Bregenzer Festspiele

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Logo der Bregenzer Festspiele
Das Areal der Bregenzer Festspiele aus dem Hubschrauber betrachtet (2008)
Blick vom Pfänder auf die Seebühne (2007)

Die Bregenzer Festspiele sind ein Kulturfestival, das jährlich im Juli und August in der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz in Österreich stattfindet.

Anziehungspunkt für eine große Anzahl von Besuchern ist auf der weltweit größten Seebühne insbesondere das Spiel auf dem See. Das Festival ist bekannt für die Schönheit der natürlichen Kulisse des Bodensees, überdimensionale Bühnenbilder, technische Kabinettstückchen und eine einzigartige Akustik, die durch die Technik des Bregenzer Richtungshörens erreicht wird. Intendant der Bregenzer Festspiele ist seit Dezember 2003 der britische Regisseur David Pountney. 2015 wird ihn Elisabeth Sobotka als Intendantin ablösen.

Das Programm der Bregenzer Festspiele umfasste beispielsweise 2004 etwa 80 Veranstaltungen, die von über 215.000 Zuschauern besucht wurden. Das Hausorchester der Festspiele sind die Wiener Symphoniker.

Geschichte und Spielstätten[Bearbeiten]

Seebühne[Bearbeiten]

Bei den ersten Festspielen 1946 wurden als Spiel auf dem See im Gondelhafen MozartsBastien und Bastienne“ und seine als Ballett choreographierte „Kleine Nachtmusik“ aufgeführt. Nach einer Spende von Karl Deuring stand den Festspielen ab 1950 mit einer 6400 Personen fassenden Tribüne die größte Seebühne der Welt zur Verfügung, die 1979 durch Umbauten zunächst auf 4400 Plätze reduziert wurde, nach erneuten Erweiterungen mittlerweile aber sogar knapp 7000 Zuschauer fasst.

Als Spiel auf dem See wurde jährlich eine große Produktion des Musiktheaters inszeniert, anfänglich meist Operetten, Singspiele oder Spielopern, seit den 1970er-Jahren vermehrt Opern des internationalen Repertoires und Musicals. Zwischen 1960 und 1977 wurde die Seebühne außerdem immer wieder für Ballettaufführungen genutzt. Seit 1985 werden die Inszenierungen auf der Seebühne jeweils zwei Jahre lang gespielt.

Im Frühjahr 2008 fanden auf der Seebühne auch Dreharbeiten für den James-Bond-Film Ein Quantum Trost statt, des Weiteren gastierte das ZDF während der Fußball-Europameisterschaft 2008 mit dem EM-Studio für die tägliche Berichterstattung auf der Seebühne.

Im August 2010 fand auf der Seebühne die Uraufführung des Filmes Der Atem des Himmels von Reinhold Bilgeri statt. Die Vorstellung war mit rund 7000 Zuschauern schon Wochen vorher ausverkauft.[1]

Festspielhaus[Bearbeiten]

Festspielhaus mit Seebühne Außenansicht (2007)

Am 17. Juli 1980 wurde das in baulicher Verbindung zur Seebühne 1977 bis 1980 errichtete Festspielhaus Bregenz mit bis zu 1765 Plätzen eröffnet. Das Festspielhaus dient während der Festspiele als Ausweichspielstätte bei schlechtem Wetter (für Aufführungen des Spiels auf dem See in szenisch reduzierter Form), als Spielstätte einer weiteren Opernproduktion und als Aufführungsstätte für Orchesterkonzerte.

2009 wurde es vom Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC) zu einem der besten Veranstaltungszentren Europas seiner Größe bestimmt und bekam die entsprechende Auszeichnung "Best Center 2009".[2]

Theater am Kornmarkt[Bearbeiten]

Für Schauspielaufführungen (meist Gastspiele bekannter Bühnen wie des Wiener Burgtheaters) wurde seit den 1950er-Jahren das Theater am Kornmarkt genutzt. In den 1990er-Jahren gastierte hier das Deutsche Theater Berlin mit Gastspielen und Schauspielern wie Ulrich Mühe oder Jörg Gudzuhn.

Nach einer zweijährigen Pause finden dort seit 2003 wieder Aufführungen statt, zuletzt von selten aufgeführten Operetten. 2007 stand das Schauspiel Gefährliche Liebschaften vom Theater in der Josefstadt (Wien) auf dem Spielplan.

Stadthalle Bregenz[Bearbeiten]

In der Bregenzer Stadthalle fanden Orchesterkonzerte statt.

Werkstattbühne[Bearbeiten]

Seit Herbst 1997 steht außerdem die Werkstattbühne zur Verfügung, in der vorwiegend zeitgenössisches Musiktheater und modernes Schauspiel dargeboten wird. Außerhalb der Festspiele wird die Werkstattbühne für Proben des Spiels auf dem See sowie für Popkonzerte und andere Veranstaltungen genutzt.

Weitere Spielstätten[Bearbeiten]

Als weitere Veranstaltungsorte werden das Kunsthaus Bregenz und für Schauspiel-Open-Air-Aufführungen der Martinsplatz in der historischen Bregenzer Oberstadt genutzt.

Technik[Bearbeiten]

Die Ausdehnung der Bühnen bedingt auch verschiedene neuartige technische Ausstattungen. Neben der speziellen Verstärkertechnik für das Bregenzer Richtungshören sind auch eine große Anzahl von Funkmikrofonen notwendig. 2010 kamen an die 30 Funkmikrofone zum Einsatz, mit denen man die Grenzen des aktuell Machbaren erreichte, da die Bandbreiten erst zuvor durch die Behörden wesentlich eingeschränkt worden waren.[3]

Produktionen auf der Seebühne und im Festspielhaus[Bearbeiten]

Seebühne der Bregenzer Festspiele für Die Zauberflöte (2013/2014)
Seebühne der Bregenzer Festspiele für Aida (2009/2010)
Seebühne der Bregenzer Festspiele für Il Trovatore (2005/2006)
Seebühne der Bregenzer Festspiele für West Side Story (2003/2004)
Seebühne der Bregenzer Festspiele für La Bohéme (2001/2002)
Jahr Spiel auf dem See Festspielhaus
2018 Carmen von Georges Bizet[4]
2017
2016 Turandot von Giacomo Puccini Auftragswerk von Thomas Larcher
2015 Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach
2014 Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart Geschichten aus dem Wienerwald von HK Gruber nach Horváth (Auftragswerk)
2013 Der Kaufmann von Venedig von André Tchaikowsky[5]
2012 André Chénier von Umberto Giordano Solaris von Detlev Glanert (Auftragswerk)
2011 Achterbahn von Judith Weir (Auftragswerk)
2010 Aida von Giuseppe Verdi Die Passagierin von Mieczysław Weinberg
2009 Król Roger von Karol Szymanowski
2008 Tosca von Giacomo Puccini Karl V. von Ernst Křenek
2007 Tod in Venedig von Benjamin Britten
2006 Der Troubadour von Giuseppe Verdi Der Untergang des Hauses Usher von Claude Debussy
2005 Maskerade von Carl Nielsen
2004 West Side Story von Leonard Bernstein Royal Palace und Der Protagonist von Kurt Weill
2003 Das schlaue Füchslein von Leoš Janáček
2002 La Bohème von Giacomo Puccini Julietta von Bohuslav Martinů
2001 Of Mice and Men von Carlisle Floyd
2000 Ein Maskenball von Giuseppe Verdi (Dirigent: Marcello Viotti) Der Goldene Hahn von Nikolai Rimski-Korsakow
1999 Griechische Passion von Bohuslav Martinů
1998 Porgy and Bess von George Gershwin L'Amore dei tre re von Italo Montemezzi
1997 Der Dämon von Anton Rubinstein
1996 Fidelio von Ludwig van Beethoven Le Roi Artus von Ernest Chausson
1995 Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch von Nikolai Rimski-Korsakow
1994 Nabucco von Giuseppe Verdi Francesca da Rimini von Riccardo Zandonai
1993 Fedora von Umberto Giordano
1992 Carmen von Georges Bizet (Regie: Jérôme Savary) La damnation de Faust von Hector Berlioz
1991 Mazeppa von Pjotr Tschaikowski
1990 Der Fliegende Holländer von Richard Wagner La Wally von Alfredo Catalani
1989 Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns
1988 Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach (Regie: Jérôme Savary)
1987 Ernani von Giuseppe Verdi
1986 Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart (Regie: Jérôme Savary) Anna Bolena von Gaetano Donizetti
1985 I Puritani von Vincenzo Bellini
1984 Der Vogelhändler von Carl Zeller Tosca von Giacomo Puccini
1983 Kiss Me, Kate von Cole Porter Der Freischütz von Carl Maria von Weber
1982 Der Zigeunerbaron von Johann Strauß (Sohn) Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti
1981 West Side Story von Leonard Bernstein Otello von Giuseppe Verdi
1980 Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart Falstaff von Giuseppe Verdi
1979 Turandot von Giacomo Puccini  
1978 1001 Nacht von Ernst Reiterer nach Motiven von Johann Strauss (Sohn)  
1977 Oberon von Carl Maria von Weber  
Dornröschen (Ballett) von Pjotr Tschaikowski  
1976 Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach  
1975 Eine Nacht in Venedig von Johann Strauß (Sohn)  
Le Corsaire (Ballett) von Adolphe Adam  
1974 Carmen von Georges Bizet  
1973 Der fliegende Holländer von Richard Wagner  
1972 Der Bettelstudent von Karl Millöcker  
The Fairy Queen von Henry Purcell  
1971 Porgy and Bess von George Gershwin  
1970 Die Fledermaus von Johann Strauß (Sohn)  
1969 Hochzeit am Bodensee von Robert Stolz  
Othello (Ballett) von Jan Hanuš  
1968 Die lustige Witwe von Franz Lehár  
1967 Zar und Zimmermann von Albert Lortzing  
Scheherazade (als Ballett) von Nikolai Rimski-Korsakow und Polowetzer Tänze von Alexander Borodin  
1966 Die schöne Helena von Jacques Offenbach  
Schwanensee (Ballett) von Pjotr Tschaikowski  
1965 Eine Nacht in Venedig von Johann Strauß (Sohn)  
Die Irrfahrten des Odysseus (Ballett) von Helmut Eder  
1964 Das Land des Lächelns von Franz Lehár  
Dornröschen (Ballett) von Pjotr Tschaikowski  
1963 Banditenstreiche von Franz von Suppé  
Sylvia (Ballett) von Léo Delibes  
1962 Trauminsel von Robert Stolz  
Der Nussknacker (Ballett) von Pjotr Tschaikowski  
1961 Der Zigeunerbaron von Johann Strauß (Sohn)  
Romeo und Julia (Ballett) von Sergej Prokofjew  
1960 Wiener Blut von Johann Strauß (Sohn)  
Schwanensee (Ballett) von Pjotr Tschaikowski  
1959 1001 Nacht von Ernst Reiterer nach Motiven von Johann Strauss (Sohn)  
1958 Die verkaufte Braut von Bedřich Smetana  
1957 Zar und Zimmermann von Albert Lortzing  
1956 Der Bettelstudent von Karl Millöcker  
1955 Eine Nacht in Venedig von Johann Strauß (Sohn)  
1954 Die Fledermaus von Johann Strauß (Sohn)  
1953 Boccaccio von Franz von Suppé  
1952 Der Vogelhändler von Carl Zeller  
1951 Der Zigeunerbaron von Johann Strauß (Sohn)  
1950 Gasparone von Karl Millöcker  
1949 1001 Nacht von Ernst Reiterer nach Motiven von Johann Strauss (Sohn)  
1948 Eine Nacht in Venedig von Johann Strauß (Sohn)  
1947 Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart  
1946 Bastien und Bastienne und Eine kleine Nachtmusik (als Ballett) von Wolfgang Amadeus Mozart  

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 erhielten die Bregenzer Festspiele die Kulturmarke des Jahres 2009 von der Agentur Causales in Berlin verliehen.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Bär: Spiel auf dem See. Die Bregenzer Festspiele von der Gründung bis zur Gegenwart. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1984, ISBN 3-215-05705-0.
  • Annemarie Bösch-Niederer: Bregenzer Festspiele. In: Vorarlberg Chronik
  • Dagmar Stecher-Konsalik (Hrsg.): Musik auf dem See – verzaubertes Bregenz. Hestia, Bayreuth 1986, ISBN 3-7770-0310-7.
  • Andrea Meuli (Hrsg.): Die Bregenzer Festspiele. Residenz-Verlag, Salzburg/Wien 1995, ISBN 3-7017-0950-5.
  • Wolfgang Willaschek (Hrsg.): Bühnenwelten. Werkstatt Bregenz. Ueberreuter, Wien 2003, ISBN 3-8000-3955-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bregenzer Festspiele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 7000 bei Filmpremiere von "Der Atem des Himmels" Salzburger Nachrichten vom 25. August 2010
  2. Europäische Auszeichnung für Festspielhaus Bregenz, Kleine Zeitung, 20. April 2009
  3. Digitale Dividende: Für Funkmikros wird es eng auf ORF vom 26. Juli 2010; abgerufen am 26. Juli 2010
  4. http://derstandard.at/1385169616164/Bregenzer-Festspiele-Sobotka-startet-2015-mit-Turandot
  5. http://presse.bregenzerfestspiele.com/de/node/4992
  6. Kulturmarke des Jahres 2009 abgerufen am 24. Jänner 2012

47.5048611111119.7377777777778Koordinaten: 47° 30′ 17,5″ N, 9° 44′ 16″ O