Astro Boy

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Astro Boy (jap. 鉄腕アトム Tetsuwan Atomu, übersetzt etwa „Eisenarm Atom“) ist ein Manga des japanischen Zeichners Osamu Tezuka aus den Jahren 1952 bis 1968. Das Werk umfasst über 2000 Seiten und wurde mehrfach als Anime und Videospiel umgesetzt. Die erste Verfilmung des Mangas war die erste längere Anime-Fernsehserie und die erste mit fortgesetzter Handlung.

Inhalt[Bearbeiten]

Tobio, der Sohn von Doktor Tenma, kommt im Jahr 2003 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Da der Professor über den Tod seines einzigen Sohnes nicht hinwegkommt, erschafft er mit Hilfe modernster Technik den Androiden Astro Boy (im Original Tetsuwan Atomu genannt[1]), der Tobio ähnlich sieht. Als er jedoch feststellt, dass Astro Boy nicht älter werden kann, verstößt er ihn.

Der Wissenschaftler Professor Ochanomizu rettet Astro Boy aus einem Roboterzirkus, schenkt ihm Superheldenfähigkeiten und erschafft für ihn eine Roboterfamilie. Astro Boy muss immer wieder schwierige Aufgaben lösen. Dabei tritt er Krieg und Unrecht entgegen und kämpft dabei für Frieden.[2]

Entstehung[Bearbeiten]

Die von Tezuka zunächst angedachte Gagstrip-Reihe Ambassador Atom hatte im Magazin Shōnen keinen Erfolg. Auf den Rat seines Redakteurs entwarf er die Serie als langangelegte Abenteuergeschichte neu, in der der Schwerpunkt statt auf den Witzen auf der Erzählung lag. Der dabei entstandene Tetsuwan Atomu wurde bald ein großer Erfolg.[3] Der Stil des Mangas ist, wie andere frühe Werke Tezukas, noch stark vom Stil der Disney-Filme beeinflusst.[4]

Die Leser des Shōnen-Magazins konnten sich aktiv an Abstimmungen über die Serie beteiligen, was dazu führte, dass das Aussehen von Astro Boy im Laufe der Manga-Serie mehrfach überarbeitet wurde.

Veröffentlichung[Bearbeiten]

Astro Boy erschien in Japan von April 1952 bis 1968 in Fortsetzungskapiteln im Manga-Magazin Shōnen des Verlags Kobunsha. Später erschien der Manga in insgesamt 23 Sammelbänden.

Das Werk erschien auf Französisch bei Glénat, später Kana und Panini, auf Englisch bei Dark Horse Comics, Spanisch bei Glénat España und Portugiesisch bei Planet Manga. Es wurde außerdem unter anderem ins Schwedische, Niederländische und Dänische übersetzt.

Auf Deutsch veröffentlichte Carlsen Comics ab 2000 insgesamt 21 Sammelbände.

Adaptionen[Bearbeiten]

Anime-Fernsehserie 1963[Bearbeiten]

Seriendaten
Originaltitel Tetsuwan Atomu
Produktionsland JapanJapan Japan
Originalsprache Japanisch
Jahr 1963 - 1966
Länge 24 Minuten
Episoden 193
Genre Action, Abenteuer, Science-Fiction
Idee Osamu Tezuka
Musik Tatsuo Takai
Erstausstrahlung 1. Januar 1963 - 31. Dezember 1963 auf Fuji TV
Synchronisation

Das von Osamu Tezuka gegründete Anime-Studio Mushi Productions produzierte zum Manga eine gleichnamige in schwarz-weiß gehaltene Anime-Serie mit 193 Folgen. Regie führte Osamu Tezuka und die Musik komponierte Tatsuo Takai. Der Vorspanntitel Tetsuwan Atom stammt von Kamitakada Shounen Gasshoudan. Die Serie wurde vom 1. Januar 1963 bis zum 31. Dezember 1963 durch den Sender Fuji TV in Japan ausgestrahlt. Sie war die erste Anime-Fernsehserie mit fortgesetzter Handlung und 25-minütigen Folgen. Die Serie erschien auch auf Video.

Astro Boy wurde ab 1964 in den USA bei NBC ausgestrahlt und war damit die erste außerhalb Japans gesendete Anime-Serie. Für die Ausstrahlung wurde die Serie inhaltlich nachbearbeitet, die Kernaussagen blieben jedoch die gleichen.[5] 1974 wurde die Serie auch in Mexiko gesendet. Ab Dezember 1980 wurde die Serie mit großem Erfolg als erste ausländische Animationsserie in der Volksrepublik China ausgestrahlt.[6]

Rolle japanischer Sprecher (Seiyū)
Astro Boy Kazue Tagami, ab Folge 107 Mari Shimizu
Dr Ochanomizu Hisashi Katsuta
Hige Oyaji Fumio Wada
Dr. Tenma Hisashi Yokomori
Cobalt Kiyoshi Komiyama

Weitere Serien[Bearbeiten]

1980 folgte ein erstes Remake der Serie in Farbe mit 52 Folgen. Die ersten 6 Folgen wurden 2000 mit deutscher Synchronisation auf 3 Videokassetten veröffentlicht.[7]

2003 wurde eine weitere Serie mit 50 Folgen produziert. Beide Serien waren international erfolgreicher als die erste Verfilmung.

Beide wurden von Tezuka Productions animiert.

Videospiele[Bearbeiten]

Im Februar 1988 veröffentlichte Konami für die Konsole Famicom erstmals ein Videospiel zum Manga. Im Februar 1994 folgte ein Spiel der Firma Banpresto für Super Famicom. Im Dezember 2003 wurde von Sega das Kampfspiel Astro Boy: Omega Factor veröffentlicht. Im April 2004 erschien in Japan für die PlayStation 2 ein weiteres Spiel bei Sega.

Kinofilm[Bearbeiten]

Am 10. Oktober 2009 kam ein von Imagi Animation Studios produzierter Computeranimationsfilm (Astro Boy – Der Film) in die Kinos. Die Handlung unterscheidet sich in einigen Details von der Manga-Vorlage; so stirbt etwa Tobio nicht bei einem Autounfall, sondern wird versehentlich getötet, als ein neben ihm stehender Roboter eine Waffe abfeuert. Außerdem landet Astro Boy nicht in einem Roboter-Zirkus, sondern in einer Robotergladiatoren-Arena.

Merchandising[Bearbeiten]

Bereits zur Zeit der ersten Fernsehserie erschien in Japan eine Reihe von Merchandising-Produkten zu Astro Boy. Darunter Schokolade, Aufkleber, Figuren, Tassen und Schulranzen.[8]

Comic-Adaptionen[Bearbeiten]

1965 erschien bei Gold Key ein Astro-Boy-Comic, der von amerikanischen Zeichnern nach dem Vorbild des Mangas neu gezeichnet wurde und in Farbe erschien. In Südamerika erschienen weitere solche Adaptionen nationaler Künstler, nachdem die Anime-Serie dort erfolgreich im Fernsehen lief.[6]

Rezeption und Bedeutung[Bearbeiten]

In Japan[Bearbeiten]

Astro Boy wird als Klassiker des Mangas und berühmtestes und bedeutendstes Science-Fiction-Werk Tezukas angesehen.[2] Der Anime gilt zudem als Vorläufer des späteren Mecha-Genres.[9][10]

Als am 7. April 2003 im Tezuka-Museum in Takarazuka der offizielle Geburtstag von Astro Boy begangen wurde, nahm man in einem Ausstellungsraum eine Astro-Boy-Puppe in Betrieb, die in regelmäßigen Abständen die Belebungsszene Astro Boys nachspielt.[11]

Die Titelmusik wird in Tokio an der Haltestelle Takadanobaba als Jingle gespielt.[12]

International[Bearbeiten]

Der Anime gehörte zum ersten außerhalb Japans veröffentlichten, wurde jedoch nicht als japanisches Produkt wahrgenommen.[13] Der Erfolg der Serie in Amerika führte zur Nachfrage weiterer japanischer Serien, sodass später unter anderem auch Speed Racer und Kimba, der weiße Löwe außerhalb Japans veröffentlicht wurden.[5]

Astro Boy wurde 2004 in die Robot Hall of Fame aufgenommen.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Name ist schwer übersetzbar und bedeutet wörtlich „der Atom mit den Eisenhänden“. Im japanischen Original wird auch der englische Untertitel Mighty Atom verwendet. Alexander Wißnet: Roboter in Japan. Ursachen und Hintergründe eines Phänomens. München 2007, S. 43f.
  2. a b Frederik L. Schodt, Osamu Tezuka (Vorwort): Manga! Manga! The World of Japanese Comics S. 63 ff. Kodansha America, 1983.
  3. Paul Gravett: Manga - Sechzig Jahre Japanische Comics, S. 55. Egmont Manga und Anime, 2004.
  4. Deutsches Filminstitut - DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte Kunst (Hg.): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom S. 32. Henschel Verlag, 2008.
  5. a b Trish Ledoux und Doug Ranney: The Complete Anime Guide S. 10. Tiger Mountain Press, Issaquah (Washington), 1995
  6. a b Frederik L. Schodt, Osamu Tezuka (Vorwort): Manga! Manga! The World of Japanese Comics S. 154 ff. Kodansha America, 1983.
  7. http://www.zeichentrickserien.de/astroboy.htm Episodenliste und Übersicht der Videoveröffentlichungen der Astroboy-Serie von 1980
  8. Deutsches Filminstitut - DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte Kunst (Hg.): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom S. 81. Henschel Verlag, 2008.
  9. Trish Ledoux und Doug Ranney: The Complete Anime Guide S. 47 f. Tiger Mountain Press, Issaquah (Washington), 1995
  10. Patrick Drazen: Anime Explosion! - The What? Why? & Wow! of Japanese Animation S. 6. Stone Bridge Press, 2002.
  11. Paul Gravett: Manga - Sechzig Jahre Japanische Comics, S. 32. Egmont Manga und Anime, 2004.
  12. "Akibatteru?": Folge 7, 8:10min , http://www.gamestar.de/index.cfm?pid=1589&pk=12987
  13. Trish Ledoux und Doug Ranney: The Complete Anime Guide S. 3. Tiger Mountain Press, Issaquah (Washington), 1995
  14. http://www.robothalloffame.org/inductees/04inductees/astro_boy.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Astro Boy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien