Schloss Morsbroich

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Schloss Morsbroich, Frontfassade, 2007

Das Schloss Morsbroich [ˈmoɐ̯sbʀoːx] im Leverkusener Stadtteil Alkenrath ist eine ehemalige Kommende des Deutschen Ordens. Seit 1951 ist im Schloss das Städtische Museum für moderne Kunst beheimatet.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1389[Bearbeiten]

„Moursbroich Kirspels Rath Bergischen Ambts Miseloh“. Plan des Landmessers Franz Ehmans von 1762.
Schloss Morsbroich um 1860, Sammlung Alexander Duncker

In der Literatur wird die Entstehungs- und Besitzgeschichte teilweise deutlich abweichend voneinander dargestellt. Franz Gruss nennt Udo Mor von Rode als ersten Besitzer des Schlosses, nach dem dieses auch benannt worden sei. Ursprünglich habe er vom Erzbischof Heinrich von Molenark einen Lehen erhalten und dort „einen befestigten Hof (Burg)“ errichtet.[1]

Albrecht Brendler hingegen schreibt in seinem Text „Der Raum Leverkusen im Mittelalter“:[2] „[…] nichts mit Morsbroich zu tun hat hingegen der schon 1220 genannte Ritter Udo Moir von Rode […]. Dieser trägt den Namen »Rode« nicht etwa vom nahen Schlebuschrath, sondern von Besitzungen im niederrheinischen Herzogenrath. Der […] Beiname »Moir« stand eigentlich für dunkle Gesichts- und Hautfarbe“.[3] Er nennt stattdessen die urkundliche Erwähnung des Ritters Johann Moyr von deme Broichge 1328 als den Beginn der Schlossgeschichte.

Gruss beruft sich bei seinen Angaben auf Anton Fahnes Geschichte der Kölnischen, Jülischen und Bergischen Geschlechter[4], Brendler auf eine Urkunde im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und einen ebenda abgelegten Eintrag aus dem Zinsregister.[5][6] Gruss nennt später jedoch auch Johann Moir von dem Broiche und Ähnliches in Bezug auf historische Quellen wie Gerichtsprotokolle und Urkunden. Er geht davon aus, dass Udo Mor von Rode bereits einen Vorgängerhof errichtet hatte.

1389 bis 1757[Bearbeiten]

Einig ist man sich in der Literatur, dass die Familie zuletzt 1389 erwähnt wird und sich ihre Spur dann verliert. Bis dahin blieb Morsbroich und daran hängend die Schutzherrschaft über die Pfarrkirche Radevormwald in Besitz der Moir von Broichs. Die Besitzverhältnisse nach diesem Zeitpunkt sind sehr unklar. Erst 1437 wird Albrecht von Zweiffel (auch Zwyffel) als Besitzer von Morsbroich urkundlich genannt. 1491 verkauften die Erben des ersten Matthias von Zweiffel urkundlich belegt den Hof an Heinrich von Ossenberg.[7][8][9] Damit gingen auch Teile des Schlebuschrather Waldes, das Kirchenpatronat und ein Hof in Bensberg an Ossenberg über, nachdem die Anteilseigner davor sehr breit gefächert und verstreut waren. 1561 sind die unklaren Besitzverhältnisse in dieser Zeit auch urkundlich belegt, Ossenberg führte den Besitz jedoch wieder auf sich zusammen.

1530 erbte der Sohn Wilhelm Morsbroich. 1575 war es in Besitz der Familie von Hall, die es dann 22 Jahre später an den Ehegatten ihrer Tochter verkauften. 1607 schon hatten diese eine hohe Grundschuld auf dem Gut liegen.[10] Auch aufgrund der Unruhen im Dreißigjährigen Krieg erwarb Komtur Adolf von dem Bongardt aus der Ballei Koblenz 1619 den Rittersitz Morsbroich im Namen des Deutschen Ordens. So residierten mehrere Landkomture auf Morsbroich. Dazu zählten zum Beispiel Heinrich von Reuschenberg, der dies von 1662 bis 1671 tat, und in seiner Wirkungszeit den Rittersitz Schlebusch hinzukaufte. Nach einigen weiteren Komturen, wie beispielsweise Karl-Gorwin Adolph von Nesselrode-Ehrenhofen, Karl-Gottfried von Loe und 1716 Jobst Moritz Droste zu Senden. Dieser förderte während seiner Amtszeit Wallfahrten zur Verehrung des Seligen Gezelinus von Schlebusch. Die ihm geweihte Kapelle direkt neben Schloss Morsbroich bildete deshalb sowohl einen Ort stiller Verehrung als auch regelmäßiger, festlicher Wallfahrten. Die Kapelle war unter Henrich von Reuschenberg 1662 wiederhergestellt worden.

1757 bis 1945[Bearbeiten]

Furt und Wasserfall im Englischen Landschaftsgarten

Ignaz Felix Freiherr von Roll zu Bernau ließ 1757 das „gantz ruinöse“ Gebäude niederlegen und an seiner Stelle 1775 ein Schloss als „Maison de plaisance“ im Stil des Rokoko errichten. Als Vorbild diente das Jagdschloss Falkenlust in Brühl. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch ein dazugehöriger Englischer Landschaftsgarten angelegt.

Im Zuge der Säkularisation wurde der Besitz des Deutschen Ordens 1803 verstaatlicht und ging 1806 in französischen Besitz über, als Joachim Murat, ein Schwager Napoléons, von diesem zum Herzog von Kleve und Berg ernannt worden war. Murat war überwiegend beschäftigt als Marschall Napoleons in seinen Kriegen. So übertrug er die Regierung des Großherzogtumes Berg an seinen Finanzminister Jean Antoine Michel Agar, dem, angelehnt an den Namen des Schlosses, von Murat der Titel eines Comte de Mosbourg verliehen wurde. Agar residierte jedoch selten in Morsbroich, sondern musste vorwiegend in der bergischen Landeshauptstadt Düsseldorf präsent sein. 1808 folgte er seinem Dienstherrn Murat, der zum Souverän des Königreichs Neapel erhoben worden war, nach Neapel.

Nachdem das Rheinland als Folge des Wiener Kongresses Teil des Königreichs Preußen geworden war, erwarb 1817/18 der Kölner Bankier Abraham Schaaffhausen das Schloss einschließlich der zugehörigen Grafschaft Morsbroich von Agar. Dieser, offensichtlich auf den Verkaufserlös angewiesen, jedoch nicht bereit mit Frau und Kind zu teilen, ließ im Januar und März 1818 seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder ermorden.[11] Nach dem Tod Schaaffhausens am 13. Januar 1824 verblieb der Besitz unabgeteilt in dessen Nachlass, bis 1848 das Bankhaus A. Schaaffhausen durch eine Überhitzung des Kölner Immobilienmarktes in eine Schieflage geriet. Durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft konnte zwar der nunmehrige A. Schaffhausen'sche Bankverein gerettet werden, doch wurden bei der Neubegründung die Immobilien aus dem Nachlass Abraham Schaaffhausens als Aktiva eingebracht, wodurch der Bankverein Eigentümer des etwa 1400 Hektar großen Besitzes wurde. 1857 gelangte die gesamte Herrschaft an Friedrich von Diergardt, der 1848 zu den Gründern des Bankvereins gehörte und Mitglied dessen Aufsichtsrat wurde. Diergardt errichtete 1859 eine Stiftung zur Umwandlung der Grafschaft Morsbroich in die Familienfideikommisse Morsbroich und Dünnwald, in denen sie bis zum Ende des Kaiserreichs 1918 verblieben. Seine Familie ließ das Gebäude von 1885 bis 1887 um zwei Seitenflügel nach Plänen des Kölner Architekten Hermann Otto Pflaume erweitern.

1945 bis heute[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg mietete die Stadt Leverkusen das stark beschädigte Gebäude im Jahr 1948. Nachdem Pläne zur Errichtung eines Alters- oder Kinderheimes im Schloss verworfen worden waren, wurde dort 1951 auf eine Initiative von Bertha Middelhauve hin ein Museum eröffnet. Im Jahr 1974 beschloss der Leverkusener Stadtrat den Kauf des Besitzes. Für 3 Millionen DM erwarb sie das ehemalige Rittergut von der Freiherr von Diergardt’sche Verwaltung, die den Besitz im Auftrag der Erben betreute. Nach mehrjährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten öffnete das Museum im Oktober 1985 erneut seine Pforten für die Öffentlichkeit mit dem städtischen Museum für moderne Kunst, das bis heute dort besteht. Darüber hinaus ist das Schloss Repräsentationsfläche der Stadt Leverkusen und bietet die Möglichkeit der Hochzeit im Spiegelsaal.

Kunstsammlung[Bearbeiten]

Skulptur von Erich Hauser im Schlosspark

Das Museum ist spezialisiert auf analytische Malerei, den Nouveau Réalisme, die Op-Art, die kinetische Kunst sowie die Monochromie (mit beispielsweise Yves Klein oder Piero Manzoni). Zudem haben einige zeitgenössische Künstler Eingang in die Sammlung gefunden.[12] Ergänzend kommen die Skulpturen im Schlosspark und ungefähr vierteljährlich wechselnde Ausstellungen hinzu.[13]

2008 erwarb das Land Nordrhein-Westfalen aus der Sammlung Ruepp ein Konvolut mit 23 Arbeiten von Wolf Vostell aus den Jahren 1962 bis 1992 und stellte es dem Museum Morsbroich als Dauerleihgabe zur Verfügung.[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2009 wurde das Museum vom Internationalen Kunstkritikerverband AICA zum Museum des Jahres gewählt. Die Deutsche Sektion des Verbandes begründete seine Entscheidung damit, dass es das Publikum mit den eigenen Sammlungen zeitgenössischer Kunst sowie den Wechselausstellungen vorbildlich an die aktuellen Kunstströmungen heranführt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. F. Gruss: Höfe, Rittersitze, Kirchspiele – Leverkusen, Seite 165.
  2. Stadtarchiv Leverkusen: Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein, Seite 59 ff.
  3. Stadtarchiv Leverkusen: Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein, Seite 92, Zeile 21 ff.
  4. Anton Fahne: Geschichte der Kölnischen, Jülischen und Bergischen Geschlechter. Neudruck der Ausgabe 1848, Osnabrück 1965.
  5. Stadtarchiv Leverkusen: Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein, Seite 99
  6. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen – Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Dünnwald Urk. Nr. 11 bzw. Stift Düsseldorf Akten Nr. 70.
  7. Stadtarchiv Leverkusen: Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein, Seite 92.
  8. F. Gruss: Höfe, Rittersitze, Kirchspiele – Leverkusen, Seite 166.
  9. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen – Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Jülich-Berg I Nr. 1011 und 1234.
  10. J. André: Beiträge zur Geschichte der Gemeinden Wiesdorf und Bürrig. 1912.
  11. H. J. Mahlberg: Die Grafschaft Morsbroich. 700.000 francs und ein Mordskandal. In: Schloß Morsbroich in Leverkusen, Seite 90 ff.
  12. Angaben des Museums, Stand: 16. Februar 2009.
  13. Vgl. Ausstellungsarchiv, Stand: 16. Februar 2009.
  14. Wolf Vostell im Museum Morsbroich, Zugriff am 7. September 2012.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Duncker: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern. Band 4. Berlin 1861/62. (PDF; 281 KB)
  • Franz Gruss: Höfe, Rittersitze, Kirchspiele – Leverkusen. Anna Gruss, Leverkusen 1984.
  • Ernst Koenigs. Erinnerungsschrift zum 50jährigen Bestehen des A. Schaaffhausen’schen Bankvereins. Köln 1898.
  • Hermann J. Mahlberg: Schloss Morsbroich in Leverkusen. Vom Rittersitz zum Avantgarde-Museum. Müller und Busmann, Wuppertal 1995, ISBN 3-928766-17-1.
  • Sabine Schütz: Museum Schloss Morsbroich in Leverkusen. Große Baudenkmäler, Heft 378. Deutscher Kunstverlag, München 1987.
  • Stadt Leverkusen (Hrsg.): Vom Rittersitz zum Kunstmuseum. Morsbroich und seine Geschichte. 2. Auflage. Selbstverlag, Leverkusen 1988.
  • Stadtarchiv Leverkusen (Hrsg.): Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2005, ISBN 3-89534-575-X, Seite 92 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Morsbroich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.0361111111117.0333333333333Koordinaten: 51° 2′ 10″ N, 7° 2′ 0″ O