Schleinsee (See)

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Schleinsee
Schleinsee
Schleinsee
Geographische Lage Bodenseekreis, Baden-Württemberg, Deutschland
Zuflüsse aus Wiesengräben und umliegenden Wäldern
Abfluss Betznauer Bach zur Argen
Orte am Ufer Kressbronner Ortsteile
Schleinsee und Nitzenweiler
Gemeinden Kressbronn am Bodensee
Daten
Koordinaten 47° 36′ 44″ N, 9° 38′ 3″ O47.6122222222229.6341666666667474Koordinaten: 47° 36′ 44″ N, 9° 38′ 3″ O
Höhe über Meeresspiegel 474 m ü. NN
Fläche 14,1 haf5
Volumen 966.000 m³f8
Maximale Tiefe 12,1 mf10
Mittlere Tiefe 6,19 mf11
Einzugsgebiet 48 haf4
Besonderheiten

FFH-Gebiet

Der Schleinsee ist ein Stillgewässer im Gebiet der baden-württembergischen Gemeinde Kressbronn am Bodensee im Bodenseekreis in Deutschland.

Lage und Größe[Bearbeiten]

Der See liegt rund vier Kilometer nordöstlich der Kressbronner Ortsmitte unterhalb des gleichnamigen Ortsteils Schleinsee in einem Naturschutzgebiet (FFH-Gebiet) auf einer Höhe von 474 m ü. NN und ist in Privatbesitz.

Die Größe des wannenförmigen Seebeckens beträgt 14,1 Hektar, die Länge etwa 700 Meter, die Breite 250 Meter. Die maximale Tiefe des Sees liegt bei 12,1 Meter. Die Uferzonen im Westen und Osten sind flach und mit für Verlandungszonen typischen Pflanzen bewachsen, im Norden und Süden teils steil abfallend. Das Einzugsgebiet des Schleinsees umfasst etwa 48 Hektar; davon sind 20 Prozent Wald und 70 Prozent von der Landwirtschaft genutzte Flächen. Die Uferlänge beträgt rund 1.700 Meter.

Entstehung[Bearbeiten]

Wie die in der Nähe liegenden Muttelsee, Wielandsee und Degersee entstand der Schleinsee gegen Ende der letzten Eiszeit vor ca. 15.000 Jahren als Schmelzwassersee. Die beiden oberirdischen Zuflüsse sind unbedeutend; den Schleinsee speisen jedoch mehrere unterirdische Quellzuflüsse. Ungefähr zwei Jahre dauert die theoretisch ermittelte Wassererneuerungszeit.

Ökologie[Bearbeiten]

Während der Wintermonate ist der Schleinsee oft eisbedeckt. Im Frühjahr, nach dem Eisbruch, erwärmt sich das Oberflächenwasser des Sees relativ schnell, so dass oft Wassertemperaturen von 20 Grad gemessen werden, wenn die Wassertemperatur des Bodensees noch nicht einmal 10 Grad erreicht hat. Das Tiefenwasser wird nur selten sieben Grad warm. Dadurch bleibt das Wasser des Schleinsees bis zum Herbst in eine untere – ab fünf Meter Tiefe – Kaltwasser- und eine obere Warmwasserschicht unterteilt. Da der See beinahe allseitig durch bewaldete Drumlinhügel gegen Wind geschützt ist, erfolgt in den Sommermonaten keine Durchmischung der Wasserschichten. Erst wenn sich im Laufe des Herbstes und Frühwinters durch Abkühlung die Wassertemperaturen wieder angleichen, setzt sich der gesamte Wasserkörper in Bewegung und bewirkt eine vollständige Durchmischung des Sees.

Von den natürlichen Voraussetzungen her weist der See eine eher geringe Flächenbelastung auf: Der Umgebungsfaktor – das Verhältnis der Fläche des Einzugsgebiets zur Fläche des Sees – beträgt nur 3:1. So ergab sich seit den 1930er Jahren eine immer größer werdende Belastung des Sees durch Einleitung von Abwässern einer Ortschaft ohne Kläranlage und von Düngemitteln. Die Phosphor-Konzentration stieg bis zum Jahr 1990 auf einen sehr kritischen Wert.

Pflanzennährstoffe und andere Trophieanzeiger
Jahr 1935 1941 1979 1986 1987 1990 1994 1999 2007
Gesamt PO4-Phosphor (µg/l) 24 < 30 78 96 122 > 150 49 31 57
Chlorophyll a (µg/l) 29 16 23* 45*
Sauerstoff-freie Schicht (m) 6 4–5 3
Sichttiefe (m) 1,8 1,0 1,7 2,3 1,7
* = Spitzenwerte, sonst Jahresdurchschnittswerte

Mit Hilfe des Aktionsprogramms zur Sanierung Oberschwäbischer Seen wurden die geplanten Extensivierungsmaßnahmen umgesetzt, Fördermittel stellte der Bodenseekreis zur Verfügung. Bis zum Jahr 1993 erreichte der See wieder Werte, die unter den Werten von 1985 (Sauerstoff-freie Schicht) und 1979 (Phosphorkonzentration) lagen.

Flora[Bearbeiten]

Am westlichen Ufer des Sees wachsen die Weiße Seerose (Nymphaea alba), die als typische Vertreterin der Schwimmblattpflanzen gilt, und die Gelbe Teichrose (Nuphar lutea). Als Lebensraum bevorzugen die in Deutschland geschützten Pflanzen stehende oder auch träge fließende Gewässer, die einen humosen Schlammboden aufweisen. Auch das Ährige Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) – es wächst recht häufig in Tauchblattgesellschaften nicht belasteter eutropher, eher kalkhaltiger, stehender Gewässer mit schlickigem Untergrund – und das Raue Hornblatt (Ceratophyllum demersum) sind im See zu finden. Letzteres wächst meist über humosen Schlammböden in Wassertiefen von einem halben Meter bis zu zehn Metern. Des Weiteren leben Blau-, Grün- und Kieselalgen im See.

Fauna[Bearbeiten]

Bis 1994 waren Aal, Barsch, Hecht, Karpfen, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Ukelei, Wels und Zander im See vorhanden. Ein Angelverein nahm bis 1998 sehr hohen Karpfenbesatz vor, seit 1999 wird der See mit einem geringen Hechtbesatz bewirtschaftet.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die erste Etappe des Jubiläumswegs Bodenseekreis führt vom Kressbronner Bahnhof über Nitzenweiler und den kleinen Ortsteil Schleinsee – hier ist die 1737 von Johann Melchior Sauter gestiftete barocke Mariä-Himmelfahrt-Kapelle zu besichtigen – hinauf zum Aussichtspunkt oberhalb des Sees. Der Blick reicht über den im Frühjahr von unzähligen blühenden Obstbäumen eingerahmten Schleinsee über den Bodensee hinüber zum 2.502 Meter hohen Säntis im Appenzellerland.

Referenzen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dr. Hans Güde: Seenforschung am Schleinsee. Artikel im Kressbronner Jahrbuch, Seiten 83 bis 87, Kressbronn 1987/1988.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Koordinierungsstelle Seenprogramm PRO REGIO OBERSCHWABEN GmbH, Ravensburg, und Regierungspräsidium Tübingen / Bereich Umwelt, Dienstsitz Ravensburg