Tomasz Stańko

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tomasz Stańko

Tomasz Stańko (* 11. Juli 1942 in Rzeszów) ist ein polnischer Jazzmusiker. Stańko gehört zu den herausragenden Jazzmusikern in Europa. Auf der Trompete hat er in allen Registern einen völlig eigenständigen Sound entwickelt, den Hans Kumpf als „rau und herzlich“ charakterisierte. Wegen seines dunklen, hintergründigen Tones wurde er auch als „Edgar Allan Poe der Trompete“ bezeichnet. Er gehört zur ersten Generation europäischer Musiker, die als Antwort auf den amerikanischen Free Jazz neuartige Möglichkeiten eines eigenen musikalischen Ausdrucks gesucht und gefunden haben.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Stańko, der in einem musikalischen Elternhaus aufwuchs und als Kind eines Geigers früh Klavier- und Violinenunterricht erhielt, studierte bis zum Diplom 1969 absolvierte Musik an der Musikakademie in Krakau. Dann gründete er 1962 mit Pianist Adam Makowicz das Quartett Jazz Darings, das sich stilistisch am Free Jazz von Ornette Coleman orientierte; die Band gewann im selben Jahr einen Amateurjazzwettbewerb, bei dem der Trompeter als bester Musiker ausgezeichnet wurde. 1963 wurde er auf dem Jazz Jamboree von Krzysztof Komeda eingeladen, in dessen Band zu spielen, der er mehrere Jahre angehörte und mit der er auch in Skandinavien auftrat. Das Tomasz-Stańko-Quartett zählte von 1967 bis 1973 (u. a. mit Zbigniew Seifert und Bronisław Suchanek) zu den besten Modern-Jazz-Formationen Europas.[2] 1973 spielte er gemeinsam mit den Schlagzeugern Stu Martin und Janusz Stefański die Platte „Fish Face“ ein, auf der er (zeitgleich zu Tony Oxley und Paul Lytton) als einer der ersten freieren Jazzmusiker mit elektronischen Klängen experimentierte. Bis Anfang der 1980er Jahre schloss sich Stańko keiner Formation mehr dauerhaft an, sondern trat mit unterschiedlichen Musikern (u. a. Dave Holland, Tomasz Szukalski, Edward Vesala, Cecil Taylor, Heinz Sauer) zusammen auf. In Indien entstand 1980 das Soloalbum Music from Taj Mahal and Karla Caves. Dann arbeitete er mit dem Trio von Sławomir Kulpowicz. Mit C.O.C.X. und mit seiner Freelectronic (zu der Tadeusz Sudnik, Janusz Skowron und Vitold Rek gehörten) spielte er Fusionmusik und trat auch auf dem Jazz Festival Montreux auf. Sein Komeda-Tribut Litania erhielt 2000 den Deutschen Schallplattenpreis. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends spielte er zunächst mit den Musikern des Simple Acoustic Trio (Marcin Wasilewski – Piano, Sławomir Kurkiewicz – Kontrabass, Michał Miśkiewicz – Schlagzeug) zusammen. Aktuell (2013) arbeitete der mittlerweile auch in New York lebende Trompeter mit einem amerikanischen Quartett.

Tomasz Stańko (2011)

Stańko nahm ungefähr vierzig Alben auf. In den 1990er Jahren begann eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Münchner Label ECM. Außerdem schrieb er zahlreiche Filmmusiken, wofür er mehrmals für den Polnischen Filmpreis nominiert wurde. 2005 komponierte er die Musik zur Eröffnung des Museums zum Warschauer Aufstand 1944 und veröffentlichte die Musik auf der CD Freedom in August.

Joachim Ernst Berendt nannte ihn den „weißen Ornette Coleman“, was Stańko aber zurückwies.[3] Seit den 1970er Jahren hat sich seine Musik durch alle Bereiche des Jazz ausgedehnt; aufgrund der Integration, Assimilation und Auflösung konventioneller Rhythmen, Harmonien und Strukturen entstehen scheinbar atonale und schwebende Klänge, die auf eine spezifische Weise musikalisch geordnet sind. Das Besondere am Spiel Tomasz Stańkos sind sein eigener, unverwechselbarer Sound, die slawische Melancholie und der bereits beim ersten Ton erkennbare kraftvolle, „schmutzige“ Klang seiner Trompete.

Für die preisgekrönte US-amerikanische TV-Serie Homeland wählte man Tomasz Stańkos Stück Terminal 7 aus dem Stańko-Album Dark Eyes von 2009 als Teil der Hintergrundmusik.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1961: Jazz Jamboree ’61
  • 1965: Astigmatic
  • 1970: Music for K (1970; mit Zbigniew Seifert, Janusz Muniak, Bronisław Suchanek, Janusz Stefański)
  • 1975: Balladyna
  • 1987: Live at Montreux Jazz Festival
  • 1989: Tomasz Stanko: Polish Jazz
  • 1993: Goodbye Maria
  • 1993: Bosonossa and Other Ballads
  • 1999: From the Green Hill
  • 1997: Litania
  • 2002: Soul of Things
  • 2002: Suspended Night
  • 2005: Wolnosc W Slerpniu (Freedom in August)[4]
  • 2006: Lontano
  • 2009: Dark Eyes[5]
  • 2012: Wisława [6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tomasz Stańko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Webpräsenz (polnisch und englisch, Flash-Player erforderlich)

Einzelnachweise, Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. Martin Kunzler Jazz-Lexikon Bd. 2 Rowohlt: Reinbek 2002, S. 1269
  2. Stuart Nicolson Tomasz Stanko: The Soul of Freedom JazzTimes 2002
  3. vgl. Max Harrison, Charles Fox, Eric Thacker The Essential Jazz Records: Modernism to postmodernism London 2000, S. 510
  4. Besprechung All About Jazz
  5. Nummer 6 der polnischen Popcharts, vgl. Presseerklärung, #ECM 2115.
  6. Besprechung (Drummers World)