Europäischer Biber

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Europäischer Biber
Europäischer Biber (Castor fiber)

Europäischer Biber (Castor fiber)

Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Biberverwandte (Castorimorpha)
Familie: Biber (Castoridae)
Art: Europäischer Biber
Wissenschaftlicher Name
Castor fiber
Linnaeus, 1758

Der Europäische Biber (Castor fiber), auch Eurasischer Biber genannt, ist das größte Nagetier Europas. Er erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 80 bis 102 cm und eine Schwanzlänge von bis zu 35 cm. Ausgewachsene Europäische Biber wiegen zwischen 23 und 30 kg. Wie alle Biber leben sie semiaquatisch und bewohnen Gewässer und deren Uferbereiche. Sie gestalten ihre Lebensräume aktiv und ernähren sich rein vegetarisch.[1]

Merkmale und Besonderheiten[Bearbeiten]

Europäischer Biber mit orangen Zähnen

Ausgewachsene Europäische Biber wiegen zwischen 23 und 30 kg und weisen dann Kopf-Rumpf-Längen von 83 bis 102 cm sowie Schwanzlängen von 30 bis 35 cm auf. Entsprechend betragen die Gesamtlängen 113-137 cm.[1] Der Körper ist plump und gedrungen und nimmt nach hinten im Umfang zu. Der Kopf ist kurz, breit und oben abgeflacht, sodass er direkt in die starke Nackenmuskulatur und den Rumpf übergeht. Die sehr weit oben angeordneten Augen und Ohren sowie die Nase sind auch bei untergetauchtem Körper über Wasser. Beim Tauchen schützt eine Nickhaut das Auge.[1][2][1]

Vorder- und Hinterbeine sind kurz. Die Vorderfüße sind zum Greifen ausgebildet und weisen fünf Finger auf. Die Hinterfüße sind groß und besitzen Schwimmhäute zwischen den Zehen, die zweite Hinterfußzehe besitzt eine Doppelkralle zum Striegeln des Fells.[1] An der Oberseite ist das sehr dichte Fell grau- bis dunkelbraun oder schwarz, unterseits heller. Die Haardichte ist bauchseitig (ventral) mit 23.000 Haaren/cm2 höher als am Rücken (dorsal) mit 12.000 Haaren/cm2. Die Wollhaare halten beim Tauchen die Luft im Fell und schaffen somit eine wirksame Isolation. Die Grannenhaare, die zum Ende hin breiter werden, schützen die Wollhaare vor dem Eindringen von Wasser.[3] Der Schwanz (auch Kelle genannt) ist flach, breit, unbehaart und mit Schuppen bedeckt. Er dient als Steuer, Antriebsorgan und Fettdepot.[2] Zur Warnung von Artgenossen vor Feinden wird die Kelle hart auf die Wasseroberfläche geschlagen.[4]

Der Europäische Biber hat (wie alle Nagetiere) vergrößerte und ständig wachsende Schneidezähne. Der Zahnschmelz besteht wie bei allen Landsäugetieren zum Großteil aus dem anorganischen Hydroxylapatit. Die Vorderseite der Zähne ist neben Calcium, Magnesium und anderer Ionenverbindungen zusätzlich mit Eisen und Eisenverbindungen verstärkt, weshalb die Zähne von vorne oftmals orange-rot gefärbt sind. Auf der Hinterseite der Zähne fehlen diese Eisenverbindungen, wodurch die Frontseite der Zähne viel härter ist und sich nicht so schnell abnutzt wie die Hinterseite der Zähne. Dies führt beim Nagen an Holz zu einem natürlichen Selbstschärfeeffekt, welchen man sich unter anderem in der Bionik beim Schreddern zunutze macht. Im Gegensatz zu den vier Nagezähnen wachsen die sechzehn Backenzähne des Bibers nicht das ganze Leben lang nach, sondern werden - wie beim Menschen - vom Milchgebiss zum bleibenden Gebiss gewechselt.[5][6]

Die Geschlechter des Europäischen Bibers unterscheiden sich äußerlich kaum. Nur säugende Weibchen sind an den größeren Zitzen als Weibchen zu erkennen; ansonsten muss die Kloake nach einem Penisknochen abgetastet werden. Auch Eurasische und Kanadische Biber sind äußerlich nur schwer zu unterscheiden.[7]

Verbreitung[Bearbeiten]

Gesamtareal und Bestandsentwicklung[Bearbeiten]

Biber in Europa außer Russland im Jahre 2003

Der Europäische Biber war ursprünglich in weiten Teilen Eurasiens heimisch und bewohnte einen breiten Streifen zwischen Skandinavien und Südfrankreich bis nach Sibirien und der südwestlichen Mongolei. Direkte Verfolgung und Lebensraumzerstörung führten bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur großflächigen Ausrottung in ganz Europa. Im europäischen Arealteil konnte er sich nur in vier isolierten Restgebieten halten: Mittlere Elbe, Unterlauf der Rhone, südliches Norwegen und im Einzugsgebiet der Beresina bis zum Oberlauf des Dnepr.[1][8][9]

Bereits 1714 erließ der preußische König Friedrich Wilhelm I. eine Anordnung, den Biber zu schonen und dessen Vermehrung zu fördern. Gleichwohl waren Ende des 19. Jahrhunderts weite Teile Deutschlands und Europas biberfrei. Sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern wurden von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an Schutzprogramme umgesetzt und Biber wieder eingebürgert. Angesiedelt wurden dabei Tiere unterschiedlicher Unterarten (auch fremde), lokal wurden auch Kanadische Biber angesiedelt, beispielsweise in Finnland, Deutschland und Österreich. Durch Schutzmaßnahmen und natürliche Ausbreitung ist heute das ursprüngliche Areal wieder besiedelt, allerdings sind die Bestände lückenhaft.[10][8][9] Natürliche Vorkommen bestehen nun in Weißrussland, China, Deutschland, Kasachstan, der Mongolei, Norwegen und Russland. Wiedereingeführt wurden Eurasische Biber in Österreich, Belgien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Ungarn, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Montenegro, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, der Schweiz und der Ukraine.[11] Ausgehend von Wiedereinbürgerungen in Belgien, in der Eifel und im Saarland wurde um 2004 auch Luxemburg wiederbesiedelt.[12] Die Herkunft der Biber in Bulgarien ist unklar. Ausgestorben ist die Art in Moldawien, Portugal, in der Türkei und im Vereinigten Königreich.[11] Von der IUCN wird der Gesamtbestand des Bibers in Europa und Asien auf mindestens 639.000 Tiere geschätzt. Die Population in Asien ist nach wie vor klein.[11]

Heutige Verbreitung im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

In Deutschland lebt der Biber inzwischen wieder in allen Flächenbundesländern. Seine Reviere hat er sich teilweise durch Wanderbewegungen wieder erschlossen, teilweise wurde er aber auch durch gezielte Projekte neu angesiedelt (z. T. Kanadische Biber). Die dichtesten Verbreitungsgebiete liegen entlang der Elbe und ihrer Zuflüsse in den Bundesländern Sachsen-Anhalt (Kernvorkommen der autochthonen Elbebiber), Sachsen, Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Vergleichsweise groß ist auch der bayrische Bestand, der auf Einbürgerungen von Europäischen Bibern gemischter Herkunft zurückgeht.[13] Kleinere Bestände gibt es u. a. im Spessart[14], auch in Berlin ist der Biber inzwischen wieder heimisch.[15]

In der Schweiz wurde der Biber zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Im Jahr 2008 gab es aufgrund von Auswilderungen, mit denen 1957 begonnen wurde und die 1977 abgeschlossen waren, wieder rund 1600[16] Biber. Insgesamt wurden in der Schweiz 141 Biber aus Norwegen, Frankreich und Russland freigelassen. Die Biber kommen vor allem in den Kantonen Thurgau, Zürich, Aargau, Freiburg, Waadt, Solothurn und Wallis vor.

In Österreich wurde der Biber in den Jahren zwischen 1967 und 1985 wieder eingebürgert. Mehr als 45 Biber[17] wurden in den Donau-March-Auen ausgesetzt, wo sie sich gut vermehrten und wo heute noch ein Verbreitungsschwerpunkt liegt. Einige der ausgesetzten Biber waren Kanadische Biber, die man aber später wieder – soweit möglich – einfing. Heute geht man davon aus, dass keine Kanadischen Biber mehr in diesen Bereichen leben. Weitere Tiere wurden 1972 und 1983 in Oberösterreich und Salzburg freigelassen[18] oder wanderten aus Bayern ein und bildeten eine zweite Population im Inn-Salzach-Tal. Beide Populationen sind 2003 zusammengewachsen. Insgesamt lebten im Jahre 2003 in Österreich etwa 2000 Biber[19], 2006 bereits zwischen 2800 und 3000 Biber.[20]

Schwimmender Biber

Lebensweise[Bearbeiten]

Sozialverhalten und Fortpflanzung[Bearbeiten]

Elbebiber

Biber sind monogam, sie gehen eine lebenslange Einehe ein. Nur wenn einer der Partner stirbt, sucht der überlebende Biber sich einen neuen Partner. Sie leben in kleinen Familienverbänden, die aus den Eltern und ihren ein- und zweijährigen Jungtieren bestehen. Im Alter von zwei bis drei Jahren werden Biber geschlechtsreif und verlassen den Familienverband. Sofern die Kapazitäten des Lebensraums ausreichend sind, lassen sie sich in der unmittelbaren Nachbarschaft ihrer Eltern nieder. Sind alle potentielle Reviere besetzt, kommt es häufig zu Beißereien, die Jungbiber versuchen dann auf dem Wasserweg neue Lebensräume zu erschließen.[1] Die Paarung der Biber findet zwischen Januar und April unter Wasser statt. Nach einer Tragzeit von 105–109 Tagen kommen Ende April, Anfang Mai zwei bis drei, seltener auch bis zu sechs Jungen zur Welt. Diese sind voll behaart und können sehen (Nestflüchter). Die Biberjungen werden etwa zwei bis zweieinhalb Monate gesäugt. Sie beginnen bereits mit acht Tagen, Pflanzenkost aufzunehmen. Bis zu einem Alter von vier bis sechs Wochen bleiben die Jungen im Bau, danach machen sie erste Ausflüge in Begleitung der Eltern oder der älteren Geschwister. Sie können schon schwimmen, müssen das Tauchen aber erst noch lernen.[1][8]

Ernährung des Bibers[Bearbeiten]

Biber sind reine Pflanzenfresser und nutzen die in ihrem Lebensraum häufigsten Pflanzenarten. In der Vegetationsperiode nehmen sie neben jungen Trieben und Blättern von Weichhölzern auch Gräser und krautige Pflanzen regelmäßig auf. Im Winter besteht ihre Nahrung vor allem aus Weichhölzern. Das nachgewiesene Nahrungsspektrum umfasst 150 krautige Pflanzenarten und 63 Gehölzarten.[8] Die Nahrung wird vor allem im Uferstreifen sowie am und im Gewässer gesucht. Vorzugsweise gefällt werden kleinere Bäume, die sich leicht aus dem Bestand herausziehen lassen. Überwiegend werden Bäume mit Stammdurchmessern von maximal 8 cm genutzt, häufig liegt er unter 3 cm.[1] Gefällte Bäume werden entastet, in Stücke zerlegt und zum Biberbau gebracht. Dort werden sie oft als Bauholz oder Nahrungsvorrat (Nahrungsflöße) verwendet.[1][8]

Ein Großteil der Nahrung des Bibers besteht aus Pflanzenfasern, deren Hauptbestandteil Cellulose ist, welche Säugetiere nicht selbst im Darm abbauen können. Die hierzu fähigen symbiotischen Bakterien leben bei pflanzenfressenden Nagetieren wie dem Biber in vergrößerten Blinddärmen (Caecum). Der Blinddarminhalt aus teilweise aufgespaltener Cellulose, Bakterien-Proteinen, Vitaminen und Enzymen wird nach der Ausscheidung vom Biber sofort wieder aufgenommen (Caecotrophie). Die eigentliche Losung besteht aus unverdaulichen Holzresten.[8][3]

Baue, Burgen, Dämme und Kanäle[Bearbeiten]

Europäische Biber legen Baue in Böschungen von Gewässern an. Diese Baue besitzen stets unter der Wasseroberfläche liegende Eingänge und bestehen aus mehreren Röhren, die in einem über dem Wasser liegenden Wohnkessel münden. Die Baue haben eine Belüftungsröhre nach außen, sind sonst aber abgeschlossen, gut isoliert und trocken. Wenn Boden oder Decke zu dünn werden, wird weiteres Material (Äste, Steine, Schlamm) aufgeschichtet. Durch diese Bauweise entstehen die typischen „Biberburgen“, die oft von mehreren Generationen bewohnt werden. Seit langem bewohnte Burgen können Durchmesser von bis zu 12 m und Höhen bis zu 2 m erreichen.[1] In den Bauen leben z. B. auch Bisamratten, Spitzmäuse oder Ringelnattern.[21]

Mit Hilfe von Dämmen staut der Biber Wasserläufe, um die Baueingänge unter Wasser zu halten. Der Anstau erlaubt ihm auch den leichteren Transport von Holz. Kleine Dämme werden aus Zweigen, Schilf und krautigen Pflanzen und Erde erbaut. Längere Dämme werden durch Stücke junger Bäume und Zweige, die mit feinerem Material vermischt werden, errichtet.[8] Mit Hilfe der Dämme ist der Biber in der Lage, aktiv den Wasserstand in seinem Revier zu regulieren. In schon länger besetzten Biberrevieren stehen meist in der näheren Umgebung des Biberbaus keine Bäume mehr. Diese wurden im Laufe Zeit gefällt und verarbeitet. Weiteres Holz kann der Biber nur auf dem Wasser transportieren. Deshalb gräbt er bis zu 500 m lange Kanäle (Wasserstraßen), auf denen er Baumstämme und Äste zu seinem Bau transportiert. Dadurch können Flusssysteme durch den Biber unabsichtlich umgeleitet und ganze Seen (auch der Bibersee) trockengelegt werden.

Fressfeinde und Parasiten[Bearbeiten]

Die natürlichen Fressfeinde erwachsener Biber (Wolf, Bär) fehlen heute in Mitteleuropa fast vollständig. Die kleinen und hilflosen Jungtiere werden u. a. von Hunden, großen Greifvögeln (Seeadlern) und großen Raubfischen wie Hecht und Wels erbeutet.[8] Wie alle Wildtiere werden Europäische Biber von zahlreichen Endo- und Ektoparasiten bewohnt. So sind Darmtrakt und innere Organe z. B. von Saugwürmern und Fadenwürmern befallen. Im Fell des Bibers lebt der sogenannte "Biberfloh" (eigentlich ein Käfer, Platypsyllus castoris), der dort nach Ektoparasiten jagt. Zu diesen zählt auch die "Bibermilbe" (Schizocarpus mingaudi). Beide Arten sind wie der Biber an die semiaquatische Lebensweise angepasst.[1]

Bedeutung der Landschaftsgestaltung[Bearbeiten]

Als bedeutender tierischer Baumeister hat der Biber großen Einfluss auf die Gestaltung der Landschaft. Die Veränderungen im Gewässer ermöglichen oftmals eine Koexistenz von Arten fließender und stehender Gewässer. Während Fließwasserarten unter anderem durch geringere Fließgeschwindigkeit, Sauerstoffsättigung oder höhere Temperaturen unter Umständen verschwinden, profitieren die Bewohner langsam fließender oder stehender Gewässer. Insgesamt nimmt die Artenvielfalt und Individuenzahl insbesondere von Wirbellosen an Biberseen deutlich zu. Der Einfluss auf die Fischfauna wird kontrovers diskutiert.[22]

Die von Bibern geschaffenen Veränderungen im Gewässer und Landlebensraum sind von hoher Bedeutung für Amphibien und können einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von deren Habitatansprüchen und Verbreitungsmustern liefern.[23] Durch Überflutung und Fällarbeiten schafft der Biber langfristig natürliche Waldlichtungen, die gerade auch in der waldreichen Urlandschaft von hoher Bedeutung für die Artenvielfalt waren, beispielsweise entstehen Seggenriede durch Verlandung oder Wiesen bei Verlust des Dammes. Diese boten den Menschen günstige Bedingungen für primitiven Ackerbau. Auch die Nutzung von Grasheu soll auf Biberwiesen entstanden sein. Viele Pflanzenarten des heutigen Feuchtgrünlandes dürften in Biberwiesen ihre primären Lebensräume haben, so zum Beispiel Mädesüß und Kohldistel. Auch Arten von feuchteren (z. B. Pfeifengras) und trockenen (Glatthafer u. a.) Grünland-Gesellschaften sind und waren dort zu finden.[24]

Verwandtschaftsverhältnisse[Bearbeiten]

Zur Familie der Biberartigen zählt neben dem Europäischen/Eurasischen auch der Kanadische Biber (Castor canadensis). Beide Arten unterscheiden sich unter anderem in der Anzahl ihrer Chromosomen (Europäische Biber 48, Kanadische Biber 40). Sie haben jeweils während der Eiszeiten mehrere Unterarten gebildet. Für den Europäischen Biber wurden mehr als zwanzig Unterarten beschrieben, als anerkannt gelten:[25][8]

  • Castor fiber fiber L., 1758 (Skandinavischer Biber)
  • C. f. albicus Matschie, 1907 (Elbebiber)
  • C. f. galliae Geoffroy, 1803 (Rhonebiber)
  • C. f. vistulanus Matschie, 1907 (Bjelorussische Biber)
  • C. f. pohlei Serebrennikov, 1929 (Uralbiber)
  • C. f. birulai Serebrennikov, 1929 (Mongolische Biber)
  • C. f. tuvinicus Lavrov, 1969
  • C. f. belorussicus Lavrov, 1981
  • C. f. orientoeuropaeus Lavrov, 1981

Der Elbebiber Castor fiber albicus stellt die in Deutschland heimische Unterart des Bibers dar. Diese ist vor allem in Deutschland verbreitet, in Dänemark und den Niederlanden finden sich weitere Vorkommen. Der Gesamtbestand von Castor fiber albicus wurde 2002 auf 6.000 Tiere geschätzt und ist damit verhältnismäßig klein. Für die Erhaltung dieser Unterart trägt Deutschland, insbesondere die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, eine hohe Verantwortung.[10]

Mensch und Biber[Bearbeiten]

Verfolgung des Bibers in historischer Zeit[Bearbeiten]

Jagd auf Biber, 1695[26]

Ein mittelalterliches Papstedikt definierte den Biber aufgrund seines flachen, beschuppten Schwanzes und seiner amphibischen Lebensweise als zu den Fischen gehörend. Damit durfte Biberfleisch an Fastentagen gegessen werden.

Das dichte Biberfell war begehrt und führte zur intensiven Bejagung. Noch begehrter war das Bibergeil, der Duftstoff, mit dem Biber ihre Reviere markieren. Es wurde in der Volksmedizin als Wundermittel angesehen und teuer bezahlt. Im litauischen Statut (Kapitel 9, Paragraph 9) von 1529 wird die Biberburg unter besonderen Schutz gestellt: Im Umkreis eines Stockwurfes von der Biberburg entfernt darf weder gepflügt noch gemäht noch Holz geschlagen werden. Auf Vertreibung oder gar Töten bzw. Diebstahl der Biber war eine hohe Strafe ausgesetzt. Verlandete Biberteiche boten nach einigen Jahrhunderten oft ausgezeichneten Ackerboden.

Von Bibern gefällter Baum in Norwegen

Heutige Konflikte[Bearbeiten]

Biber sind in der Kulturlandschaft nicht immer willkommen. Durch ihre sehr aktive Lebensraumgestaltung kann es zu Konflikten mit Grundeigentümern kommen. Gängige Konflikte sind[27]:

  • Unterminierung von Uferbereichen und Fahrwegen (Einbruchgefahr)
  • Unterminierung von Schutzwasserbauten (Dämme)
  • Unterminierung aufgesattelter Teiche (Fischteiche, Löschwasserteiche)
  • Verklausung durch Treibholz (Wehr- und Mühlgänge, Kläranlagen usw.)
  • Vernässung (Land- und Forstwirtschaft, Siedlungsgebiet)
  • Überflutung von Infrastruktur (Kellern usw.)
  • Überstauung von Wasserentnahmestellen
  • Beeinträchtigung von Garten- und Freizeitanlagen

In Ländern wie Deutschland, Österreich und Schweiz werden die Aktivitäten des streng geschützten Bibers überwacht. Managementpläne im Natur- und Artenschutz stellen eine Palette von Gegenmaßnahmen bereit, um Konflikte mit Menschen zu minimieren. Bibermanagement umfasst Öffentlichkeitsarbeit, Populationsüberwachung, Präventions- und Akutmaßnahmen sowie zum Teil Beihilfen für finanzielle Einbußen bei Grundstückseigentümern.

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Gelegentlich ertrinken Biber bei extremen Hochwassern, diese Gefahr besteht insbesondere in ausgebauten Gewässern, in denen rettende Inseln und Vorsprünge fehlen. In verschmutzten Gewässern verlaufen Infektionen von Bisswunden oft tödlich. Im Abwasser enthaltene Detergentien reduzieren die wärmeisolierende Wirkung des Fells. Ungesicherte Schleusen und Schiffsschrauben führen häufig zu Todesfällen. Bei der Bisamjagd werden gelegentlich junge Biber getötet. Biber ertrinken auch in Fischreusen und werden Opfer des Straßenverkehrs.[1][8]

Durch Gewässerausbau und intensive Landnutzungen fehlt es oftmals an geeigneten Biberlebensräumen. Der Fortbestand der genetischen Besonderheiten der autochthonen Elbebiber (Castor fiber albicus) wird durch Vermischung mit gebietsfremden Unterarten von Castor fiber aus Wiederansiedlungen gefährdet.

Ein wesentlicher Beitrag zum Schutz des Europäischen Bibers besteht in der Sicherung und Wiederherstellung seiner Lebensräume in Flussauen und Urstromtälern. Artenschutzprogramme bestehen unter anderem in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

Schild zum Biberschutz an der Regnitz in der Innenstadt von Nürnberg

Gesetzlicher Schutzstatus (Auswahl)[28]

Rote Liste-Einstufungen (Auswahl)

  • Rote Liste Bundesrepublik Deutschland: V – Vorwarnliste[29]
  • Rote Liste der Schweiz: CR (Critically Endangered = vom Aussterben bedroht)[30]
  • Rote Liste IUCN (weltweit bzw. Eurasien): LC (Least Concern = nicht gefährdet)[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m Rainer Allgöwer (2005): Biber Castor fiber Linnaeus, 1758. In: Die Säugetiere Baden-Württembergs Band 2, S. 181-189. ISBN 3800142465
  2. a b Gerold Stocker: Biber (Castor fiber L.) in der Schweiz. Eidgenössische Anstalt für das forstliche Versuchswesen, August 1985. S. 12. Stocker verweist auf: Tevis, L, 1950: Summer behavior of a family of beaver in New York State; und auf: Aleksiuk, M., 1970b: The function of the tail as a fat storage depot in the beaver (Castor canadensis Kuhl).
  3. a b Rüdiger Schröpfer: Der Biber, Castor Fiber Linnaeus, 1758 (PDF-Datei; 480 kB). Naturschutzverband Niedersachsen, Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems gemeinsam mit dem Naturschutzring Dümmer und dem NaturschutzForum Deutschland - NaFor. März 2009. ISSN 0947-9503. Abgerufen am 26. Juni 2011.
  4. http://biber-rlp.de/?page_id=101
  5. Centre Suisse de Cartographie de la Faune: Informationen zum Biber: Gebiss. In: cscf.ch. Abgerufen am 1. Juli 2013 (deutsch).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUwe Vaartjes: Das Gebiss des Bibers. In: zfmk.de. 01.04.2008, abgerufen am 1. Juli 2013 (deutsch).
  7. Gerold Stocker: Biber (Castor fiber L.) in der Schweiz. Eidgenössische Anstalt für das forstliche Versuchswesen, August 1985. S. 12. Stocker verweist auf: Richard, P.B., 1962: Détermination du sexe du castor vivant (Castor fiber).
  8. a b c d e f g h i j Rudolf Piechocki (1990): Elbebiber Castor fiber albicus Matschie. In: M. Stubbe (Hrsg.): Buch der Hege, Haarwild, S. 588-615, ISBN 3-331-00169-4.
  9. a b LUA Brandenburg (1999): Artenschutzprogramm Elbebiber und Fischotter. 51 S.
  10. a b Dietrich Dolch, Dietrich Heidecke, Jana Teubner & Jens Teubner (2002): Der Biber im Land Brandenburg. – Naturschutz Und Landschaftspflege In Brandenburg 11 (4) 2002; 220-234.
  11. a b c d J. Batbold, N. Batsaikhan, S. Shar, G. Amori, R. Hutterer, B. Kryštufek, N. Yigit, G. Mitsain & L. J. P. Muñoz, (2008): Castor fiber. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. < http://www.iucnredlist.org/details/4007/0 >. Abgerufen am 26. Juni 2011.
  12. Forstverwaltung: Biber in Luxemburg. Luxemburg 2004 Online als PDF
  13. Biberverbreitung und -bestand in Deutschland - Manuskript zur Bibertagung. Abgerufen am 27. Juni 2011 (PDF-Datei; 297 kB)
  14. Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Biberlebensraum Hessischer Spessart (Jossa und Sinn)
  15. Biberschutz in Berlin. Abgerufen am 27. Juni 2011
  16. Meldung auf www.news.admin.ch, abgerufen am 23. August 2008
  17. Sieber, J. 2003. Wie viele Biber sind zu viel? Denisia 9:3-11.
  18. Slotta-Bachmayr, L. & H. Augustin. 2003. Der Biber im Bundesland Salzburg. Denisia 9:85-90.
  19. Sieber, J. 2003. Wie viele Biber sind zu viel? Denisia 9:3-11.
  20. Parz-Gollner, R. & Vogl, W. 2006. Numbers, distribution and recent beaver conflicts in Austria. 4th European Beaver Symposium, 3rd Euro-American Beaver Congress, 11.-14.Sep.2006, TU-Weihenstephan, Freising.
  21. Gerold Stocker: Biber (Castor fiber L.) in der Schweiz. Eidgenössische Anstalt für das forstliche Versuchswesen, August 1985. S. 13. Stocker Verweist auf: Djoshkin, W.W., und Safonow, W.G., 1972: Die Biber der Alten und Neuen Welt.
  22. Mark Harthun (1999): Der Einflu[ss] des Bibers (Castor fiber albicus) auf die Fauna (Odonata, Mollusca, Trichoptera, Ephemeroptera, Diptera) von Mittelgebirgsbachen in Hessen (Deutschland), Limnologica - Ecology and Management of Inland Waters, Volume 29 (4): 449-464; (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0075951199800528).
  23. Lutz Dalbeck, Beatrice Lüscher & Dagmar Ohlhoff (2007): Beaver ponds as habitat of amphibian communities in a central European highland. Amphibia-Reptilia 28: 493-501.
  24. Richard Pott (1996): Biotoptypen. Ulmer, ISBN 3-8001-3484-5, S. 150 f.
  25. Grzegorz Gabryś & Agnieszka Ważna (2003): Subspecies of the European beaver Castor fiber Linnaeus, 1758. Acta Theriologica, Volume 48 (4) 433-439.
  26. aus:: Hohberg, Wolf Helmhardt von, Georgica Curiosa Aucta, Das ist: Umständlicher Bericht und klarer Unterricht Von dem Adelichen Land- und Feld-Leben, Auf alle in Teutschland übliche Land- und Haus-Wirthschafften gerichtet, ... und in Zweyen absonderlichen Theilen, deren jeder in Sechs Büchern bestehet vorgestellet ..., In dessen Sechs Büchern gehandelt und beschrieben wird Wie die Baugründe und fruchtbaren Felder auf das nützlichste und ersprießlichste anzurichten, wie sowol die Gestütterey, Abricht- und Wartung der Pferde, als auch in den Mayerhöfen groß und klein Vieh zu erziehen ... Ferner: Wie der Wiesewachs zu bestellen, die Bienen und Seidenwürme mit gutem Genuß zu halten ...; Zum Beschluß sind auch, Buch (Des Adelichen Land- und Feld-Lebens Eilfftes Buch/Wasser-Lust.), SLUB, Oecon.A.19-2
  27. Nitsche, K.-A. 2003. Biber – Schutz und Probleme, Dessau.
  28. Castor fiber bei www.wisia.de
  29. BfN (2009): Rote Listen gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 1. Naturschutz und Biologische Vielfalt Bd. 70 (1), 386 S.
  30. Rote Listen Schweiz: Säugetiere, abgerufen am 28. Juni 2011 (PDF-Datei; 57 kB)

Literatur[Bearbeiten]

  • Christof Angst: Mit dem Biber leben. Bestandeserhebung 2008; Perspektiven für den Umgang mit dem Biber in der Schweiz. Umwelt- Wissen Nr. 1008. Bundesamt für Umwelt, Bern, und Schweizer Zentrum für die Kartographie der Fauna, Neuenburg, 2010; (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Europäischer Biber – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien