagonal-Aufstellung arrangiert, wobei auf jeder Seite der Aufbauten zwei Türme standen – eine Breitseite also nur vier der sechs Türme umfasste. Dies lag unter anderem daran, dass die verfügbaren Turbinen in Deutschland als nicht zuverlässig galten und die stattdessen eingebauten herkömmlichen 3-fach Expansionsdampfmaschinen den gesamten Raum in der Schiffsmitte ausfüllten. Diese ineffektive Nutzung der Feuerkraft führte zu verschiedenen Arten der Turmaufstellung, die dem Zweck dienten, alle Türme in das Breitseitenfeuer einzubeziehen. Mit der Entwicklung kleinerer und zuverlässigerer Turbinen sowie einer generell zunehmenden Schiffsgröße konnte man schließlich zur Aufstellung aller Türme in Mittschiffsstellung übergehen. In Österreich-Ungarn wurden weltweit erstmals bei der Tegetthoff-Klasse Drillingstürme (drei Geschützrohre in einem Turm) in überhöhter Mittschiffsstellung verwendet. Dies sollte später bei mehreren Seestreitkräften wie Italien, USA und Russland zum Standard werden. Ebenso gab es nationale Besonderheiten in der Frage der Mittelartillerie, die in Deutschland und Japan vollwertig beibehalten wurde, in den angelsächsischen Ländern zunächst jedoch nicht.

US-amerikanischer Superdreadnought Nevada 1916

Durch ständige Verbesserungen an den Antriebssystemen und den Panzerungen wurden die Dreadnoughts immer leistungsfähiger, aber auch größer und damit teurer. Schon die 1909 begonnenen Schiffe der Lion-Klasse verdrängten das Anderthalbfache der ursprünglichen Dreadnought und überschritten die Baukosten der letzten Einheitslinienschiffe um ein Drittel. Für die im selben Jahr in Auftrag gegebene Orion-Klasse wurde eine Steigerung des Hauptkalibers von 30,5 auf 34,3 cm vorgenommen – dieser Schritt läutete, auf dem Höhepunkt der „Flottenpanik“, die Ära der Superdreadnoughts ein. Nach und nach gingen alle Seemächte zu einem höheren Kaliber von zumeist 35,6 cm, später sogar auf 38,1 cm und 40,6 cm über. Mit den gleichzeitig gewonnenen Steigerungen in der Geschwindigkeit entstanden Schiffe, gegen die der Namensgeber dieses Typs, die HMS Dreadnought, bereits nach wenigen Jahren wieder vollkommen unterlegen war. Spätestens mit den japanischen Einheiten der Fusō-Klasse (1911) wurde der Schritt zum schnellen Schlachtschiff vollzogen, der die reinen Schlachtkreuzer nach und nach verdrängen sollte.

Dreadnoughts im strategischen und taktischen Einsatz[Bearbeiten]

Dreadnoughts bildeten, wie vor ihnen die Einheits-Linienschiffe, den Kern der Schlachtflotte. Ihre Hauptaufgabe war die Bekämpfung der gegnerischen Schlachtschiffe auf große Entfernungen. In einer solchen Entscheidungsschlacht sollte nach den Lehren Alfred Thayer Mahans die Seeherrschaft erkämpft werden. Insbesondere die deutsche Marine fixierte sich auf die Mahansche Doktrin, und zwar so sehr, dass die deutschen Dreadnoughts nicht genug Seeausdauer und Reichweite besaßen, um außerhalb der Nordsee im Handelskrieg operieren zu können.

Die Entwicklung des Schlachtkreuzers war das Ergebnis von Überlegungen, die alten Panzerkreuzer – deren Hauptaufgabe etwa in der Royal Navy in der Aufklärung für die Schlachtflotte lag – zu befähigen, bei Gefechtsberührung in das Gefecht der Hauptkampfschiffe eingreifen zu können. Nach der erfolgreichen Ausschaltung der feindlichen Schlachtflotte würde die siegreiche Partei die Meere beherrschen, die unterlegene hingegen kaum zur Weiterführung des Kampfes befähigt sein. Lediglich in Frankreich gab es eine breitere Basis unter den Offizieren, die stattdessen eine Kreuzerkriegsdoktrin favorisierten (Jeune École).

In dem Bestreben, im Gefecht alle schweren Geschütze an den Feind zu bringen, erlebte die Kiellinienformation eine Renaissance; vor allem, nachdem der japanische Admiral Togo vor Tsushima mit seiner Linie das „Crossing the T“-Manöver erfolgreich eingesetzt hatte. Im Gegensatz zur Segelschiff-Ära bildete jedoch nicht mehr die ganze Flotte eine Linie, sondern verschiedene Geschwader, welche jeweils eigene taktische Einheiten bildeten. Die einzigen größeren Gefechte unter Beteiligung von Dreadnoughts, die Schlachten auf der Doggerbank und vor dem Skagerrak, sahen den Einsatz der Dreadnought- wie auch der Einheitslinienschiff-Geschwader in klassischen Kiellinien. Die begleitenden Zerstörer und Torpedoboote hatten dabei die vornehmliche Aufgabe, die feindlichen Dreadnoughts zu torpedieren bzw. die eigenen zu schützen.

Der Erste Weltkrieg[Bearbeiten]

Der Beginn des Ersten Weltkrieges bedeutete einen Einschnitt im weltweiten Dreadnought-Bau. Der Bau von Schiffen, die sich im Auftrag kleinerer Mächte in europäischen Werften in Bau befanden, wurden, wie die griechische Salamis, eingestellt oder – falls der Bau weit fortgeschritten war – beschlagnahmt und der eigenen Flotte eingegliedert, z. B. zwei für die Türkei bestimmte Einheiten, die von Großbritannien als HMS Agincourt und HMS Erin in Dienst gestellt wurden. Auch eigene Projekte wurden teilweise storniert (vor allem in Frankreich und Russland, die den Schwerpunkt ihrer Rüstungsindustrie auf das Heer legten). Die USA als zunächst nicht involvierte Macht führten ihr Dreadnought-Programm konsequent fort. Die größte Seemacht, Großbritannien, besaß zu diesem Zeitpunkt 24 Dreadnoughts, zehn weitere befanden sich im Bau, und sechs wurden noch nach Kriegsbeginn in Auftrag gegeben. Die zweitgrößte Anzahl an Dreadnoughts besaß Deutschland mit 16 einsatzbereiten Einheiten. Nur zwischen diesen beiden Mächten kam es zu Treffen zwischen Dreadnought-Verbänden.

Die einzige Dreadnought-Schlacht des Weltkrieges, die Skagerrakschlacht (1916), verlief strategisch relativ ergebnislos. Das Gefecht wurde hauptsächlich von den Schlachtkreuzern bestritten. Dabei wurden vier von ihnen versenkt: Drei britische Schiffe wurden durch Munitionsexplosionen vernichtet, und ein deutscher Schlachtkreuzer (die SMS Lützow) musste aufgegeben werden. Der Beinahe-Verlust der HMS Warspite, eines Super-Dreadnoughts der Queen-Elizabeth-Klasse, führte die Gefahren eines allzu offensiven Einsatzes der Schlachtflotte vor Augen. Die hohe Verlustrate der Schlachtkreuzer stellte deren Konzept als ganzes in Frage, weshalb die kurz zuvor in Auftrag gegebene HMS Hood das letzte Exemplar dieses Typs wurde. Die beiden größten Schlachtflotten der Welt waren zum Ende des Krieges noch weitgehend intakt. Die Dreadnoughts haben die ihnen übertragene Aufgabe auf deutscher Seite gar nicht, auf britischer nur indirekt erfüllt.

Nachkriegszeit bis 1922[Bearbeiten]

Im Rahmen der Waffenstillstandsbedingungen wurde der größte Teil der deutschen Hochseeflotte nach Kriegsende in Scapa Flow interniert, wo sie am 21. Juni 1919 von ihren Besatzungen versenkt wurde. Auch die restlichen Dreadnoughts mussten daraufhin ausgeliefert werden. Die USA, vor dem Krieg noch zweitrangige Seemacht, besaßen nun 16 Dreadnoughts. Das Bauprogramm von 1916 sah 16 weitere vor, von denen zehn bereits begonnen waren. Großbritannien besaß nach wie vor die größte Zahl an einsatzbereiten Schiffen, nämlich 21; im Bau befand sich allerdings vorerst nur ein weiteres (Hood). Die britische Überlegenheit zur See war also ernsthaft gefährdet, zumal auch Japan ein ambitioniertes Bauprogramm ankündigte, das einen Bestand von 16 Dreadnoughts zum Ziel hatte.

An eine Aufrechterhaltung des Two-Power-Standards war britischerseits nicht mehr zu denken. Die Dreadnoughts wurden nun zum Politikum, da die britische Regierung die Vision einer „Freiheit der Meere“, wie vom US-Präsidenten Woodrow Wilson proklamiert, nicht unterstützte – eine solche Doktrin würde zukünftig Seeblockaden wie gegen Deutschland unmöglich machen. Großbritannien beobachtete das US-Programm mit starkem Misstrauen, während die US-Regierung versuchte, durch das Anheizen der Rüstungsspirale Druck auszuüben. Die ungeheuren finanziellen Mittel für ein eigenes Gegen-Rüstungsprogramm konnte das vom Krieg ausgeblutete Großbritannien ebenso wenig aufbringen wie Japan, das in einer tiefen Rezession steckte – aber auch die USA waren innenpolitisch kaum in der Lage, unter Friedensbedingungen eine solche Aufrüstung durchzuführen. Der neu gewählte US-Präsident Warren G. Harding lud die anderen Seemächte – neben Großbritannien und Japan auch Frankreich und Italien – 1921 zu einer Konferenz zur Begrenzung der Seerüstungen ein. Diese Flottenkonferenz brachte als Ergebnis die Aufgabe aller Dreadnought-Bauprogramme und eine zehnjährige Pause im Bau neuer Dreadnoughts (mit Sonderregelungen für Frankreich und Italien). Fast alle in Bau befindlichen Schiffe mussten bis auf wenige Ausnahmen abgebrochen werden; für einige Einheiten wurde die Fertigstellung als Flugzeugträger gestattet. Damit war die Dreadnought-Ära vorerst beendet.

Schlachtschiffe[Bearbeiten]

Erst ab 1936 wurde der Bau von Großkampfschiffen allgemein wieder aufgenommen. Der Begriff „Dreadnought“ wurde allerdings zu Beginn der 1930er Jahre seltener verwendet, an seine Stelle trat die Bezeichnung „Schlachtschiff“ oder, gemäß den internationalen Vertragstexten, „capital ships“ oder „Großkampfschiff“. Mit dem Begriff Dreadnought wurden nun vornehmlich rückblickend die Schlachtschiffe des Ersten Weltkrieges bezeichnet, allenfalls die noch vorhandenen modernisierten Einheiten. Für die weitere Entwicklung des Typs siehe daher Schlachtschiff.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970. Mit 922 Seitenrissen, Decksplänen, Querschnitten und Detailskizzen. J. F. Lehmann, München 1970.
  • Robert K. Massie: Dreadnought. Britain, Germany and the Coming of the Great War. Cape, London 1992, ISBN 0-224-03260-7.
  • Rolf Hobson: Maritimer Imperialismus. Seemachtideologie, seestrategisches Denken und der Tirpitzplan 1875 bis 1914. Oldenbourg Verlag, München 2004, ISBN 3-486-56671-7 (Beiträge zur Militärgeschichte 61), (Zugleich: Trondheim, Univ., Diss., 1999: Imperialism at sea.).
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