Torgau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Torgau
Torgau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Torgau hervorgehoben
51.55833333333313.00416666666778Koordinaten: 51° 33′ N, 13° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Nordsachsen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Torgau
Höhe: 78 m ü. NHN
Fläche: 102,53 km²
Einwohner: 20.092 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 196 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 04860, 04861
Vorwahlen: 03421, 034221
Kfz-Kennzeichen: TDO, DZ, EB, OZ, TG, TO
Gemeindeschlüssel: 14 7 30 310
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
04860 Torgau
Webpräsenz: www.torgau.eu
Oberbürgermeisterin: Andrea Staude (SPD)
Lage der Kreisstadt Torgau im Landkreis Nordsachsen
Arzberg Bad Düben Beilrode Belgern-Schildau Cavertitz Dahlen Delitzsch Doberschütz Dommitzsch Dreiheide Eilenburg Elsnig Großtreben-Zwethau Jesewitz Krostitz Laußig Liebschützberg Löbnitz Mockrehna Mockrehna Mügeln Naundorf Wiedemar Oschatz Rackwitz Belgern-Schildau Schkeuditz Schönwölkau Mügeln Taucha Torgau Trossin Wermsdorf Wiedemar Torgau Zschepplin WiedemarKarte
Über dieses Bild

Torgau ist eine Große Kreisstadt mit etwa 20.000 Einwohnern und Verwaltungssitz des Landkreises Nordsachsen in Sachsen. Mit einer weiteren Gemeinde bildet Torgau die Verwaltungsgemeinschaft Torgau.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Torgau aus nordwestlicher Richtung
Schloss Hartenfels aus nordwestlicher Richtung

Die Stadt Torgau liegt im Norden des Freistaates Sachsen am westlichen Ufer der Elbe auf einer Höhe von 85 Metern über dem Meeresspiegel. Westlich von Torgau beginnt die Dübener Heide, die sich im Westen bis Eilenburg und im Norden bis Gräfenhainichen und Kemberg erstreckt. Südwestlich der Stadt liegt der Große Teich, der vom Schwarzen Graben, aus Richtung Audenhain kommend, gespeist wird. An den See schließt sich südlich der Torgauer Ratsforst an.

Die nächsten größeren Städte sind im Uhrzeigersinn beginnend im Westen: Eilenburg (27 Kilometer, weiter bis nach Leipzig 50 Kilometer), Bad Düben (28), Bad Schmiedeberg (22, weiter bis zur Lutherstadt Wittenberg 45), Herzberg (23), Bad Liebenwerda (28) und Riesa (37).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in die Kernstadt sowie die Ortsteile:

Klimadiagramm von Torgau[2]

Klima[Bearbeiten]

Die durchschnittlich Lufttemperatur in Torgau beträgt 8,7 °C, der jährliche Niederschlag 541 Millimeter.

Geschichte[Bearbeiten]

Torgauer Artikel

Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort unter dem Namen Torgove in einem Dokument aus dem Jahr 973. Wann der Ort eine Stadt wurde, ist nicht datiert. Zumindest aus dem Jahr 1267 findet sich eine Notiz, die von der Stadt Torgau spricht.

1344 erfolgte die Ersterwähnung der Bürgerwehr Die Geharnischten im Städtebund Torgau, Oschatz und Grimma, die in der Wurzener Fehde 1542 Berühmtheit erlangte.

1485 fand die Leipziger Teilung zwischen den Brüdern Ernst und Albert statt. Ernst machte Torgau zur Residenz seines Machtbereiches. Schloss Hartenfels wurde zur Hauptresidenz der ernestinischen Kurfürsten: Hier residierten Friedrich der Weise, Johann der Beständige und Johann Friedrich. Torgau war mit Schloss Hartenfels zu der Zeit das politische Zentrum der Reformation und ist heute die wichtigste Lutherstätte in Sachsen. Überliefert ist der Spruch: „Wittenberg ist die Mutter, Torgau die Amme der Reformation“. Im März 1530 verfasste Martin Luther hier gemeinsam mit Jonas, Melanchthon und Bugenhagen die Torgauer Artikel. Johann Walter, der Herausgeber des ersten evangelischen Chorgesangbuchs, arbeitete ab 1526 als Stadtkantor in Torgau.

Im Schmalkaldischen Krieg von 1546 bis 1547 unterlagen die protestantischen Landesfürsten Kaiser Karl V.. Infolge der Wittenberger Kapitulation kam neben anderen Gebieten auch Torgau vom ernestinischen Sachsen unter Johann Friedrich zum albertinischen Sachsen unter seinem Vetter Moritz in Dresden, blieb aber durch den gleichzeitigen Wechsel der Kurwürde in Kursachsen. Schloss Hartenfels war fortan nur noch Nebenresidenz, verlor aber nie die symbolische Bedeutung für die reformatorische Bewegung.

Stich von Merian um 1650

1552 reiste Luthers Witwe, Katharina von Bora, nach Torgau, um sich vor der in Wittenberg ausgebrochenen Pest in Sicherheit zu bringen. Bei einem Kutschenunfall brach sie sich jedoch das Becken und starb drei Wochen später, am 20. Dezember 1552, in Torgau an den Folgen. In ihrem Sterbehaus befindet sich heute ein ihr gewidmetes Museum, und ihr Grabmal in der Kirche St. Marien ist eine der Torgauer Sehenswürdigkeiten.

Torgau war 1574–1661 von Hexenverfolgung betroffen. Vier Männer gerieten in Hexenprozesse. Der Schäfer Georg Gobisch wurde 1661 zu Festungshaft verurteilt.[3]

Am 3. November 1760 fand mit der Schlacht bei Torgau auf den Süptitzer Höhen die letzte große Schlacht des Siebenjährigen Krieges statt.

Katholische Mater-Dolorosa-Kirche

Im Jahr 1811 wurde auf Befehl Napoleons die Festung Torgau ausgebaut, was jedoch nicht seine Niederlage verhinderte. Torgau fiel nach dem Willen der Sieger und den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815 an Preußen.

Seit 1854 gibt es vorrangig für die katholischen Soldaten in preußischen Diensten eine katholische Kirche. Die erste Kirche brannte 1906 ab, die an anderer Stelle größer erbaute Kirche wurde 1909 geweiht.

Sowjetisches Denkmal anlässlich des Zusammentreffens der Alliierten Truppen

Zur Zeit des Nationalsozialismus, in den Jahren von 1943 bis 1945, war Torgau Sitz des Reichskriegsgerichts. Im Wehrmachtgefängnis Torgau auf Fort Zinna wurden über 1000 Todesurteile verhängt und vollstreckt. Opfer der Hinrichtungen waren unter anderem Wehrdienstverweigerer, Zeugen Jehovas, Widerstandskämpfer und amerikanische Kriegsgefangene. Heute befindet sich hier ein von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten betreutes Museum.

Torgau beherbergte von Februar 1941 bis April 1945 in einer ehemaligen Druckerei in der Naundorfer Straße den Sitz der Verwaltung des Kriegsgefangenenlagers Stalag IV D.[4] Während im Lager in Torgau etwa 800 Kriegsgefangene lebten, waren am 1. Oktober 1944 insgesamt 45.223 Kriegsgefangene im Stalag IV D in Torgau registriert.[5] Sie wurden fast alle auf Arbeitskommandos im Umland verteilt.

Torgau erlangte Ende des Zweiten Weltkrieges internationale Berühmtheit, als sich am 25. April 1945 sowjetische und US-amerikanische Truppen an der Elbe bei der Stadt trafen und am 26. April 1945 dieses Ereignis für die Kameras auf der zerstörten Elbebrücke in Szene setzten.[6]

Den ersten Kontakt hatten die beiden Armeen während des Krieges in Europa am 25. April 1945 an der Elbe bei Strehla, 30 Kilometer flussaufwärts von Torgau.[7] Der Gedenktag Elbe Day erinnert an dieses Ereignis. Einer der damals am Treffen teilnehmenden US-Soldaten, Joe Polowsky, setzte sich später für die Anerkennung des 25. April als „Weltfriedenstag“ ein. Gemäß seinem letzten Willen wurde er 1983 auf dem evangelischen Friedhof in Torgau begraben.

Von September 1945 bis Oktober 1948 betrieb der NKWD in Torgau im früheren Wehrmachtgefängnis Fort Zinna bzw. in der nahe gelegenen Seydlitz-Kaserne die Speziallager Nr. 8 und Nr. 10.

Zwischen 1964 und 1989 gab es in Torgau einen Geschlossenen Jugendwerkhof.[8]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Torgau, das zuvor dem ehemaligen preußischen Regierungsbezirk Merseburg angehörte, Teil des neu gegründeten Landes Sachsen-Anhalt. 1952 folgte dann im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR die Zuordnung als Kreisstadt zum Bezirk Leipzig.

Als mit der Wiedervereinigung 1990 die Grenzen der neuen Bundesländer festgelegt wurden, gelangte Torgau im Ergebnis einer Volksbefragung zusammen mit dem Großteil des Bezirks Leipzig zu Sachsen.

Zum 1. Januar 1994 wurde Torgau der Verwaltungssitz des Landkreises Torgau-Oschatz und zum 1. August 2008 des Landkreises Nordsachsen, da die ehemalige Kreisstadt Delitzsch zwar deutlich mehr Einwohner hat, aber dezentral gelegen ist.

Zum 1. Januar 2009 erfolgte die Erhebung zur Großen Kreisstadt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1994 wurden Graditz und Melpitz eingemeindet. Am 1. Januar 2009 erfolgte die Eingemeindung der zuvor selbstständigen Gemeinde Pflückuff, die Stadtfläche wurde dadurch von 42,08 km² auf 90,33 km² mehr als verdoppelt. Mit der Eingemeindung von Zinna mit Wirkung zum 1. Januar 2013 stieg die Fläche der Stadt über 100 km².

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 jeweils zum 31. Dezember):

  • 1831 – 6440
  • 1885 – 10.988 1)
  • 1946 – 18.455 2)
  • 1950 – 19.683 3)
  • 1960 – 19.690
  • 1981 – 21.222
  • 1984 – 21.508
  • 1999 – 19.571
  • 2002 – 19.062
  • 2004 – 18.843
  • 2005 – 18.719
  • 2007 – 17.837
  • 2010 – 19.688 4)
  • 2012 – 20.248
  • 2013 – 20.092
Datenquelle ab 1999: Statistisches Landesamt Sachsen

1) einschließlich Garnison (4. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 72, Pionier-Bataillon Nr. 3 und I. Abteilung/1. Thüringisches Feldartillerie-Regiment Nr. 19)
2) 29. Oktober
3) 31. August
4) Eingemeindung Pflückuff

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 39,0 % (2009: 38,3%)
 %
40
30
20
10
0
37,7 %
18,2 %
17,2 %
19,1 %
3,4 %
4,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+0,1 %p
+0,3 %p
+1,3 %p
+4,0 %p
-5,5 %p
-0,1 %p

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat setzt sich seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014[9] wie folgt zusammen:

Partei/Liste CDU SPD LINKE FWG Grünen Gesamt
Sitze 9 4 4 4 1 22

Zusätzlich gehört dem Stadtrat die bereits seit 2001 amtierende Oberbürgermeisterin Andrea Staude (SPD) an, die den Vorsitz führt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Torgau pflegt Städtepartnerschaften zu[10]

Außerdem bestehen freundschaftliche Beziehungen zur FinnlandFinnland finnischen Stadt Hämeenkyrö.

Großes Torgauer Wappen

Wappen[Bearbeiten]

Kurfürst Friedrich III., auch der Weise genannt, verlieh seiner Geburtsstadt am 11. Juni 1514 das noch heute gültige Wappen.

Blasonierung: „Geviert von Silber und Blau; Feld 1 und 4: je vier rote Sparren pfahlweise, Feld 2 und 3: je ein linksgerichteter steigender silberner Löwe mit roter Bewehrung und ausgeschlagener Zunge.“

Außerdem besitzt Torgau ein Vollwappen mit silbernem Stechhelm und silbern-blauer Helmdecke sowie linksgewendetem silbernem Löwenrumpf mit blauem Flug.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss Hartenfels mit historischer Brücke über die Elbe

Rund 500 Baudenkmale der Spätgotik und Renaissance stellen ein städtebauliches Ensemble von internationalem Rang dar. Nahe der Elbe steht Schloss Hartenfels, das besterhaltene Schloss der Frührenaissance, der Sitz der ernestinischen Wettiner war und heute wechselnde Ausstellungen beherbergt. Von Mai 2012 bis Oktober 2013 war die Ausstellung der Staatliche Kunstsammlungen Dresden „Churfürstliche Guardie“ zu sehen. Im Jahr 2015 wird in Torgau eine der vier zentralen Ausstellungen zur Lutherdekade präsentiert.

Die Aufführung der ersten deutschsprachigen Oper fand ebenfalls im Schloss Hartenfels statt, nämlich der Oper „Dafne“ mit der Musik von Heinrich Schütz.

Torgauer Schlosskapelle
Blick vom Turm des Schlosses Hartenfels auf die Elbe (2009)
Loebner, der älteste Spielwarenladen in Deutschland
Torturm, Hausmannsturm, Flaschenturm, Elbe Südansicht

Die Torgauer Schlosskapelle war der erste evangelische Kirchenneubau. Martin Luther rühmte sie mit den Worten: „Salomo hat nirgends einen so schönen Tempel gebaut, als Torgau hat.“ Luthers Vorstellungen von gottesdienstlichen Versammlungen prägen diesen Kirchraum. Er selbst weihte die Kapelle der sächsischen Kurfürsten auf Schloss Hartenfels am 5. Oktober 1544 ein.

Der Torgauer Museumspfad umfasst sechs bedeutende Stationen mit zahlreichen museumspädagogischen Angeboten:

  • die Kurfürstliche Kanzlei mit dem Stadt- und Kulturgeschichtlichen Museum, dessen Dauerausstellung 2005 neu eröffnet wurde
  • die Katharina-Luther-Stube, das Sterbehaus von Katharina von Bora, Luthers Witwe
  • das Braumuseum, das die Bedeutung der Torgauer Braukunst im 15. und 16. Jahrhundert anschaulich dokumentiert
  • das Lapidarium und der Hausmannsturm von Schloss Hartenfels, einst Wohnort des Hofnarren Claus
  • das aufwändig restaurierte Bürgermeister-Ringenhain-Haus, eines der bedeutendsten Renaissance-Bürgerhäuser im mitteldeutschen Raum
  • das historische Handwerkerhaus, dessen Restaurierung im Mai 2010 abgeschlossen wurde

Weiterhin befindet sich im Zentrum der älteste Spielwarenladen in Deutschland (Carl Loebner).

Südlich des Zentrums befindet sich der im 15. Jahrhundert errichtete Große Teich, der eine Fläche von 175 ha einnimmt.

Nahe der Elbe befindet sich am historischen Ort des Geschlossenen Jugendwerkhofes die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. Mit ihrer Dauerausstellung dokumentiert sie die repressiven Machtstrukturen des DDR-Bildungssystems, erinnert an die jugendlichen Opfer der sozialistischen Umerziehungspraxis und thematisiert aktuelle Aufarbeitungsprozesse zur Geschichte der Heimerziehung in der DDR, der Bundesrepublik Deutschland und Europa.[11]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Endless Summer, Open Air Festival, 2014, Entenfang Torgau

Jährlich im August findet das Endless Summer Open Air, ein zweitägiges Musik-Festival mit zwei Bühnen und Camping-Gelände, im Entenfang statt. Ein weiteres alljährliches Festival ist das In Flammen Open Air, welches primär für Bands aus dem Death Metal Bereich konzipiert ist.

Im Brückenkopf Torgau finden mehrmals im Monat Rockkonzerte statt, organisiert werden diese vom sozial-jugendorientierten Verein IG Rock e. V.. Auch die Kulturbastion Torgau ist ein beliebter Anlaufpunkt für die Bürger der Stadt während des Wochenendes.

Alle zwei Jahre seit 1542, mit Unterbrechung aufgrund der Kriege, findet das Auszugsfest der Geharnischten statt. Vom Himmelfahrtstag bis zum folgenden Sonntag feiert die älteste Bürgerwehr Deutschlands das traditionelle Fest zum Gedenken an die Wurzener Fehde. Teil des Festes sind Kostümierungen, ein Umzug durch die Stadt und Waffenübungen.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Denkmal für die Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung
  • Kriegerdenkmal für in beiden Weltkriegen gefallene Soldaten im Ortsteil Melpitz.[12]
  • Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Thüringischen Husaren-Regiments Nr. 12 aus dem Jahre 1922.[13]
  • Kriegerdenkmal für im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten im Ortsteil Mehderitzsch.[14]
  • Kriegerdenkmal für im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten auf dem Friedhof im Ortsteil Weßnig.[15]
  • Ein Gedenkstein aus dem Jahre 1948 auf dem Evangelischen Friedhof an der Torgauer Straße erinnert an 160 Männer, die im Zweiten Weltkrieg als Insassen des Wehrmachtgefängnisses Torgau Opfer der Wehrmachtsjustiz geworden sind.
  • Eine Grabstätte mit Gedenktafel auf demselben Friedhof erinnert an den kommunistischen Kreistagsabgeordneten Alfred Holzweißig, der nach Verhaftung und Folterung 1935 in den Freitod ging. Eine Gedenktafel an seinem letzten Wohnhaus in der Holzweißigstraße 14 erinnert ebenfalls an ihn.
  • Der Sowjetische Ehrenfriedhof mit seinem Obelisken erinnert an die dort begrabenen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen (und ihre Kinder), an Kriegsgefangene, die Opfer von Zwangsarbeit wurden, sowie an getötete Rotarmisten.
  • Ein Denkmal auf einer Grünanlage am Friedrichplatz ist allen Opfern des Faschismus gewidmet.
  • Das Denkmal am Elbufer erinnert an die Begegnung von sowjetischen und US-amerikanischen Truppen im April 1945.
  • Ein Gedenkstein am Harnack-Ring erinnert an den führenden Kopf der Widerstandsorganisation Rote Kapelle Arvid Harnack, der in Berlin-Plötzensee ermordet wurde.
  • Ein 1995 errichtetes und vom Bund der Vertriebenen gestiftetes Denkmal für die Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung mit den Wappen der ehemals deutschen Provinzen.[16]
  • Die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau erinnert an über 4000 Jugendliche, die von 1964 bis 1989 in der Disziplinierungseinrichtung der DDR-Jugendhilfe umerzogen werden sollten.[17]
  • Die Gedenkstätte Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau dokumentiert die Geschichte der Torgauer Haftstätten während des Nationalsozialismus, der sowjetischen Besatzungszeit und der DDR.[18]

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Anfang des 19. Jahrhunderts komponierte Torgauer Marsch wurde nach der Stadt benannt.

Von Mai bis Oktober 2004 fand in Torgau unter dem Titel „Glaube und Macht – Sachsen im Europa der Reformationszeit“ die zweite Sächsische Landesausstellung statt. Im Mittelpunkt stand die Reformationsgeschichte. Zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation bzw. im Rahmen der darauf hinführenden Lutherdekade wird Torgau im Jahr 2015 Standort einer großen nationalen Sonderausstellung mit dem Titel „Luther und die Fürsten“ sein.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Krankenhaus, Haupteingang

Die drei größten Arbeitgeber in Torgau sind der Autozulieferer Flachglas Torgau GmbH mit 550 Mitarbeitern, die Porzellanmanufaktur Villeroy & Boch und die Justizvollzugsanstalt Torgau.

Das Kreiskrankenhaus Torgau „Johann Kentmann“ gGmbH ist ein öffentlich-rechtliches Haus mit 250 Betten ein Haus der Regelversorgung, es besitzt ein zertifiziertes Brust- , Darm- und Traumazentrum. Mit seinem Namen erinnert es an den Stadtphysicus, der im 16. Jahrhundert in Torgau gewirkt hat.

Bildung[Bearbeiten]

In Torgau befinden sich mehrere Grundschulen, die Katharina-von-Bora-Oberschule und die Oberschule Nordwest Torgau, das Johann-Walter-Gymnasium sowie das Berufliche Schulzentrum Torgau.

Tourismus[Bearbeiten]

Die große Attraktivität der Stadt (Renaissancearchitektur, Lutherstätte, Elberadweg) für verschiedene Zielgruppen wird durch ein umfangreiches Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten, Gaststätten und Kulturangeboten flankiert.

Bahnhof

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Torgau liegt an der Bahnstrecke Halle–Cottbus, die 1872 als Teilstrecke der Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn mit der Elbebrücke bei Torgau eröffnet wurde und heute von Zügen der DB Regio befahren wird. In der Vergangenheit war Torgau auch Ausgangspunkt der Bahnstrecke Torgau-Belgern, die zwischen 1915 und 1995 die Kreisstadt Torgau mit der Stadt Belgern verband, sowie der Bahnstrecke Pratau–Torgau, die zwischen 1895 und 1997 von Torgau nach Pretzsch (Elbe) fahrplanmäßig mit Personenzügen befahren wurde.

Torgau liegt am Kreuzungspunkt dreier Bundesstraßen: der B 87, der B 182 und der B 183, von denen die B 87 und die B 183 die Elbe auf der Elbebrücke überqueren.

Weiterhin führt der Elberadweg an der Stadt vorbei.

Ab 15. Dezember 2013 verkehrt auch eine S-Bahnlinie nach bzw. durch Torgau. Die S-Bahnlinie 4, die in die Leipziger City führt. (Citytunnel Leipzig)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Johannes Kentmann

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Hahnemann-Haus

Literatur[Bearbeiten]

Ältere Darstellungen, Quellen[Bearbeiten]

  • Benjamin Bielern: Eine kurzgefasste Chronica der hochberühmten Stadt Torgau. Leipzig 1769 (Volltext)
  • anonym: Kurzgefaßte historische und geographische Nachricht von der Stadt Torgau, 1760 (Volltext)

Aktuelle Monographien[Bearbeiten]

  • Karlheinz Blaschke: Delitzsch – Eilenburg – Torgau. Land und Städte in der sächsischen Landesgeschichte. In: Sächsische Heimatblätter 39, 1993, S. 265–270.
  • Karlheinz Blaschke: Die geschichtliche Entwicklung der Stadt Torgau von den Anfängen bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Findeisen/Magirius 1976, S. 13–37. Wiederabdruck (Auszug) in: Peter Johanek (Hrsg.) unter Mitarbeit von Uwe John: Stadtgrundriß und Stadtentwicklung. Forschungen zur Entstehung mitteleuropäischer Städte. Ausgewählte Aufsätze von Karlheinz Blaschke (= Städteforschung: Reihe A, Darstellungen Bd. 44). Böhlau/Köln/Weimar/Wien 1997, S. 257–266. ISBN 3-412-06897-7, 2. Auflage ebd. 2001. ISBN 3-412-02601-8.
  • Peter Findeisen, Heinrich Magirius (Hrsg.): Die Denkmale der Stadt Torgau, Leipzig 1976.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Torgau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Torgau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961–1990
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 618-620.
  4. Moosburg Online: Liste der Kriegsgefangenenlager des Wehrkreises IV
  5. Stefan Geck: Das deutsche Kriegsgefangenenwesen 1939–1945 (PDF; 649 kB), Masterarbeit, Uni Münster, 1998, S.34
  6. Siehe auch über 40 Filme auf youtube.de
  7. youtube.de
  8. Geschlossener Jugendwerkhof Torgau
  9. Gemeinderatswahl 2014. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 21. September 2014.
  10. Website Torgau
  11. www.jugendwerkhof-torgau.de
  12. Artikel der Torgauer Zeitung vom 17. Dezember 2013
  13. Artikel auf der Webseite "Denkmalprojekt"
  14. Artikel auf der Webseite "Denkmalprojekt"
  15. Artikel auf der Webseite "Denkmalprojekt"
  16. Information des BDV
  17. Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau: Geschlossener Jugendwerkhof Torgau 1964 bis 1989
  18. DIZ, Arbeitsstelle der StSG: DIZ-Torgau