Schauspielhaus (Wien)

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Das Wiener Schauspielhaus ist ein kleineres Theater in der Porzellangasse 19 im 9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund. Das Theater ist sowohl als Guckkastenbühne, mit altem säulengetragenen Zuschauer-Balkon, als auch in unterschiedlichen Varianten als Raumbühne zu bespielen und fasst, die Sitzplätze auf dem Balkon eingeschlossen, maximal 220 Zuschauer. Die Produktionen des Schauspielhauses werden im Repertoiresystem gezeigt.

Geschichte[Bearbeiten]

Straßenfront des Schauspielhauses in Wien

Die Geschichte des Hauses reicht bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, als im Kellergeschoß von Porzellangasse 19 sich ein Varietébetrieb befand, der dann zu einem der ersten Kinosäle Wiens adaptiert wurde und von 1913 bis 1975 (während des Dritten Reichs arisiert)[1] die Namen Heimat-Kino[2] bzw. Citta 2000[3] trug und im letzten Jahr seiner Existenz 597[4] Sitzplätze bot.

1978–1986

Das eigentliche Schauspielhaus eröffnete, nachdem Hans Gratzer, Leiter der Theatergruppe Werkstatt (Neues Theater am Kärntnertor), es zum Theaterraum umfunktioniert hatte, am 4. Mai 1978 mit Jean Genets Der Balkon.[5] Mit Klassikerinszenierungen, Gegenwartsdramatik und Musical-Produktionen bespielte Hans Gratzer das Schauspielhaus bis 1986.

1987–1990

Von 1987 bis 1990 leitete George Tabori das Schauspielhaus, in dem er sein Theaterlabor „Der Kreis“ installierte.

1991–2001

1991 kehrte Gratzer für eine zweite Direktionszeit bis 2001 ans Schauspielhaus zurück. Als Ur- und Erstaufführungshaus versuchte er, die Bühne als erstrangiges deutschsprachiges Gegenwartstheater zu positionieren. Zu seinen größten Erfolgen zählte die Entdeckung des Dramatikers Werner Schwab. In seiner letzten Saison führte Gratzer das Haus gemeinsam mit Martin Haselböck als reines Musiktheater, während in der ehemaligen Kantine eine völlig neue Form des Theaters, „das schaufenster“, in Szene gesetzt wurde.[6]

2001–2007

2001 wurden Airan Berg (* 1961 in Tel Aviv) und Barrie Kosky als künstlerische Leiter des Hauses bestellt. Bergs und Koskys interkultureller Ansatz machte das Theater zu einem Ort, der sich diversen Interpretationen unterschiedlichster Kulturen öffnete. Nach künstlerischen Differenzen mit seinem Codirektor verließ Kosky 2005 das Haus; Airan Berg führte es bis 2007 als internationale Koproduktionsbühne. 2005 starteten Schauspielhaus und Universität Wien (Fakultät für Bildungswissenschaften) mit Theater für Alle (siehe auch: Kultur für alle) ein Projekt, das für Blinde und Sehbehinderte die Erschließung von Theater durch ausgebildete Kulturassistenten zum Ziel hat.[7]

Seit 2007

Seit 1. Juli 2007 ist Andreas Beck künstlerischer Leiter des Schauspielhauses. Das Schauspielhaus versteht sich unter seiner Leitung als Theater des Zeitgenössischen, als Schauplatz gegenwärtiger literarischer Unternehmungen, als Autorentheater im „klassischen“ Sinn. Der Fokus liegt dabei auf junger und jüngster Dramatik. Andreas Beck wurde für den Neustart im Schauspielhaus Wien mit dem Nestroy Spezialpreis 2008 ausgezeichnet. Im selben Jahr waren in der Kategorie Bester Nachwuchs Ewald Palmetshofer (in der Spielzeit 2007/08 Hausautor am Schauspielhaus) und Jette Steckel für Ihre Inszenierung von Die Kaperer oder Reiß nieder das Haus und erbaue ein Schiff von Philipp Löhle nominiert. Für Ihre Rollen in Jonas Hassen Khemiris Invasion! war Katja Jung im Jahr 2009 als beste Schauspielerin für den Nestroy nominiert. 2010 erhielt Lukas Bangerter eine Nestroy-Nominierung für seine Schauspielhaus-Inszenierung worst case, dessen Autorin, Kathrin Röggla, den Autorenpreis für das beste Stück[8][9] Für die Spielzeit 2010/11 wurde das Schauspielhaus mit zwei Auszeichnungen sowie einer Nominierung bedacht: Gewinnerin in der Kategorie Bester Nachwuchs war Franziska Hackl als Flora in Grillenparz von Thomas Arzt, als Bester Schauspieler wurde Max Mayer in der Rolle des Jäger/Fischer in Grillenparz sowie in verschiedenen Rollen in Bruno Schulz: Der Messias von Malgorzata Sikorska Miszuk ausgezeichnet. Eine Nominierung in der Kategorie Beste Schauspielerin erhielt Nicola Kirsch als Helen in Waisen von Dennis Kelly.[10] Seit dem Jahr 2009 beteiligt sich das Schauspielhaus an der Theaterinitiative Macht|schule|theater des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur.[11]

Ensemble[Bearbeiten]

Seit der Intendanz von Andreas Beck verfügt das Theater über ein eigenes Ensemble, dem seit 2007 neben den derzeitigen Mitgliedern Vincent Glander, Veronika Glatzner, Bettina Kerl, Stephan Lohse, Max Mayer und Johannes Zeiler angehörten. In der Spielzeit 2013/14 besteht das Ensemble aus Franziska Hackl, Barbara Horvath, Steffen Höld, Katja Jung, Nicola Kirsch, Florian von Manteuffel, Gideon Maoz und Thiemo Strutzenberger.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Schauspielhaus Materialien. (Periodikum; Erscheinungsverlauf: 1.1983–14.1985 nachgewiesen). Schauspielhaus, Wien.
  • Annemarie Türk (Idee und Koord.), Karin Kathrein (Vorwort): Schauspielhaus. 1978–1986. Löcker, Wien 1986, ISBN 3-85409-102-8.
  • Wolfgang Reiter, Heinz Rögl (Mitarb.): Wiener Theatergespräche. Über den Umgang mit Dramatik und Theater. Jelinek, Gratzer, Kirchner, Stolz, Beil, Löffler, Quitta, Werner, Schwab, Palm. Falter-Verlag, Wien 1993, ISBN 3-85439-095-5.
  • Schauspielhaus Wien: Zeitung für Krieg und Frieden. (Periodikum; Erscheinungsverlauf: 1.1999–2.2000 nachgewiesen). Schauspielhaus-Betriebsges.m.b.H., Wien.
  • Hans Gratzer (Hrsg.): Schauspielhaus-Schaufenster. Eine Dokumentation. Das Autoren-Schaufenster 2000/01 im Wiener Schauspielhaus in Wort und Bild und die Daten der Schauspielhaus-Produktionen von 1978 bis 1986 und von 1991 bis 2001. Schauspielhaus Betriebsgesellschaft, Wien 2001, ISBN 3-902219-00-9.
  • Doris Schrenk: Kinobetriebe in Wien. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2009. – Volltext online (PDF; 1 MB).
  • Alexandra Sommer, Irmgard Maria Fuchs: Theater der Gegenwart – neue Dramatik. Diskursive Annäherung anhand des Schauspielhauses Wien, Spielzeit 2007/2008, und der österreichischen AutorInnen Gerhild Steinbuch, Händl Klaus, Ewald Palmetshofer und Johannes Schrettle. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2009. – Volltext online (PDF; 1,5 MB).
  • Petra Paterno: Lichterloh. Das Wiener Schauspielhaus unter Hans Gratzer 1978 bis 2001. (Edition Theater, Band 3). Edition Atelier, Wien 2013, ISBN 978-3-902498-69-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schrenk: Kinobetriebe in Wien, S. 47.
  2. Alfred Wolf, Helga Maria Wolf: 9. Im oberen Werd. In: austria-lexikon.at, 16. Juli 2012, abgerufen am 4. September 2012.
  3. Verein artminutes: KinTheTop. (…) Heimat Kino – Citta 2000 (1913-1975). In: kinthetop.at, abgerufen am 4. September 2012.
  4. Schrenk: Kinobetriebe in Wien, S. 97.
  5. Fritz Walden: Schauspielhauseröffnung in der Porzellangasse mit Genets „Der Balkon“: Illusion und Scheinwirklichkeit. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 6. Mai 1978, S. 14.
  6. Hannes Wurm: das (sic) Schauspielhaus Schaufenster. Beschreibung einer Form des neuen Theaters. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2003. – Volltext online (PDF; 1 MB).
  7. Elisabeth Scheicher: „Theater für Alle“. Die Realisierung einer Vision. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2012. – Volltext online (PDF; 0,8 MB).
  8. Verein Wiener Theaterpreis: Jurypreisträger 2010. In: nestroypreis.at, abgerufen am 4. September 2012.
  9. Verein Wiener Theaterpreis:Nominierungen 2010. In: nestroypreis.at, abgerufen am 4. September 2012.
  10. (Nominierungen 2011). Verein Wiener Theaterpreis: Nestroy. Der Wiener Theaterpreis. In: nestroypreis.at, abgerufen am 4. September 2012.
  11. Szene machen!. In: schauspielhaus.at, abgerufen am 9. April 2013.
  12. Ensemble 2013/14. In: schauspielhaus.at, abgerufen am 9. September 2013.

48.2216.361388888889Koordinaten: 48° 13′ 12″ N, 16° 21′ 41″ O