Tanasee

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Tanasee
Tanasee vom All aus gesehen, 1991
Tanasee vom All aus gesehen, 1991
Geographische Lage Hochland von Abessinien in Äthiopien (Ostafrika)
Zuflüsse Gilgel Abay (Kleiner Abbai), Gumara und Rib
Abfluss Blauer Nil
Städte am Ufer Bahir Dar
Daten
Koordinaten 12° 1′ N, 37° 18′ O12.01666666666737.2919444444441786Koordinaten: 12° 1′ N, 37° 18′ O
Tanasee (Äthiopien)
Tanasee
Höhe über Meeresspiegel 1786 m
Fläche etwa 3000 km²dep1f5
Länge 70 kmf6
Breite 65 kmf7
Volumen etwa 24 km³dep1f8
Maximale Tiefe 14 mf10
Mittlere Tiefe 8 mf11
Besonderheiten

höchstgelegener See Afrikas, größter Äthiopiens

Der Tanasee (amharisch ጣና ሐይቅ t’ana häyq), auch Tsanasee oder Dembeasee genannt, liegt im Hochland von Abessinien in Äthiopien (Ostafrika). Er ist Afrikas höchstgelegener und Äthiopiens größter See.

Geographie[Bearbeiten]

Lage und Größe des Sees[Bearbeiten]

Er liegt inmitten einer hügeligen Landschaft in einem kesselförmigen großen Becken rund 370 km nordwestlich von Addis Abeba und rund 70 km südlich von Gonder in einer Höhe von ca. 1.786 m über dem Meeresspiegel.[1] Er ist ca. 70 km lang und bis zu 65 km breit und hat eine Fläche von mehr als 3.000 km². Seine Tiefe beträgt im Durchschnitt 8 m, maximal nur etwa 14 m.[2] Der Seespiegel schwankte ursprünglich entsprechend den Niederschlagsmengen um ca. 1,6 m, wobei die Spitze im August bei einem Niederschlag von 500 mm (im Monat) erreicht wurde.[3] Dadurch wurden größere Flächen Uferland überschwemmt, was zur Fruchtbarkeit der Äcker beitrug.[4]

An der Südspitze des Sees liegt Bahir Dar, die Hauptstadt der Provinz Amhara und die drittgrößte Stadt Äthiopiens. In dem See befinden sich zahlreiche Inseln, deren Zahl je nach Wasserstand variiert. Neueste Zählungen gehen von etwa 30 Inseln aus.

Einzugsgebiet, Zuflüsse[Bearbeiten]

Der Tanasee hat ein Einzugsgebiet von 15.054 km².[5][6] nach anderen Angaben von 15.340 km².[7] Die jährlichen Niederschläge betragen zwischen 1450 mm in Bahir Dar und 1050 mm in Gondar. Die Regenzeit dauert im Süden des Einzugsgebiets von April/Mai bis Oktober/November, in den nördlichen Bereichen ist sie etwas kürzer.[8]

Der See hat mehr als 30 Zuflüsse, die größten sind der Gilgel Abay (Kleiner Abbai), der Gumara und der Rib. Erwähnenswert ist außerdem der Kleine Angereb, an dem das Angereb Reservoir zur Trinkwasserversorgung der Stadt Gonder errichtet wurde.

Abflüsse[Bearbeiten]

Der natürliche Abfluss des Sees ist der Abbai (englisch Abay oder Abbay), wie der Blaue Nil in Äthiopien genannt wird, bei Bahir Dar. Der Abfluss wird seit 1996 durch das 3 m hohe Chara-Chara-Wehr reguliert, mit dem der Wasserspiegel des Sees zwischen 1784 m und (einschließlich eine Überlaufs von 0,5 m) maximal 1787,5 m ü.d.M. reguliert werden kann.

Das Chara Chara Wehr wurde gebaut, um die starken Schwankungen der Höhe des Wasserspiegels aufgrund der Regenzeiten auszugleichen und ausreichend Wasser für die ca. 30 km flussabwärts stehenden Tis-Abay-Kraftwerke auch in der Trockenzeit sicherzustellen.

Seit der Inbetriebnahme des Tana-Beles-Kraftwerks im Jahre 2010 hat der Tanasee einen weiteren Abfluss durch dieses Kraftwerk in den Beles, der kurz vor der sudanesischen Grenze in den Blauen Nil mündet.

Nutzung[Bearbeiten]

Das Einzugsgebiet des Tanasees besteht aus kaum (noch) bewaldetem Bergland, das von der zunehmenden Bevölkerung bis in immer größere Höhen zum Eigenbedarf auf meist weniger als einem halben Hektar pro Familie[9] bewirtschaftet wird. In dem Gebiet leben etwa 3 Millionen Personen, die meist in äußerst bescheidenen Verhältnissen von Landwirtschaft und Fischfang leben.[10]

Nach dem Ethiopian Department of Fisheries and Aquaculture wurden 2002 insgesamt 1.454 Tonnen Fisch in Bahir Dar angelandet; dabei handele es sich nur um 15% der nachhaltig verfügbaren Menge.[11] Andere weisen darauf hin, wie leicht der Fischbestand gefährdet werden kann.[3]

Tourismus zu den Klöstern und den Wasserfällen spielt eine zunehmende wirtschaftliche Rolle.

Auf dem See verkehren 12 Schiffe der staatlichen Lake Tana Transport Enterprise, die Personen und Fracht befördern (Stand 2008). Vier der Schiffe stammen noch aus der Zeit des Italienisch-Ostafrika, die 1941 von den abziehenden Italienern versenkt und anschließend durch äthiopische Initiative gehoben und wieder instandgesetzt wurden. 40 Jahre lang waren sie die einzigen Boote des Unternehmens.[12]

Daneben werden die traditionellen Tankwas benutzt, aus Papyrus hergestellte Boote unterschiedlicher Größe, die vom Ein-Mann-Kanu bis zum Lastkahn reichen.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Der Tanasee ist ein wichtiges Regulativ für die Trockenzeit, er steuert in der Trockenzeit 25 % des Wassers des Abbay an der sudanesischen Grenze bei. Wegen seiner geringen Tiefe ist er jedoch anfällig für Ereignisse, die sonst nicht vergleichbare Auswirkungen hätten. Während der Dürre im Jahr 2003 fiel der Wasserspiegel des Sees um 2 m, teilweise auch infolge des Bedarfs der Tis-Abay-Kraftwerke. Seine Oberfläche wurde dadurch um 35 km² reduziert, die Schifffahrt musste für drei Monate eingestellt werden. Während der Flut im Jahr 2006 wurden dagegen mehr als 15.000 ha überschwemmt, 10.000 Personen wurden vertrieben und 2.500 Haustiere fortgeschwemmt.[9] Die zunehmende Erosion beschleunigt dabei die Verlandung des Sees.

Nachdem das Tana Beles Kraftwerk zusätzlichen Bedarf an abfließendem Wasser geschaffen hat, dürfte die Zukunft des Tanasees und seiner Bewohner erheblich von der richtigen Steuerung des Chara-Chara-Wehrs abhängen.

Klöster[Bearbeiten]

Auf 20 der 30 Inseln des Tanasees befinden sich Klöster, die teilweise im 14. Jahrhundert gegründet worden sind. Sie befinden sich unter anderen auf den Inseln Birgida Maryam, Daga (Name des Klosters: Dega Estefanos), Dek, Narga, Tana Cherkos, Mitsele Fasilidas, Kebran und Debre Maryam. Auch auf den Halbinseln Gorgora, Mandaba und Zeghe sind Kirchen und Klöster erbaut worden.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tanasee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In äthiopischen Quellen wird heute der regulierte Wasserstand zwischen 1784 und 1787 m ü.d.M. angegeben. Frühere Höhenangaben schwankten: Ein Weltatlas, Gondrom, 1994 und Eshete Dejen[1]: 1.830 m; Brockhaus und englische WP: 1.840 m ü.M.
  2. In Meyers Konversations-Lexikon werden noch Tiefen über 100 Meter angegeben.
  3. a b Eshete Dejen: Lake Tana and its environment: Threats for sustainable management
  4. Laut Brockhaus von 1934 werden in der Regenzeit 600 km² überschwemmt, was der Grund für die sehr unterschiedlichen Oberflächenangaben sein dürfte: Eshete Dejen: 3.050 km²; englische WP: 3.000–3.500 km², www.tiscali: 3.600 km², www.encyclopedia2: 3.620 km².
  5. Das Einzugsgebiet des Tanasees ist ein Teil des Einzugsgebiets des Blauen Nils, das in Äthiopien rund 200.000 km² umfasst.
  6. Tana & Beles Integrated Water Resources Development Project, World Bank Project Appraisal Document No: 43400-ET
  7. Melkamu Amare Aragie: Reservoir Operation and Establishment of Operation Rules for Lake Tana Dissertation vom Januar 2005 an der Addis Ababa University, School of Graduate Studies, Faculty of Technology, Department of Civil Engineering, S. 1
  8. Melkamu Amare, Dissertation, S. 10
  9. a b Tana & Beles Integrated Water Resources Development Project, World Bank Project Appraisal Document No: 43400-ET, S. 1
  10. Die Weltbank nennt ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 125 US$ (Report 43400 vom 2. Mai 2008)
  11. Information on Fisheries Management in the Federal Democratic Rupublic of Ethiopia
  12. Ethiopia: Lake Tana Transport Reels in U.S.$18.1 Million for New Boats auf allAfrica.com