Tinariwen

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Tinariwen auf dem Bardentreffen 2010
Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben[1]
Emmaar
  CH 92 16.02.2014 (… Wo.)
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Tinariwen (Tamaschek ⵜⵏⵔⵓⵏ ‚Wüsten‘,[2] oder auch ‚leerer Ort‘ – ein Hinweis auf den kargen Lebensraum, den die Sahara bietet) ist eine Band, deren Musiker vom Volk der Tuareg stammen. Von der traditionellen Musik kommend, reichern sie diese mit Elementen der westlichen Rock- und Popmusik an und verwenden neben traditionellen Instrumenten auch elektrische Gitarren und elektrischen Bass. Die Texte werden in Tamaschek und auf Französisch gesungen. Bei Auftritten tragen die Musiker die traditionelle Kleidung der Tuareg, teilweise auch den Chèche, der im Gegensatz zum Turban den Kopf und das Gesicht (außer den Augen) bedeckt.

Geschichte[Bearbeiten]

Ibrahim Ag Alhabib, Gründer der Band (2011)

Die Mitglieder der Musikgruppe gehören zu jener Generation von Tuareg, die ab den 1960er-Jahren aus der Sahelzone in die Städte nördlich der Sahara geflüchtet waren, weil sie durch lange Dürren ihre Lebensgrundlagen verloren hatten. Diese städtischen Tuareg im wirtschaftlichen Exil werden ishumar genannt.

Die Band wurde 1982 von Ibrahim Ag Alhabib, Touhami Ag Alhassane, Abdallah Ag Housseyni, Mohammed Ag Itlal (genannt „Japonais“) und Kheddou in Tamanrasset in Algerien gegründet, wo sie bei Hochzeiten, Taufen und anderen Festen spielten. Später verbrachten die Musiker mehrere Jahre in einem libyschen Militärcamp, wo Tuareg zu Soldaten ausgebildet wurden. Sie waren zum Teil aktiv an Kämpfen gegen die Unterdrückung ihres Volkes beteiligt und widmeten sich erst nach Beendigung eines von Niger und Mali ausgehenden Aufstandes 1994 gänzlich der Musik. Ihr politisches Engagement spiegelt sich auch in den Texten wider. Lange Jahre vertrieb die Band ihre Musik über Kassetten und wurde dadurch regional bekannt.[3]

2000 nahmen sie ihre erste CD, The Radio Tisdas Sessions, auf. 2001 wurden sie durch ihren Auftritt beim international beachteten Festival au Désert in Mali auch einem westlichen Publikum bekannt. Sie bekamen Zugang zu westlichen Weltmusikkreisen, tourten extensiv in Europa und den USA, wobei sie unter anderem beim Festival international de musique universitaire in Belfort, am Glastonbury Festival und am Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien auftraten, und bekamen bis zu einem gewissen Grad auch Aufmerksamkeit in der Independent-Szene. Weiter zu ihrer Bekanntheit trug ein gemeinsames Konzert mit Carlos Santana beim Montreux Jazz Festival 2006 bei.[4] 2007 und 2009 folgten die Alben Aman Iman bzw. Imidiwan.

2011 erschien ihr Album Tassili, auf dem als Gastmusiker Kyp Malone und Tunde Adebimpe (TV on the Radio), Nels Cline (Wilco) und die Dirty Dozen Brass Band mitwirken. Auf Grund der unsicheren Lage im Norden Malis konnten die Aufnahmen nicht wie früher in Tessalit stattfinden, sondern wurden in ein Zeltlager in der Wüste im südlichen Algerien verlegt. Auf elektrisch verstärkte Instrumente wurde dabei verzichtet.[4]

Stil[Bearbeiten]

Die Band wurde neben der Musik aus ihrer Kultur durch westliche Musik von Led Zeppelin, Johnny Cash und Carlos Santana beeinflusst, die sie über den Vertrieb kopierter Kassetten und gemeinsame Live-Auftritte kennenlernten.[5]

Sie gelten als die erste Tuareg-Band, die elektrische Gitarren verwendet. Ihr Stil nennt sich al-guitara. Neben drei E-Gitarren und einem E-Bass benutzen sie als Rhythmusinstrumente eine Djembé und Händeklatschen.

Bandmitglieder[Bearbeiten]

Bandmitglieder sind neben Bandgründer Ibrahim Ag Alhabib wechselnde Musiker und Musikerinnen wie Fadlan Rachid, Tachfine Amnay, Patricia Bassen, Tahocit O’Baya und Nabil Amarouche.

Werke[Bearbeiten]

  • 2002: The Radio Tisdas Sessions
  • 2004: Amassakoul
  • 2007: Aman Iman (Wasser ist Leben)
  • 2008: Tinariwen Live in London (DVD)
  • 2009: Imidiwan: Companions
  • 2011: Tassili (V2 Records)
  • 2014: Emmaar

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tinariwen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Chartdiskografie Schweiz
  2. Vgl. Hans Ritter: Wörterbuch zur Sprache und Kultur der Twareg. Band I: Twareg – Französisch – Deutsch. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2009. S. 847.
  3. Tinariwen: Biography
  4. a b Die Zeit: 400 Kilogramm Tontechnik in der Wüste, 5. September 2011
  5. The Ghetto-Blaster Grapevine of the Desert and Tinariwen’s Rebel Rock Diplomacy. rockpaperscissors; Peter Pannke: Tuareg-Festival in Mali. Blaue Ritter der Weltmusik. Spiegel online, 6. Januar 2011