Schloss Konopiště

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Blick von den Parkanlagen auf das Schloss
Großer See. Teil der Parkanlagen des Schlosses
Teilansicht der Fassade
Vorderfront von Schloss Konopiště im Herbst

Das Schloss Konopiště (deutsch Konopischt) befindet sich im gleichnamigen Ortsteil Konopiště der mittelböhmischen Stadt Benešov (Beneschau) etwa 37 km südlich von Prag.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgänger des heutigen Schlosses bei Benešov (Beneschau) war eine im 14. Jahrhundert erbaute Burg der Herren von Beneschau. 1327 übertrug sie der böhmische König Johann von Luxemburg den Herren von Sternberg[1], die das Schloss Anfang des 17. Jahrhunderts im Stil der Spätgotik und später im Spätrenaissancestil umgestalteten. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss von den Grafen von Vrtba im Barockstil umgebaut und gelangte 1830 im Kaisertum Österreich durch Franz Joseph von Vrtba an Johann Karl Fürst von Lobkowitz (1799-1878).

1887 gelangten Schloss und Herrschaft Konopischt an Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, der das Schloss 1889–1894 von den Architekten Josef Mocker und Franz Schmoranz im Stil der Neugotik restaurieren ließ und es mit Kunstgegenständen ausstattete. 1896 wurde Franz Ferdinand in Österreich-Ungarn Thronfolger von Kaiser Franz Joseph I., als sein Vater, Bruder des Kaisers, starb. Bis dahin war er seit dem Selbstmord Kronprinz Rudolfs 1889 hinter seinem Vater Nr. 2 in der Thronfolge der Doppelmonarchie gewesen.

Am 23. Oktober 1913 kam der deutsche Kaiser Wilhelm II. im Rahmen eines viertägigen Österreich-Besuchs nach Konopischt und konferierte hier mit dem Thronfolger und k.u.k. Außenminister Leopold Graf Berchtold über eine gemeinsame Strategie gegenüber den slawischen Staaten. (Das Zimmer, in dem Wilhelm II. übernachtete, ist erhalten.) Am 12. / 13. Juni 1914 war der deutsche Kaiser, u. a. begleitet von Großadmiral Alfred von Tirpitz, neuerlich beim Erzherzog-Thronfolger in Konopischt zu Gast; es ging um die Balkanpolitik und um die Probleme des mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn verbündeten Rumänien und die intolerante Nationalitätenpolitik Ungarns im vor allem von Rumänen bewohnten Siebenbürgen.

Nach dem Attentat von Sarajevo und dem Tod Franz Ferdinands und seiner Ehefrau Sophie Herzogin von Hohenberg am 28. Juni 1914 erbten beider Söhne, Herzog Maximilian Hohenberg und Fürst Ernst Hohenberg (Familienname auf Grund der nicht ebenbürtigen Ehe nach der Mutter), das Schloss und die darin aufbewahrten Sammlungen. Die beiden wurden 1919, im Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, damals 17 bzw. 15 Jahre alt, zu Gunsten der Tschechoslowakischen Republik in einer Bodenreform entschädigungslos enteignet, fielen unter das österreichische Adelsaufhebungsgesetz 1919 und wurden als österreichische Staatsbürger nach Österreich ausgewiesen.

Im Protektorat Böhmen und Mähren wurde das Schloss Konopischt 1943 zum Sitz des Kommandos des SS-Truppenübungsplatzes Böhmen und diente bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945, auch als Depot für Beutekunst. Die Familie Hohenberg (österreichisches Adelsgeschlecht) hat den Besitz in Konopischt nicht zurückerhalten.

Sammlung[Bearbeiten]

Im Schloss Konopiště wird eine reiche Sammlung von Kunst- und Kunsthandwerksgegenständen aus der Zeit der Gotik, der Renaissance, des Barock bis in heutige Zeit aufbewahrt. Dadurch gehört es zu den interessantesten Schlössern Mitteleuropas. Sehenswert ist besonders die Waffensammlung der Familie d'Este; Franz Ferdinand von Österreich-Este hatte 1875 vom letzten Träger dieses Familiennamens dessen Vermögen unter der Bedingung geerbt, Name und Titel weiterzuführen.

Zu den Exponaten gehört eine Sammlung religiöser Gegenstände des Heiligen Georg, des Schutzpatrons der Ritter. Im ersten Stockwerk befinden sich der Empfangs- und der Säulensalon, der Große Speisesaal mit einem Deckenfresko aus der Mitte des 18. Jahrhunderts von František Julius Lux sowie die Schlosskapelle mit Gewölben. Daneben die Wohnräume, der Vrtba- und der Tirpitzsalon, das Rosazimmer und Kaiser Wilhelms Schlafzimmer. In den Schlossgängen werden Jagdtrophäen Franz Ferdinands ausgestellt; der Thronfolger war als äußerst jagdfreudig bekannt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mapa Hradu a Zamku Ceskoslovenska 1:750000, Kartographia Praha 1970, Seite 59
  • Karl M. Svoboda (Hrsg): Barock in Böhmen, Prestel Verlag München 1964, Konopischt Seite 55; Schloßkapelle Seite 41

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Konopiště – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tomáš Baletka: Páni z Kravař - Z Moravy až na konec světa, 2004, ISBN 80-7106-682-6, S. 23f.

49.77944444444414.656666666667Koordinaten: 49° 46′ 46″ N, 14° 39′ 24″ O