Tessaoua

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Stadtgemeinde Tessaoua
Stadtgemeinde Tessaoua (Niger)
Stadtgemeinde Tessaoua
Stadtgemeinde Tessaoua
Koordinaten 13° 45′ N, 7° 59′ O13.7569444444447.9869444444444Koordinaten: 13° 45′ N, 7° 59′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Maradi
Departement Tessaoua
Einwohner 172.796 (2012)
Politik
Bürgermeister Aboubacar Sitou (2012)

Tessaoua (auch: Tessawa) ist eine Stadtgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Tessaoua in Niger. Sie ist mit rund 173.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des Landes.

Geographie[Bearbeiten]

Tessaoua befindet sich am Übergang der Sahelzone zur Großlandschaft Sudan und liegt etwa auf halber Wegstrecke an der Nationalstraße 1 zwischen den Großstädten Maradi und Zinder. Tessaoua ist großteils vom Gemeindegebiet von Maïjirgui umgeben und grenzt ferner im Nordwesten an die Landgemeinde Kanan-Bakaché. Das Stadtgebiet ist in acht Stadtviertel, 60 administrative Dörfer, 48 traditionelle Dörfer, 49 Weiler und 15 Lager gegliedert. Die acht Stadtviertel sind Alkalawa, Alkalawa II, Fada, Guidawa, Kanguiwa, Kouka, N’Wala und Toudou.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Tessaoua hat seinen Namen von den Tessaraoua (auch Tazaraoua), einer Hausa-Gruppe, die von den Tuareg aus dem Aïr-Gebirge vertrieben wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Tessaoua eine Provinz von Katsina. Nachdem die Fulbe, die den Hausa-Staat Katsina 1812 erobert hatten, 1819 aus Maradi und weiteren Gebieten im Norden verdrängt worden waren, wurde Tessaoua dem neuen Staat Maradi angeschlossen.[2] Der radikale muslimische Anführer Mazawajé war von 1877 bis 1880 in Maradi tätig, bis er aus der Stadt flüchten musste. Er gründete daraufhin einen eigenen Stadtstaat in Tessaoua. Mazawajé wurde 1890 beim Madarounfa-See getötet.[3] 1893 gründete Moussignaoua, der als Sultan von Maradi seine Herrschaft verloren hatte, in Tessaoua ein neues Sultanat, das sich wie Maradi in der Tradition des ehemaligen Hausa-Staats Katsina sah.

Moussignaoua schloss 1897 einen Schutzvertrag mit Frankreich ab.[2] Großbritannien verzichtete 1898 auf seine Ansprüche auf das Sultanat. Zuvor hatte seit 1890 die Linie SayBarwa als Grenze zwischen den Einflusssphären Großbritannien und Frankreichs gegolten.[4] Der Markt von Tessaoua war einer der kleinen Märkte in der Region, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der französischen Verwaltung zugelassen wurden.[5] Das Sultanat Tessaoua bestand noch bis 1927, bis die Stadt direkt der Kolonialverwaltung Französisch-Westafrikas unterstellt wurde.[3] Im selben Jahr griff eine Gruppe Hausa aus Nigeria, beeinflusst von Lehren des Marabout Malam Moussa, den französischen Militärposten in Tessaoua an, wobei mehrere Menschen ums Leben kamen.[6] Sultan Barmou von Tessaoua wurde der Komplizenschaft verdächtigt, abgesetzt und ins Exil nach Französisch-Sudan geschickt, wo er starb.[7]

Bis 1972 hatten in Niger nur die Großstädte Niamey, Maradi, Tahoua und Zinder den Status einer eigenständigen Gemeinde. In diesem Jahr wurde Tessaoua zeitgleich mit sechs weiteren nigrischen Orten zur Gemeinde erhoben.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 1977 hatte Tessaoua 10.590 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 19.737 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 31.276 Einwohner.[9] Bei der Volkszählung 2012, nach einer Vergrößerung des Stadtgebiets, betrug die Einwohnerzahl 172.796. Tessaoua ist damit die bevölkerungsmäßig viertgrößte Großstadt Nigers nach Niamey, Zinder und Maradi.[10] In Tessaoua leben Angehörige der vor allem Ackerbau betreibenden Hausa-Untergruppe Gobirawa, der auf Agropastoralismus spezialisierten Fulbe-Untergruppe Tchilanko’en und der vor allem Fernweidewirtschaft praktizierenden Fulbe-Untergruppe Oudah’en.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tessaoua ist der Sitz eines Tribunal d’Instance, eines der landesweit 30 Zivilgerichte, die unterhalb der zehn Zivilgerichte der ersten Instanz (Tribunal de Grande Instance) stehen.[12] In Tessaoua befindet sich ein ziviler Flughafen mit unbefestigter Start- und Landebahn, der Tessaoua Airport (ICAO-Code: DRRA).[13]

Partnerstadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Noirot Bartel: Une province hausa du Niger: Le Tessaoua – essai sur les coutumes. In: Renseignements Coloniaux. Februar 1937, S. 20–24.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 22. Januar 2011.
  2. a b Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 148 und 152–153.
  3. a b Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 211–212.
  4.  Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 260.
  5.  Hassane Gandah Nabi: Commerçants et entrepreneurs du Niger (1922–2006). L’Harmattan, Paris 2013, ISBN 978-2-336-29136-9, S. 38.
  6. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 248.
  7.  Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage. Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. xxix.
  8. Historique de la décentralisation au Niger (PDF; 93 kB). Website des Programme nigéro-allemand de lutte contre la pauvreté dans les zones de Tillabéri et Tahoua-Nord, veröffentlicht im Mai 2008, abgerufen am 21. Januar 2012.
  9. World Gazetteer: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.bevoelkerungsstatistik.deNiger: Die wichtigsten Städte mit Statistiken zu ihrer Bevölkerung, abgerufen am 28. Dezember 2009.
  10. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 21. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  11. Ministère de l’élevage et des industries animales / République du Niger (Hrsg.): La mobilité pastorale dans la Région de Zinder. Stratégies et dynamisme des sociétés pastorales. Niamey 2009 (Online-Version; PDF; 11,3 MB), S. 30 und 33.
  12. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.
  13. Airports in Niger. Website Aircraft Charter World, abgerufen am 23. Januar 2012.
  14. L'état des lieux des coopérations décentralisées entre le Niger et la France. Website des französischen Außenministeriums, veröffentlicht am 27. Juli 2009, abgerufen am 25. Februar 2012.