Rudolf von Österreich-Ungarn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kronprinz Rudolf (um 1880)

Rudolf, Kronprinz von Österreich-Ungarn (vollständiger Vorname Rudolf Franz Karl Joseph; * 21. August 1858 auf Schloss Laxenburg; † 30. Jänner 1889 auf Schloss Mayerling) war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Er war Erzherzog-Thronfolger von Österreich-Ungarn.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Kronprinz Rudolf als Kind

Der junge Kronprinz war sehr sensibel und sollte auf Wunsch des Vaters eine harte militärische Ausbildung erhalten. Der Sohn sollte ein guter Soldat, begeisterter Jäger und braver Katholik werden. Generalmajor Leopold Graf Gondrecourt wurde als Erzieher bestimmt. Der Haudegen ließ das Kind stundenlang in Regen und Kälte exerzieren, weckte ihn auch gelegentlich mit Pistolenschüssen und ließ ihn in den Wäldern des Lainzer Tiergartens plötzlich alleine, das Kind in Panik versetzend. Erst auf Druck seiner Mutter wurde diese Art der Ausbildung beendet und es wurden seine naturwissenschaftlichen Neigungen gefördert, da sie Joseph Graf Latour von Thurmburg zu seinem Erzieher bestimmte. So kam beispielsweise der deutsche Tierforscher Alfred Brehm an den Hof, um ihn zu unterrichten.

Rudolf war ein wissbegieriges und lerneifriges Kind und von schneller Auffassungsgabe, hatte aber wenig Interesse an Lesen, Schreiben und Fremdsprachen.[1]

Späteres Leben[Bearbeiten]

Er unternahm zahlreiche Reisen, zunächst in Europa, später auch auf anderen Kontinenten, über die er mehrfach Berichte – unter seinem Namen oder anonym – verfasste. Darüber regte er eine Enzyklopädie Österreich-Ungarns, das so genannte Kronprinzenwerk, an und schrieb darin selbst mit. Außerdem war Kronprinz Rudolf ein angesehener Ornithologe. Er stand häufig mit seinem Vater in Konflikt, da er mit den Deutschliberalen und den Ungarn sympathisierte (siehe auch Österreichisch-Ungarischer Ausgleich 1848–1867).

Militärdienstzeit und Liebesaffäre in Prag[Bearbeiten]

Nach dem Ende seines Studiums übersiedelte Rudolf 1878 nach Prag, wo er im Infanterieregiment Nummer 36 seinen Militärdienst leistete.[2]

Laut Berta Zuckerkandl, Tochter des Zeitungsverlegers und langjährigen Rudolf-Freunds Moriz Szeps, hatte Rudolf in Prag eine Liebesaffäre mit einer jungen Jüdin[3] – laut seiner Enkeltochter Stephanie von Windisch-Graetz seine große und einzige Liebe.[4] Nach Spitzelberichten im Akt des Wiener Polizeipräsidenten Franz von Krauß begleitete diese Geliebte ihn sogar zur Brautschau an den Brüsseler Hof.[5][6] Sie starb, nachdem sie aus ihrem Exil, in das man sie verbannt hatte, ausgebrochen war.[3]

Heirat mit Stephanie von Belgien[Bearbeiten]

Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie

Auf Druck des Kaisers musste er 1881 Prinzessin Stephanie heiraten, Tochter des belgischen Königs Leopold II. Sie war Rudolfs Tante zweiten Grades, da ihre Mutter Marie Henriette aus einer Nebenlinie der Habsburger stammte.

Das Paar lebte einige Zeit in Prag, wo es wiederholt zu Auseinandersetzungen kam. Nach der Geburt ihrer Tochter, Erzherzogin Elisabeth Marie, kehrten sie nach Wien zurück.

Rudolf war Förderer des k.u.k. Heeresmuseums (heute Heeresgeschichtliches Museum) in Wien. Ab 1885 war er Vorsitzender des Komitees, dem die Bildung und Ausgestaltung des fortan so genannten „k.k. Heeresmuseums“ oblag.[7]

Tod in Mayerling[Bearbeiten]

Baroness Mary Vetsera
Das Schloss Mayerling, Sterbeort von Rudolf von Österreich-Ungarn und Mary Vetsera

Rudolf litt unter starken Stimmungsschwankungen. Vermutlich nahm er sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Jänner 1889 in Schloss Mayerling durch einen Schuss in den Kopf das Leben. Die 17-jährige Baroness Mary Vetsera starb ebenfalls dort. Dem Bericht des Arztes zufolge war sie von Kronprinz Rudolf erschossen worden. Dass die Baroness tatsächlich durch einen Kopfschuss starb, ist inzwischen geklärt.[8] Die Wiener Hofärzte obduzierten den Leichnam des Kronprinzen und attestierten eine „geistige Verwirrung“, wodurch der Kronprinz mit allen kirchlichen Zeremonien beigesetzt werden konnte. Baroness Mary wurde in das Stift Heiligenkreuz gebracht und auf dem Friedhof der Zisterzienserabtei beerdigt.

Der Verlauf der schicksalhaften Nacht ist bis heute ungeklärt, nachdem die Zeugen ihr Leben lang schwiegen oder widersprüchliche Aussagen machten.[9] Viele Dokumente wurden vernichtet. Der Suizid des Thronfolgers erschütterte das Vertrauen in die habsburgische Monarchie. Die angebliche Tatwaffe befand sich im Besitz Otto von Habsburgs; er wollte sie zeitlebens (1912–2011) nicht herausgeben. Zita, Ottos Mutter und Ehefrau des letzten Kaisers, beharrte in ihren letzten Lebensjahren Historikern gegenüber darauf, dass Rudolf und seine Mary Vetsera in Mayerling nicht vom Kronprinzen selbst getötet wurden, sondern sie „politischen Meuchelmördern zum Opfer gefallen“ seien, wie das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel in ihrem Kurznachruf zu Zitas Tod 1989 berichtete.[10] Dies deckt sich mit der Aussage der Historikerin Brigitte Hamann, die nach einem Interview mit der österreichischen Wochenzeitschrift profil (2005) zitiert wird mit: „Kaiserin Zita […] wollte uns weismachen, dass Rudolf von den bösen Freimaurern hinterrücks ermordet worden sei […]. Das war gezielte Vernebelungstaktik.“[11] Schon im Jahr 1983 berichtete Die Zeit, dass nach Meinung Zitas, die behauptete dafür namentlich Täter anführen zu können, Rudolf „Opfer eines politisch motivierten Mordanschlags“ einer ausländischen Verschwörung gewesen, weil er sich nicht an einer Verschwörung zum Sturz von Kaiser Franz Joseph beteiligen und diese aufdecken wollte.[12] Auftraggeber sei nach Zita der französische Staatsmann Clemenceau gewesen.[13]

Rudolf setzte in seinem Testament vom 2. März 1887 seinen Vater Kaiser Franz Joseph als Testamentsvollstrecker ein. Darüber hinaus bat er ihn, die Vormundschaft für die Tochter Elisabeth Marie (1883–1963) zu übernehmen, die er gleichzeitig zu seiner Universalerbin machte.[14]

Sonstiges[Bearbeiten]

Mizzi Kaspar (28. September 1864 in Graz; † 29. Jänner 1907 in Wien) war die langjährige Geliebte von Rudolf.[15]

Rudolf wollte sich zusammen mit Mizzi umbringen, doch sie wollte nicht mit ihm sterben. Mizzi informierte die Polizei über Rudolfs Suizidpläne, was aber ohne jede Beachtung blieb.

Rudolf verbrachte seine letzte Nacht in Wien, den 27. Jänner 1889, bei Mizzi; am Tag darauf brach er nach Mayerling zu einer geplanten Jagd auf. Am Morgen des 30. Jänner wurden die beiden Leichen im Jagdschloss Mayerling entdeckt.

Rudolf vermachte Mizzi (zu dieser Zeit 24 Jahre alt) in seinem Testament 30.000 Gulden. Mizzi gab niemals ein Interview und lebte vollkommen zurückgezogen. Sie starb am 29. Januar 1907 laut Totenschauprotokoll an Rückenmarksverhärtung. Nach einer anderen Quelle starb sie an Syphilis.[15] Mizzi hinterließ keine Tagebücher, keine Briefe und keine Memoiren.

Ehrungen[Bearbeiten]

Im Jahr 1862 wurde in Wien Innere Stadt (1. Bezirk) der Rudolfsplatz nach ihm benannt. Zahlreiche weitere in Wien nach ihm benannte Verkehrsflächen wurden mittlerweile umbenannt.

Mehrere Objekte waren bzw. sind nach Rudolf benannt:

Ahnentafel[Bearbeiten]

Ahnentafel Rudolf von Österreich-Ungarn
Ururgroßeltern

Kaiser
Leopold II. (HRR) (1747–1792)
∞ 1765
Maria Ludovica von Spanien (1745–1792)

König
Ferdinand IV. (Neapel) (1751–1825)
∞ 1768
Maria Karolina von Österreich (1752–1814)

Pfalzgraf
Friedrich Michael von Pfalz- Birkenfeld (1724–1767)
∞ 1746
Maria Franziska Dorothea von Pfalz-Sulzbach (1724–1794)

Erbprinz
Karl Ludwig von Baden (1755–1801)
∞ 1774
Amalie von Hessen- Darmstadt (1754–1832)

Herzog
Wilhelm in Bayern (1752–1837)
∞ 1780
Maria Anna von Zweibrücken- Birkenfeld (1753–1824)

Herzog
Ludwig Maria von Arenberg (1757–1795)
∞ 1788
Anne de Mailly- Nesle (1766–1789)

Urgroßeltern

Kaiser
Franz II. (HRR) (1768–1835)
∞ 1790
Maria Theresa von Neapel-Sizilien (1772–1807)

König
Maximilian I. Joseph (Bayern) (1756–1825)
∞ 1797
Karoline Friederike Wilhelmine von Baden (1776–1841)

Herzog
Pius August in Bayern (1786–1837)
∞ 1807
Amalie Luise von Arenberg (1789–1823)

Großeltern

Erzherzog Franz Karl von Österreich (1802–1878)
∞ 1824
Sophie Friederike von Bayern (1805–1872)

Herzog Max Joseph in Bayern (1808–1888)
∞ 1828
Ludovika Wilhelmine von Bayern (1808–1892)

Eltern

Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916)
∞ 1854
Elisabeth in Bayern (1837–1898)

Rudolf von Österreich-Ungarn (1858–1889)

Filme und Theater[Bearbeiten]

Der Sarg Rudolfs (rechts), neben seinen Eltern in der Kaisergruft in Wien

Die Geschehnisse um Schloss Mayerling waren beliebtes Thema in Filmen:

Von den Vereinigten Bühnen Wien wurde ein Musical über die Lebensgeschichte des Kronprinzen in Auftrag gegeben. Es wurde in Budapest im Mai 2006 unter dem Titel Rudolf - the last kiss (in ungarischer Sprache) uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung fand unter dem Titel Rudolf – Affaire Mayerling im Februar 2009 im Wiener Raimundtheater statt.

Museale Rezeption[Bearbeiten]

Im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum, dessen Förderer Rudolf zu Lebzeiten war, sind mehrere persönliche Gegenstände des Kronprinzen ausgestellt, wie etwa von ihm getragene Kopfbedeckungen, sein Säbel mit Portepee und ein ihm gewidmeter Prunkrevolver (Kaliber 9 mm) der Firma Gasser.[17][18]

Schriften[Bearbeiten]

  • Fünfzehn Tage auf der Donau. Kaiserlich-Königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1878 (Digitalisat)
  • Eine Orientreise vom Jahre 1881. Kaiserlich-Königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1885 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf von Österreich-Ungarn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Konrad Kramar, Petra Stuiber: Die schrulligen Habsburger – Marotten und Allüren eines Kaiserhauses. Verlag Ueberreuter, Wien 1999, ISBN 3-8000-3742-4.
  2. Kronprinz Rudolf – Lebensspuren. Info-Mappe (Beschriftungs- und Kapiteltexte) zur Ausstellung. Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Bundesmobilienverwaltung, abgerufen am 3. Februar 2012 (Pdf-Datei).
  3. a b William M. Johnston: Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte: Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848 bis 1938. 2006, S. 51, abgerufen am 3. Februar 2014 (Googlebooks).
  4. Interview mit Stephanie von Windisch-Graetz in: Karo Wolm, Doris Plank: Der Fall Rudolf. (Fernsehdokumentation des ORF in der Sendereihe Tat-Sachen spezial) erstmals ausgestrahlt am 19. Mai 2006.
  5. John C. G. Röhl: Wilhelm II, Band 1. 1993, S. 471, abgerufen am 3. Februar 2014 (Googlebook).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLars Friedrich: Mayerling. 25. Februar 2008, S. 24, abgerufen am 3. Februar 2014 (Googlebook).
  7. Heeresgeschichtliches Museum (Hrsg.): 100 Jahre Heeresgeschichtliches Museum. Bekanntes und Unbekanntes zu seiner Geschichte. Heeresgeschichtliches Museum, Wien 1991, S. 8 f.
  8. Exhumierung der Leiche der M.V. und anschließende Gerichtsmedizinische Untersuchungen. Dargestellt in der Dokumentar-Fernsehsendung „Der Fall Rudolf“ (Österreich 2006) im Sender 3sat am 8. April 2012.
  9. Nach 42-jährigem Stillschweigen spricht der letzte Augenzeuge von Mayerling. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, Nr. 16/1931 (LXIX. Jahrgang), 20. April 1931, S. 7 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wsz.
  10.  Gestorben: Zita von Habsburg. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1989, S. 286 (online).
  11. Vgl. Elisabeth Mayr: Die Mayerling-Affäre: Dargestellt anhand der österreichischen Historiographie 1889–2006. Seminararbeit an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, „Seminar: Politische Skandale und Gewalt in Österreich-Ungarn bis zum 1. Weltkrieg“, Innsbruck 2007 (veröffentlicht im Grin-Verlag) ISBN 978-3-640-30190-4, S. 21. (Eingeschränkte Ansicht in der Google Buchsuche.), Fußnote 35: „‚Er wollte sich umbringen, solange er noch konnte‘. Interview mit Brigitte Hamann in: profil Nr. 42, 36. Jg., Oktober 2005, S. 120“
  12. Knalliger Knüller. In: Die Zeit, Ausgabe 13/1983. (online).
  13. „Kronprinz Rudolf – Lebensspuren.“ Info-Mappe (Beschriftungs- und Kapiteltexte) zur Ausstellung 2008/2009, S. 43.
  14. „Kronprinz Rudolf – Lebensspuren.“ Info-Mappe (Beschriftungs- und Kapiteltexte) zur Ausstellung 2008/2009, S. 33: „Testament des Kronprinzen. Wien, 2. März 1887, Tinte auf Papier, eigenhändig. H2_006“.
  15. a b Philipp Vandenberg: Die Frühstücksfrau des Kaisers. Vom Schicksal der Geliebten. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 3-404-64221-X, S. 67f.
  16. FAZ.net 30. Juni 2013: Lieber den Hund küssen als den Prinzen. - „Mayerling“, ein verschollener Film mit Audrey Hepburn, erlebte in München seine späte Kino-Uraufführung.
  17. Liselotte Popelka: Heeresgeschichtliches Museum Wien. Verlag Styria, Graz u. a. 1988, ISBN 3-222-11760-8, S. 50.
  18. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Verlag Styria, Graz u. a. 2000, ISBN 3-222-12834-0, S. 58.