Safety Car

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Das Safety Car im Einsatz beim Großen Preis von Japan 2009

Das Safety Car (deutsch: Sicherungsfahrzeug), in den USA auch Pacecar, wird bei Autorennen eingesetzt, um bei Gefahrensituationen, zum Beispiel nach einem Unfall oder bei extrem widrigen Wetterverhältnissen, das Rennen zu neutralisieren und so die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten. Über den Einsatz des Safety Cars entscheidet der Rennleiter.

Allgemeines[Bearbeiten]

Pacecar beim Champ-Car-Grand Prix von Long Beach, 2005

Das Safety Car setzt sich vor das führende Fahrzeug und fährt in sicherem Tempo vor dem Teilnehmerfeld her. Gelingt das Einreihen vor dem Führenden nicht, so aktiviert der Fahrer des Safety Cars zunächst das grüne Licht und signalisiert damit, dass ihn die Rennfahrzeuge überholen sollen. Sobald sich das Safety Car vor dem Führenden befindet, signalisieren seine orangefarbenen Blinkleuchten absolutes Überholverbot.

Signalisierung einer Safety-Car-Phase durch Sportwarte
Signalisierung der Safety-Car-Phase durch elektronisches Flaggenzeichen (z. B. bei Formel 1)

Die Safety-Car-Phase wird den Piloten von den Streckenposten durch die gelbe Flagge (Überholverbot) und je nach Rennserie gegebenenfalls zusätzlich in Verbindung mit einem Schild mit der Aufschrift „SC“ signalisiert. Solange das Safety Car auf der Strecke ist, ist das Rennen neutralisiert, das heißt Überholmanöver sind verboten. Auch diese neutralisierten Runden werden regulär mitgezählt, entsprechend kann ein Rennen also auch „unter Gelb“ beendet werden, wenn die Rennrundenzahl oder eine vorgegebene maximale Renndauer erreicht ist.

Eine Safety-Car-Phase kann sich rennentscheidend auswirken, da es das Feld wieder zusammenführt und so herausgefahrene Abstände der Führenden zunichtemacht. Auch nutzen die Fahrer eine Safety-Car-Phase gerne für einen Boxenstopp, da die Zeitverluste in diesem Fall deutlich geringer sind, als wenn das Feld im Renntempo unterwegs ist.

Die Safety-Car-Phase wird dadurch beendet, dass das Safety Car in die Boxengasse einbiegt und so das Tempo wieder freigibt; dies wird den Fahrern dadurch signalisiert, dass in der Runde zuvor die Warnleuchten am Safety Car ausgeschaltet werden. Außerdem gehen entsprechende Mitteilungen an die Teams, die ihre Fahrer dann per Funk informieren können. Das Feld ist ab diesem Zeitpunkt wieder für die gefahrene Geschwindigkeit selbst verantwortlich, Überholvorgänge sind allerdings erst ab dem Überfahren der Safety-Car-Linie (teils vor der Start-/Ziellinie, teils identisch mit ihr) erlaubt.

Bei Ovalrennen hat das Safety Car direkten Einfluss auf die Rennstrategie, da es durch die hohen Geschwindigkeiten und kurzen Rundenzeiten sehr oft zum Einsatz kommt. Hier muss auch bei kleineren Zwischenfällen das Rennen sofort neutralisiert werden.

Safety Cars sind mit gelben oder roten Rundumkennleuchten ausgestattet. Zusätzlich werden oftmals Xenon-Blitzer in den Hauptscheinwerfern und Zusatzleuchten verbaut, um eine zusätzliche Warnwirkung in Fahrtrichtung zu gewährleisten. Das aktuelle Safety Car der Formel 1 hat Frontblitzer in LED-Technik.

Formel 1[Bearbeiten]

Das Safety Car wurde erstmals beim Kanada GP 1973 eingesetzt, Fahrer war der einheimische Eppie Wietzes. Seitdem wurden sechs Rennen hinter dem Safety Car beendet: Der Große Preis von Kanada 1999, der Große Preis von Australien 2009, der Große Preis von Italien 2009, der Große Preis von Monaco 2010, der Große Preis von Brasilien 2012 und der Große Preis von Kanada 2014.

Das Safety Car der Formel 1 wird seit 1996, ebenso wie das Medical Car, von Mercedes-Benz gestellt. Dabei handelt es sich meist um das jeweils neueste Modell des Werkstuners Mercedes-AMG, welches jedoch speziell modifiziert wurde.

Unter anderem:

  • größere Bremsanlage
  • speziell abgestimmtes Fahrwerk
  • Motortuning
  • Innenraum: Sportsitze vorne und hinten aktuell keine Sitze
  • Signallichtanlage auf dem Dach sowie Blitzlichter in den Scheinwerfern und Schlussleuchten
  • zwei voneinander unabhängige Funkanlagen / Digital und Analog

Hier eine Auflistung aller Formel-1-Safety-Cars von AMG:

Der Stammpilot der Formel 1 Bernd Mayländer beim Großen Preis von Malaysia 2010 im Mercedes SLS AMG.

Beim Safety Car für die Saison 2006 handelte es sich jedoch um eine Spezialentwicklung, aus dem später das Serienmodell Mercedes-Benz CLK 63 AMG Black-Series hervorging.

Seit 2000 ist der Stammpilot des Safety Cars Bernd Mayländer.

Zwischen 2004 und Beginn der Saison 2007 wurden die Regeln für die Safety-Car-Phasen mehrmals geändert. So dürfen sich überrundete Fahrer, nach Signalisierung durch das Safety Car, wieder zurückrunden, indem sie die führenden Fahrzeuge und das Safety Car überholen und bis an das Ende der hinter dem Safety Car fahrenden Fahrzeugkolonne aufschließen. Während dieser Zeit ist die Boxengasse für jeden Fahrer individuell nach einer für ihn errechneten Zeit geöffnet. Das verzögerte Öffnen der Boxengasse soll nicht nur ermöglichen, so schnell wie möglich diese Reihenfolge herzustellen, sondern soll im Interesse der Sicherheit für alle Fahrer einen Anreiz schaffen, so langsam und kraftstoffsparend wie möglich zu fahren: Nach der alten Regel konnte es für weit hinter dem Safety Car fahrende Fahrer von Vorteil sein, in Renngeschwindigkeit zum (evtl. vorgezogenen) Boxenstopp zu fahren, um ihn mit möglichst geringem Positionsverlust durchzuführen.

Safety Car im Rallyesport (S-Wagen)[Bearbeiten]

Rallye-Safety-Car
Ausstattung eines Rallye-Safety-Cars

Anders als auf einer Rund-Rennstrecke wird bei einer Rallye von A nach B gefahren (Wertungsprüfungen). Die Teilnehmer werden meist im Minutentakt gestartet. Deshalb wird bei einer Unregelmäßigkeit auf der Strecke, bei der es Verletzte gibt oder die Strecke blockiert ist, kein weiteres Rallye-Fahrzeug gestartet. Auf Anweisung des Wertungsprüfungs-Leiters wird vor Ort das Safety Car (im Rallye Motorsport „S-Wagen“ genannt) auf die jetzt freie Strecke geschickt.

Ziele sind es, den Einsatzort schnellstmöglich zu erreichen, Brände zu löschen, Verletzte zu retten, Teilnehmer-Fahrzeuge von der Strecke zu entfernen und wieder zum Start fahren (nie entgegen der Fahrtrichtung). Erst dann kann wieder gestartet werden.

Die S-Wagen sind für alle Eventualitäten gerüstet, so ist von Feuerlöschern über Rettungsausrüstung bis hin zu Berge- und Abschleppmaterial wie z. B. hydraulische Rettungsschere alles vorhanden.

Die Besatzung eines S-Wagens sind ausgebildete Personen aus dem Bereich des Rettungsdienstes und der Feuerwehr. Je nach Organisation fährt ein Rennarzt im Falle eines Einsatzes direkt mit oder in einem Rettungswagen hinterher. Das Aufgabenspektrum reicht von medizinischer Hilfe über Brandbekämpfung bis hin zu Bergungsmaßnahmen.

Das Rallye Safety Car (S-Wagen) ist ein „Intervention Car“, das kein Ersatz für Rettungswagen und Feuerwehr darstellen soll, sondern vielmehr eine sinnvolle Ergänzung der Rettungskette. Bei größeren Ereignissen auf der Rallyestrecke werden der Rettungswagen oder die Feuerwehr, die ebenfalls am Start einer Wertungsprüfung stehen, nachgefordert.

Der S-Wagen wird ebenfalls im Bergrennsport eingesetzt. Hierbei hat es ähnliche Aufgaben wie bei Rallyeveranstaltungen. Als zusätzliche Aufgabe kommt hinzu, nach einer Laufunterbrechung die auf der Strecke stehenden Fahrzeuge bergab zurückzuführen. Dadurch werden die Unterbrechungen relativ kurz gehalten.

Siehe auch: S-Wagen des DMSB bei Rundstrecken

24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring[Bearbeiten]

Ein ähnliches System wie im Rallyesport kommt auch beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zum Einsatz. Aufgrund der außergewöhnlichen Rundenlänge und der großen Anzahl Teilnehmer werden dort sogenannte Intervention Cars eingesetzt.[1]

Besondere Ereignisse aus anderen Rennserien[Bearbeiten]

Beim Rennen auf dem Lausitzring am 20. Mai 2007, dem dritten Lauf zur DTM, verpasste das Safety Car das Führungsauto und führte mehrere Runden lang das Teilnehmerfeld in einer „falschen“ Reihenfolge um den Kurs. Durch Boxenstopps wurde das Feld so durcheinandergewürfelt, dass nach dem Neustart das Safety Car noch einmal auf die Strecke musste, um die richtige Reihenfolge – letzten Endes erfolglos – wiederherzustellen.

Beim zweiten Lauf der Tourenwagen-Weltmeisterschaft 2009 in Pau verursachte das Safety Car eine Kollision mit dem Führenden Franz Engstler, wodurch dieser aus dem Rennen geworfen wurde. Unmittelbar bevor Engstler an der Boxenausfahrt vorbei kam, verließ das von Philippe Cholet und Jean-Pierre Colas gesteuerte Safety Car unerwartet und ohne Anweisung die Boxengasse. Zudem missachtete es die Boxenausfahrtslinie, welche zur Sicherheit nicht überquert werden darf, und zog direkt auf die Ideallinie. Engstler hatte keine Möglichkeit mehr, den Unfall zu verhindern, da sich die Boxenausfahrt hinter einer unübersichtlichen Vollgas-Kurve befindet, und kollidierte mit dem Safety Car.[2][3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Safety cars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Safety-Car – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ADAC Zurich 24h-Rennen / Ausschreibung 2013. ADAC Nordrhein e.V., abgerufen am 20. Juli 2013 (PDF; 1,9 MB).
  2. http://www.motorsport-total.com/wtcc/splitter/2009/05/Safety-Car_wirft_Engstler_aus_dem_Rennen_09051702.html
  3. http://www.motorsport-total.com/wtcc/news/2009/05/Pau_Safety-Car_handelte_eigenmaechtig_09051901.html