Superlizenz

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Superlizenz ist der offizielle Name der in der Formel 1 von der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) auf Anfrage an Rennfahrer vergebenen Rennlizenz, die seit der Formel-1-Saison 1984[1] als Grundvoraussetzung zur Teilnahme an Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft festgelegt ist.

Grundsätzliches[Bearbeiten]

Die Superlizenz ist immer nur für das laufende Kalenderjahr gültig und muss mindestens 14 Tage vor der technischen Abnahme der Fahrzeuge bei einem Grand Prix beantragt werden. Im Falle eines aufgrund von höherer Gewalt notwendigen Fahrerwechsels während der laufenden Formel-1-Saison darf die Superlizenz auch noch bis mindestens 48 Stunden vor der technischen Abnahme beantragt werden.

Weitere Lizenzen der FIA werden in Stufen mit A, B, C und D bezeichnet. Voraussetzung für die Erteilung der Superlizenz ist, dass der Fahrer bereits die FIA-Lizenz der Stufe A besitzt und weitere im Appendix L des FIA-Regelwerks festgelegte Bedingungen erfüllt. Die Fahrer müssen zudem eine Gebühr für die Superlizenz bei der FIA bezahlen, sie gilt als teuerste Sportlerlizenz der Welt.[2]

Bis zur Formel-1-Saison 2000 war die Superlizenz an den Führerschein gebunden, bei einem Entzug der Fahrerlaubnis drohte somit auch der Entzug der Superlizenz.[3]

Vergabekriterien bis 2015[Bearbeiten]

Zu den Bedingungen im Appendix L für eine Erteilung gehört, dass der Fahrer in einer niedrigeren Rennkategorie wie beispielsweise in der Formel 3 oder der GP2-Serie gute Platzierungen erreicht hat. Es ist z. B. ausreichend, wenn ein Fahrer in den letzten zwei Jahren unter den besten drei der GP2-Serie oder der Super Formula platziert war oder aktueller Meister der Formel-3-Euroserie, der nationalen Formel-3-Serien in Großbritannien, Japan, Spanien oder Italien oder der Formel Renault 3.5 ist. Ebenfalls reicht es aus, wenn ein Fahrer in der IndyCar Series die Meisterschaft in den letzten beiden Jahren mit einer Platzierung unter den besten vier abgeschlossen hat. Darüber hinaus erhielten die drei Erstplatzierten der zwischen 2009 und 2012 veranstalteten FIA-Formel-2-Meisterschaft eine solche Superlizenz.

Auch Piloten, die bereits eine Superlizenz besessen haben und in der vergangenen Saison mindestens fünf Grands Prix oder in den letzten drei Saisons mindestens 15 Grands Prix bestritten oder aber in der vergangenen Saison Testfahrer eines Teams der Formel-1-Weltmeisterschaft waren, erhalten eine Superlizenz.

Zusätzlich zu den hier aufgeführten Kriterien kann die Lizenz auch durch das Zurücklegen von mindestens 300 km in einem aktuellen Formel-1-Fahrzeug unter Renngeschwindigkeit, über einen Zeitraum von maximal zwei Tagen erlangt werden. In diesem Fall wird die Superlizenz für eine Probezeit von 12 Monaten provisorisch ausgestellt und kann jederzeit überprüft und gegebenenfalls entzogen werden. Dies war in der Vergangenheit die meistgenutze Möglichkeit zur Erlangung einer Superlizenz.

Vergabekriterien ab 2016[Bearbeiten]

Max Verstappen legte im September 2014 im Alter von 16 Jahren bei Testfahrten mit dem Toro-Rosso-Team mehr als die erforderlichen 300 km zurück und erhielt damit eine Superlizenz. Obwohl er amtierender Kart-Weltmeister war, beschränkte sich seine gesamte Erfahrung im Formelsport auf weniger als eine Saison in der europäischen Formel-3-Meisterschaft. Dies sorgte für öffentliche Kritik von aktuellen und ehemaligen Piloten sowie von Teamverantwortlichen und Funktionären an den Vergabekriterien.[4][5][6][7][8][9][10] Ähnliche Diskussionen hatte es bereits im Dezember 2000 gegeben, als der damals 21-jährige Kimi Räikkönen nach nur 23 Formelrennen (alle in der Formel Renault) die Superlizenz erhielt, jedoch zunächst für vier Rennen auf Probe.[11]

Die FIA kündigte nach einer Sitzung des Motorsport-Weltrats im September 2014 an, die Kriterien zur Vergabe einer Superlizenz zu überarbeiten.[12]

Im Dezember 2014 wurden die neuen Kriterien vom FIA-Weltrat beschlossen. Ab der Formel-1-Saison 2016 muss nun jeder Fahrer, der eine Superlizenz beantragt, das 18. Lebensjahr vollendet haben und im Besitz eines gültigen Führerscheins sein. Außerdem muss der Fahrer in seiner Karriere in zwei Saisons mindestens 80 Prozent der Rennen in einer der folgenden Rennserien bestritten haben:

Darüber hinaus muss der Fahrer entweder in der vergangenen Saison mindestens fünf Grands Prix oder in den vergangenen drei Saisons mindestens fünfzehn Grands Prix bestritten haben (diese Regelungen blieben unverändert), oder in den vergangenen drei Jahren 40 Punkte nach einem neuen Punktesystem erlangt haben.[13]

Meisterschaft Punkte nach Platzierung im Gesamtklassement
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.
zukünftige Formel-2-Meisterschaft 60 50 40 30 20 10 8 6 4 3
GP2-Serie 50 40 30 20 10 8 6 4 3 2
IndyCar Series
FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (Klasse LMP1)
Europäische Formel-3-Meisterschaft
40 30 20 10 8 6 4 3 2 1
GP3-Serie
Formel Renault 3.5
30 20 15 10 7 5 3 2 1
Super Formula 20 15 10 7 5 3 2 1
nationale Formel-3-Meisterschaften
FIA-zertifizierte, nationale Formel-4-Meisterschaft
10 7 5 2 1
Formel Renault 2.0 Eurocup
Formel Renault 2.0 Northern European Cup
Formel Renault 2.0 ALPS
5 3 1

Quelle: [14]

In den Medien wurden Spekulationen laut, dass Stefano Domenicali, Vorsitzender der FIA-Monoposto-Kommission, auf diese Weise FIA-eigene Rennserien bevorzugen[15] und das gewünschte Ausdünnen der Monoposto-Serien beschleunigen wolle. Renault kündigte im Januar 2015 an, gegen die Einteilung der Formel-Renault-Serien vorgehen zu wollen und bemängelte zusätzlich, dass die seitens der FIA angekündigten Gespräche mit den Veranstaltern der Nachwuchsklassen überhaupt nicht stattgefunden hätten. Auch Kritik an der Nichtberücksichtigung von Tourenwagenserien wie der Tourenwagen-Weltmeisterschaft und der DTM sowie der Rallye-Weltmeisterschaft wurden laut.[16]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Sid Watkins: Life At The Limit: Triumph and Tragedy in Formula One. Foreword by Niki Lauda. 6. Auflage. MacMillan, London 1996, ISBN 9780333657744, S. 211.
  2. Formel-1-Fahrer kritisieren Kosten der Superlizenz. focus.de, 8. Februar 2009, abgerufen am 13. Januar 2015.
  3. Montoya nach Übertretung ohne Führerschein. Motorsport-Total.com, 12. Mai 2003, abgerufen am 14. Januar 2015.
  4. Norman Fischer, Dieter Rencken, Dominik Sharaf: Villeneuve kritisiert: "Formel 1 kein Weihnachtsgeschenk". Motorsport-Total.com, 22. August 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  5. Mario Fritzsche: Salo: Verstappen-Debüt "richtig schlecht für die Formel 1". Motorsport-Total.com, 28. August 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  6. Sven Haidinger: Häkkinen über Verstappen: "Würde ihn niemals fahren lassen". Motorsport-Total.com, 29. August 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  7. Markus Lüttgens: Alguersuari: Formel 1 ist kein Sport mehr. Motorsport-Total.com, 3. September 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  8. Dominik Sharaf: Matiacci kritisiert: Sendet Verstappen die "falsche Botschaft"? Motorsport-Total.com, 6. September 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  9. Dieter Rencken, Roman Wittemeier: Superlizenz: Neue Kriterien für den Nachwuchs gesucht. Motorsport-Total.com, 8. September 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  10. Markus Lüttgens: Todt: Verstappen ist zu jung für die Formel 1. Motorsport-Total.com, 15. Dezember 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  11. F1: Interview mit Kimi Räikkönen. Motorsport2000.de, 9. Januar 2001, abgerufen am 14. Januar 2014.
  12. Sven Haidinger: Nach Verstappen: Bis 2016 neue Superlizenz-Kriterien. Motorsport-Total.com, 12. September 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  13. Norman Fischer: Erfolg ist Pflicht: Neues Punktesystem für Superlizenz. Motorsport-Total.com, 6. Januar 2015, abgerufen am 7. Januar 2015.
  14. APPENDIX L TO THE INTERNATIONAL SPORTING CODE. fia.com, 14. Dezember 2014, abgerufen am 7. Januar 2015 (englisch).
  15. Neues Super-Lizenz-System. Schumi nicht qualifiziert genug für F1. Auto-Motor-und-Sport.de, 7. Januar 2015, abgerufen am 11. Januar 2015.
  16. Dominik Sharaf: Kampfansage an FIA: Kippt Renault das Superlizenz-System? Motorsport-Total.com, 11. Januar 2015, abgerufen am 11. Januar 2015.