Sozialethik
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Die Hauptfrage der Sozialethik (auch Gesellschaftsethik) zielt nicht auf das individuelle Handeln, sondern auf die sozialen Gebilde als solche, d.h. auf Strukturen und Institutionen. Man fragt danach, ob gegebene institutionelle Gebilde gerecht oder ungerecht sind. Nötigenfalls wird gefragt, ob und wie diese verbessert werden können (Sozialreform). Aufgrund der spezifischen Verfestigung und Konsolidierung derartiger Strukturen kann nicht immer und unmittelbar ein individualethischer Imperativ an konkrete Personen gestellt werden. Freilich muss es stets zu einer Rückführung des Institutionellen auf das Personale kommen, da derartige Sozialstrukturen keinen Selbstzweck außerhalb der Person besitzen und sie beständig der Humanisierung bedürfen.
Sowohl in der Individualethik wie auch in der Sozialethik gelten sittliche Grundkriterien, wie sie in der Fundamentalethik zur Darstellung gelangen. Ethik bleibt auch als Sozialethik auf sittliche Praxis bezogen; nur Personen können im moralisch relevanten Sinn Handlungen setzen. Es geht der Sozialethik aber nicht primär um ein isoliertes Handeln einzelner Personen, sondern um die Kooperation verantwortlicher Personen unterschiedlicher Sozialbereiche. Diese wird häufig erst dann in gezielter Weise erfolgen, wenn die Öffentlichkeit auf bestimmte Fragen aufmerksam gemacht und für eine bestimmte Materie sensibilisiert ist (z.B. Fragen der Umweltethik).
Sittliches Handeln vollzieht sich immer in einem sozialen Kontext, auch dort wo der Mensch allein ist und anscheinend niemandem verantwortlich ist. Dies lässt sich von der entwicklungspsychologischen Seite her belegen wie auch von der menschlichen Sprachbegabtheit und der Fähigkeit, eigenes und fremdes Handeln zu rechtfertigen sowie es im Hinblick auf die Fundamentaldifferenz von Gut und Böse kritisch zu beurteilen.
Das Soziale im eigentlichen Sinn setzt eine gewisse Konstanz voraus. Man spricht hier von Institutionalisierung, insofern es hier um überindividuelle Gemeinsamkeiten geht, die im Gegensatz zu spontanen und vorübergehenden Akten der Individuen in zeitlicher und räumlicher Perspektive eine gewisse Dauer aufweisen.
Aufgrund der Ursachen und Ziele der Vergesellschaftung können inhaltlich bestimmte Bereiche des Sozialen unterschieden werden: Familie, Wissen und Können, Wirtschaft, Politik und Recht, Kultur und Religion. Damit befassen sich verschiedene Wissenschaften des Sozialen (die sog. Sozialwissenschaften im weiteren Sinn).
Als einer der Begründer der christlichen Sozialethik gilt Alexander von Oettingen.[1][2].
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[Bearbeiten] Siehe auch
- Christliche Soziallehre, karitative und Christliche Ethik
- Soziale Gerechtigkeit, Soziale Sicherheit
- Christliche Gesellschaftslehre
[Bearbeiten] Literatur
- Hans Ruh, Thomas Gröbly: Die Zukunft ist ethisch – oder gar nicht. Waldgut Verlag, Frauenfeld (CH), 2006, ISBN 303740275X.
- Manfred Hermanns: Sozialethik im Wandel der Zeit. Persönlichkeiten - Forschungen - Wirkungen des Lehrstuhls für Christliche Gesellschaftslehre und des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster 1893-1997. Paderborn u.a.: Schöningh 2006. ISBN 3-506-72989-6
- Roland Minnerath, Gegen den Verfall des Sozialen. Ethik in Zeiten der Globalisierung, Freiburg 2007, orig.: Pour une éthique sociale universelle. La proposition catholique, 2004
- Walter Kerber: Sozialethik. Kohlhammer, Stuttgart 1998, ISBN 3-17-009967-1
- Ulrich Körtner: Evangelische Sozialethik. Göttingen 1999, Vandenhoeck und Ruprecht, ISBN 3-525-03287-0 bzw. UTB 2107, ISBN 3-8252-2107-5
[Bearbeiten] Verwendete Quellen
- ↑ Alexander von Oettingen: Querdenker und Charismatiker im Protestantismus des Kaiserreichs. - Kapitel 1, FU-Berlin.
- ↑ Meyers Lexikon - Sozialethik

