Gerhard Richter

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Dieser Artikel behandelt den Künstler Gerhard Richter. Zu gleichnamigen Personen siehe Gerhard Richter (Begriffsklärung).
Gerhard Richter 2005

Gerhard Richter (* 9. Februar 1932 in Dresden) ist ein deutscher Maler, Bildhauer und Fotograf. Er war von 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Leben[Bearbeiten]

Gerhard Richter wuchs in Reichenau und Waltersdorf in der Oberlausitz auf. 1948 beendete er die höhere Handelsschule in Zittau mit der Mittleren Reife und wurde dort von 1949 bis 1951 zum Schriften- sowie Bühnen- und Werbemaler ausgebildet. 1950 wurde sein Aufnahmeantrag für die Hochschule der bildenden Künste in Dresden abgelehnt. 1951 schließlich konnte er sein Studium an der dortigen Kunstakademie antreten. Seine Lehrer waren Karl von Appen, Heinz Lohmar und Will Grohmann. 1955 schuf Richter für sein Vordiplom ein Wandgemälde (Abendmahl mit Picasso) für die Mensa der Dresdner Akademie. 1956 folgte ein weiteres Wandbild in den Räumen des Dresdner Hygienemuseums (Lebensfreude) für seine Diplomarbeit. Beide Gemälde wurden nach Richters Flucht übermalt; nach der Wiedervereinigung wurde die Lebensfreude an zwei Stellen freigelegt und erneut übermalt. Von 1957 bis 1961 arbeitete Richter als Meisterschüler an der Akademie und übernahm Staatsaufträge der DDR. In dieser Zeit entstand ein umfangreiches Werk an Wandbildern (z. B. Arbeiterkampf), Ölgemälden (Porträts von Angelica Domröse und von Richters erster Ehefrau Ema, Die Lesende von 1960 gehört zum seltenen erhaltenen Frühwerk aus Richters Dresdner Zeit. In einem Interview mit der Frühwerk-Expertin Jeanne Anne Nugent von der New York University wird Richter konkret zu dieser seiner Lesenden Ema befragt und bestätigt die Einschätzung der Expertin, dass dieses Bild zu den intimsten seiner Familienbilder zählt und genauso das Stadtbild von Dresden) und Zeichnungen (z. B. Selbstporträts).

Ende Februar 1961 floh Gerhard Richter über West-Berlin nach Westdeutschland. Seine in der DDR geschaffenen Kunstwerke musste er zurücklassen, teilweise soll er sie noch vor seiner Abreise verbrannt haben. Nur wenige dieser Bilder blieben erhalten und sind noch nicht in seinem Werkverzeichnis aufgeführt. Der Berliner Tagesspiegel berichtete im Dezember 2012, die Vernichtung vieler seiner Bilder von vor 1961 wie bei einem Autodafé sei ein Beleg dafür, dass Richter sich weigere, alte aufgefundene Werke (wie das Hüttenwerk Rheinhausen) in seine Werkliste aufnehmen zu lassen.[1] Sein Kunststudium setzte Richter von 1961 bis 1964 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Ferdinand Macketanz und Karl Otto Götz fort.

Nachdem Gerhard Richter Ende der 1960er Jahre als Kunsterzieher gearbeitet hatte und 1967 Gastdozent an der Hochschule für bildende Künste Hamburg war, erhielt er 1971 an der Düsseldorfer Kunstakademie eine Professur für Malerei. Hier lehrte er bis zum Jahre 1993. 1972 setzte er sich mit Uwe Johnson, Heinrich Böll, David Hockney, Günther Uecker, Henry Moore, Richard Hamilton, Peter Handke und Martin Walser für seinen Kollegen Joseph Beuys ein, dem vom damaligen nordrhein-westfälischen Kultusminister Johannes Rau die Lehrerlaubnis entzogen worden war.

Gerhard Richter fotografiert von Lothar Wolleh, um 1970

Im Juni 1964 hatte Richter unter dem Titel Gerd Richter. Fotobilder, Portraits und Familien eine erste Einzelausstellung in der Galerie Friedrich & Dahlem in München. Bereits in der zweiten Jahreshälfte wurden Einzelausstellungen bei Alfred Schmela in Düsseldorf und bei René Block in Berlin eröffnet. Richter war bald in vielen in- und ausländischen Galerien und Museen präsentiert. 1972 war er im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig mit der Werkgruppe 48 Portraits vertreten. Im Sommersemester 1978 nahm er – in der Nachfolge von Kasper König und Benjamin Buchloh – eine Gastprofessur am Nova Scotia College of Art and Design in Halifax an. Da er hier kein Atelier zur Verfügung hatte, beschäftigte er sich mit visuellen Phänomenen. So fotografierte er das Gemälde Halifax[2] analytisch in 4 × 4 cm großen Segmenten und stellt sie in einem Buch 128 details from a picture (Halifax 1978) zusammen, das im gleichen Jahr in der Press of the Nova Scotia College of Art and Design erschien.[3]

1984 war er bei der Ausstellung Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf vertreten. Anfang der 1990er Jahre konnte die Parlamentspräsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Hanna-Renate Laurien, den Künstler dafür gewinnen, fünf seiner Gemälde für den Festsaal des Abgeordnetenhauses zur Verfügung zu stellen.[4]

Gerhard Richters internationale künstlerische Anerkennung stieg in den Folgejahren, so dass ihm in den Jahren 1993/1994 eine umfassende Retrospektive mit Stationen in Paris, Bonn, Stockholm und Madrid gewidmet wurde. 2002 feierte ihn das Museum of Modern Art, New York, anlässlich seines 70. Geburtstags mit einer umfassenden Retrospektive. In ihr wurde mit 188 Exponaten die dort größte jemals einem lebenden Künstler gewidmete Ausstellung gezeigt.

Am 20. August 2004 wurden die Gerhard-Richter-Räume im Dresdner Albertinum eröffnet. Dort werden 41 Werke als Dauerleihgabe ausgestellt.

Die britischen Tageszeitung The Guardian macht sich das Zitat eines Frankfurter Galeristen zu eigen, der Richter als erfolgreichsten Maler der Gegenwart und als „Picasso des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet.[5][6]

Gerhard Richter vor seinem Werk Strontium (Februar 2005, K20)

Anfang 2005 fand in der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW K20 eine umfangreiche Ausstellung statt, in der unter anderem die Scheibenbilder und die Gemäldegruppe acht grau zu sehen waren. Im unteren Bereich befand sich das aus 130 C-Prints bestehende 9 × 9 m große Werk Strontium aus dem Jahre 2004 (für das San Francisco Museum of Modern Art, USA). Die Ausstellung wurde anschließend in der Münchner Städtischen Galerie im Lenbachhaus sowie in Kanazawa und Sakura in Japan präsentiert.

2005 wurde in Dresden das Gerhard Richter Archiv ins Leben gerufen, das unter der Leitung von Dietmar Elger, Richters langjährigem Assistenten und Biografen, neben der Erforschung von Leben und Werk des Künstlers auch ein neues Werkverzeichnis erstellt.

Privatleben

1957 heirateten Gerhard Richter und Marianne (Ema) Eufinger. 1968 wurde Betty, Richters erste Tochter, geboren. 1982 schlossen Richter und die Bildhauerin Isa Genzken die Ehe, sie wurde 1993 geschieden. Heute ist er mit seiner früheren Schülerin, der Malerin Sabine Moritz verheiratet, mit der er drei Kinder hat. Gerhard Richter lebt seit 1983 in Köln.

2004 wurde durch einen Artikel im Berliner Tagesspiegel, der vor dem Hintergrund von Jürgen Schreibers Ein Maler aus Deutschland erschien,[6] ein tragischer Aspekt aus Gerhard Richters Familiengeschichte bekannt: Seine Tante Marianne Schönfelder wurde 1945 im Rahmen der zweiten Phase der nationalsozialistischen Euthanasie, der Aktion Brandt, durch NS-Ärzte ermordet. Richters späterer Schwiegervater Heinrich Eufinger gehörte als SS-Obersturmbannführer und Verantwortlicher für die Zwangssterilisationen in Dresden zu den Tätern. Beide sind von ihm mehrfach porträtiert worden, offenbar ohne dass Gerhard Richter diese Hintergründe bekannt waren.

Werk und Rezeption[Bearbeiten]

Gerhard Richter begann seine malerische Praxis im Westen mit einer kurzen Phase, in der er praktisch alle aktuellen Ausdrucksformen und Stile der modernen Malerei erprobte (zwischen Antoni Tàpies und Francis Bacon). Es handelt sich um Werke, die Richter, wie er selbst berichtet, später im Innenhof der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf verbrannte.

Einflüsse für das sich nach dieser Phase entwickelnde umfangreiche Werk bezog er aus der Pop Art, aus dem Abstrakten Expressionismus, aber auch aus Neo-Dada und Fluxus.

Die zum Teil enge Zusammenarbeit mit anderen Künstlern dürfte ebenfalls Einfluss auf seine künstlerischen Positionen gehabt haben. So kooperierte Richter während der ersten Hälfte der 1960er Jahre in gemeinsamen Ausstellungen mit Sigmar Polke, Konrad Lueg und Manfred Kuttner. Mit ihnen kreierte er den Kapitalistischen Realismus,[7] der den Sozialistischen Realismus, die offizielle Kunstdoktrin der damaligen sozialistischen Länder, ironisieren sollte und die westliche Konsumgesellschaft kritisch reflektierte. 1968 führte er mit Günther Uecker, seinem Freund und Studienkollegen, eine Aktion in der Kunsthalle Baden-Baden durch. Das Gebäude wurde besetzt und Uecker erklärte: „Auch Museen können Wohnorte sein.“

Eine andere Episode in Richters künstlerischem Werdegang ist die Kooperation mit Blinky Palermo. Mit ihm verband ihn ab 1962 eine Freundschaft, die 1970 in einer gemeinsamen Galerieausstellung und 1971 zu zwei gemeinsamen Diptychen führte. Richter stellte darüber hinaus Zwei Skulpturen für einen Raum von Palermo her, Büsten nach Gipsabgüssen von Palermos und Richters Köpfen. Diese für einen von Palermo malerisch gestalteten Kölner Galerieraum vorgesehenen Skulpturen sind in Gerhard Richters Werk singulär. (Eine Rekonstruktion gehört heute zum Bestand des Lenbachhauses in München.)

1962 begann Richter mit seinem Atlas, in dem er Zeitungsausschnitte, Fotografien, fotografische Serien, Entwürfe, Farbstudien, Landschaften, Porträts, Stillleben, historische Stoffe, und Collagen sammelt. Es handelt sich vielfach um Vorlagen für Gemälde, die oft erst Jahre später aufgegriffen werden. 1997 wurde der Atlas auf der Documenta X in Kassel gezeigt und in einem Bildband dokumentiert.

2012 gestaltet Richter die Ausgabe der Tageszeitung Die Welt vom 5. Oktober als Künstlerausgabe. Frühere Ausgaben wurden bereits von Georg Baselitz und Ellsworth Kelly gestaltet.[8]

Abmalungen

Zu Beginn der 1960er Jahre benutzte Gerhard Richter erstmals Fotografien als Vorlagen für Gemälde, ein Verfahren, das er danach regelmäßig aufgriff. Es handelt sich um beiläufige Motive aus Zeitungs- und Illustriertenausschnitten (später auch auf eigenen Aufnahmen beruhend), die er abmalend vergrößert und überwiegend in Grau-Weiß auf die Leinwand überträgt und damit überhöht. Diese dem Fotorealismus nahe Methode ist durch eine verwischt wirkende Unschärfe gekennzeichnet, die den Realismus der Vorlagen verfremdet. Ein typisches Beispiel ist die Nr. 1 des Werkverzeichnisses, Tisch. Mit seinem Gemälde Ema (Akt auf einer Treppe) von 1966, dem eine Farbfotografie seiner Frau zugrunde lag, zitierte Richter eines der bekanntesten Gemälde der Neuzeit, den Akt, eine Treppe herabsteigend (1912) von Marcel Duchamp.

Vielfach geht Richter über die Verfremdungstechnik der unscharfen Darstellung hinaus und zieht Furchen durch die Oberfläche der Gemälde, ein Mittel, das er später in expressiv abstrakten Gemälden wieder aufgegriffen hat. Oder aber er reduziert die abgemalte Fotografie auf verschwimmende Ansichten, denen kaum noch Bezüge zur fotografierten Wirklichkeit anzusehen sind. An diesen Bildern wird deutlich, wie fern Richter in den 1960er Jahren den aktuellen Trends der Pop Art, dem Fotorealismus oder der Fluxus-Bewegung war: Strömungen, mit denen sich Gerhard Richter auseinandersetzte, von denen er sich aber in seiner künstlerischen Praxis absetzte – wenn man davon absieht, dass die Benutzung von Fotografien von der Pop-Art angeregt worden sein dürfte. Richter erläuterte hierzu, er verdanke Andy Warhol die Anerkennung des Mechanischen in seinem Prozess des Abmalens von Fotografien.

Gegenstand der Abmalungen sind vor allem Porträts, Gruppenbilder, Stillleben, Landschaften und Meeresbilder sowie bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Niagarafälle. Fotorealistisch wirken hingegen etwa das 1978 als Auftragsarbeit für das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW, Düsseldorf, entstandene Wolkenbild ohne Titel und aus den 1980ern stammende Landschaftsbilder, wie z. B. Davos von 1981, Eis (ebf. 1981 und geradezu in der Tradition eines Caspar David Friedrich) oder Besetztes Haus 1989, das allerdings auch nicht ohne Unschärfen auskommt. Es sind Gemälde, die in ihrer Perfektion zwar abbilden, gleichermaßen jedoch mehr das Typische verfremdet darstellen. Richters Biograf Elger nennt sie „Anschauungsmaterial einer verlorenen Wahrheit“.

In diesen Zusammenhang können wohl auch die aus Richters Privatleben stammenden Sujets gestellt werden. Wirken sie innerhalb der Moderne einerseits überholt, stehen sie andererseits für das Prekäre im Privaten (einem Thema im Kontext der Zweiten Moderne).

Andere Gemälde erschließen sich erst, wenn die zugrunde liegenden Polizei- und Pressefotos samt Zeitungsnachricht bekannt sind. Mit dem Zyklus der 15 Gemälde 18. Oktober 1977 von 1988 mit unterschiedlich verwischten Abbildungen von den RAF-Terroristen Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Holger Meins, die die unpersönlichen Bildtitel Tote, Erhängte und Erschossener erhalten, setzte sich Richter mit einer der brisantesten Perioden (west-)deutscher Geschichte auseinander.

Andere Techniken

Die Diskontinuität seines Werkes zeigt sich in dessen Chronologie. Parallel zu den Abmalungen entstanden schon 1966 Farbtafeln und im selben Jahr 4 Glasscheiben. 1967 malte er Röhren, ein Grau-in-Grau-Bild, das – wie andere frühe Gemälde auch – als ein Vorläufer für Strontium von 2004 gelten kann. Dazwischen aber liegen die Zeiträume der Vermalungen, der grauen und Wolkenbilder, unscharfe abstrakte Bilder. Schließlich malte er in den 1980er und 1990er Jahren mit erheblicher öffentlicher Resonanz aufgenommene große expressiv farbige abstrakte Gemälde, wie beispielsweise die Serie Abstraktes Bild (809-1,-2,-3,-4). Sie bestehen aus mehreren Farbaufträgen mit zum Teil eingreifenden Abkratzungen bis auf den Malgrund, impulsiver Gestik sowie Übermalungen. Es handelt sich um Gemälde, die ihren Entstehungsprozess deutlich darstellen und ihn gleichzeitig verschleiern (Richter macht sich hier u. a. technische Verfahren der Décollage für die Malerei dienstbar). Nach Aussagen des Künstlers sind diese Gemälde in erheblichem Maße vom Zufall abhängig und widersprechen in ihrer Endfassung häufig anfänglichen Absichten.

Kölner Domfenster[Bearbeiten]

Hauptartikel: Richter-Fenster

Richter-Fenster, Kölner Dom

Für die Südquerhausfassade des Kölner Doms entwarf der aus der evangelischen Kirche ausgetretene Atheist mit Hang zum Katholizismus[9] 2006 ein 113 m² großes Fenster aus 11.500 Quadraten aus mundgeblasenem Echt-Antik-Glas in 72 unterschiedlichen Farben. Die Idee geht zurück auf sein Werk 4096 Farben von 1974. Die Anordnung der einzelnen Farbflächen wurde mittels eines Zufallsgenerators erstellt, dessen Ergebnisse Richter jedoch teilweise bearbeitete. Die Dynamik der Farbfelder verändert sich durch den im Tageslauf gebrochenen Einfallswinkel des Sonnenlichtes. Der Entwurf ist ein Geschenk Richters an den Kölner Dom, die Herstellungskosten betrugen etwa 400.000 Euro.[10] Das Fenster wurde 2007 eingeweiht. Der Künstler Gerhard Richter wehrte sich gegen die Kritik des Kölner Erzbischofs Kardinal Meisner an dem von ihm gestalteten Domfenster. Meisner hatte das abstrakte Glasfenster als eher in eine Moschee oder in ein Gebetshaus passend kritisiert. Der Kardinal hätte sich lieber ein Motiv gewünscht, auf dem die christlichen Märtyrer des 20. Jahrhunderts ins Bild gesetzt werden.[11] Richter betonte, dass er zum Islam überhaupt keine Beziehung habe und niemals für eine Moschee gearbeitet hätte. Er fühle sich als Spross des Christentums, der „ohne den Glauben an eine höhere Macht oder etwas Unbegreifliches“ nicht leben könne.[12]

Rezeption[Bearbeiten]

In der Rezeption von Richters Werk wird betont, in welch hohem Maße Richters Œuvre voller Widersprüche und Diskontinuitäten erscheint: zwischen fotorealistischen Naturdarstellungen, den unscharfen Gemälden nach Fotografien und Gemälden höchster Abstraktion bis hin zu Glas- und Spiegelobjekten bzw. Installationen. Diese Elemente finden sich nicht nacheinander als Entwicklungsstränge des Werks. Richter greift diese unterschiedlichen Vorgehensweisen immer wieder auf. Was dieses Werk zusammenhält, ist Richters forschende und experimentierende Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Es geht um die mit den Augen wahrgenommene, die mit der Kamera fotografierte, die gespiegelte, die im Glas transzendierte und auch um die malerisch inszenierte Realität. Gerade diese vielfältige Befragung der Medien moderner Kunst nach der Wirklichkeit wird als der eigentliche Kern des Richterschen Œuvre angesehen. In Gerhard Richters Spiegel- und Glasobjekten geht es z. B. um die autonome mechanische Wirklichkeit der Spiegelung (das irritierende Spiel von Seitenverkehrung usw.). Gleichzeitig integrieren sie Betrachterin und Betrachter in das Werk und machen sie zu Akteuren im Bild, plädieren gegen die Idee des autonomen Kunstwerks. Andererseits knüpft Richter z. B. mit seinen Meeresansichten an Positionen der Romantik an.

„Ein gelassener Epigone wie Gerhard Richter, der allen Erfindungen und Ideen misstraut, hat schließlich die Verfassung der Malerei vollständig flexibilisiert: Das artistische Spiel mit fast allen zeitgenössischen Modalitäten ist der einzige Sinn und Inhalt seiner Kunst.“

Eduard Beaucamp: „Hakenschläge“ in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. März 2012, S. 34.

Position auf dem Kunstmarkt[Bearbeiten]

Bereits im November 2000 erreichte bei Christie’s das Gruppenbild Der Kongress (Professor Zander) von 1965 ein Auktionsergebnis von 4,95 Millionen Dollar.[13] In den folgenden Jahren setzte sich der kommerzielle Erfolg des Künstlers auf den internationalen Auktionen fort. So wurde beispielsweise das Gemälde Zwei Liebespaare (1966) bei Christie’s für ca. 9,77 Mio. Euro verkauft,[14] während das Bild Kerze (1983) bei Sotheby’s im Februar 2008 sogar 10,57 Mio. Euro erbrachte. Damit wurde Gerhard Richter der teuerste lebende Maler Deutschlands.[15] Bei der Versteigerung eines weiteren Werkes mit demselben Titel und aus derselben Serie im Oktober 2011 bei Christie’s ergab sich der Zuschlag bei 11,98 Millionen Euro. Richter kommentierte diese Preisentwicklung als „Das ist genauso absurd wie die Bankenkrise – unverständlich, albern, unangenehm.“[16] Im Mai 2013 erzielte Richters Domplatz, Mailand von 1968 bei den Frühjahrauktionen von Sothebys New York, den bis dahin höchsten für ein Werk eines lebenden Künstler gezahlten Preis von 29 Mio. Euro (37,1 Mio. Dollar).[17] Laut Manager Magazin zählt Richter mit einem Vermögen von 200 Mio. Euro zu den 500 reichsten Deutschen.[18]

Im Kunstkompass, einer „Weltrangliste der lebenden Künstler“, den die Zeitschrift Manager Magazin (vor 2008 in Capital) jährlich zusammenstellt, belegt(e) Gerhard Richter von 2004 bis 2008 und von 2010 bis 2013 den ersten Platz.[19]

Der Künstler lebt und arbeitet in Köln.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Richter nahm an der documenta in Kassel teil: 1972 documenta 5, 1982 documenta 7, 1987 documenta 8, 1992 documenta IX, 1997 documenta X, 2007 documenta 12

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Susanne Küper: Konrad Lueg und Gerhard Richter: Leben mit Pop – Eine Demonstration für den Kapitalistischen Realismus. In: Westdeutsches Jahrbuch für Kunstgeschichte. Band LIII. Dumont, Köln 1992, S. 289–306.
  • Jürgen Harten (Hrsg.): Gerhard Richter: Bilder 1962–1985. Mit dem Werkverzeichnis von Dietmar Elger 1962–1985, Dumont, Köln 1986, ISBN 3-7701-1772-7.
  • Angelika Thill: Werkverzeichnis ab 1962. In: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Gerhard Richter. Ostfildern-Ruit 1993, ISBN 3-89322-554-4, ISBN 3-89322-574-9 (beinhaltet das derzeit gültige Werkverzeichnis von 1963 bis 1993, ohne die Werke vor 1962 und nach 1993)
  • Gerhard Richter – 128 Fotos von einem Bild 1978. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1998, ISBN 3-88375-338-6
  • Dieter Schwarz: Gerhard Richter: Zeichnungen 1964–1999. Werkverzeichnis. Kunstmuseum Winterthur, Richter Verlag, Düsseldorf 1999
  • Gerhard Richter: Aquarelle / Watercolors 1964–1997. Herausgegeben von / Edited by Dieter Schwarz. Richter Verlag, Düsseldorf 1999
  • Gerhard Richter: Uebersicht, mit Kommentaren von Dieter Schwarz. Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2000
  • Eckhart Gillen: Gerhard Richter: Herr Heyde oder die Mörder sind unter uns. Die Auseinandersetzung mit den Traumata der verdrängten Geschichte in Westdeutschland. In: Eckhart Gillen: Schwierigkeiten beim Suchen der Wahrheit. Berlin 2002, S. 186–191. (PDF; 2,80 MB)
  • Dietmar Elger: Gerhard Richter, Maler. Dumont, Köln 2002, ISBN 3-8321-5848-0. (Biografie)
  • Hubertus Butin: Gerhard Richter, Frühe Druckgrafik 1965–1974. Grafik-Verlag, Frankfurt 1992, ISBN 3-9802488-5-2.
  • Robert Storr: Gerhard Richter: Malerei. Cantz, Ostfildern-Ruit 2002, ISBN 3-7757-1169-4.
  • Hanno Rauterberg: Ein bürgerlicher Rebell – Gerhard Richter, der wichtigste deutsche Maler der Gegenwart, wird 70 – und würde am liebsten nur noch schweigen. Ein ungewöhnlicher Besuch. In: Die Zeit, Nr. 7/2002
  • Dietmar Elger: Gerhard Richter: Landscapes. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2002, ISBN 3-7757-9101-9.
  • Hubertus Butin, Stefan Gronert: Gerhard Richter, Editionen 1965–2004: catalogue raisonné. Cantz, Ostfildern-Ruit 2003, 2004, ISBN 3-7757-1430-8.
  • Jürgen Schilling: Gerhard Richter: Eine Privatsammlung. Richter, Düsseldorf 2004, ISBN 3-937572-00-7.
  • Hans-Ulrich Obrist: Gerhard Richter: 100 Bilder. Cantz, Ostfildern-Ruit 2005, ISBN 3-89322-851-9.
  • Jürgen Schreiber: Ein Maler aus Deutschland: Gerhard Richter: Das Drama einer Familie. Pendo, München / Zürich 2005, ISBN 3-86612-058-3.
  • Helmut Friedel, Robert Storr: Gerhard Richter: Rot – Gelb – Blau. Prestel, München 2007, ISBN 978-3-7913-3859-0.
  • Gerhard Richter: Elbe. 31 Monotypien, 1957. Text Dieter Schwarz. Gerhard Richter Archiv//Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, Dresden 2009 (Schriften des Gerhard Richter Archiv Dresden, Bd. 4)
  • Alexander Kluge (Texte), Gerhard Richter (Fotos): Dezember: 39 Geschichten. 39 Bilder. Bibliothek Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-22460-1.
  • Dietmar Elger, Hubertus Butin, Oskar Bätschmann: Gerhard Richter. Landschaften, hrsg. von Dietmar Elger. Stuttgart 2011, ISBN 978-3-7757-2639-9.
  • Gerhard Richter: November. Text von Dieter Schwarz. Heni Publishing, London 2012
  • Hans Ulrich Obrist, Dieter Schwarz: Gerhard Richter: Bücher. Gerhard Richter Archiv, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dresden 2013 (Schriften des Gerhard Richter Archiv Dresden, Bd. 11)
  • Gerhard Richter: Streifen & Glas. Mit Beiträgen von Dieter Schwarz und Robert Storr. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2013, ISBN 978-3-86335-453-4
  • Hans Ulrich Obrist: Gerhard Richter - Bilder/Serien., Katalog zur Ausstellung der Fondation Beyeler 18. Mai bis 7. September 2014. Hatje Cantz, Ostfildern 2014, ISBN 978-3-7757-3804-0

Filme über Richter[Bearbeiten]

  • 1966: Elmar Hügler: Kunst und Ketchup. Fernsehfilm des Südwestfunks, 14. Dezember 1966, 45 Min.
  • 1969: Gerhard Richter – In der Werkstatt. Orbis-Film, Regie: Hannes Reinhardt, 13 Minuten, Goethe-Institut Inter Nationes
  • 1989: Viktoria von Flemming: Augenblicke – Gerhard Richter: 18. Oktober 1977. 14 Minuten
  • 1992: Gerhard Richter: Meine Bilder sind klüger als ich. 55 Minuten.
  • 1994: Henning Lohner: Gerhard Richter Malerei 1962–1993. 42 Minuten.
  • 1999: Christine Haberlik: Das Dresdener Frühwerk. Aspekte, ZDF, 4. Juni 1999
  • 2003: Gerhard Richter – Vierzig Jahre Malerei. Zur Ausstellung im New Yorker MoMA, 3sat, 26. April 2003, Inhaltsangabe von 3sat
  • 2006: Lars Friedrich: ‚Tante Marianne‘ kommt unter den Hammer. Die tragische Familiengeschichte des Gerhard Richter und wie sie sich in einem autobiografischen Meisterwerk widerspiegelt. ttt – titel, thesen, temperamente, Dokumentation, WDR, Erstsendung: 18. Juni 2006
  • 2007: Corinna Belz: Das Richter-Fenster. ARTE, 26. August 2007, Inhaltsangabe bei ARTE
  • 2011: Corinna Belz: Gerhard Richter – Painting. Dokumentation, 97 Minuten. (Kinostart 8. September 2011.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gerhard Richter – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das verstoßene Bild. In: Der Tagesspiegel, abgerufen am 10. November 2013.
  2. Wkvz. 432-5, Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld
  3. Dietmar Elger: Gerhard Richter, Maler. Dumont, Köln 2002, ISBN 3-8321-5848-0, S. 270
  4. Brigitte Grunert: Granata mit Courage. In: Der Tagesspiegel, 15. April 2008.
  5. Luke Harding: 'Picasso of the 21st century' donates works to home town museum. In: The Guardian, 6. Juli 2004 (englisch, abgerufen am 21. Dezember 2010).
  6. a b Jürgen Schreiber: Das große Geheimnis des Malers Gerhard Richter. In: Der Tagesspiegel, 23. August 2004 (abgerufen am 21. Dezember 2010).
  7. Grafik des kapitalistischen Realismus KP Brehmer, Karl Horst Hödicke, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Wolf Vostell, Druckgrafik bis 1971
  8. focus online 20. September 2012, abgerufen am 6. Oktober 2012
  9. Der Kardinal hat zu arbeiten. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 30. August 2007.
  10. Gerhard Richter digitalisiert Kölner Dom. Der Spiegel, 25. August 2007.
  11. Kardinal Meissner und moderne Kunst. In: Radio Vatikan, 1. September 2007 (Audio, rm/mp3).
  12. Gerhard Richter weist Meisners Kritik zurück. In: Die Welt, 31. August 2007.
  13. Christie’s Sale 9576/Lot 32 „Der Kongress (Professor Zander)“ In: Christie’s (englisch, abgerufen am 2. Juli 2011).
  14. Christie’s Sale 7565/Lot 17 „Zwei Liebespaare“ In: Christie’s (englisch).
  15. Sotheby’s Evening Auction of Contemporary Art achieves £95,030,000. In: shareholder.com, 27. Februar 2008 (englisch, PDF; 126 kB).
  16. 12 Millionen Euro für «Kerze» von Gerhard Richter. In: Frankfurter Rundschau, 15. Oktober 2011.
  17. Auktionsrekord für das Bild „Domplatz Mailand“ von Gerhard Richter. Spiegel Online, 15. Mai 2013.
  18. Hans Onkelbach: Das sind die reichsten Düsseldorfer. In: Rheinische Post, 12. Oktober 2011.
  19. Kunstkompass: Richter, Nauman, Trockel. In: Art – Das Kunstmagazin vom 19. April 2013
  20. Dossier zur Ausstellung in Peking mit Stellungnahmen von vier chinesischen Künstlern zu Gerhard Richters Einfluss in China
  21. Mitteilung zur Ausstellung, abgerufen am 2. August 2014
  22. Mitteilung zur Ausstellung, abgerufen am 7. August 2014
  23. http://www.focus.de/panorama/boulevard/kunst-richter-und-polke-ausstellung-in-london_id_3796875.html
  24. Mitteilung zur Ausstellung, abgerufen am 2. August 2014