Schloss Artstetten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schloss Artstetten mit der Kirche St. Jakobus
Luftbild der Anlage

Schloss Artstetten ist ein Schloss in der Marktgemeinde Artstetten-Pöbring im Bezirk Melk in Niederösterreich im Besitz der Familie Hohenberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Der urkundlich erstmals im Jahr 1263 erwähnte Bau war bis ins 15. Jahrhundert im Besitz derer von Aerendorf.

Nach mehrfachen Besitzerwechseln erwarb 1823 das österreichische Kaiserhaus das Schloss. Es war als Witwensitz für die Kaiserin Karolina Augusta vorgesehen. Danach kam es in Besitz der Erzherzöge Franz Karl (1835) und Karl Ludwig, Bruder des Kaisers Franz Joseph (1861). Ebenfalls als Käufer scheint im Jahre 1866 Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko auf, der es allerdings nie bezahlte.

Im Jahr 1889 erhielt es der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand von seinem Vater Erzherzog Karl Ludwig. Unter seiner Zeit wurde sowohl das Schloss als auch der Park umgebaut und modernisiert.

Im Jahre 1914 erbte nach dem Attentat von Sarajevo der älteste Sohn des Thronfolgers, Maximilian, das Schloss, der damals 12 Jahre alt war. Mit dem Adelsaufhebungsgesetz 1919 verlor der Adel in der Republik Österreich auch seine Namensvorrechte. Nach dem Anschluss 1938 wurde Maximilian Hohenberg enteignet und mit seinem Bruder Ernst Hohenberg als einer der ersten Österreicher in das KZ Dachau deportiert. Der enteignete Familienbesitz gelangte nach der Zeit des Nationalsozialismus an die Republik Österreich.

Im Jahr 1949 wurde das Schloss durch die Republik Österreich wieder an Maximilian restituiert, der es 1962 seinem Sohn Franz vererbte.

Nach dem Tod Franz Hohenbergs 1977 überschrieb dessen Witwe, Elisabeth von Luxemburg, den Besitz in Artstetten mit Schloss, Museum, Forst- und Landwirtschaft ihrer ältesten Tochter Anita welche mit ihrem Mann, dem französischen Grafen de La Poeze d´Harambure, 1982 das Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum gründete und das Schloss renovierte. Aus dieser Ehe stammen vier Kinder, die sich nunmehr für das historische Erbe engagieren. Seit 2003 ist das Schloss sowie sämtliche Ländereien Eigentum der „Anita-Hohenberg-Stiftung“.

Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum[Bearbeiten]

In einem dazugebauten Teil der Anlage befindet sich heute das Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum. Die erste Ausstellung, Von Mayerling bis Sarajewo, wurde durch eine Ausstellung mit dem Titel Thron oder Liebe abgelöst. Daneben werden auch jährliche Sonderausstellungen veranstaltet. Dazu zählen:

  • 1987: Kinderzeichnungen des Kaisers Franz Josephs
  • 1988: Maximilian Kaiser von Mexiko
  • 1989: Die grüne Welt der Habsburger
  • 1991: Thron oder Liebe
  • 1993: 100 Jahre Weltreise des Thronfolgers
  • 1994: Sarajevo 1914
  • 1996: Erzherzog Carl Ludwig, Vater des Thronfolgers
  • 1998: Kunst und Faszination Chinas
  • 2000: 100 Jahren Trauung Franz Ferdinand und Sophie Chotek
  • 2001: Ein Schiff wird kommen
  • 2003: Der Thronfolger und die Architektur
  • 2005: Das Haus Hohenberg verhinderte Dynastie
  • 2007: Dienstboten Geschichten
  • 2009: Das Boudoir und seine Geheimnisse
  • 2010: Jedermanns Thron
  • 2011: Gut behütet
  • 2014: Regieren und Verlieren

Schlossarchiv[Bearbeiten]

Das im Privatbesitz befindliche und der Öffentlichkeit bedingt zugängliche Schlossarchiv ist ein natürlich gewachsener Bestand, dennoch von Bedeutung für die Geschichte Österreich und das Privatleben der Kaiserliche Familien. Das Herrschaft- und Gutsarchiv ist seit dem Kauf durch Kaiser Franz I (1823) lückenlos erhalten. Es dient der Schaffung der vielen Sonderausstellungen, was auch jeweils ein Grund für eine thematische Inventarisierung ist. Es wurde im Zuge der Schaffung des Museums 1982 von Romée de La Poeze d´Harambure mit Hilfe des Historikers Wladimir Aichelburg zusammengestellt und in Sonderräume aufbewahrt. 2011 erfolgte durch die Schlossherrin Anita Hohenberg eine komplette Adaptierung und Modernisierung.

Pfarrkirche und Familiengruft[Bearbeiten]

Gruft mit Marmorsarkophagen von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie

Die Schloss- und Pfarrkirche „St. Jakobus der Ältere“ steht an der Ostseite des Schlosses und ist durch eine Treppe mit dem tiefer liegenden Markt Artstetten-Pöbring verbunden. Die ursprünglich frei stehende gotische Kirche wurde 1691–1698 zu einem barocken Saalbau erweitert und bis zum Schloss verlängert. Unter Erzherzog Franz Ferdinand erfolgte vor dem Ersten Weltkrieg eine Umgestaltung der Pfarrkirche im Stil des Historismus.

1909 erteilte Franz Ferdinand den Auftrag zur Errichtung einer Familiengruft für zwölf Särge unter dem Vorplatz der Pfarrkirche. Da seine Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, wegen ihrer aus der Sicht des Kaisers unstandesgemäßen Herkunft nicht in der Kapuzinergruft bestattet werden konnte, wurde eine Gruft unter der Schloss- und Pfarrkirche errichtet, wo sie auch bestattet wurde. Auch er verzichtete auf eine Beisetzung in Wien und wurde seinem Wunsch gemäß ebenfalls in der Artstettner Gruft bestattet. Am gemeinsamen Sockel stehen die Worte „Verbunden durch das Band der Ehe, vereint durch das gleiche Geschick“.[1] 1955/56 wurde die Gruft nach dem Tod von Ernst Hohenberg unter dem Kirchturm und der Schloss-Südterrasse erweitert. Diese sowie der Vorplatz der Kirche wurden 1985 renoviert. Heute sind neben den beiden Söhnen und ihren Frauen auch drei Enkel Erzherzog Franz Ferdinands sowie Elisabeth von Luxembourg hier beigesetzt. Die alte Schlossherrengruft, welche sich unmittelbar unter der Kirche befindet, ist den Nachkommen aus der Ehe Anita Hohenberg und Graf Romée de La Poeze d´Harambure gewidmet.[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Eine 10-Euro-Münze der Österreichischen Nationalbank wurde im Jahr 2004 dem Schloss Artstetten gewidmet.[3]
  • Anbringung einer Gedenktafel betreffend Erzherzog Franz Ferdinand und Herzogin v. Hohenberg in der Kapuziner Gruft in Wien welche durch Kardinal Franz König enthüllt wird. (1986)
  • Verleihung der Wachauer Goldhaube in Silber (1988)
  • Verleihung des Würdigungspreises des Landes Niederösterreich für den Gründer des Museums:Romée de La Poeze d´Harambure (1990)
  • Schloss Artstetten wird als Hauptdrehort für die 11-teilige TV-Serie „Donau Prinzessin“ ausgewählt. (1991)

Literatur[Bearbeiten]

  • Falko Daim, Karin Kühtreiber, Thomas Kühtreiber: Burgen – Waldviertel, Wachau, Mährisches Thayatal. 2. Auflage. Verlag Freytag & Berndt, Wien 2009, ISBN 978-3-7079-1273-9, S. 68–70.
  • Gerhard Stenzel: Von Schloss zu Schloss in Österreich. Kremayr & Scheriau, Wien 1976, ISBN 3-218-00288-5.
  • Wladimir Aichelburg: Erzherzog Franz Ferdinand und Artstetten. Orac, Wien 1986, ISBN 3-7015-0010-X.
  • Christiane Scholler: Willkommen im Schloss. Schloss Artstetten, 2011, ISBN 978-3-200-02192-1.
  • Burgen,Stifte und Schlösser Regionen Waldviertel, Donauraum, Südböhmen, Vysočina, Südmähren ISBN 978-3-9502262-2-5, S. 16 ff
  • Wladimir Aichelburg: Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich Este und Artstetten. Via Imperialis, Wien 2000, ISBN 3-901749-18-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich Este und Artstetten. Wladimir Aichelburg.ISBN 3-901749-18-7
  2. Archiv Schloss Artstetten/Gruft/Vertrag> und <Archiv Schloss Artstetten/Patronat/Korrespondenz/Gruft
  3. Eintrag zu Schloss Artstetten in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Münzenalbum)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Artstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.24251388888915.202572222222Koordinaten: 48° 14′ 33″ N, 15° 12′ 9″ O