Sutz-Lattrigen

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Sutz ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Schweizer Duathlet siehe Andy Sutz.
Sutz-Lattrigen
Wappen von Sutz-Lattrigen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Biel/Biennew
BFS-Nr.: 0750i1f3f4
Postleitzahl: 2572
Koordinaten: 583151 / 21658047.1000057.216679450Koordinaten: 47° 6′ 0″ N, 7° 13′ 0″ O; CH1903: 583151 / 216580
Höhe: 450 m ü. M.
Fläche: 3.6 km²
Einwohner: 1358 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 377 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 8,0 % (2009)[2]
Arbeitslosenquote: 2,1 % (2010)[3]
Gemeindepräsident: Christian Gnägi (FM - Freie Mitte Sutz-Lattrigen)
Website: www.sutz-lattrigen.ch
Flugaufnahme von Sutz-Lattrigen in nördliche Richtung

Flugaufnahme von Sutz-Lattrigen in nördliche Richtung

Karte
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Sutz-Lattrigen ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Biel/Bienne des Kantons Bern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus zwei Ortschaften, dem grösseren Sutz, sowie dem kleineren Lattrigen. Sutz-Lattrigen liegt fünf Kilometer von Biel entfernt am Südufer des Bielersees zwischen den Gemeinden Ipsach und Mörigen. Die Gemeinde verfügt mit 3,5 km über den längsten Seeanstoss aller Bielerseegemeinden. Das Ortsbild wird auch geprägt von seiner Landwirtschaft mit Schwergewicht Obst- und Ackerbau und von einem kompakten Wald.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten]

Mehr als 90 % der Einwohner sprechen Deutsch und rund 5 % Französisch.

Religionen, Konfessionen[Bearbeiten]

Über 60 % der Einwohner gehören der Reformierten Kirche und rund 20 % der römisch-katholischen Kirche an. Fast 10 % der Einwohner sind konfessionslos.

Herkunft, Nationalität[Bearbeiten]

Der Einwohneranteil an Schweizer beträgt rund 90 %. Der Ausländeranteil liegt bei annähernd 5 %. Davon stammen um 3 % aus Deutschland und je etwa 1 % aus Italien, Kosovo oder Spanien.

Demographie, Zivilstand[Bearbeiten]

Der Anteil an Frauen ist leicht höher als derjenige der Männer. Das Durchschnittsalter beträgt nahezu 42 Jahren. Rund 40 % der Einwohner sind ledig, 45 % verheiratet, 9 % geschieden und etwa 5 % verwitwet.

Wohnen[Bearbeiten]

In den rund 500 Privathaushalten leben annähernd 2,5 Personen. Die Wohndichte (Bewohner pro Wohnraum) liegt bei 0.57. Die Wohneigentumsquote beträgt etwas mehr als 50 %.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1900 400
1950 589
1960 621
1970 756
1980 813
1990 949
2000 1174
2010 1350
2011 1352

Politik[Bearbeiten]

Die Legislative in Sutz-Lattrigen wird von der Gemeindeversammlung wahrgenommen, welche pro Jahr zweimal ordentlich einberufen wird.

Fünf Mitglieder des Gemeinderates bilden die Exekutive der Gemeinde Sutz-Lattrigen. Jeder Gemeinderat führt dabei ein Ressort (Finanzen&Steuern und Kultur, Bau&Planung, Bildung, Sicherheit, Soziales).

Die Wähleranteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2011 betrugen: SVP 29.7 %, SP 18.3 %, BDP 15.7 %, GPS 9.5 %, FDP 8.4 %, glp 7.5 %, EVP 4.7 %, EDU 1.7 %, SD 1.5 %, CVP 0.9 %.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde Sutz-Lattrigen liegt an der Kantonsstrasse 237.1 Nidau – Täuffelen - Ins. Durch Sutz-Lattrigen führt die Nationale Veloroute Nr.5 (Mittelland - Route)[5] sowie die Nationale Skatingroute Nr.3 (Romanshorn – Neuchâtel - Estavayer-le-Lac).[6] Eine Bahnverbindung der Gesellschaft Aare Seeland mobil verbindet die Gemeinden zwischen Biel und Ins. Es gibt eine Haltestelle in Sutz und eine in Lattrigen.[7]

Betriebe[Bearbeiten]

Sutz-Lattrigen zählt rund 65 Klein- und Mittelbetriebe mit insgesamt rund 380 Beschäftigten. Der Anteil an Betrieben im ersten Sektor (Urproduktion) liegt bei rund 20 % mit 9 % der Beschäftigten. Der zweite Sektor (Industrie Sektor) zählt anteilsmässig auch weitere rund 20 %, aber mit einem Beschäftigungsanteil von rund 40 %. Im dritten Sektor (Dienstleistungssektor) befinden sich rund 60 % aller Betriebe mit einem Anteil an Beschäftigten von rund 50 %.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge der Gemeinde Sutz-Lattrigen reichen bis in die Pfahlbauerzeit zurück. Zahlreiche Funde von Gegenständen aller Art bezeugen, dass bereits in frühen Zeiten grosse Pfahlbausiedlungen bestanden. Aus der Römerzeit und dem frühen Mittelalter ist über Sutz-Lattrigen wenig bekannt. Der Ortsname erscheint urkundlich erstmals zum beginnenden 13. Jahrhundert. Im 13./14. Jahrhundert zählten die Edelknechte von Sutz zu den ersten Ministerialen der Grafen von Neuenburg-Nidau. 1388–1393 wurde Sutz-Lattrigen mit Nidau an Bern zugeschlagen. Die beiden Siedlungen Sutz und Lattrigen pflegten bis zum Bau der neuen Verkehrswege im 19. Jahrhundert enge Kontakte mit den Dörfern am Nordufer des Bielersees und betrieben Handel mit diesen. So war der Hafen von Lattrigen ein beachtlicher Umschlagplatz für den Wein, der nach Bern verfrachtet wurde.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Sutz-Lattrigen entstand kurz vor 1907 und wurde 1945 vom Kanton anerkannt. Es beinhaltet in rot ein silberner Anker, begleitet von zwei goldenen Sternen. Der Anker weist auf die Schifffahrt hin, die zwei Sterne auf die beiden Siedlungen Sutz und Lattrigen, welche sich zur Gemeinde Sutz-Lattrigen zusammengeschlossen haben.

Kunst, Kultur[Bearbeiten]

Kirche in Sutz
von Rütte-Gut in Sutz
Tauchplattform des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern beim von Rütte-Gut
Ländte auch genannt Ziegelhütte oder Kornhaus in Lattrigen
Bahnübergang in Sutz-Lattrigen
Schulhaus

Schulen[Bearbeiten]

Die Gemeinde Sutz-Lattrigen führt gemeinsam mit der Gemeinde Mörigen einen Kindergarten sowie die Primarschule mit Schülern bis zur 6 Klasse.[8] Primarschüler der siebten bis neunten Klasse und Sekundarschüler besuchen das Oberstufenzentrum in Täuffelen.[9] Gymnasiasten von Sutz-Lattrigen gehen in Biel zur Schule.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kirche in Sutz wurde 1228 erstmals erwähnt. Etwas oberhalb der Kirche findet sich das in den Jahren 1590-93 erstellte Pfarrhaus sowie die Pfrundscheune.[10]

Der Landsitz von Rütte-Gut bildet wohl die augenfälligste Sehenswürdigkeit in Sutz. Der zum Landsitz dazugehörende Park, in dem sich ein „Pavillon chinois“ befindet, ist öffentlich zugänglich.[11] Beim von Rütte-Gut befindet sich auch eine Tauchplattform des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern mit einer kleinen Ausstellung zu den Untersuchung der historischen Pfahlbausiedlungen.[12]

In Lattrigen befindet sich ein über 400-jähriges und damit älteste nicht-kirchliche Gebäude am Südufer des Bielersees. Das Ländtehaus (auch Ziegelhütte genannt) zeugt vom einstigen regen Austausch an Korn und Wein mit den Gemeinden des gegenüberliegenden Seeufers.

Kunst[Bearbeiten]

Der spanische Künstler Pepe España, der mit bürgerlichem Namen José Luis Jiménez España hiess, lebte und arbeitete über 30 Jahren in Lattrigen.[13]

Kultur[Bearbeiten]

Die Pfahlbausiedlungen am Bieerseeufer von Sutz-Lattrigen sind so bedeutend, dass sie 2011 zusammen mit 110 weiteren Fundstellen in 6 Alpenländern von der UNESCO in das Inventar des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden.

Freizeit, Tourismus[Bearbeiten]

Sutz-Lattrigen, mit freiem Blick auf den Bielersee und auf die Jurakette, bietet nebst seinen eigenen Schönheiten ideale Erholungsmöglichkeiten unter anderem auf einer der drei Badewiesen.

In den Sommermonaten prägt der Tourismus die Gemeinde. Der Campingplatz der Burgergemeinde im Ortsteil Sutz liegt direkt am See. Ein zweiter Campingplatz befindet sich in Lattrigen beim Lindenhof. Beide tragen zu einem belebten Sutz-Lattrigen bei.

Sutz-Lattrigen verfügt über zahlreiche Vereine.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Pepe España (eigentl. José Luis Jiménez España) (1902–2007), Maler und Zeichner [14]
  • Friedrich Ludwig von Rütte (1829–1903), Architekt [15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Aeschbacher: Stadt und Landvogtei Nidau, 1929 / Verlag der Heimatkundekommission
  • Ingrid Ehrensberger, Albert Hafner, Eva Ruoff: Sutz-Lattrigen, Kanton Bern. Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte, 2004, ISBN 3-85782-756-4
  • Albert Hafner: -3400, die Entwicklung der Bauerngesellschaften im 4. Jahrtausend v. Chr. am Bielersee aufgrund der Rettungsgrabungen von Nidau und Sutz-Lattrigen. Berner Lehrmittel- und Medienverlag, 2000, ISBN 3-258-06272-2
  • Albert Hafner: Lattrigen-VI-Riedstation/Siedlungsplan und Baugeschichte eines neolithischen Dorfes. Haupt Verlag, 1993, ISBN 3-258-04789-8
  • Ebbe H. Nielsen: Sutz-Rütte - Katalog der Alt- und Lesefunde der Station Sutz V. Staatlicher Lehrmittelverlag, Bern 1989, ISBN 3-908045-30-4; Lehrmittelverlag (Hauptverlag), ISBN 3-258-04985-8
  • Daniel Wolf: Bauinventar der Gemeinde Sutz-Lattrigen. Denkmalpflege des Kantons Bern, 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sutz-Lattrigen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Mitarbeiter: Gemeindesuche. Bevölkerung. In: Offizielle Webseite. Bundesamt für Statistik, 2011, S. 1, abgerufen am 28. August 2011 (HTML, deutsch, Eingabe Sutz-Lattrigen).
  3. Mitarbeiter: Gemeindesuche. Arbeit. In: Offizielle Webseite. Bundesamt für Statistik, 2011, S. 1, abgerufen am 28. August 2011 (HTML, deutsch, Eingabe Sutz-Lattrigen. Jahresdurchschnitt).
  4. http://www.nawa.apps.be.ch/nawa/action/NAWAInternetAction.do?method=read&sprache=d&typ=21&gem=750 abgerufen am 1. Februar 2012
  5. Nationale Veloroute Nr. 5 (Mittelland - Route)
  6. Nationale Skatingroute Nr. 3 (Romanshorn - Neuchâtel - Estavayer-le-Lac)
  7. Aare Seeland mobil - Station Sutz, Station Lattrigen
  8. Primarschule
  9. Oberstufenzentrum
  10. Kirche in Sutz
  11. Von Rütte-Gut
  12. Archäologischer Dienst des Kantons Bern
  13. pepeespana.ch: Pepe España / Pepeespaña - the website, Zugriff am 14. September 2011
  14. España, Pepe [Jimenez Espana, José Luis - SIKART Lexikon und Datenbank.] In: sikart.ch. Abgerufen am 5. Dezember 2012.
  15. Johanna Strübin: Rütte, Friedrich Ludwig von im Historischen Lexikon der Schweiz, Abgerufen am 2. Mai 2014