Ötlingen (Weil am Rhein)

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47.6225583333337.6255361111111363Koordinaten: 47° 37′ 21″ N, 7° 37′ 32″ O

Ötlingen
Ehemaliges Wappen von Ötlingen
Höhe: 315–385 m
Fläche: 2,19 km²
Einwohner: 743 (1994)
Eingemeindung: 1. Dezember 1971
Postleitzahl: 79576
Vorwahl: 07621

Ötlingen (alemannisch: Ötlige) ist ein Stadtteil von Weil am Rhein auf dem nordwestlichen Teil des Tüllinger Bergs. Das ehemals eigenständige Dorf wurde 1971 eingemeindet.

Geografie und Lage[Bearbeiten]

Ötlingen liegt auf dem nordwestlichen Rücken des Tüllinger Bergs nordöstlich von Haltingen und südlich von Binzen und dem Kandertal. Die Besiedlung auf der vergleichsweise kleinen Gemarkungsfläche des Dorfes zieht sich entlang der Dorfstraße. Im Südwesten befindet sich ein größeres Weinanbaugebiete. Nördlich der Dorfstraße entstand ein Neubaugebiet. Nach Süden bietet der Ort einen Ausblick auf das Dreiländereck, das Rheinknie bei Basel und einen Großteil der Basler Bucht mit dem angrenzenden Teil des Elsass. Der östlich der Ötlinger Besiedlung an der Kreisstraße gelegene Hof Luisenhof gehört ebenfalls zum Gemarkungsgebiet dazu.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste gesicherte Nennung des Ortsnamens Ottlinchoven ist 1064 im Pestarchiv Wien zu finden. Aufgrund der Namenszuordnung erweist sich, dass die Siedlung nicht zur ältesten Siedlungsschicht, sondern zu einer Ausbaustufe in der Merowingerzeit gehört. Frühste archäologische Funde belegen, dass die Geschichte der Kirche bis ins 8. Jahrhundert zurückgeht.

Im 12. Jahrhundert erstreckte sich der Herrschaftsbereich der Herren von Rötteln auch auf das Weindorf Ötlingen. Als Lehnsmann des Bischofs von Basel vermachte Lütold III. von Rötteln dem Dompropst von Basel alle Rechte und Besitzungen. 1306 übernahmen die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg die Herrschaft. Oberlehensherren blieben jedoch weiter die Bischöfe von Basel. Dieses Besitzverhältnis währte bis 1503, bis der Ort in den Herrschaftsbereich der Markgrafen von Baden bzw. ab 1535 nach deren Teilung den Markgrafen von Baden-Durlach zukam.

Die Schlacht bei Friedlingen am 14. Oktober 1702 leitete Ludwig Wilhelm („Türkenlouis“) zeitweise vom Ötlinger Pfarrhaus aus, da der überwiegende Teil der Infanterie über den Ort den Tüllinger bestieg.

Im Jahr 1809 kam Ötlingen vom Oberamt Rötteln zum badischen Landkreis Lörrach.

Politik[Bearbeiten]

Ortschaftsrat[Bearbeiten]

Rathaus

Ein Zusatzabkommen zum Eingemeindungsvertrag 1971 sicherte Ötlingen eine eigene Ortsverfassung und einen Ortschaftsrat zu, der zahlreiche Entscheidungsbefugnisse im Dorf hat. Sitz des Rates ist im Ötlinger Rathaus. Der Ortschaftsrat wird aus Vertretern der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) und der Gruppierung Perspektive auf Dau(e)r gebildet. Ortsvorsteherin ist seit 2009 Helene Brombacher von der UWG.[1]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Ötlingen gehört zu den sogenannten sprechenden Wappen und zeigt aufgrund der landwirtschaftlichen Ausrichtung des Ortes ein Weinrebengewächs auf gelbem Grund (→ Weinrebe in der Heraldik). Eine Weinrebe mit je einem blauen Traubenbündeln auf grünem Schildfuß rankt sich um einen Haltestock und rechts zwei, links ein Blatt.

Das Wappen geht auf die Empfehlung des Generallandesarchivs 1902 zurück. Im Siegel des Dorfes findet sich die beblätterte Traube bereits ab etwa 1840.[2]

Kultur, Sehenswürdigkeiten und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ortsbild und Bauwerke[Bearbeiten]

Weite Teile der Häuser im Dorfkern stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Das gesamte Ortsbild von Ötlingen ist denkmalgeschützt. Das älteste Haus im Ort ist das Kogerhaus[3], ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1571. Weitere beachtenswerte Häuser sind der Ottmarsheimer Hof von 1594 und das Haus Gerwig von 1716.

Im unteren Teil des Dorfkerns steht die evangelische St.-Gallus-Kirche. Die gotische Kirche entstand, wie archäologische Grabungsbefunde nachweisen, um das Jahr 800[4] und ist 1275 erstmals urkundlich erwähnt. Die rechteckige Saalkirche wurde im 13. Jahrhundert nach Osten und Norden erweitert. Der Glockenturm und ein Teil der Nordwand des Langhauses mit Fresken aus dem Spätmittelalter sind aus dieser Bauperiode erhalten geblieben. Die heutige Gestalt der Kirche geht auf die Jahre 1410 bis 1420 zurück, in denen Markgraf Rudolf III. umfangreiche Erweiterungen durchführen ließ.

Neben der Kirche steht das Pfarrhaus aus dem Jahr 1410 und hinter der Kirche das Grabmal des 1925 in Ötlingen verstorbenen Künstlers Hermann Daur.

Durch den Ort führt der rund vier Kilometer lange Weiler Weinweg über die Westhänge des Rebanbaugebietes am Tüllinger Berg. Entlang des Weges informieren Tafeln über die Reben und die Entwicklung des Weinanbaus.

Im Gretherhaus, einem Fachwerkhaus aus dem Jahr 1536 mit angrenzender Schmiede, ist seit 1990 ein kleines Freilichtmuseum (Dorfstube Ötlingen) untergebracht, das eine typische bäuerliche Wohnung des 19. Jahrhunderts zeigt. Das Museum ist saisonal nur an Sonntagen geöffnet.[5]

Ansicht auf Ötlingen

Bildung[Bearbeiten]

In Ötlingen gibt es die Hermann Daur-Grundschule und einen städtischen Kindergarten.

Verkehr[Bearbeiten]

Dorfstraße

Ötlingen ist von Westen über eine Landstraße von Haltingen aus erreichbar und von Nordwesten aus Richtung Rümmingen. Knapp 2 Kilometer nordöstlich zweigt von dieser Landstraße eine Verbindung über den Pass Lucke in Richtung Tumringen ab. An dieser Kreuzung befindet sich ebenfalls die Autobahnausfahrt (4) Kandern der A 98.

Literatur[Bearbeiten]

  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II (Kandern bis Zell im Wiesental), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 802–804.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Badische Zeitung: Ötlingen: Brombacher vorn, 9. Juni 2009
  2. Harald Huber: Wappenbuch Landkreis Lörrach, ISBN 3-87799-046-0, Seite 133.
  3. Onlinetour Weil am Rhein: Ötlingen
  4. Der Landkreis Lörrach, Band II (Kandern bis Zell im Wiesental), S. 802.
  5. Dorfstube Ötlingen