Argen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Argen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Argen
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Die Argen an einer Sohlgleite oberhalb der Kabelhängebrücke zwischen Kressbronn und Langenargen
Die Argen an einer Sohlgleite oberhalb der Kabelhängebrücke zwischen Kressbronn und Langenargen
Daten
Gewässerkennzahl DE: 2152
Lage Landkreis Ravensburg und Bodenseekreis, Baden-Württemberg, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Bodensee → Rhein → Nordsee
Beginn Zusammenfluss der Unteren und Obereren Argen zwischen Neukirch und Neuravensburg
47° 39′ 17″ N, 9° 44′ 40″ O47.6547222222229.7445489
Quellhöhe 489 m ü. NN[1]
Mündung Zwischen Kressbronn und Langenargen in den Bodensee47.5872222222229.5552777777778395Koordinaten: 47° 35′ 14″ N, 9° 33′ 19″ O
47° 35′ 14″ N, 9° 33′ 19″ O47.5872222222229.5552777777778395
Mündungshöhe 395 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 94 m
Länge 23,4 km[2] (mit Unterer Argen 94,3 km)
Einzugsgebiet 654,6 km²[3]
Abfluss am Pegel Gießen[4]
AEo: 639 km²
Lage: 5,8 km oberhalb der Mündung
NNQ (28.09.1949)
MNQ 1933/2009
MQ 1933/2009
Mq 1933/2009
MHQ 1933/2009
HHQ (03.01.1948)
1,93 m³/s
4,58 m³/s
19,4 m³/s
30,4 l/(s km²)
233 m³/s
474 m³/s
Linke Nebenflüsse (Obere Argen), Wielandsbach, Dorfbach (Betznau)
Rechte Nebenflüsse (Untere Argen), Bollenbach
Kleinstädte Tettnang
Gemeinden Achberg, Kressbronn, Langenargen, Neukirch

Die Argen ist ein Fluss, der zwischen den baden-württembergischen Gemeinden Kressbronn und Langenargen - beide im Bodenseekreis - mit einer mittleren Wasserführung von rund 20 m³/s als drittgrößter Zufluss von Norden in den Bodensee mündet, und somit ein Nebenfluss des Rheins ist.

Sie entsteht aus den in Bayern entspringenden Quellflüssen Obere Argen und Untere Argen und hat mit letzterer eine Gesamtlänge von 94,3 Kilometern. Nach dem Zusammenfluss bei Neuravensburg im Landkreis Ravensburg legt die Argen noch eine Strecke von 23,4 Kilometern zurück.

Die Argen wird im März 2014 zur „Flusslandschaft der Jahre 2014/15“ gekürt; siehe Abschnitt ‚Sonstiges‘.

Quellflüsse[Bearbeiten]

Untere Argen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Untere Argen

Die Untere Argen entsteht aus dem Zusammenfluss des Börlasbaches und des Stixnerbachs in etwa 850 m ü. NN am westlichen Ortseingang von Missen im bayrischen Allgäu, von wo sie zunächst in nördlicher Richtung nach Isny im Allgäu fließt. Dort erfährt sie eine Laufrichtungsänderung nach Nordwesten und bei Waltershofen nach Südwesten. Hinter Primisweiler vereint sie sich mit der Oberen Argen. Die wichtigsten Zuflüsse sind die Wengener Argen, die rechtsseitig noch in ihrem Oberlauf hinzukommt, sowie die von Norden kommende und ebenfalls kurz nach Primisweiler auf die Argen treffende Haslach. Sie wird mehrmals von der A 96 gekreuzt.

Obere Argen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Obere Argen

Die Obere Argen entspringt in sumpfigem Gebiet nordwestlich von Oberstaufen im Allgäu. Danach fließt sie bei Grünenbach durch den schluchtartigen Eistobel, wo sie mehrere kleine Wasserfälle und Katarakte bildet. Ab der Argentobelbrücke weitet sich das Tal wieder. Die Obere Argen durchfließt die Große Kreisstadt Wangen im Allgäu und trifft unterhalb des Stadtteils Neuravensburg auf die Untere Argen. Deren Tal hat zuvor den nördlichen Bebauungsrand von Wangen gebildet.

Verlauf als Argen[Bearbeiten]

Unterlauf und Mündung zwischen Kressbronn und Langenargen

Das Tal der Argen ist zunächst noch tief in das Gelände eingeschnitten, was sich in Ortsnamen wie Gitzensteig widerspiegelt. Im weiteren Verlauf wird die Talsohle breiter und bietet den Orten Laimnau, Apflau und Badhütten Raum.

Im unteren Teil des Unterlaufs wurde die Argen stark begradigt. Altwässer existieren wegen der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung des Tals nicht mehr. Im Rahmen von Renaturierungsmaßnahmen wurden mehrere Beton-Staustufen durch Sohlgleiten ersetzt. Nahe der Mündung wird bei Kressbronn der abgelagerte Kies in größeren Mengen abgebaut. Hierdurch entstehen wieder neue Wasserflächen in Form von Baggerseen. Zum Schutz vor Hochwasser ist die Argen auf weiten Strecken beidseitig mit Dämmen versehen. Das Befahren mit Kajaks ist möglich, Bademöglichkeiten sind vorhanden.

Die Mündung in den Bodensee wird beidseitig von Häfen für Sportboote flankiert, daneben gibt es Campingplätze und weitere Ausflugs- und Freizeiteinrichtungen.

Tal der Argen[Bearbeiten]

Bedingt durch die tief liegende Erosionsbasis des Bodensees hat sich der Fluss tief in die Landschaft eingegraben und dabei ein wechselnd (bis zu 1 km) breites Tal geschaffen. Die Talflanken steigen bis zu 100 Meter steil an und sind örtlich rutschgefährdet.

Am Unterlauf der Argen liegen mehrere Ruinen, Burgen und Schlösser: die Ruinen Altsummerau und Neusummerau, die hochmittelalterliche Anlage Burg Gießen bei Kressbronn, das Schloss Achberg und die Burgruine Neuravensburg. Dazu finden sich noch Reste einer ehemaligen frühzeitlichen Wallburg in den Wäldern oberhalb des Flusses.

Pegel[Bearbeiten]

Messstation „Pegel Gießen“

Etwa 200 Meter unterhalb des Kressbronner Ortsteils Gießenbrücke (Flusskilometer 5,8) befindet sich auf Kressbronner Seite der Pegel Gießen/Argen der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW); Betreiber ist das Regierungspräsidium Tübingen. Die Pegelnullpunkthöhe liegt bei 420,13 m ü. NN.

Statistische Werte[Bearbeiten]

  • Mittelwert niedrigster Wasserstand 1980–2003: 0,29 m, 4,87 m³ pro Sekunde
  • Mittelwert Wasserstand der Jahre 1980–2003: 0,57 m, 20,50 m³ pro Sekunde
  • Historischer Höchststand, Hochwasser am 22. Mai 1999: 3,58 m

Brücken[Bearbeiten]

Über die Argen und ihre Quellflüsse führen zahlreiche Brücken und Stege. Die größte Brücke ist die kombinierte Stahlbeton- und Seilbrücke mit Pylon bei Neuravensburg, über die die Autobahn 96 führt. Eine der ältesten ihrer Art ist die Hängebrücke nahe der Mündung. Zahlreiche Fußgängerbrücken, insbesondere im unteren Bereich, sind in Seiltechnik ausgeführt und stehen unter historischem Schutz.

Argensteg zwischen Kressbronn und Langenargen[Bearbeiten]

Vom Bodensee flussaufwärts befindet sich etwa dreihundert Meter oberhalb der Mündung der neue, am 6. und 7. Mai 2000 eingeweihte Argensteg. Zwei acht Meter hohe Pylonenpaare tragen die 72 Meter lange Brücke. Ihre freie Spannweite beträgt 40 Meter, die Baukosten beliefen sich auf 600.000 D-Mark. Der alte Argensteg war durch das Hochwasser im Juni 1999 zerstört worden.

Es folgt die Brücke der Landstraße 334, die Verbindungsstraße der Bundesstraßen 31, 467 und Kressbronn mit Langenargen.

Kabelhängebrücke zwischen Kressbronn und Langenargen[Bearbeiten]

Die für den Tourismus wichtigste Argenbrücke ist die sehr markante Hängebrücke zwischen Langenargen und Kressbronn, die 1898 als zweitälteste Hängebrücke Deutschlands für den Verkehr freigegeben wurde.

Bodenseegürtelbahn[Bearbeiten]

Etwa 100 Meter oberhalb der Hängebrücke führt eine 78 Meter lange, 1898/99 von der Maschinenfabrik Esslingen erbaute Stahlfachwerk-Brücke die einspurige Bodenseegürtelbahn (KBS 731, Radolfzell-Lindau) über die Argen.

B 31[Bearbeiten]

1979 wird im Zuge der Neutrassierung der Bundesstraße 31 eine neue Spannbetonbrücke zwischen Kressbronn und Langenargen, etwa 300 Meter unterhalb der Kochermühle bzw. Oberdorf, errichtet.

Brücke bei der Kochermühle[Bearbeiten]

Die notdürftig reparierte Holzbrücke wird mit Beschluss vom 4. Oktober 1876 durch eine eiserne Brücke – die Kosten betragen 45.642 Mark – ersetzt. Aufgrund des wachsenden Kraftverkehrs entschließt sich der württembergische Staat 1930 auf seine Kosten eine neue Argenbrücke mit 30 Tonnen Tragkraft zu bauen. Am 4. Oktober 1934 wird diese (Bauwerksnummer 8323506) dem Verkehr übergeben. Mit einer Spannweite von 54 Metern dient sie 45 Jahre lang dem Verkehr, ehe sie 1979 durch die Brücke der B 31 entlastet wird.

B 467[Bearbeiten]

Zwischen Kressbronn und Tettnang überquert eine weitere Stahlbetonbrücke die Argen. Über sie führt die von Ravensburg kommende Bundesstraße 467 nach Kressbronn. Auch für Fußgänger besteht hier die Möglichkeit die Argen zu überqueren.

Gießenbrücke[Bearbeiten]

Bis 1835 bot die Brücke bei Gießen am heutigen Ort Gießenbrücke die einzige Möglichkeit die Argen zwischen den südlich gelegenen Ortschaften Langenargen und Gohren, Tunau, Reute oder Schnaidt – heute Kressbronner Ortsteile – zu Fuß zu überqueren. Die heutige Brücke wurde nach rund 20 Monaten Bauzeit (verzögert durch die beiden Hochwasser im Februar und Mai/Juni 1999) am 5. August 2000 (die Befahrung war seit dem 26. Mai möglich) offiziell für den Verkehr freigegeben. Die Baukosten beliefen sich auf 2,4 Millionen D-Mark. Die Bauwerksnummer lautet 8323642.

Die nächste Brücke bietet dem Verkehr zwischen der Kreisstraße 7709 und Laimnau die Möglichkeit zur Überquerung der Argen. Es folgen zwischen Badhütten und Unterlangnau eine weitere Hängebrücke mit anschließendem Holzsteg und die Überführung der Landstraße 331 zwischen Oberlangnau und Steinenbach. Über den 39,10 Meter weiten Hängesteg bei Heggelbach quert der Jubiläumsweg Bodenseekreis die Argen. Unterhalb von Schloss Achberg verbindet die 1885 erbaute Hängebrücke (Spannweite = 48,60 Meter) die Orte Achberg mit Flunau und Summerau. Flussaufwärts folgen der Dametsweiler Steg und etwa 200 Meter unterhalb des Zusammenflusses der Oberen und Unteren Argen der Pflegelberger Steg.

Naturschutz[Bearbeiten]

Steilufer oberhalb Gießenbrücke
Hauptartikel: Argen (Naturschutzgebiet)

Mit Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen wurden am 16. Dezember 1997 rund 296 Hektar (ha) entlang der Argen zu einem Naturschutzgebiet erklärt. Es trägt die offizielle Bezeichnung „Naturschutzgebiet Argen“ und ist unter der Schutzgebietnummer 4.282 beim LUBW geführt. Das Naturschutzgebiet beschreibt im Wesentlichen den Bereich zwischen dem Zusammenfluss der Oberen und Unteren Argen und der Argenmündung in den Bodensee. Es umfasst den Flusslauf einschließlich der Steilhänge, Au- und Sumpfwälder, Tallagen und Hochwasserdämme. 234,8 ha des Gebiets liegen im Bodenseekreis, 61,54 ha im Landkreis Ravensburg.[5]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Im September 2013 wurde die Argen vom Gemeinsamen Gewässerbeirat der Naturfreunde Deutschlands (NFD) und des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV) zur „Flusslandschaft der Jahre 2014/15“ gekürt. Diese wird dem Bundesumweltminister für die Liste der offiziellen Jahresverkündigungen umweltpolitisch relevanter Aktionen vorgeschlagen um am 22. März 2014, dem Tag des Wassers, proklamiert. Mit der Initiative soll die Bevölkerung für die natürlichen und kulturellen Schönheiten ausgewählter Fließgewässer sensibilisiert und gleichzeitig über die Bedrohung der jeweiligen Flüsse und ihrer Ökosysteme aufgeklärt werden.[6]
  • Die Uferwege zwischen Argensteg und Gießenbrücke sind jedes Jahr im September Teil des in Kressbronn startenden Bodensee-Marathons. Das Teilnehmerfeld läuft auf Kressbronner Seite Richtung Gießenbrücke und auf Langenargener Seite hinunter Richtung Argensteg. Vom Argenrundweg müssen die Läufer über Betznau zum Ziel bei der Kressbronner Festhalle.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Argen, Obere und Untere Argen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Messung anhand Topografischer Karte 1:25.000
  2. Messung im Bayern-Viewer
  3. Fischereiverein Wangen e.V.: Untersuchung zum Einzugsgebiet der Argen (PDF; 255 kB), abgerufen am 13. September 2012
  4. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Rheingebiet, Teil I 2009. Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Würtemberg, 2011, S. 72, abgerufen am 26. Januar 2013 (PDF, deutsch, 1,85 MB).
  5. http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de
  6. Artikel „Die Flusslandschaft des Jahres ist die Argen“ in Schwäbischer Zeitung vom 25. September 2013 (tet07st4_25_Sep_SV)