Peter Joseph Lenné

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Peter Joseph Lenné um 1850

Peter Joseph Lenné (* 29. September 1789 in Bonn; † 23. Januar 1866 in Potsdam) war ein preußischer Gartenkünstler und Landschaftsarchitekt des deutschen Klassizismus.

Peter Joseph Lenné prägte fast ein halbes Jahrhundert die Gartenkunst in Preußen. Er gestaltete weiträumige Parkanlagen nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten und konzentrierte sich vor allem in seiner Spätzeit auf eine sozialverträgliche Stadtplanung Berlins, indem er Grünanlagen für die Naherholung der Bevölkerung schuf. Der Schwerpunkt seiner Arbeiten lag im Berlin-Potsdamer Kulturraum, doch finden sich auch in vielen weiteren Teilen Deutschlands Zeugnisse seiner Arbeiten.

Charakteristische Merkmale seiner Landschaftsgestaltungen sind die vielfältigen Sichtachsen, mit denen er vor allem in Potsdam die einzelnen Parkanlagen optisch miteinander verband und deren Bauwerke durch diese Sichtlinien wirkungsvoll in Szene setzte. Die Sichtschneisen nahm er als Ausgangspunkt für die Anlage verschlungener Wege und Gartenflächen, in denen er mit exotischen Pflanzen Akzente setzte. Sein landschaftskünstlerisches Werk bildet einen wesentlichen Teil der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft, die von der Pfaueninsel bis nach Werder reicht. Es steht, seit die gesamte Landschaft 1990 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, unter dem Schutz der UNESCO.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Lennés Geburtshaus in Bonn
Inschrift am Geburtshaus

Peter Joseph Lenné wurde 1789 im Gärtnerhaus, heute Konviktstraße 4, am Kurfürstlichen Schloss in Bonn geboren. Sein Vater, Peter Joseph Lenné d. Ä. (1756–1821), bekleidete dort das Amt des leitenden Hofgärtners sowie des Vorstehers des Botanischen Gartens, der zur kurfürstlichen Universität (1786–1798) gehörte und an der er Botanik lehrte. Seine Mutter hieß Anna Catharina, geborene Pottgieter, eine Tochter des Bürgermeisters in Rheinberg.[1]

Lenné war Nachkomme der aus der Gegend von Lüttich stammenden Gärtnerfamilie Le Neu oder auch Le Nain[2] (franz.: nain = Zwerg, zwergenhaft), die 1665 ins Rheinland auswanderte und seitdem in Poppelsdorf bei Bonn in kurfürstlichen Diensten stand. Wahrscheinlich erfolgte durch den Urgroßvater Maximilian Heinrich (1675–1735) 1699 eine Namensänderung in Lenné,[3] andere Quellen verweisen auf Peter Joseph Lenné d. Ä.[4]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Der Familientradition folgend entschied sich Peter Joseph Lenné für den Gärtnerberuf. Auf Wunsch des Vaters, der für seinen Sohn eine akademische Ausbildung wünschte, erhielt er schon während der Gymnasialzeit Unterricht durch einen Universitätslehrer in wissenschaftlicher Botanik. 1805 verließ er die Schule und begann eine Gärtnerlehre bei seinem Onkel mütterlicherseits, dem Hofgärtner Josef Clemens Weyhe in Brühl, die er am 15. September 1808 abschloss.

Von seinem Vater finanzierte Studienreisen führten ihn 1809 nach Süddeutschland und 1811/12 nach Frankreich. In Paris absolvierte er eine Ausbildung zum Gartenbaumeister. Bei André Thouin, dem Leiter des Botanischen Gartens im Pariser Jardin des Plantes und Mitglied der Académie des sciences, erwarb Lenné Kenntnisse in der wissenschaftlichen Botanik seltener Sträucher und exotischer Pflanzen, die er später durch akzentuierte Anpflanzungen in die Praxis umsetzte. Diese Art der Gartengestaltung unterschied seine Arbeiten von den Werken Friedrich Ludwig von Sckells und seines Konkurrenten Hermann Fürst Pückler-Muskau, die einheimische Gewächse bevorzugten. Von André Thouins jüngerem Bruder Gabriel Thouin, einem der damals berühmtesten Gartenarchitekten Europas und bedeutenden Vertreter des frühen Landschaftsgartens, des „Jardin romantique“, lernte Lenné die Gestaltung mit leicht geschwungener Wegeführung und hosenartigen Wegekreuzungen, stets leicht gekrümmt und immer so, dass eine harmonische Raumordnung entsteht.[5] Das 1820 von Gabriel Thouin publizierte Gartenwerk „Les Plans raisonnés de toutes les espèces de jardins“, das unter anderem einen Vorschlag zur Umgestaltung des barocken Gartens von Schloss Versailles in einen englischen Landschaftsgarten enthielt, sollte für Lennés spätere Arbeit in Laxenburg bei Wien zum Vorbild werden. Ein weiterer Lehrmeister war Jean Nicolas Louis Durand, der am Pariser Polytechnikum architektonisches Entwerfen unterrichtete und mit der Entwicklung eines Rastersystems die Planung und Gestaltung im Städtebau vereinfachte. In dessen Vorlesungen erlangte Lenné Kenntnisse in der Einbindung von Architektur in Grünflächen.

Nach seinem Pariser Aufenthalt kehrte Peter Joseph Lenné im Sommer 1812 zunächst zu seinen Eltern nach Koblenz zurück, wohin die Familie während der napoleonischen Besatzung 1811 umsiedelte und wo der Vater durch den Präfekten Jules Doazan zum Direktor der Gärten ernannt worden war. Noch im selben Jahr trat Lenné seine dritte Studienreise an, die ihn in die Schweiz und nach Süddeutschland führte. Während seines Aufenthalts in München lernte er möglicherweise den Gartengestalter Friedrich Ludwig von Sckell kennen, den Schöpfer der landschaftlichen Umgestaltungen im ursprünglich barocken Schlossparks Nymphenburg und des Englischen Gartens in München. Das Zusammentreffen ist allerdings nicht dokumentiert.[6] Lediglich die von Lenné übernommenen Sckell’schen Geländemodellierungen auf Zeichnungen und in der praktischen Anwendung lassen ein Zusammentreffen vermuten, können aber auch allein aus der praktischen Anschauung der Werke Sckells herrühren. Bereits im Herbst 1812 ging seine Reise nach Wien. Dort erhielt er eine Anstellung in den Parkanlagen des Schlosses Schönbrunn unter dem Hofgärtner Franz Boos, einem Jugendfreund seines Vaters. Ein weiterer Wechsel nach Laxenburg, dem Sommersitz der Habsburger, erfolgte 1814. Dort bekam er den Auftrag, die weiträumige Parkanlage des Barockschlosses Blauer Hof in einen englischen Landschaftsgarten umzugestalten. Während seines Laxenburger Aufenthalts erhielt er den Titel eines „Kaiserlichen Garten-Ingenieurs“. 1815, ein Jahr nach dem Tod seiner Mutter am 12. Januar 1814, kehrte Peter Joseph Lenné nach Koblenz zurück. Neben der Gestaltung von Privatgärten entwarf er Pläne für die Umwandlung der zerstörten Festungsanlagen in eine Parkanlage und die Anlage der Koblenzer Schlossstraße.

Berufung an den preußischen Hof[Bearbeiten]

Plan vom friderizianischen Teil des Parks Sanssouci. Peter Joseph Lenné, 1816
Pleasureground am Schloss Glienicke

Als nach dem Wiener Kongress die Rheinprovinz dem Königreich Preußen zugesprochen wurde, bewarb sich Lenné um eine Stelle in preußischen Diensten. Durch die Napoleonischen Kriege waren die Berliner und Potsdamer Parkanlagen in einem verwahrlosten Zustand, deren Verwaltung dem Hofmarschallamt unterstand, das Hofmarschall und „Intendant der Königlichen Schlösser und Gärten“ Burchard Friedrich Freiherr von Maltzahn leitete. Im Februar 1816 erhielt Lenné in Potsdam eine Gehilfenstelle[7] mit Probezeit bis Michaelis (29. September)[8] und war anfangs vermutlich an verschiedenen Orten tätig, um Zeichnungen von den königlichen Gartenanlagen anzufertigen.[9] In diesem Jahr entstand auch der „Plan von Sanssouci und dessen Umgebungen“. Im Mai bekam er bei Hofgärtner Johann Friedrich Morsch im Neuen Garten eine feste Stelle zugewiesen, wurde aber von Oberhofbaurat und Gartendirektor Johann Gottlob Schulze oft zum Zeichnen in die Gartendirektion bestellt. Dieser gewann einen guten Eindruck von Lenné, sah in ihm seinen einstigen Nachfolger und förderte ihn nach Kräften. […] Gewiss rechnete er [auch] damit, dass Lenné eine seiner Töchter heiraten würde, wie er selbst die Tochter seines Vorgängers Manger geheiratet hatte.[10] Im Neuen Garten wohnte Lenné im sogenannten „Grünen Haus“, an der Nordspitze des Heiligen Sees.[11]

In diese Zeit fällt ebenfalls der Auftrag des preußischen Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg, die Besitzungen Neuhardenberg und Glienicke gartenkünstlerisch umzugestalten. Nach dem Kauf der Gutsanlage Glienicke durch Carl von Preußen 1824, konnte Lenné seine landschaftsgärtnerischen Arbeiten unter dem neuen Eigentümer übergangslos weiterführen. Hier legte er den Grundstein für ein weiträumiges Gesamtkunstwerk, das unter seiner Leitung in den darauffolgenden fünf Jahrzehnten die „Insel Potsdam“ zu einem großen, zusammenhängenden Landschaftsgarten werden ließ. Dieses Großprojekt wurde vor allem in der Regierungszeit des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. gefördert.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

1817 wurden Peter Joseph Lenné in Potsdam drei frei gewordene Hofgärtnerstellen angeboten, die er alle ablehnte, weil ihm die Tätigkeiten in den Gartenrevieren nicht zusagten.[12] Eine Anstellung in der „Königlichen Gartendirektion“ nahm er im Februar 1818 an. Maltzahn, der Lenné förderte und maßgeblich an dessen Aufstieg verantwortlich war,[13] gab ihm den Titel „Garteningenieur und Mitglied der Gartendirektion“.

Nun hatte er nicht nur die Position eines Hofgärtners übersprungen, sondern war sogar deren Vorgesetzter und dem Oberhofbaurat und Gartendirektor Johann Gottlob Schulze fast gleichgestellt, der das Amt seit 1790 innehatte. In einer Instruktion des Hofmarschalls Maltzahn an die Hofgärtner vom 10. Februar 1818 heißt es, [...] daß Sie den Anordnungen des H. Lenné eben so Folge zu leisten haben, als wenn solche von mir oder dem Garten-Direktor ergangen, welches ein Jeder von Ihnen gewiß mit Vergnügen thun wird, da H. Lenné die Gartenkunst erlernt hat, und ein Mann ist, der gründliche Kenntnisse und Geschmack besitzt.[14] Die Gärtner mussten nun die Anweisungen dreier Vorgesetzter befolgen.

In der Zusammenarbeit zwischen Schulze und Lenné kam es fortwährend zu Spannungen. Schulze beklagte sich über die unklaren Kompetenzen in der Gartenverwaltung und bemängelte immer wieder Lennés Eigenmächtigkeiten, durch die er seine Autorität als Gartendirektor schwinden sah. Zudem bekam Lenné die Aufsicht über die Baumschulen übertragen, wodurch Schulze aus seinem Lieblingsgebiet verdrängt wurde.[13] Auch heiratete Lenné nicht dessen Tochter Karoline,[15] sondern am 3. Januar 1820 in der katholischen Kirche St. Peter und Paul[13] Friederica Louisa Voß (1798–1855), die älteste Tochter des lutherischen Hofgärtners im Potsdamer Küchengarten Joachim Heinrich Voß. Die 35-jährige Ehe blieb kinderlos.

Lenné zog aus der gehobenen Stellung seinen Nutzen.[16] Als 1822 auf Anregung des Staatsministers der Geistlichen-, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten Karl vom Stein zum Altenstein der „Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preußischen Staaten“ gegründet wurde, gehörte Lenné zu den elf Gründungsmitgliedern. In diesem ersten deutschen Gartenverein war er ab Juni 1823 Vorsteher der Verwaltungsausschüsse für Obstbaumzucht und für bildende Gartenkunst sowie zweiter Stellvertreter des Direktors.

Auf Antrag Lennés gründete Friedrich Wilhelm III. am 20. August 1823 die Königliche Landesbaumschule sowie die Gärtnerlehranstalten in Schöneberg und Wildpark Potsdam, die 1853 nach Potsdam und 1903 nach Berlin-Dahlem verlegt wurde. In der Lehranstalt erhielten die angehenden Gartenarchitekten erstmals eine Ausbildung auf wissenschaftlicher Basis. Am 21. Oktober 1823 ernannte ihn der preußische König zum Direktor der Landesbaumschule sowie zum Direktor der Potsdamer Gärtnerlehranstalt und 1828 zum Gartendirektor,[17] nachdem der fast 74-jährige Johann Gottlob Schulze, ohne um die Pensionierung gebeten zu haben,[18] am 1. April 1828 in den Ruhestand versetzt wurde. 1847 übernahm Lenné die Mitgliedschaft im „Landesökonomie-Collegium“, das in wirtschaftstechnischen Angelegenheiten das Landwirtschaftsministerium unterstützte und 1854 ernannte ihn Friedrich Wilhelm IV. zum General-Gartendirektor aller königlich-preußischen Gärten.

Seine Kenntnisse vertiefte und erweiterte er auf Reisen zum Studium der großen Parkanlagen. Nachdem der englische Gartenkünstler John Adey Repton (1775–1860) – ältester Sohn des Landschaftsarchitekten Humphry Repton – im Mai 1822 in Potsdam war und Gestaltungsmöglichkeiten für die königlichen Gärten vorschlug, reiste Lenné im Spätsommer des Jahres nach England. Seine Eindrücke, die er im Reisejournal festhielt, wurden 1824 unter dem Titel „Allgemeine Bemerkungen über die Brittischen Parks und Gärten“ in Fragmenten veröffentlicht.[19] Weitere Bildungsreisen folgten 1830/31 nach Süddeutschland und Westeuropa, 1837 nach Brüssel und Paris sowie 1844 und 1847 nach Italien.

Parkanlagen[Bearbeiten]

Verschönerungs-Plan der Umgebung von Potsdam, 1833. Nach Lenné, gezeichnet von seinem Schüler Gerhard Koeber
Plan von Charlottenhof oder Siam – Lennés Planungen in einer Lithografie von Gerhard Koeber von 1839

Lennés Garten- und Landschaftsgestaltungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit den Architekten Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Persius und Ferdinand von Arnim. Seine bereits 1818 begonnene Umgestaltung des Parks Sanssouci, der über die ganzen Dienstjahre sein Hauptaufgabengebiet blieb, erweiterte er ab 1825 nach dem Ankauf des Charlottenhofer Parkteils und verband den alten Park aus der Zeit Friedrichs II. mit dem neuen Areal, das er als Landschaftspark formte. Im friderizianischen Teil hatte er seine Dienstwohnung im Haus der Gartendirektion unterhalb der Weinbergterrassen des Schlosses Sanssouci.

Weitere Anlagen in Potsdam waren unter anderem die Russische Kolonie Alexandrowka, die Pfaueninsel, der Park Sacrow, der Böttcherberg und das gegenüberliegende Babelsberger Parkgelände, das jedoch wegen Unstimmigkeiten mit seinen Auftraggebern Wilhelm (I.) von Preußen und vor allem dessen Gemahlin Augusta durch seinen Konkurrenten Fürst Pückler-Muskau vollendet wurde. Nach dem Tod Friedrich Wilhelms IV. 1861 konnten die umfangreichen Gartenprojekte nicht fortgeführt werden. Der Nachfolger auf dem preußischen Thron, Wilhelm I., setzte andere Schwerpunkte.

Nach Lennés Entwürfen entstanden zudem zahlreiche Parkanlagen und Gutsgärten in und außerhalb Preußens, die heute durch Überformung, mangelhafte Pflege oder Umnutzung nicht immer als ein Werk Lennés erkennbar sind. Ein größeres Projekt war die gärtnerische Gestaltung des Klosterbergegartens in Magdeburg, deren Planung 1824 begann und die unter dem Titel „Ueber die Anlage eines Volksgartens bei der Stadt Magdeburg“[20] veröffentlicht wurden. Trotz seines Lebensmittelpunktes in Potsdam und Berlin blieb Peter Joseph Lenné seiner rheinischen Heimat verbunden. Im Raum Koblenz trug er zu weiteren Verschönerungen bei, insbesondere in den Koblenzer Rheinanlagen, die bis 1861 unter seiner Leitung entstanden. Beim Wiederaufbau von Schloss Stolzenfels, einem Hauptwerk der Rheinromantik, war er für die Gestaltung der Gartenanlagen verantwortlich. Da er in der alten Heimat den Lebensabend verbringen wollte, ließ er sich das unter dem Namen Lenné-Haus (nicht erhalten) bekannte Wohngebäude in Koblenz bauen, das er aber nicht mehr beziehen konnte.

Der Stadtplaner Lenné[Bearbeiten]

Plan des Berliner Tiergartens, 1833

Nicht nur in der Landschaftsgestaltung um Potsdam war Lenné gefragt. 1840 übertrug ihm der gerade inthronisierte König Friedrich Wilhelm IV. auch die städtebauliche Planung Berlins. Durch die Industrialisierung und den Zuzug der Landbevölkerung war die Einwohnerzahl auf rund 330.000 angewachsen, eine Zunahme, die sich seit 1810 mit rund 160.000 Einwohnern in dreißig Jahren mehr als verdoppelt hatte.[21] Nach den Vorstellungen in seinem 1840 publizierten Werk „Projectirte Schmuck- und Grenzzüge von Berlin mit nächster Umgebung“ entstand in enger Zusammenarbeit mit Karl Friedrich Schinkel die sogenannte Friedrich-Wilhelm-Stadt (Bezirk Mitte), die nach Schinkels Entwürfen erbaut und von Lenné 1840 mit einer Grünanlage versehen wurde; ebenso wie das Köpenicker Feld im Südosten Berlins.

Eine seiner bedeutendsten Leistungen bestand im Bau des Landwehrkanals und des Luisenstädtischen Kanals nach Plänen des Oberbaurats Johann Carl Ludwig Schmid sowie des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals, wonach er von den Berlinern Buddelpeter[22] genannt wurde. Bald gab es in der preußischen Hauptstadt kaum einen Platz den Lenné nicht gestaltete. Bei seinen städtebaulichen Planungen war er sich der sozialen Verantwortung gegenüber den Arbeitern des frühindustriellen Zeitalters bewusst, indem er für das Gemeinwohl Grüngürtel als Naherholungsflächen plante, die er allerdings nicht in allen Fällen ausführen konnte.

Lennés Gestaltungsphasen[Bearbeiten]

Die gärtnerischen Gestaltungen Lennés werden von Gartenhistorikern in drei Phasen gegliedert. Bis 1820,[23] andere Quellen verweisen auf die Zeit von etwa 1815 bis 1830, widmete er der reinen Gartenkunst. Zwischen 1820,[23] andere Quellen nennen 1830, bis zu seiner dritten Phase 1840, entstanden neben kleineren ländlichen Parkanlagen die weiträumigen Park- und Landschaftsgestaltungen mit Sichtachsen, Blumengärten mit zum Teil exotischen Pflanzen und Wasserspielen. Um seinen Gestaltungsideen Platz zu schaffen, ließ er oft alten Baumbestand abholzen oder Schneisen hinein schlagen. Lennés Nachfolger, Ferdinand Jühlke, charakterisierte ihn später als einen Zerstörer, welcher mit unbeugsamer Strenge das Alte niederwirft, um Raum für seine Ideen zu gewinnen und dann wieder als ein organisatorisches Genie, um wieder Ordnung und Harmonie in die Massen seiner Schöpfungen zu bringen. In Lennés gewaltiger Natur war die Kraft des Zerstörens, Schaffens und Organisierens in einer ganz wunderbaren Weise vereinigt.[24]

In seiner späten Gestaltungsphase, etwa ab 1840, passte Lenné seine Entwürfe dem aufgekommenen Historismus an, der in der Architektur die Stilformen vergangener Epochen wiederbelebte. In der Gesamtanlage eines englischen Landschaftsparks schuf er einzelne blumengeschmückte Gartenabschnitte, die zum Beispiel die geometrischen Formen der italienischen Renaissance- oder der französischen Barockgärten zum Vorbild hatten. In dieser Mischform des natürlichen Landschaftsparks mit schmückenden Gartenpartien entwarf Lenné nicht nur Privatgärten, sondern im Zuge der Stadtplanung ebenfalls öffentliche Grünanlagen und Volksparks, deren Gestaltung sein Meisterschüler und späterer Berliner Gartendirektor Gustav Meyer im Sinne Lennés fortsetzte. Schüler von Lenné und Meyer schlossen sich 1887 im Verein deutscher Gartenkünstler zusammen, um die Grundsätze der künstlerischen Gestaltung ihrer Vorbilder, der so genannten Lenné-Meyer-Schule, zu fördern und zu pflegen, die bis zur Gartenreformbewegung um 1900 richtungsweisend waren.

Ehrungen[Bearbeiten]

Das Grabkreuz auf dem Friedhof in Potsdam-Bornstedt

Während seiner Amtszeit bekam Lenné zahlreiche Ehrungen. Da er als preußischer Beamter in königlichen Diensten für seine Arbeiten außerhalb Preußens kein Honorar nehmen durfte,[25] erhielt er zahlreiche Sachgeschenke wie Orden, Tafelservice, Tuchnadeln und ähnliches mehr. Außerdem wurden noch zu seinen Lebzeiten Straßen nach ihm benannt, in denen er gartengestalterisch tätig war. Unter anderem in Berlin, wo er sich ein Jahr vor der Namensumbenennung durch den Architekten Ludwig Persius 1838 ein Haus in der Lennéstraße 1 (vormals Kanonenweg) errichten ließ. Am 30. April 1853 ernannte ihn die Königlich Preussische Akademie der Künste in Berlin zum Ehrenmitglied. Von der Universität Breslau bekam er am 12. Januar 1861 die Ehrendoktorwürde (Dr. phil. h. c.) und am 29. Juni 1863 von der Stadt Potsdam die Ehrenbürgerschaft.[26] Von den zwölf in- und ausländischen Orden, die Lenné zwischen 1832 bis 1864 erhielt,[27] empfing er von Friedrich Wilhelm IV. das Komturkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern und für einen preußischen Beamten bürgerlichen Standes als besondere Auszeichnung, den Roten Adlerordens II. Klasse.[28] Außerdem ließ der König 1848 im Park Sanssouci, nördlich des Neuen Palais, eine Herme mit Lennés Bildnis aufstellen. Die 1847 von Heinrich Berges ausgeführte Marmorbüste entstand nach einem Model von Christian Daniel Rauch. Die Botaniker ehrten ihn mit der Benennung einer Magnolienart, der Magnolia (soulangeana) lenneana, aus der Familie der Magnoliengewächse und mit der Gattung Monstera lennea (jetzt Monstera deliciosa) aus der Familie der Aronstabgewächse.

Kurz vor seinem fünfzigsten Dienstjubiläum erlitt Lenné im Alter von 77 Jahren einen Gehirnschlag.[29] Seine letzte Ruhe fand er auf dem Selloschen Privatfriedhof des Bornstedter Friedhofs neben Angehörigen der Gärtnerfamilien Sello und Nietner sowie den Architekten Ludwig Persius und Reinhold Persius. Ein für das Dienstjubiläum am 15. Februar 1866 von seinen Freunden und Schülern gestifteter silberner, mit Blattgold überzogener Lorbeerkranz konnte ihm wegen seines Todes nicht mehr überreicht werden. Er wurde dem Sarg vorangetragen. Jedes der fünfzig Blätter enthielt eine Gravur mit den wichtigsten von Lenné angelegten Gärten:

Pfingstberg, Glienicke, Sacrow, Ruinenberg, Alexandrowka, Lindstedt, Charlottenhof, Wildpark, Nordischer Garten, Neues Orangerie-Haus, Sizilianischer Garten, Sanssouci-Marly, Oeynhausen, Moabit-Borsig, Ludwigslust, Laxenburg, Leipzig, Dresden, Frankfurt, Berlin Zoologischer Garten, Neuhardenberg, Homburg, Basedow, Ballenstedt, Köln-Flora, Magdeburg, Breslau, Altenstein, Berlin Tiergarten, Boytzenburg, Berlin Plätze, Berlin Bebauung, Berlin Schiffahrts-Kanal, Oliva, Erdmannsdorf, Camenz, Fasanerie, Hohenzollern-Burg, Brühl, Stolzenfels, Benrath, Koblenz, Charlottenburg, Schönhausen, Babelsberg, Pfaueninsel, Wolfshagen, Schwerin, Neu-Strelitz, Lübeck.[30]

Werkeliste (Auswahl)[Bearbeiten]

Klosterbergegarten, Magdeburg, 2006
Lennépark, Frankfurt/Oder, 2008
Kurpark Bad Oeynhausen, 2005
Schlosspark Kittendorf, 2007
Büste von Peter Lenné in den Rheinanlagen von Koblenz

Literatur[Bearbeiten]

  • Petra Habrock-Henrich, Rita Hornbach, Brigitte Schmutzler (Red.): Peter Joseph Lennè - Eine Gartenreise im Rheinland. Begleitpublikation zur Sonderausstellung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz/Landesmuseum Koblenz vom 15. April-16. Oktober 2011 in der Festung Ehrenbreitstein. Schnell + Steiner (Regensburg 2011). ISBN 978-3-7954-2506-7.
  •  Florian von Buttlar (Hrsg.): Peter Joseph Lenné – Volkspark und Arkadien. Nicolai, Berlin 1989, ISBN 3-87584-277-4.
  •  Clemens Alexander Wimmer: Aus dem Leben Peter Joseph Lennés. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins. Nr. 85, 1989, S. 210 ff (Online-PDF-Dokument - abgerufen am 29. September 2009).
  •  Harri Günther: Peter Joseph Lenné: Gärten, Parke, Landschaften. DVA, Stuttgart 1991 (unveränderter Reprint der Originalausgabe im Verlag für Bauwesen, Berlin 1985), ISBN 3-421-02844-3 / ISBN 3-345-00374-0.
  •  Harri Günther, Sibylle Harksen (Bearbeiter), Heinz Schönemann (Hrsg.): Peter Joseph Lenné. Katalog der Zeichnungen. Wasmuth, Tübingen / Berlin 1993, ISBN 3-8030-2805-1 / ISBN 3-8030-2806-X (Katalogausgabe).
  • Guido Heinrich, Gunter Schandera: Magdeburger Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. Scriptum, Magdeburg 2002, ISBN 3-933046-49-1.
  • Gerhard Hinz: Peter Joseph Lenné. Das Gesamtwerk des Gartenarchitekten und Städteplaners. 2 Bde. Olms, Hildesheim 1989, ISBN 3-487-09210-7.
  • Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné. Jaron, Berlin 2003 (1. Aufl.), ISBN 3-89773-123-1.
  • Detlef Karg (Red.): Peter Joseph Lenné. Gartenkunst im 19. Jahrhundert. Beiträge zur Lenné-Forschung. Hrsg. v. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege. Verl. f. Bauwesen, Berlin 1992, ISBN 3-345-00265-5.
  • Detlef Karg, Hans-Joachim Dreger (Bearb.): Peter Joseph Lenné – Parks und Gärten im Land Brandenburg. Werkverzeichnis. Forschungen und Beiträge zur Denkmalpflege im Land Brandenburg. Bd 7. Werner, Worms 2005, ISBN 3-88462-217-X.
  • Gerd-Helge Vogel (Red.): Peter Joseph Lenné und die europäische Landschafts- und Gartenkunst im 19. Jahrhundert. 6. Greifswalder Romantikkonferenz 1989. Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald 1992. ISBN 3-86006-043-0.
  • Herbert Weiermann: Lenné, Peter Joseph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 211–213 (Digitalisat).
  • Clemens Alexander Wimmer: Bestandskatalog der Berliner Pläne von Peter Joseph Lenné, mit Anhang Bundesrepublik Deutschland und Österreich. Gartendenkmalpflege. H. 5. Kulturbuch, Berlin 1990.
  • Wunschman, Ernst: Lenné, Peter Josef. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 260 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Joseph Lenné – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harri Günther: Peter Joseph Lenné. Gärten Parke Landschaften. Berlin 1985, S. 13.
  2. Daraus wurde Lenné, Leneu oder Le Nen, beziehungsweise im Deutschen Lehnen, Leunen oder Lenen. Siehe Dissertation Helga Stoverock: Der Poppelsdorfer Garten. Vierhundert Jahre Gartengeschichte. Bonn 2001, hier: Die Familie Lenné, S. 180.
  3. Eintrag im Kirchenbuch von Sankt Martin, Bonn. Heirat des Max Lenné mit der aus Poppelsdorf stammenden Anna Gertrude Esch. Vgl. Dissertation Helga Stoverock, S. 181.
  4. Herbert Weiermann: Lenné, Peter Joseph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 211–213 (Digitalisat).
  5. Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné, S. 47.
  6. Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné, S. 48.
  7. Lenné selbst nannte sich nicht Gehilfe oder Geselle, sondern Gartenkünstler. Vgl. Nachlass Karoline Schulze: Geschichte der Gartenverwaltung der Königlichen Gärten, 1873/74. Manuskript im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, I. HA, Rep. 94, Nr. 814, S. 37.
  8. Karg, Dreger: Peter Joseph Lenné. Parks und Gärten im Land Brandenburg, S. 18.
  9. Georg Sello: Potsdam und Sans-Souci. Breslau 1888, S. 436f.
  10. Clemens Alexander Wimmer: Zur Geschichte der Verwaltung der königlichen Gärten in Preußen. In: SPSG: Preußisch Grün. Hofgärtner in Brandenburg-Preußen, Potsdam 2004, S. 71.
  11. Karg, Dreger: Peter Joseph Lenné. Parks und Gärten im Land Brandenburg, S. 148.
  12. Wimmer: Aus dem Leben Peter Joseph Lennes. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, S. 216.
  13. a b c Wimmer, in: SPSG: Preußisch Grün, S. 73.
  14. Nachlass Karoline Schulze: Geschichte der Gartenverwaltung der Königlichen Gärten, S. 32f.
  15. Karoline Schulze (1794–1881), Tochter des Gartendirektors Johann Gottlob Schulze, Heimatforscherin und Mitglied des Vereins für die Geschichte Potsdams.
  16. Wimmer: Aus dem Leben Peter Joseph Lennes. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, S. 218.
  17. Wimmer merkt an, die in verschiedener Literatur angegebenen Jahreszahlen 1822 oder 1824 seien nicht korrekt. Lenné habe sich vor der Amtsübernahme 1828 lediglich wegen des Prestigezuwachses gern „Gartendirektor“ genannt. Vgl. Wimmer: Zur Geschichte der Verwaltung der königlichen Gärten in Preußen, in: SPSG: Preußisch Grün, S. 74f.
  18. Nachlass Karoline Schulze: Geschichte der Gartenverwaltung der Königlichen Gärten, S. 711.
  19. Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preußischen Staaten: Allgemeine Bemerkungen über die Brittischen Parks und Gärten. 1. Band, Berlin 1824, S. 82ff, digital, abgerufen am 24. November 2011.
  20. In: „Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preußischen Staaten“, 2. Band, Berlin 1826, S. 147ff.
  21. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Siehe auch: Einwohnerentwicklung von Berlin.
  22. Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné, S. 14.
  23. a b Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné, S. 62.
  24. Ferdinand Jühlke (Hrsg.): Die Königliche Landesbaumschule und Gärtnerlehranstalt zu Potsdam: geschichtliche Darstellung ihrer Gründung, Wirksamkeit und Resultate: nebst Cultur-Beiträgen. Berlin 1872, S. 22.
  25. Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné, S. 144.
  26. Der Ehrenbürgerbrief wurde irrtümlich auf den Namen „Peter Paul Lenné“ ausgestellt und wird heute im Hofgärtnermuseum des Schlosses Glienicke, Berlin, aufbewahrt.
  27. Wimmer: Aus dem Leben Peter Joseph Lennes, 1989, S. 219.
  28. Ehrenbürgerbrief der Stadt Potsdam für Peter Joseph Lenné.
  29. Eingetragene Todesursache im Totenbuch 1862–1866, S. 135. Pfarramt St. Peter und Paul, Potsdam. Lennés Geschwister gaben in der Todesanzeige ein Unterleibsleiden an. Staatl. Schlösser und Gärten, Berlin: Stiftung Lenné.
  30. Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné, S. 150f. Der Kranz wird im Hofgärtnermuseum des Schlosses Glienicke aufbewahrt.
  31. Irmela Körner, Rainer Meissle: Brandenburgs Gärten und Parks – Literarische Spaziergänge. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Monumente-Publikationen, Bonn 2008, ISBN 978-3-936942-97-2
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Dieser Artikel wurde am 30. Mai 2006 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.