Tüllingen

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47.67.65Koordinaten: 47° 36′ 0″ N, 7° 39′ 0″ O

Tüllingen
Stadt Lörrach
Ehemaliges Wappen von Tüllingen
Höhe: 350–460 m ü. NHN
Fläche: 2,08 km²
Einwohner: 1430 (2009)
Eingemeindung: 1. Oktober 1935
Postleitzahl: 79539
Vorwahl: 07621
Karte

Stadtteil Tüllingen

Tüllingen (Alemannisch: Düllige) ist der auf dem gleichnamigen Berg (Tüllinger Berg, Tüllinger Hügel, Tüllinger) gelegene Lörracher Stadtteil. Die beiden Dorfteile Ober- und Untertüllingen wurden 1935 zu einem Stadtteil zusammengefasst.

Geographie[Bearbeiten]

Lage und Gliederung[Bearbeiten]

Der Tüllinger Berg von Riehen aus gesehen

Der geologisch bedeutsame Tüllinger Berg (kurz: Tüllinger genannt, in der Schweiz Tüllinger Hügel) erhebt sich im Südteil bis zu einer maximalen Höhe von 460,2 m ü. NHN[1] und bietet einen Ausblick auf das Dreiländereck, das Rheinknie sowie die umliegenden Städte Lörrach, Weil am Rhein und Basel. Heutzutage sind weite Teile des Tüllinger Bergs zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden, um die Flächen für die Naherholung zu sichern.[2] So ist der Berg als Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen. Durch das milde Klima gedeiht am Südwesthang des Tüllingers der Markgräfler Wein. Außerdem liefert die exponierte Lage des Berges den vielen Wetterstationen wichtige Messwerte zur Wettervorhersage. Ein kleiner Teil des Tüllingers, oberhalb des ehemaligen Riehener Schwimmbades, Im Schlipf, gehört zur Schweiz.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Im Süden grenzt Tüllingen mit dem Dorf Riehen an die Schweizer Grenze. Südwestlich liegt Stetten, etwas weiter nördlich die Kernstadt Lörrachs. Im Norden bzw. Nordwesten befinden sich Tumringen, und die zu Weil am Rhein gehörenden Ortsteile Ötlingen und Haltingen. Im Südwesten, noch am Hang des Tüllinger Bergs, beginnt die Besiedlung von Alt-Weil.

Geologie und Nutzung[Bearbeiten]

Der Tüllinger Berg liegt größtenteils in der Tüllinger Süßwassermolasse, die von Cyrenenmergel und sandigen Partien der Elsässer Molasse überlagert werden. Der Berg entstand durch Grabenbruch.[3] Die Böden des Tüllinger Bergs bestehen aus Löß und tonig-sandigen, kalkigen Böden und werden für Reb- und Obstbepflanzungen genutzt. Geschlossene Rebareale (→ Markgräfler Wein) finden sich im Süden zwischen Baselweg, Lichsenweg und dem unteren Wagenkehrweg in Richtung Alt-Weil.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Nennung geht auf das Jahr 1113 zurück. Dort wird ein Walcho von Waldeck ausdrücklich genannt, der seinen Besitz dem Kloster St. Blasien schenkt. Die Erstnennung Tülliken weist auf eine Siedlung hin, die wahrscheinlich von einem Personennamen abgeleitet wird. Weiterhin wird der Ort 1173 in einem Schutzbrief für St. Blasien des damaligen Papstes Kalixt III. genannt, in dem die Tüllinger Kirche und andere Besitzungen erwähnt werden. Das Dorf hat sich in der Folge als Straße nach Rötteln entwickelt.

Tüllingen war wie andere Orte in der Umgebung ebenfalls von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs und der Zerstörung Röttelns 1678 betroffen. Am 14. Oktober 1702 fand auf Tüllinger Boden das Gefecht am Käferholz statt, die dem Orten erheblichen Schaden zufügte. 1767 erfolgte die erste Wasserversorgung durch eine zwischen Ober- und Niedertüllingen entdeckte Quelle. Im selben Jahr wurden die Grenzen nach Rötteln bestätigt. Tüllingen trug im 17. und 18. Jahrhundert Bannstreitigkeiten mit den benachbarten Ortschaften aus.[4]

Bauwerke[Bearbeiten]

In Obertüllingen befindet sich das Kinderheim Tüllingerhöhe. Träger des Heims ist die evangelische Kirche. Zum Heim gehören die Gebäude von Verwaltung, Großküche und Schule für Erziehungshilfe, die sich aus Grund-, Haupt-, Förderschule und einem Realschulzweig bis zur siebten Klasse zusammensetzt. Außerdem sind acht Wohngruppen, therapeutische Angebote, eine Sporthalle und ein Sportplatz Teil der Einrichtung. Zwei der zum Kinderheim gehörigen Wohngruppen befinden sich in Untertüllingen. Die alte St.-Ottilien-Kirche in Obertüllingen wird abends angestrahlt und ist weithin sichtbar.

In Obertüllingen befindet sich auch der Sender Lörrach.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Tüllingen trägt zwei gekreuzte, goldene Schwerter auf blauem Grund. Eingeführt wurde das Wappen 1902 und erinnert an die Schlacht am Käferholz am 14. Oktober 1702.

Verkehr[Bearbeiten]

Serpentinenstraße zwischen Tüllingen und Weil

Die beiden Kreisstädte Lörrach und Weil am Rhein werden durch den Tüllinger Berg getrennt, sodass neben einer steilen, serpentinenreichen Autostraße ein zwischen 1888 und 1890 erbauter, 864 m langer Eisenbahntunnel die beiden Städte miteinander verbindet. Seit Jahrzehnten gab es Bestrebungen, beide Städte durch die zum Teil durch schweizerisches Territorium führende Zollfreie Straße zu verbinden, um damit den Weg durch bzw. über den Tüllinger zu umgehen. (→ Bundesstraße 317). Im Oktober 2013 wurde die Zollfreie Straße schließlich eröffnet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadt Lörrach (Hrsg.): Unser Lörrach 1972, eine Grenzstadt im Spiegel der Zeit. Kropf und Herz Verlag, Lörrach 1973.
In diesem Jahrbuch sind mehrere Artikel dem Stadtteil Tüllingen gewidmet, darunter:
  • Gerhard Moehring: Durch 300 Jahre im Tüllinger Kirchenbuch geblättert. S. 16–25.
  • Gerhard Moehring: Die Pfarrherren von Tüllingen seit der Reformation. S. 26–28.
  • Albert Vögtlin: Die alten Tüllinger Familien. S. 37–44.
  • Inge Gula: Flurnamen der alten Gemarkung Tüllingen. S. 62–104.
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II (Kandern bis Zell im Wiesental), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 160–162.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II (Kandern bis Zell im Wiesental), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 84.
  3. Mineralienatlas - Tüllinger Berg
  4. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II (Kandern bis Zell im Wiesental), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 160.