Tierpark Dählhölzli

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Tierpark Dählhölzli Bern
Logo Tierpark Dählhölzli.jpg
Vollständiger Name Tierpark Dählhölzli Bern
Motto Mehr Platz für weniger Tiere
Ort Tierparkweg 1,
3005 Bern
Fläche 15,5 Hektaren
Eröffnung 5. Juni 1937
Tierarten 250 Tierarten
Individuen ca. 2300 Tiere
Organisation
Leitung Bernd Schildger (Direktor)
Trägerschaft Stadt Bern
Förderorganisationen Tierparkverein Bern
Nashornleguan Bern.JPG

Nashornleguan

http://www.tierpark-bern.ch/
Tierpark Dählhölzli (Bern)
Tierpark Dählhölzli
46.9344444444447.4497222222222Koordinaten: 46° 56′ 4″ N, 7° 26′ 59″ O; CH1903: 600844 / 198150

Dählhölzli ist der Name des Berner Zoos und des anliegenden Naherholungsgebietes an der Aare in Bern. Der Name des Gebietes leitet sich vom Berner Dialektwort „Dähle“ für die Waldkiefer ab. Der Tierpark Dählhölzli wurde am 5. Juni 1937 eröffnet. Finanziert wurde er durch private Spenden und Legate. Die Gesamtfläche beträgt 15,5 Hektar. Zurzeit beschäftigt der Tierpark 27 Tierpflegerinnen und Tierpfleger und ist Lebensraum von rund 2300 Tieren.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Vorgeschichte des Berner Tierparks beginnt eigentlich schon im vorletzten Jahrhundert, als nämlich 1871 eine Gruppe von Optimisten für einen geplanten Zoo mit vorwiegend europäischen Tieren im westlichen Kirchenfeld warb und einen Akklimatisationsverein gründete. Zwei Jahre später wurde der Plan mangels Aktionären fallengelassen. Dafür entstand die Anlage an der Engehalde, am Hang unterhalb des Bierhübelis. Hier wurden Hirsche und Bisons gehalten. Da die Anlage nicht befriedigte, suchte man neue Standorte unter anderem auch im Dählhölzli. Man dachte 1883 sogar an die Schaffung eines Zoos mit exotischen Tieren. Alle Anläufe scheiterten indes aus verschiedenen Gründen. Dank William Gabus konnte schliesslich die Finanzierungsfrage gelöst werden. Der 1847 in Le Locle geborene Uhrmacher bereiste als wagemutiger Mann mit Uhren und Musikdosen die Messen Russlands, besass in Moskau Uhrenläden und kaufte später als wohlhabender Mann das Schloss Worb. 1900 vermachte er der Stadt Bern 150'000 Franken für die Errichtung eines Tierparks, „wenn möglich im Dählhölzli“, wie es im Testament hiess. 1901 starb William Gabus im Tessin.

Von der Elfenau in den Dählhölzli[Bearbeiten]

1918 konnte die Stadt die Elfenau-Besitzung erwerben, was in den nächsten Jahren dazu führte, dass dieses Gelände mehr und mehr im Vordergrund für den Bau eines Tiergartens stand. Der Gemeinderat entschied 1927 denn auch für diesen Standort. Das Geschäft kam aber nur schleppend voran. Immerhin arbeitete das Hochbauamt zwei Entwürfe aus. 1930 wurde der Natur- und Tierparkverein gegründet, der schon nach zwei Jahren über 1800 Mitglieder zählte und sich für den Bau eines Tierparks in der Elfenau einsetzte. Durch Werbung in der Presse, in den Kinos, durch Filmmatineen und „Tierlitagen“ wurde ein Fonds von 50'000 Franken geäuffnet. Schon 1933 reichte der Verein einen Entwurf ein, wobei das Landschaftsbild der Elfenau respektiert werden sollte. Doch bald erwachten die Bedenken derjenigen Kreise, welche die Elfenau unangetastet lassen wollten. Im März 1935 führten erneute Verhandlungen dazu, dass die Burgergemeinde einen Teil des Dählhölzliwaldes zur Verfügung stellte und damit die Voraussetzung schuf, von der Elfenau als Standort abzukommen. Noch im gleichen Jahr stimmten die Berner der Schaffung des Tierparks Dählhölzli zu. Am 5. Juni 1937 wurden die Anlagen mit einem grossen Fest im Beisein von Bundesrat Rudolf Minger eröffnet.

Direktoren des Tierpark Dählhölzli
1937–1938 Paul Badertscher
1938–1943 Heini Hediger
1943–1969 Monika Meyer-Holzapfel
1970–1991 Hannes Sägesser
1991–1996 Max Müller
seit 1997 Bernd Schildger

Anfänge[Bearbeiten]

Zuerst leitete der Tierarzt Dr. Paul Badertscher nebenamtlich den Tierpark. 1938 wählte man den jungen Zoologen Dr. Heini Hediger als Verwalter, der sich bald als Tierpsychologe und Tiergärtner einen Namen machte. In seinem Buch Wildtiere in Gefangenschaft griff er zu einem guten Teil auf seine Erfahrungen im Dählhölzli zurück, Erfahrungen, die er in dem jungen Tiergarten während der Zeit des Zweiten Weltkrieges oft an vorderster Front machte, wenn er im Militärdienst weilende Tierpfleger ersetzen musste. Er beschreibt in einem Bericht seine Berner Zeit als harte Schule, erwähnt die Unterstützung, welche er vom Tierparkverein erfahren durfte und über die Schwierigkeiten der Tier- und Futterbeschaffung in der Kriegszeit.

Schon nach wenigen Jahren wechselte Heini Hediger an den Zoo Basel. An seiner Stelle leitete Frau Prof. Monika Meyer-Holzapfel vom 1. Mai 1943 bis zum 31. Dezember 1969 die Geschicke des Tierparks. In dieser Zeit vergrösserte sich die Artenzahl der Tiere im Vivarium, aber auch draussen entstanden neue Gehege, zum Teil recht behelfsmässige Holzkonstruktionen. Nicht zuletzt der Zuchterfolge wegen wurde in dieser Zeit die Fachwelt auf den aufstrebenden Tiergarten aufmerksam. Erwähnt seien hier die neuen Anlagen für gefährdete oder ausgerottete Tierarten, wie Fischotter, Wildkatzen, Luchse, Wisente und Wölfe, die Volieren für Greifvögel und die Fasanerie. 1954 betrug der Tierbestand 1675 Tiere in 335 Arten; die Zahl der Säugetiere blieb aber mit 23 Arten gering. Beides belegt, dass vor allem „pflegeleichte“ Arten gehalten wurden, weil nur sieben Wärter zur Verfügung standen, immerhin drei mehr als bei der Eröffnung. Trotz dieser Beschränkung tat der Tierpark in dieser Zeit den entscheidenden Schritt in Richtung Erfüllung des Auftrags, die einheimische Tierwelt zu zeigen.

Des Berners Zoo[Bearbeiten]

war der Leitspruch von Prof. Hannes Sägesser, der die Geschicke des Dählhölzli vom Januar 1970 bis zu seinem plötzlichen Tod am 18. Januar 1991 leitete. Przewalski-Pferde, Seehunde, Moschusochsen und syrische Braunbären sind Tierarten, die in seiner Zeit eingeführt wurden. Die Anzahl der gehaltenen Säugetierarten wuchs auf 60 an. Der Ausbau des Freigeländes (mit Kleinraubtierhaus, Przewalskipferd-, Fischotter-, Wisent-, Elch-, Tiger-, und Bärenanlage) und der 1988 eröffnete Umbau des Vivariums repräsentieren sein Wirken. Ausserhalb des Vivariums wurden fast alle exotischen Tierarten durch europäische ersetzt. Im Personalbereich wurde eine wissenschaftliche Adjunktstelle sowie erstmals in der Schweiz eine Zoopädagogikstelle geschaffen. In die Zeit des fünften Verwalters, Dr. Max Müller (Mai 1991 bis August 1996), fallen die Erweiterungen des Kinderzoos an der Aare sowie des Bärengeheges im Tierpark und die Renovierung des Bärengrabens. Bei den gehaltenen Tieren fand eine Trendwende in Richtung Tiere aus anderen Kontinenten statt (etwa Wallabys oder Wasserschweine). Im Jahre 1995 wurde die Leitung des Tierparks Analysen durch externe Experten unterzogen. Gestützt auf die entsprechenden Berichte wurde die Führung des Tierparks neu strukturiert und eine Betriebsleitung eingesetzt. Nach einer kurzen Interimsleitung durch Dr. Ruth Baumgartner von September 1996 bis März 1997 wurde Dr. Bernd Schildger Direktor des Tierparks Dählhölzli. Neue Lebensräume für Tiere, wie z.B. Gämsen, Breitrandschildkröten, Rauhfusshühner, Flamingos, Seehunde und Waldrappen wurden seither geschaffen. Neben der für die Realisierung von tiergerechten Lebensräumen erforderlichen Reduktion der gehaltenen Tierarten wurde ein Leitbild formuliert.

Das Dählhölzli heute[Bearbeiten]

Heute besitzt das Dählhölzli immer noch dieselbe Grundfläche, zuzüglich dem Bärenpark als Aussenstation; der Schwerpunkt liegt auch heute noch bei einheimischen und europäischen Wildtieren. Das Motto des Tierparks ist «Mehr Platz für weniger Tiere». Das Konzept, ein Naherholungsgebiet für Familien mit dem pädagogischen Anspruch eines zoologischen Gartens zu verbinden, das von der Zoopionierin Monika Meyer-Holzapfel zwischen 1915 und 1935 ausgearbeitet wurde, wurde bis heute beibehalten.

Nachdem ein Hochwasser im Jahr 1999 weite Bereiche der Tieranlagen entlang des Flusses Aare zerstört hatte, wurden diese neu gebaut und im Jahr 2000 eröffnet. In den Anlagen leben Pelikane, Fischotter und der Europäischer Biber. Bereits im Jahr 1999 wurde vor dem Vivarium die neue Anlage der Rosa-Flamigos eingeweiht.

Im Jahr 2003 wurde die Seehunde-Anlage um die Nordwest-Ecke des Vivariums neu gebaut und so das Wasservolumen gegenüber der Vorgänger-Anlage verzehnfacht. Die neue Anlage zählt mit über 2000 Kubikmetern Wasser zu den grössten Seehunde-Anlagen in Europa.[1]

Es folgten auch neue Anlagen für Waldrappe, Persische Leoparden, Moschusochsen und Wisente getreu dem Motto «Mehr Platz für weniger Tiere». Eine weitere Attraktion des Tierparks ist eine Papageitaucheranlage. Die flugfähigen Vögel, die auch als Pinguine des Nordens bezeichnet werden, können in einem grossen Wasserbecken nach lebenden Fischen tauchen, wobei ihnen die Besucher dabei zusehen können. Papageientaucher sind bekannt dafür, dass sie Dutzende kleiner Fische in ihren grossen, bunten Schnäbeln tragen können. Als Rekord wurden 62 gezählt.

Im Jahr 2010 schenkten der damalige Präsident der Russischen Föderation, Dmitri Anatoljewitsch Medwedew, und seine Gattin, Swetlana Wladimirowna Medwedewa, der Stadt Bern anlässlich ihres Staatsbesuches ein junges Paar ussurischer Braunbären, Misha und Masha. Der Tierpark Dählhölzli gestaltete in der Folge seine Bären-Anlage zu einem grosszügigen «BärenWald» um. Dieser wurde Ende Juni 2011 eröffnet.[2] Mitte Januar 2014 gebar die Bärin Masha zwei Junge. Der Tierpark gab ihnen die Namen «3» und «4».[3] Das handaufgezogene Bärenelternpaar war aber nicht in der Lage, sich adäquat um den Nachwuchs zu kümmern. Die beiden Jungbären wurden deshalb wenige Monate nach der Geburt eingeschläfert.[4]

Mehr Platz für weniger Tiere[Bearbeiten]

In den folgenden Jahren wird die Planung und der Ausbau weitergehen. Momentan wird an einer neuen Wolfsanlage gebaut, und bis im Jahr 2015 sind ein Kleinsäuger- und Wüstenhaus, ein Freiflugvoliere für Geier und ein Affenfelsen für Berberaffen geplant. Auf der anderen Seite bedeutet die Planung für das nächste Jahrzehnt auch, dass verschiedene Tierarten aus dem Tierpark Dählhölzli verschwinden werden. So gab man in der Zwischenzeit die Haltung vom Humboldt-Pinguinen, Bergziegen und Przewalski-Pferden auf. Direktor Schildger schätzt, dass die Zahl der Tierarten auf unter zweihundert sinken wird. Noch in den 1990er-Jahren waren es um die 350 Tierarten gewesen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Seehunde-Anlage im Tierpark Dählhölzli. Tierpark Dählhölzli. Abgerufen am 2. April 2014.
  2. Neuer Bärenwald für zwei russische Geschenke. Zeitung "Der Bund". 1. Juli 2011. Abgerufen am 12. März 2014.
  3. Gefährliches Jungbärenleben. Zeitung "Der Bund". 27. März 2014. Abgerufen am 1. April 2014.
  4. Auch der zweite Jungbär ist tot. Zeitung "Der Bund". 7. April 2014. Abgerufen am 7. April 2014.

Literatur[Bearbeiten]

  • Monika Meyer-Holzapfel, Emil Hostettler : Tierpark Dählhölzli. Haupt, Bern 1962 (= Berner Heimatbücher, Band 84).
  • Hannes Sägesser: Des Berners Zoo. Geschichten aus dem Tierpark Dählhölzli. Benteli, Bern 1974, ISBN 3-7165-0035-6.
  • Hannes Sägesser, Klaus Robin: Das Dählhölzli im Spiegel seiner Tiere. Stämpfli, Bern 1987, ISBN 3-7272-9623-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tierpark Dählhölzli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien