Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

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Gebäude des Statistischen Landesamtes in Stuttgart

Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg ist eine Landesoberbehörde und gehört zum Geschäftsbereich des Finanzministeriums des Landes. Es erhebt, sammelt und analysiert statistische Daten und Informationen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.

Das Informationsangebot des Statistischen Landesamtes schafft eine wesentliche Voraussetzung, um unsere gegenwärtige gesellschaftliche Lage realistisch zu beurteilen, künftige Entwicklungen abzuschätzen, sachgerecht zu planen, sparsam und effektiv zu wirtschaften und Entscheidungen zu kontrollieren.

Diese Aufgaben einer Informationsdienstleistungsbehörde nimmt das Statistische Landesamt Baden-Württemberg gemeinsam mit den anderen Statistischen Landesämtern, den kommunalen Statistikämtern, dem Statistischen Bundesamt und dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) wahr. Als Einrichtung der amtlichen Statistik sind sie den strengen Grundsätzen der Neutralität, Objektivität, wissenschaftlichen Unabhängigkeit, Geheimhaltung von Einzeldaten, Datenschutz und der Legalität verpflichtet.

Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg ist der zentrale Statistik-Dienstleister des Landes Baden-Württemberg und ist für die Erstellung von Statistiken zuständig. Dies erfolgt in der Regel auf Anordnung des Bundes oder der Europäischen Union und nach gesetzlichen Vorgaben.

Grundsätze für das Statistische Landesamt Baden-Württemberg[Bearbeiten]

Nach dem Landesstatistikgesetz von Baden-Württemberg(§1 LStatG) hat die amtliche Statistik des Landes (Landes- und Kommunalstatistik) im föderativ gegliederten Gesamtsystem der amtlichen Statistik die Aufgabe, entsprechend dem Informationsbedarf von Bund, Ländern, Gemeinden und Gemeindeverbänden, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung laufend Daten über Massenerscheinungen zu erheben, zu sammeln, aufzubereiten, darzustellen und zu analysieren. Sie gewinnt die statistischen Informationen unter Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Einsatz der jeweils sachgerechten Methoden und Informationstechniken; dabei gelten für sie die Grundsätze der Neutralität, Objektivität, wissenschaftlichen Unabhängigkeit und statistischen Geheimhaltung.

Aufgaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[Bearbeiten]

Nach § 3 des Landesstatistikgesetzes hat das Statistische Landesamt Baden-Württemberg folgende Aufgaben

1. EG-, Bundes- und Landesstatistiken zu erheben und aufzubereiten und statistische Ergebnisse zusammenzustellen, auszuwerten, darzustellen und zu veröffentlichen,

2. Landesstatistiken methodisch und technisch vorzubereiten und weiterzuentwickeln sowie bei der Vorbereitung und Weiterentwicklung von EG- und Bundesstatistiken mitzuwirken,

3. das Landesinformationssystem (LIS-BW) zu betreiben sowie inhaltlich und technisch weiterzuentwickeln,

4. Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und andere Gesamtsysteme statistischer Daten für Landeszwecke darzustellen und zu veröffentlichen,

5. wissenschaftliche Analysen, Prognosen und Modellrechnungen auf der Grundlage statistischer Daten in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt und den statistischen Ämtern der anderen Länder oder im Benehmen mit der fachlich zuständigen obersten Landesbehörde und dem Finanzministerium vorzunehmen,

6. auf Anforderung insbesondere der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, oberster Bundesbehörden oder oberster Landesbehörden im Einvernehmen mit dem Finanzministerium Forschungsaufträge auszuführen, Gutachten zu erstellen und sonstige Arbeiten statistischer Art durchzuführen,

7. die Behörden und Gerichte des Landes, die Gemeinden, Landkreise, Verwaltungsgemeinschaften, den Verband Region Stuttgart und die Nachbarschaftsverbände sowie die sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden juristischen Personen des öffentlichen Rechts in statistischen Angelegenheiten zu beraten und zu unterstützen,

8. an der Vorbereitung von Rechts- und Verwaltungsvorschriften mitzuwirken, die die Bundes- oder Landesstatistik betreffen,

9. sonstige durch Rechtsvorschrift oder die fachlich zuständige oberste Landesbehörde im Einvernehmen mit dem Finanzministerium übertragene Aufgaben wahrzunehmen.

Landesinformationssystem Baden-Württemberg LIS-BW[Bearbeiten]

Auf der Grundlage des Landesstatistikgesetzes (§17) führt das Statistische Landesamt ein Landesinformationssystem (LIS-BW). Dieses hat die Aufgabe, Daten und Auswertungsmethoden für Zwecke der Planung, Entscheidung und Entscheidungskontrolle im öffentlichen Bereich bereitzustellen und der allgemeinen Nutzung zugänglich zu machen.

Inhalt des LIS-BW sind Abzüge von Datenbeständen staatlicher Stellen. Die Aufnahme von Daten anderer Stellen in das LIS-BW und die Vermittlung von Daten aus anderen Systemen ist zulässig. Personenbezogene Daten darf das LIS-BW nur enthalten, wenn sie allgemein zugänglich sind. Bei der Auswahl der Daten und Auswertungsmethoden des LIS-BW wird die Landesregierung vom Landesausschuß für Information beraten. Dem Landesausschuß für Information gehören je fünf Vertreter des Landtags und der Landesregierung an. Den Vorsitz führt der Finanzminister.

FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg[Bearbeiten]

Die interdisziplinär angelegte FaFo-BW besteht seit Mitte 1982. Sie wurde vom Sozialwissenschaftler und Präsidenten des Statistischen Landesamtes Max Wingen (1930–2005) gegründet. Die Tätigkeitsfelder der FaFo-BW sind: Demografische Analysen, Familienstrukturen, Familiensoziologie, Geschlechterrollen, sozialökonomische Strukturen von Familien, Familie und Arbeitswelt, Kinderbetreuung, Frauen, Familien- und Sozialpolitikbeobachtung.

Die Forschungsergebnisse der FaFo-BW tragen zur Unterrichtung von Politik und Öffentlichkeit über die Belange von Familien bei. Darüber hinaus berät die FaFo-BW Kommunal-, Landes- und Bundeseinrichtungen bei familien- und familienpolitikrelevanten Fragen.

Geschichte des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg und seiner Vorgänger[Bearbeiten]

Im Königreich Württemberg wurde 1821 ein Statistisch Topografisches Bureau des Königreichs Württemberg, die früheste Vorgängerbehörde der Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg gegründet. In der Weimarer Republik und der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde das Bureau durch das Württembergische Statistische Landesamt abgelöst.

Großherzogliches Statistisches Bureau Baden[Bearbeiten]

1852 Gründung eines Großherzoglichen Statistischen Bureaus im Geschäftsbereich des Ministerium des Innern. Bis zur Gründung des Amtes wurden statistische Aufgaben – zum Beispiel für den Zollverein – von den badischen Ministerien in eigener Regie durchgeführt. 1855 erscheint das erste Heft der „Beiträge zur Statistik der Inneren Verwaltung des Großherzogtums Baden“. Es enthält die Verwaltungsgliederung Badens und ein Ortsverzeichnis mit bevölkerungsstatistischen Daten des Jahres 1852.

1860 Das Statistische Bureau wird dem neu gegründeten Handelsministerium unterstellt. Mit dieser Unterstellung und einem hauptamtlichen Amtsvorstand wird die badische Statistik von einer unabgestimmten Ressortstatistik zu einem übergreifenden und querschnittsorientierten System entwickelt.

1865 Ernennung des Statistischen Bureaus zur „selbständigen Staatsstelle“ mit unabhängiger Tätigkeitserfüllung. Ab 1868 erscheint das „Statistische Jahrbuch für das Großherzogtum Baden“, dann 1869 in unregelmäßiger Folge die „Statistischen Mitteilungen über das Großherzogtum Baden“.

Badisches Statistisches Landesamt[Bearbeiten]

1897 Landesherrliche Verordnung durch Großherzog Friedrich von Baden und Umbenennung des Bureaus in „Statistisches Landesamt Baden“. Das Amt und die Landesstatistik erhalten eine neue Organisation, werden den badischen Zentralbehörden gleichgestellt und dem Ministerium des Innern unterstellt.

1945 Auflösung des Statistischen Landesamts Baden.

Württembergisches Statistisches Landesamt in Tübingen[Bearbeiten]

1946 entsteht aus der französischen Statistik-Dienststelle in Tübingen das statistische Amt für das Bundesland Württemberg-Hohenzollern. Dieses Amt betreut auch den bayerischen Kreis Lindau, der als einziger bayerischer Kreis nicht zur amerikanischen sondern zur französischen Besatzungszone gehört.

Bureau de Statistiques et d'Etudes Economique auprès du Gouvernement Militaire de Bade[Bearbeiten]

Im Herbst 1945 wird in Freiburg von der französischen Besatzungsadministration eine statistische Dienststelle eingerichtet. Hauptaufgabe des Amtes ist die Sammlung industriestatistischer Daten.

Deutsches Statistisches Landesamt für Baden – französisches Besatzungsgebiet[Bearbeiten]

1946 wird vom Badischen Innenministerium ein Statistisches Amt eingerichtet, dessen Tätigkeit mit dem Bureau de Statistiques et d'Etudes Economique auprès du Gouvernement Militaire de Bade abgestimmt werden.

Office de statistique de Constance[Bearbeiten]

In Konstanz befindet sich die statistische Zentralstelle der französischen Militäradministration. Diese Stelle bereitet das von den statistischen Landesämtern bzw. den statistischen Stellen der französischen Besatzungsmacht übermittelte Datenmaterial mit einer Hollerith-Anlage zu Ergebnissen der französischen Besatzungszone auf. Darüber hinaus werden auch Sondererhebungen wie die „Werkzeug-Maschinen-Zählung“ von 1946 durchgeführt. Diese dienen der logistischen Planung der mehrfachen französischen Demontagen insbesondere in den Industriegassen des schwäbischen Albtraufs.

Statistisches Landesamt Baden[Bearbeiten]

1947 werden das Bureau de Statistiques et d'Etudes Economique auprès du Gouvernement Militaire de Bade und das Statistisches Landesamt für Baden zum späteren Statistischen Landesamt Baden zusammengefasst. Das Amt geht 1952 nach der Gründung des Bundeslandes Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg auf.

Statistisches Landesamt in Karlsruhe[Bearbeiten]

Das Statistische Landesamt in Karlsruhe existiert nur wenige Monate in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum Juni 1946. Das Erhebungs- und Auswertungsprogramm wird im Wesentlichen vom Stuttgarter Statistischen Amt in Abstimmung mit der amerikanischen Besatzungsadministration gestaltet.

Statistisches Landesamt in Stuttgart[Bearbeiten]

Ende 1945 wird in Stuttgart ein organisatorisches Provisorium für den Statistischen Dienst eingerichtet, in das das nach Bad Wildbad verlagerte Personal und die in das Schloss Wachendorf ausgelagerten Bibliotheksbestände zurückkehren.

Statistisches Landesamt Württemberg-Baden[Bearbeiten]

1946 Fusion der Statistischen Landesämter in Stuttgart und in Karlsruhe. Das Amt geht 1952 mit der Gründung Baden-Württembergs im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg auf.

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg[Bearbeiten]

1952 In einem Überleitungsgesetz verbleibt das Statistische Landesamt im Geschäftsbereich des Finanzministeriums. Die bis dahin selbstständigen Ämter in Tübingen und Freiburg werden den Ämtern in Stuttgart und Karlsruhe unterstellt.

1953 Mit der Gründung des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg wird durch Bekanntmachung des Innenministeriums Baden-Württemberg ein Statistisches Landesamt mit Sitz in Stuttgart verfügt. Die Ämter in Karlsruhe, Freiburg und Tübingen werden für eine Übergangsfrist als Außenstellen beibehalten. Die Auflösung dieser Außenstellen wird 1955 endgültig vollzogen.

1953 Die Geologische Abteilung des Statistischen Landesamtes wird aus dem Amt ausgegliedert und in Freiburg das Geologische Landesamt Baden-Württemberg errichtet.

1969 Im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreformen beauftragt die Landesregierung ein Konzept für ein Landesinformationssystem und eine Regionaldatenbank zu erstellen.

1991 Die amtliche Statistik erhält auch in Baden-Württemberg eine landesgesetzliche Grundlage, das Landesstatistikgesetz (LStatG). Damit werden die bis dahin gültigen Rechtsgrundlagen vom 18. September 1928 für den württembergischen Landesteil und vom 8. Juli 1897 für den badischen Landesteil aufgehoben.

Amtsvorsteher, Direktoren und Präsidenten der Statistischen Ämter Baden-Württembergs[Bearbeiten]

Statistisch Topografisches Bureau des Königreichs Württemberg[Bearbeiten]

Von 1820 bis 1828 stand der Staatsminister für Finanzen Ferdinand Heinrich August von Weckherlin (1767–1828) dem Bureau vor. Schwerpunkt von Weckherlins Arbeiten waren Oberamtsbeschreibungen im Rahmen einer allgemeinen Landesbeschreibung. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten in die Praxis der Verwaltung und des öffentlichen Lebens Eingang finden. Von 1828 bis 1840 folgten in kurzen Abständen als Amtsvorstände: Finanzminister Freiherr von Varnbühler, Staatsrat von Herzog, Staatsrat Gärtner und Staatsrat von Goppelt.

Von 1820 bis 1822 war Regierungsrat Christian Kausler geschäftsführendes Mitglied. Er verfasste die Amtsbeschreibungen von Herrenalb, Liebenzell und Wildbad, sowie die Oberamtsbeschreibung von Neuenbürg.

Von 1822 bis 1840 führte Johann Daniel Georg Memminger (1773–1840) die Geschäfte. Er war Präzeptor mit dem Charakter und Range eines Universitätsprofessors. Bereits 1812, also vor der Gründung des Statistisch-Topographischen Bureaus, veröffentlichte Memminger eine Beschreibung von „Cannstatt und seiner Umgebung“ und 1817 von „Stuttgart und Ludwigsburg mit ihren Umgebungen“. 1823 folgt die 2. Landesbeschreibung. Ab 1818 war Memminger Herausgeber der Württembergischen Jahrbücher für Statistik und Landeskunde – eine Reihe, die bis 2000 ihre Fortsetzung fanden.

Von 1840 bis 1844 standen Eduard von Schmidlin und 1844–1845 August Friedrich Pauly (1796–1845) dem Bureau vor. Pauly setze die Oberamtsbeschreibungen fort und gab eine „Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft“ heraus. Ihm folgte von 1845–1849 Georg Bernhard von Bilfinger als Geschäftsführer. 1850 führte der Historiker, Oberbibliothekar und Wappencensor Christoph Friedrich von Stälin (1805–1873) das Bureau. Während seiner langjährigen Amtszugehörigkeit hatte sich vor allem den Oberamtsbeschreibungen gewidmet.

Von 1850 bis 1861 leitete nach seinem Rücktritt als Staatsminister für Finanzen Johann Christoph von Herdegen (1787–1861) das Statistisch-Topographische Bureau. Unter Herdegen wurde der topografische Atlas des Königreichs Württemberg vollendet und mit den Arbeiten für eine geognostische Karte Württembergs begonnen.

1861 übernahm der Theologe, Pädagoge, Kultusbeamte, Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung und Mitglied des Württembergischen Landtags Gustav von Rümelin (1815–1889) die Leitung des Statistisch-Topographischen Bureaus. 1863 erschien seine Abhandlung „Zur Theorie der Statistik“ in der Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Ab 1867 wirkte Rümelin zusätzlich als Professor für Statistik und vergleichende Staatenkunde an der Universität in Tübingen. 1881 wurde von Rümelin Mitglied der Staatswissenschaftlichen Fakultät in Tübingen. Von 1870 bis 1888 war er Kanzler der Universität. Seine Hauptlehrtätigkeiten waren Soziale Statistik, Politische Statistik, vergleichende Staatenkunde und Rechtsphilosophie. Von Rümelin beschäftigte sich mit demografischen Themen, insbesondere mit den Lehren von Malthus. 1873 wurde von Rümelin durch königliche Entschließung zum Ehren-Vorstand des Amtes ernannt.

Von 1873 bis 1877 war Karl Victor von Riecke (1830–1898) Amtsvorstand, dann bis 1880 Direktor des Statistisch-Topographischen Bureaus. Bereits seit 1863 war Riecke ordentliches Mitglied des Bureaus. 1872 wurde er auf dem Internationalen Statistischen Kongress in Abwesenheit in die permanente Kommission des Internationalen Statistischen Instituts (ISI) gewählt, dessen Ehrenmitgliedschaft ihm 1886 angetragen wurde. Riecke verstärkte die statistisch orientierte vaterländische Landesbeschreibung. Er profilierte sich als international gefragter Finanzwissenschaftler und erhielt auf dem ISI-Kongress in Stockholm den Auftrag, die internationale Finanzstatistik zu bearbeiten. Er verstärkte die Beziehungen zu den historischen Vereinen in Württemberg. Ab 1878 ließ Riecke die Württembergischen Vierteljahreshefte für Landesgeschichte als Beihefte der Württembergischen Jahrbücher für Statistik und Landeskunde herausgeben. 1880 wurde er zum Direktor des Steuerkollegiums (Staatsminister für Finanzen) berufen.

Königliches Statistisches Landesamt[Bearbeiten]

1880–1886 Georg von Schneider (1816–1892). Unter Schneider wurde durch königlichen Erlass das Statistisch-Topographische Bureau in „Königliches Statistisches Landesamt“ umbenannt. 1886 übernimmt von Schneider die Vorstandschaft der Oberrechnungskammer und der Staatskassenverwaltung.

1886–1892 Otto von Knapp (1831–1896) übernahm 1886 die Leitung des „Königlichen Statistischen Landesamtes“. Bis dahin war von Knapp Vorstandsmitglied der Generaldirektion der Staatseisenbahnen. Von 1877 bis 1881 war von Knapp Reichstagsabgeordneter und stellvertretendes Mitglied des Bundesrates. Unter von Knapp kam die 3. Amtliche Landesbeschreibung heraus.

1892–1894 Otto von Schneider (1847–1913) wurde 1892 die Leitung des „Königlichen Statistischen Landesamtes“ vorübergehend übertragen. Von Schneider beschäftigte sich intensiv mit den Betriebsformen der Großindustrie. 1894 wurde von Schneider Direktor der Domänendirektion.

1894–1904 Hermann von Zeller übernahm 1894 provisorisch und 1895 definitiv die Leitung des „Königlichen Statistischen Landesamtes“. Unter seiner Leitung wurden die Erhebungen zum Liegenschaftsbesitzwechsel und zur Hypothekenbewegung der Zwangsvollstreckungen neu in das Arbeitsprogramm aufgenommen. Ab 1897 ließ er die „Mitteilungen des Königlichen Statistischen Landesamtes“ – als Beilage zum Staatsanzeiger wieder herausgeben. 1901 erschien als Datensammlung das erste „Statistische Handbuch für das Königreich Württemberg“ und eine vierbändige Landesbeschreibung für Württemberg. 1903 wurde von König Wilhelm II. der durch von Zeller vorgeschlagenen „Errichtung einer Geologischen Abteilung beim Statistischen Landesamt“ durch den Staatsminister für Finanzen zugestimmt. Als Hauptaufgabe wurde die bereits 1890 begonnene Erstellung der geologischen Karten im Maßstab 1 : 25.000 gesehen. 1904 übernahm Zeller – gegen seinen Willen – die Vorstandschaft des Steuerkollegiums im Königreich Württemberg. 1905 erfolgte unter seiner Führung die erste Einkommensteuerveranlagung. 1907 wurde von Zeller Synodalpräsident und 1912 Präsident des evangelischen Konsortiums. Bis 1924 blieb von Zeller Vorsitzender der Evangelischen Landesregierung.

1904–1907 Franz von Stumpf übernahm als ehemaliges Mitglied der Forstdirektion, des Steuerkollegiums, der Abrechnungskammer und des Disziplinargerichtshofes die Leitung des Amtes.

1907–1914 Karl von Haffner war bis 1914 Direktor des Statistisch-Topographischen Bureaus.

Württembergisches Statistisches Landesamt[Bearbeiten]

1914–1922 Karl von Haffner wurde in Fortsetzung seiner Funktion im königlichen Statistischen Amt der erste Präsident des – nun republikanischen – Württembergischen Statistischen Landesamtes.

1922–1930 Hermann Julius Losch (1863–1935) war von 1893 bis 1930 Mitglied der württembergischen Statistischen Ämter, ab 1922 übernahm er als Präsident die Leitung des Württembergischen Statistischen Landesamtes. Bereits 1904 besuchte Losch das Bureau of the Census in Washington und lernte dort Holleriths Lochkartenverfahren kennen. Für die Volkszählung 1910 konnte Losch, gestützt auf eingehende Rentabilitätsuntersuchungen, mit Zustimmung des Finanzministeriums einen Vertrag mit der Deutschen Hollerithgesellschaft (später IBM) abschließen. Das Württembergische Statistische Landesamt führte damit die maschinelle Datenverarbeitung in Württemberg ein. Aus organisatorischen und sozialpolitischen Gründen wurde die maschinelle Datenverarbeitung nach dem Ersten Weltkrieg eingestellt. Im Ersten Weltkrieg war Losch Mitglied des wirtschaftlichen Kriegsausschusses und danach Vorstand der Landespreisstelle. Losch war einer der ersten Statistiker, der sich mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der Sozialproduktsberechnung beschäftigte. Er verfasste über 40 Publikationen insbesondere zu „Volksvermögen, Volkseinkommen und ihre Verteilung“. Als erster Statistiker beschäftigte er sich mit der Pendelwanderung, der Losch den wissenschaftlichen Namen gibt. Losch vereinbarte 1927 mit dem Schwäbischen Albverein, dass dieser jährlich mindestens 25.000 Wanderkarten im Maßstab 1 : 50 000 abnahm, damit ist trotz knapper Haushaltsmittel die rasche Erscheinungsfolge der Wanderkarten garantierte.

1930–1933 Otto Müller war nomineller Nachfolger von Losch. Tatsächlich wurde das Amt von Otto Trüdinger (1866–1949) geführt, einem Schüler von v. Rümelin. Trüdinger trat bereits 1893 in den Statistischen Dienst. Von 1915 bis 1923 war er zunächst zweiter dann erster Vorsitzender der Landespreisstelle. Auf Trüdinger geht die erfolgreiche Weiterentwicklung der Landwirtschaftsstatistik zurück.

1933–1938 Karl Hermann Seeger (1873–1950), der ab 1929 ständiger Delegierter des württembergischen Finanzministeriums beim Württembergischen Statistischen Landesamt war, übernahm 1933 die Leitung des Amtes. Während seiner Amtszeit wurden die Abteilungen Meteorologie, Topografie und Geologie vom Statistischen Amt losgelöst. Ihm gelang es, die wissenschaftliche Arbeitsweise der württembergischen Statistik zu erhalten. 1938 trat Seeger in den Ruhestand. 1939 bis 1943 wurde er für den statistischen Dienst reaktiviert.

1938–1945 Josef Griesmeier (1891–1969) begann 1929 seinen statistischen Dienst im Württembergischen Statistischen Landesamt. Von 1938 bis 1945 leitete er als Direktor das Amt. 1946 verlor er im Rahmen eines Entnazifizierungsverfahrens seine Funktionen. Er war gewähltes Mitglied des Internationalen Statistischen Institutes und im Vorstand und später Ehrenmitglied der Deutschen Statistischen Gesellschaft. Ab 1936 lehrte Griesmeier Statistik an der Universität Tübingen, die ihn 1941 zum Honorarprofessor ernannte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Lehrbeauftragter an der TH Stuttgart. Forschungsschwerpunkte Griesmeiers waren die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung, Wanderungsbewegungen seit der Bauernbefreiung, Urbanisation, Pendelwanderung und Wahlverhalten.

Statistisches Landesamt Württemberg-Hohenzollern in Tübingen[Bearbeiten]

Von 1947 bis 1949 leitete Ellynor Eichert das Statistische Landesamt Württemberg-Hohenzollern. Eichert kam über den Schuldienst und das Office de statistique de Constance nach Tübingen. Danach übernahm Carl Kessner (1892–1964) die Leitung des Amtes bis zu dessen Auflösung 1953. Von 1927 bis 1945 war Kessner Leiter des Statistischen Amtes der Stadt Stuttgart.

Großherzogliches Statistisches Bureau in Baden[Bearbeiten]

Von 1852 bis 1863 führte Rudolf Dietz das Statistische Bureau im Ministerium des Innern des Großherzogtums Baden. Dietz wechselte 1860 mit dem Bureau in den Zuständigkeitsbereich des badischen Handelsministeriums. Unter Dietz wurde das erste badische Gemeindeverzeichnis mit den Ergebnissen der Zollvereinszählung (Volkszählung) von 1852 veröffentlicht. Von 1863 bis 1894 leitete der Philologe Friedrich Hardeck (1826–1894) das Bureau. 1865 wurde er Leiter der neu geschaffenen und selbstständigen „Staatsstelle für Statistik“. 1866 zum Legationsrat beim „Ministerium des großherzoglichen Hauses und der Auswärtigen Angelegenheiten“ ernannt, behielt er die Leitung des Statistischen Bureaus jedoch bei. Hardeck wurde wegen seines Engagements für die Reichsstatistik zum Ehrenmitglied des Internationalen Instituts ernannt. Unter Hardeck wurden die statistischen Ergebnisse in verschiedenen Publikationsreihen (u.a. Statistische Mitteilungen für das Großherzogtum Baden, Statistisches Jahrbuch, Gemeindelexikon) breit gestreut. Von 1894 bis 1897 leitete Gustav Lange (1855–1925) das Bureau. Er setzte sich bei der badischen Regierung erfolgreich dafür ein, dem Statistischen Bureau den höheren Status einer Zentralbehörde und eines Landesamtes zu verleihen. Durch eine landesherrliche Verordnung erhielt das Amt eine neue Organisationsform und zusätzliche Kompetenzen. 1897 übernahm Lange (1855–1925) die Leitung des neu geschaffenen Badischen Statistischen Landesamtes. 1908 erhielten die auf Verwaltung und Wissenschaft ausgerichteten Veröffentlichungen eine möglichst einfache und populäre Darstellung. Lange forcierte die Beteiligung der amtlichen Statistik auf Messen und Ausstellungen sowie den Einsatz grafischer Darstellungen wie Karten und Diagramme. 1920 ging die Leitung des Amtes auf den Agrarwissenschaftler Moriz Hecht (1869–1952) über. Während des Ersten Weltkrieges war er zudem Leiter des Kriegswucheramtes, dem er bis 1921 vorstand. Daneben war Hecht Lehrbeauftragter für praktische Wirtschaftslehre an der TH Karlsruhe. Den damaligen Sparmaßnahmen begegnete Hecht mit einer erfolgreichen Sponsoren-Politik. Besonders engagierte sich Hecht für die badische Regionalstatistik. 1933 bis zum Kriegsende 1945 leitete der ehemalige Polizeipräsident von Karlsruhe Paul Hauser (1880–1969) das Amt. Unter seiner Führung musste das Amt die bis dahin erfolgreiche Veröffentlichungspolitik einstellen, da Statistiken zunehmend als Verschlusssachen behandelt wurden.

Statistisches Landesamt für Baden – französisches Besatzungsgebiet und späteres Statistisches Landesamt Baden[Bearbeiten]

1946 bildete die französische Besatzungsadministration für ihr eigenes Verwaltungsterritorium ein eigenes Statistisches Amt, zu dessen Leitung bis zur Auflösung des Amts im Jahr 1953 Victor Wolters eingesetzt wurde.

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg[Bearbeiten]

In der Amerikanischen Besatzungszone führte ab 1945 der katholische Sozialwissenschaftler und Statistiker Paul Jostock (1895–1965) die Statistischen Landesämter Württemberg in Stuttgart und Nordbaden in Karlsruhe. Ab 1953 war er Präsident des durch Zusammenlegung mit den Landesämtern in Freiburg und Tübingen entstandenen Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg. Jostock trat 1927 in den Dienst des Deutschen Statistischen Reichsamtes ein, wo er sich mit der Weiterentwicklung der deutschen Volkseinkommens- und Volksvermögensstatistik einen großen wissenschaftlichen Ruf erwarb. Er beschäftigte sich kritisch mit Sozialismus, Kapitalismus und Kollektivismus und entwarf Konzepte für soziale Reformen, die auf dem Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre aufbauen. Ministerialrat Griesmeier war der Ständige Vertreter von Jostock. Von 1962 bis 1967 führte der Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Landtags- und Bundestagsabgeordneter Staatsrat Friedrich Werber (1901–1981) das Amt. Unter Werber gewannen die württembergische Tradition der Landesbeschreibung und eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit insbesondere durch die monographische Beschreibung der damaligen 72 Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs an Bedeutung. Die dafür zuständige Abteilung Landesbeschreibung wurde am 1. September 1964 der Staatlichen Archivdirektion unterstellt. Von 1968 bis 1980 leitete der Volkswirt und Historiker Klaus Szameitat (1914–1985) das Amt. Schwerpunkt seiner Arbeiten war die Weiterentwicklung der erhebenden amtlichen Statistik, sowie der Prognose- und Analysetätigkeit und insbesondere der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Länder und die Leitung des gleichnamigen Arbeitskreises (AK-VGR d.L.). Unter Szameitat wurde mit dem Aufbau einer statistischen Regionaldatenbank (RDB) und dem Landesinformationssystem Baden-Württemberg (LIS-BW) begonnen. Szameitat trat 1938 in die Dienste des Statistischen Reichsamtes ein, wechselte 1945 nach Auflösung des Reichsamtes zum Bayerischen Statistischen Landesamt und 1948 zum Statistischen Bundesamt, wo er bis zu seinem Wechsel in das Statistische Landesamt Baden-Württemberg als Abteilungspräsident für die „Allgemeinen Organisation der Statistik und die Allgemeine Auslandsstatistik“ verantwortlich war. 1961 wurde Szameitat zum Mitglied des Internationalen Statistischen Instituts gewählt. Von 1980 bis 1992 leitete der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Max Wingen (1930–2005) das Amt. Zuvor war er Referatsleiter im Bundesfamilienministerium für Sozialpolitik, Grundsatzfragen der Familienpolitik, Familienforschung und bevölkerungspolitische Fragen. 1991 ging er als Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung Sozialhilfe ins Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zurück. Wingens Arbeitsschwerpunkte waren Familienwissenschaft und Demografie. Dazu gründete er im Statistischen Landesamt die Familienwissenschaftliche Forschungsstelle FaFo. Er verfasste Zahlreiche Analysen zur Sozioökonomie der Familie, zu Familienlasten und zum Familienleistungsausgleich, zur Vereinbarkeit von Erwerbsarbeitswelt und Familie, sowie theoretische Grundlagenwerke der Familienwissenschaft. Wingen wirkte als Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum und als Honorarprofessor für Bevölkerungswissenschaft und Familienpolitik an der Universität Konstanz. Von 1992 bis 2001 war der Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler Staatssekretär i.e.R. Eberhard Leibing (* 1940) Amtsleiter. 2001 wurde Leibing zum Direktor des Landtags von Baden-Württemberg ernannt. Leibing intensivierte die Kundenorientierung durch professionelles Marketing und die Errichtung einer eigenen Abteilung für Informationsdienste. Durch Kosten- und Leistungsrechnung gab er dem Amt eine betriebswirtschaftliche Ausrichtung. Er engagierte sich für die Beibehaltung des Subsidiaritätsprinzips im Verhältnis zur EU und zur Bundesstatistik und für die Unabhängigkeit der Statistik von politischen Einflüssen. Leibing forcierte die Prognosetätigkeit für Baden-Württemberg und führt eine eigene Konjunkturbeobachtung für das Land ein. Unter seiner Leitung werden die Neuen Bundesländer in die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen integriert. Von 2002 bis 2007 führte die Juristin Gisela Meister-Scheufelen (* 1956) das Statistische Landesamt, 2007 wird sie zur Ministerialdirektorin des Finanzministeriums Baden-Württemberg ernannt. Als ehemalige Leiterin des Landesgewerbeamts Baden-Württemberg und ehemalige Staatssekretätin für Wirtschaft und Technologie des Berliner Senats vertiefte sie die Beziehungen zur Wirtschaft und deren Verbänden. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit lag in der Problematisierung von Politik und Gesellschaft für den demografischen Wandel. Unter Meister-Scheufelens Führung wurde die Produktpalette des Statistischen Landesamtes den neuen Kommunikationstechniken und -gewohnheiten angepasst und erheblich ausgeweitet. Besonderen Anteil hat Meister-Scheufelen an der Entwicklung und Umsetzung eines Masterplanes für die deutsche amtliche Statistik. Im Vordergrund standen dabei die Entlastung von Berichtspflichtigen und die Einführung elektronischer Meldewege. Ihr besonderer Einsatz galt der Erhaltung des föderalen Systems der deutschen amtlichen Statistik. 2007 übernahm Carmina Brenner (* 1957) die Führung des Amtes. Bis zu ihrer Amtsübernahme war Brenner Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg.

Quellen[Bearbeiten]

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 150 Jahre Amtliche Statistik in Baden-Württemberg, Stuttgart, 1970.

Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Band 7, Jena, 1926, S. 910.

Div. „Jahrbücher für Statistik und Landeskunde“.

Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand EL 411 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand E 258 I-VIII Statistisches Landesamt Württemberg

Interne Akten des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg.

Weblinks[Bearbeiten]