Akabane-Virus

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Akabane-Virus
CSIRO ScienceImage 1936 Akabane Cattle Virus.jpg

Akabane-Virus

Systematik
Reich: Viren
Ordnung: nicht klassifiziert
Familie: Bunyaviridae
Gattung: Orthobunyavirus
Art: Akabane-Virus
Taxonomische Merkmale
Genom: (-)ssRNA segmentiert
Baltimore: Gruppe 5
Symmetrie: helikal
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Akabane virus (engl.)
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Das Akabane-Virus ist eine bei Rindern, Ziegen und Schafen vorkommende Virusspezies aus der Gattung Orthobunyavirus. Es wurde erstmals 1959 in Akabane (Japan) aus Stechmücken der Spezies Aedes vexans und Culex tritaeniorhynchus isoliert. Das Virus wird durch verschiedene Stechmücken und Gnitzen (Bartmücken) übertragen und verursacht meist nur milde fiebrige Erkrankungen bei verschiedenen Wiederkäuern. Im Falle einer Trächtigkeit kommt es jedoch über die Placenta zum Übertritt auf den Fötus, wo es schwere Missbildungen und Störungen des Zentralnervensystems verursacht. Häufig kommt es auch zu Aborten.

Als Schmallenberg-Virus (SBV) wird ein dem Akabane-Virus sehr nahe verwandtes Virus bezeichnet, das 2011 bei erkrankten Rindern in Deutschland festgestellt wurde.

Virusmorphologie und Genom[Bearbeiten]

Das Akabane-Virus ist 90 bis 100 nm im Durchmesser groß und von runder Gestalt. Die Virushülle enthält eingelagerte Hüllproteine, die morphologisch als Peplomere erscheinen. Die Hülle umschließt drei unterschiedlich große, helikale Kapside mit jeweils einem Strang des segmentierten RNA-Genoms. Die drei Genomsegmente (L, M und S) bestehen aus einer einzelsträngigen RNA mit negativer Polarität. Das große Segment (L, large: 6870 nt) codiert für die virale RNA-Polymerase, das mittlere (M, medium: 4310 nt) für zwei Glykoproteine der Virushülle und das kleine (S, small: 860 nt) für das Nukleoprotein der Kapside. Jedes Segment enthält zusätzlich einen nichtcodierenden Abschnitt.

Das Virus ist hitzelabil und wird bei 56 °C in wenigen Minuten inaktiviert. Bei 37 °C verliert es pro Stunde etwa 0,3-Logstufen seiner Infektiosität. Es zeigt keine Säurestabilität und kann durch Detergenzien und übliche alkoholische Desinfektionsmittel inaktiviert werden.

Verbreitung und Wirte[Bearbeiten]

Das Akabane-Virus wurde aus Rindern, Schafen und Ziegen isoliert. Antikörper gegen das Virus (nicht jedoch das Virus selbst) sind zusätzlich in Schweinen, Pferden, Kamelen, Rehen, Nilpferden, Elefanten, Giraffen, Antilopen und weiteren Huftieren in Afrika nachweisbar. Obwohl die das Virus übertragenden Stechmücken auch Menschen stechen, ist keine Erkrankung durch das Akabane-Virus beim Menschen bekannt. Das Virus kommt überwiegend auch endemisch in Afrika, dem Mittleren Osten, Südasien, Japan, Korea und Australien vor. Das Auftreten der Erkrankung hängt eng mit dem Vorkommen und der saisonalen Aktivität der übertragenden Mücken zusammen. Als Vektoren wurden verschiedene Mückenarten der Gattungen Culex, Aedes und Anopheles identifiziert. Das Virus wird durch die Blutmahlzeit von der Mücke aufgenommen und vermehrt sich dort in den Speicheldrüsen. Eine vertikale Übertragung auf die Mückeneier (transovarielle Übertragung) konnte nicht gefunden werden.

Europäische Isolate[Bearbeiten]

Im November 2011 gab das Friedrich-Loeffler-Institut bekannt, dass man bei erkrankten Rindern in Deutschland ein dem Akabane-Virus sehr nahe verwandtes Virus isolieren konnte, das vorläufig nach dem Ort der ersten Probenherkunft, Schmallenberg, als Schmallenberg-Virus bezeichnet wird. Auf Basis der Sequenz besteht auch eine Verwandtschaft zu Aino-Virus- und Shamonda-Virus-Isolaten.[1] Es ist noch unklar, ob es sich um eine Subspezies des Akabane-Virus oder um eine eigenständige Spezies der Gattung Orthobunyavirus handelt.

Das neue Isolat wurde im Rahmen einer Erkrankungswelle bei Rindern in Nordrhein-Westfalen gefunden, wo es seit Sommer 2011 zu einer Häufung von Fieber, Milchrückgang und Appetitverlust bei etwa 80 Tieren kam. Kurz zuvor zeigten sich diese Symptome auch bei Rindern in den Niederlanden. Unklar ist, ob das Virus in Europa bereits zirkulierte oder ob es neu eingetragen wurde. Es ist das erste bei einem Erkrankungsgeschehen bei Tieren in Europa isolierte Bunyavirus.

In den folgenden Monaten traten in den Niederlanden, Belgien und in Deutschland in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen vermehrt missgebildete Schaflämmer auf, bei denen das Schmallenberg-Virus im Gehirn nachgewiesen werden konnte. Die Art der Missbildungen deuten auf eine Infektion der bereits tragenden Muttertiere im Sommer bzw. Herbst 2011 hin.[2] Mit Stand 23. März 2012 wurde bei Tieren aus 1061 Betrieben in Deutschland das Virus nachgewiesen.[3] Seit dem 30. März 2012 besteht in Deutschland eine Meldepflicht.[4]

Als Überträger kommen Zweiflügler aus der Familie der Gnitzen, insbesondere Culicoides obsoletus, Culicoides dewulfi und Culicoides pulicaris, in Betracht, in denen der Erreger nachgewiesen wurde.[5]

Systematik[Bearbeiten]

  • Gattung Orthobunyavirus
    • Spezies Akabane-Virus
      • Subspezies Sabo-Virus
      • Subspezies Tinaroo-Virus (TINV)
      • Subspezies Yaba-7-Virus

Quellen[Bearbeiten]

  • P. S. Mellor, P. D. Kirkland: Akabane virus. In: Brian W. J. Mahy und Marc H. van Regenmortel (eds.): Encyclopedia of Virology, 3. Auflage, San Diego 2008, Band 1, ISBN 978-0-12-373935-3, S. 76–80

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neues Orthobunyavirus bei Rindern – Information des Friedrich-Loeffler-Instituts, 10. Januar 2012
  2. Aktuelle Informationen des Friedrich-Loeffler-Institutes zum Schmallenberg-Virus, Stand: 2. Feb. 2012
  3. FLI: "Schmallenberg-Virus" Aktuelle Informationen zum „Schmallenberg-Virus“. 23. März 2012. Abgerufen am 23. März 2012.
  4. Bundesgesetzblatt Jahrgang 2012 Teil I Nr. 15, 5. April 2012, Zweite Verordnung zur Änderung der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten Vom 30. März 2012 (BGBl. I S. 503)
  5. Ärzte Zeitung: Mücken übertragen offenbar Schmallenberg-Virus vom 16. März 2012, abgerufen am 15. September 2012

Weblinks[Bearbeiten]