Salomon Schweigger

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Salomon Schweigger Porträt in der Reisebeschreibung (Druck von 1608)

Salomon Schweigger (* 30. März 1551 in Haigerloch; † 21. Juni 1622 in Nürnberg) war ein evangelischer Prediger und Orientreisender. Er verfasste eine berühmte Reisebeschreibung und die erste deutschsprachige Koranübersetzung.

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater Heinrich Schweigger war notarius (Gerichts- und Stadtschreiber) sowie praefectus pupillorum (Vorgesetzter der Waisenkinder in Sulz). Salomon besuchte zunächst die Klosterschulen Herrenalb und Alpirsbach und studierte ab 1573 Theologie und klassische Philologie an der Universität Tübingen. Im Jahr 1576 brach er sein Studium ab und reiste mit einer österreichischen Gesandtschaft von Wien nach Konstantinopel, wo er mehrere Jahre verbrachte. 1581 reiste er über Ägypten nach Jerusalem und Damaskus und von dort über Kreta und Venedig nach Sulz zurück.

Aus Jerusalem zurückgekehrt, war Schweigger von 1581 bis 1589 Pfarrer in Stadt Grötzingen (heute: Ortsteil der Stadt Aichtal im Landkreis Esslingen ). Er war in erster Ehe mit Susanna Michaelis aus Memmingen verheiratet, die 1583 seinen ersten Sohn Immanuel gebar (Vater des Nürnberger Bildhauers Georg Schweigger) und 1585 in Stadt Grötzingen starb. Am 13. September 1585 heiratete Salomon Schweigger in Stadt Grötzingen Elisabetha Vischer. Am 16. September 1588 wurde dort sein Sohn Salomo geboren, dessen Nachkommen in Nürnberg lebten.

Im Jahr 1589 wurde Salomon Schweigger durch den Reichsfreiherrn Heinrich Hermann von Schutzbar genannt Milchling, der selbst 20 Jahre vor ihm Jerusalem besucht hatte, auf die Patronatspfarrei Wilhermsdorf in Mittelfranken und schließlich im Jahr 1605 durch den Magistrat von Nürnberg zum Dienst an der Frauenkirche berufen. Hier wirkte er noch 17 Jahre. Er starb 1622 und wurde auf dem Nürnberger Rochusfriedhof beerdigt.

Reisebeschreibung[Bearbeiten]

Ansicht von Konstantinopel in der Reisebeschreibung (Druck von 1639)

Schweigger erlangte Bekanntheit durch seine „Newe Reyßbeschreibung auß Teutschland nach Constantinopel“, die 1608 erschien.[1] Salomon Schweigger trat in Graz in die Dienste des evangelischen Freiherrn Johann Joachim von Sinzendorf und reiste mit ihm als Gesandtschaftsprediger nach Konstantinopel, wo die Gesandtschaft zu Neujahr 1578 ankam. Diese Gesandtschaft vom Habsburgischen Kaiser Rudolf II. an Sultan Murad III. war eine von zahlreichen zwischen dem 2. Österreichischen Türkenkrieg (1566 -1568) und dem 3. Österreichischen Türkenkrieg (1593 -1606).[2]

In diesem Reisetagebuch beschreibt Schweigger lebhaft und anschaulich seine persönlichen Erlebnisse und gewährt auch interessante Einblicke in das Leben im damaligen Osmanischen Reich. Er berichtet von einer Audienz beim Sultan, vom „Hofgesind“, von einem politischen Mord, einem „nichtswertigen Astronomo“, von Gauklern, Badhäusern, Feuersbrünsten, von der „tölpischen“ Musik der Türken, ihren Speisen, Sitten, Gebäuden, Spitalen, „Kinderschulen“ und von „der Türcken Bekanntnus von Gott und ihres Mahomets Ankunft, Leben und Tod“.

Koranübersetzung[Bearbeiten]

Ferner ist Salomon Schweigger der Verfasser der ersten deutschsprachigen Version des Korans. Im Jahre 1616 erschien das Werk „Der Türken Alcoran, Religion und Aberglauben“.[3] Im Osmanischen Reich war Schweigger auf eine italienische Koranübersetzung gestoßen, die offenbar unter dort lebenden Christen eine gewisse Verbreitung besaß. Schweigger übersetzte ihn aus dem Italienischen, veröffentlichte ihn aber erst lange nach seiner Rückkehr in Nürnberg (1616; 2. Auflage 1623, weitere Auflagen ohne Namensnennung 1659; 1664).[4] Er übersetzte dabei die erste italienische Fassung aus dem Jahre 1547 von Andrea Arrivabene, die ihrerseits auf einer lateinischen Übersetzung von Robert von Ketton aus dem 12. Jahrhundert basierte, wobei Schweigger erstaunlicherweise nicht auf den lateinischen Text zurückgriff.[4] Salomon Schweigger’s deutsche Übersetzung der italienischen Übersetzung der lateinischen Übersetzung des arabischen Koran wurde selbst wiederum 1641 ins Niederländische übersetzt und in Hamburg gedruckt.[5][6]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein newe Reiss Beschreibung auss Teutschland nach Constantinopel und Jerusalem. Salomon Schweigger, 1639 (Vollständig bei googlebooks)
  2. Von Feindschaft zu Freundschaft: österreichische und türkische Kulturbeziehungen (Auf den Spuren der Osmanen in der österreichischen Geschichte) Nejat Göyünç, Wiener Osteuropa Studien, Band 14. Frankfurt am Main 2002 (Peter-Lang Verlag) p. 87-98
  3. Al-Koranum Mahumedanum: Das ist, Der Türcken Religion, Gesetz, und Gotteslästerliche Lehr: Mit einer schrifftmässigen Widerlegung der Jüdischen Fabeln, Mahumedischen Träumen; närrischen und verführischen Menschentands: Dabey zum Eingang de ︣Mahumeds Ankunft, erdichte Lehr, und Ausbreitung derselben: Darnach die Gesetz und Ceremonien de ︣Al-korans, samt dem erdichteten Paradei,︣ endlich ein Anhang, von der jetzigen Christen in Griechenland Leben, Religion und Wandel, benebenst einem nothwendigen Register, zufinden. von Salomon Schweigger, Endter, Ausgabe von 1659 (Vollständig bei googlebooks)
  4. a b Von Luther zu Rückert - Der Koran in Deutschland: Ein weiter Weg von der Polemik zur poetischen Übersetzung (PDF; 991 kB) von Hartmut Bobzin, Akademie Aktuell 01/2010
  5. Translatio, disputatio, and the first Latin Qur’an (PDF; 27 kB) by Anthony Pym (Published as “The First Latin Qur’an, Disputation, and the Second Person of a Translation”, Tradurre le sacre verità. La traduzione dei testi religiosi / Translating Divine Truth. The Translation of Religious Texts, ed. Stefano Arduini, 1995-96, 173-183)
  6. De Arabische Alkoran: door de Zarazijnsche en de Turcksche prophete Mahometh, in drie onderscheyden deelen begrepen: van der Turcken religie, ghelove, aelmoessen, vasten, ghebeden, bedevaert na Mecha, met t'samen sijn gods-diensten, ende ceremonien, wetten ende rechten / uyt de Arabische spraecke nu nieuwelijcks in Hooghduytsch ghetranslateert met t'samen een aenhanghende voorreden, door Salomon Swigger ... ende wederom uyt het Hooghduytsch in Nederlantsche spraecke ghestelt. 1641, Anonym, Hamburg.

Weblinks[Bearbeiten]