Schloss Liebieg

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Schloss Liebieg
Schloss Liebieg

Schloss Liebieg

Entstehungszeit: 13. Jahrhundert
Burgentyp: Niederburg
Erhaltungszustand: wesentlich erhalten
Ständische Stellung: Adelssitz
Ort: Gondorf
Geographische Lage 50° 17′ 38″ N, 7° 27′ 39″ O50.2938888888897.4608333333333Koordinaten: 50° 17′ 38″ N, 7° 27′ 39″ O
Schloss Liebieg (Rheinland-Pfalz)
Schloss Liebieg

Als Schloss Liebieg (auch Liebig) wird die Niederburg in Gondorf an der Mosel in Rheinland-Pfalz seit Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Freiherrn von Liebieg wird die Gondorfer Niederburg seit dem 20. Jahrhundert Schloss Liebieg genannt.

Ritter Marsilius von Gondorf, Schultheiß in Trier und Münstermaifeld, ließ die Burg vermutlich zwischen 1255 und 1272 errichten. Marsilius aus dem Koblenzer Patriziergeschlecht von der Arken erwarb 1322/36 die Burg. In der Zeit von 1493 bis 1762 war die Eifeler Adelsfamilie Muhl von Ulmen Besitzer der Anlage bevor sie an die Herren von Hees vererbt wurde.

Nach der Verstaatlichung der Burgruine Ende des 18. Jahrhunderts durch die französische Verwaltung, gelangte die Anlage über den Versteigerungsweg an den Koblenzer Kaufmann Haßlacher und 1830 an den Koblenzer Bankier Simon Clemens. Johann Peter Clemens ließ sich das Schloss 1859/60 von dem Kölner Architekten Vincenz Statz zu einem neugotischen Landsitz umbauen. Um 1900 wurde von der Familie von Liebieg ein neuromanischer Anbau hinzugefügt.

Die Tochter Angelika des Bankiers hatte 1879 den aus Reichenberg in Böhmen stammenden Freiherrn und Reichsrat Theodor von Liebieg geheiratet. Damit kam die sogenannte Niederburg an die Familie von Liebieg und erhielt später deren Namen. Ende des 19. Jahrhunderts, unter der Leitung seines jüngeren Bruders Heinrich war das Unternehmen von u.a. Textil-, Porzellan-, Chemie- und Maschinenbaufabriken das größte der habsburgischen Donaumonarchie. Die 1868 geadelten Liebiegs gehörten zu den sehr reichen Familien Europas und sind als Kunstsammler und Mäzene (siehe auch Liebieghaus in Frankfurt am Main) bekannt geworden. Zusammen mit seiner Frau Angelika war Theodor Förderer und Mitglied des "Rheinischen Geschichtsvereins", einer Gesellschaft des rheinischen Adels und Besitzbürgertums zur Stärkung der rheinischen Identität im preußisch dominierten Rheinland.[1]

Angelika von Liebieg war eine engagierte Amateurarchäologin und Sammlerin von Kunstwerken des Mittelalters. Große Teile ihrer hier untergebrachten Sammlung von Ausgrabungsfunden (1878/90 wurden im Schlosspark ca. 1400 Gräber der römisch-germanischen Mischbevölkerung aus der Zeit der Völkerwanderung und dem frühen Mittelalter freigelegt)[2] und Kunstwerken (Kunsthandwerk, Skulpturen, Glasgemälde) des 13. bis 18. Jahrhunderts wurden ab der 1930er Jahre verkauft, u. a. an das Hessische Landesmuseum Darmstadt. Letzte Stücke der Sammlung und Inneneinrichtung gelangten 1972 in den Kunst- und Antiquitätenhandel.[3]Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der Familie von Liebieg, besonders durch die Enteignung ihrer Besitzungen in der ehemaligen Tschechoslowakei, war das Schloss wechselnden Verwendungen unterworfen.

Seit Anfang der 1990er Jahre ist das Schloss in Privatbesitz und wird für Veranstaltungen, sowie die Präsentation von Antiquitäten, modernen Möbeln und Kunst usw. genutzt.

Die im Park 1892 entstandene Kapelle diente ursprünglich als Grablege der Familie von Liebieg. 2010 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Untersagung des Abrisses der eigentumsrechtlich ausgegliederten Schlosskapelle aus Gründen des Denkmalschutzes rechtmäßig sei [4].

Bauentwicklung[Bearbeiten]

Das Aussehen des mittelalterlichen Anwesens vor der Umgestaltung in den Jahren 1859/60 ist u.a. anhand einer 1841 angefertigten Zeichnung des Archivars Leopold von Eltester zu erkennen. Danach hatte die zur Mosel zugewandte Seite über einem Keller ein dreigeschossiges Hauptgebäude. Unmittelbar daran schließt sich ein schmaler, quadratischer Turm an, der beim Umbau 1859/60 ein mit Walmdach versehenes Obergeschoss sowie eine Galerie erhielt.

Denkmalschutz[Bearbeiten]

Das Schloss Liebieg ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Es liegt in der Römerstraße 52.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Liebieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten]

  • Eintrag über Schloss Liebieg in der EBIDAT, der wissenschaftlichen Datenbank des europäischen Burgeninstituts
  • Dehio RP (1984), S. 320f.
  • KD Mayen (1943), S. 96.113
  • HHSt RP (1988), S. 116f.
  • Holdorf, Burgen (1999), S. 30-33
  • Brommer, Momentaufnahmen (2000), S. 70f.
  • Liessem, Wehrbauten (1980), S. 145-152
  1. Marschner, Erhard, Liebieg von, Theodor Freiherr, Neue Deutsche Biographie 14 (1985) und Museum Giersch, Ausstellungskatalog Kunstschätze des Mäzens Heinrich von Liebieg, Frankfurt am Main 2012
  2. Schulze-Dörrlamm, Mechthild, Die spätrömischen und frühmittelalterlichen Gräberfelder von Gondorf, Germanische Denkmäler der Völkerwanderungszeit, Bd. 14, Stuttgart 1990
  3. mündl. frdl. Auskunft des ehemaligen Bürgermeisters Josef May, Kobern-Gondorf
  4. http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20100414_1bvr214008.html
  5. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Mayen-Koblenz (PDF; 1,7 MB), Koblenz 2013.