Krzysztof Komeda

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Porträt von Krzysztof Komeda
Aquarell: Zbigniew Kresowaty

Krzysztof Komeda, gebürtig: Krzysztof Trzciński, (* 27. April 1931 in Posen, Polen; † 23. April 1969 in Warschau infolge einer Hirnblutung durch einen Unfall in Los Angeles) war ein polnischer Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ein Jazz-Pianist und Komponist von Jazz- und Filmmusik von internationaler Bedeutung. Komeda nimmt nach Angaben von Jan Wróblewski einen ähnlichen musikalischen Rang in Polen ein wie Chopin.[1]

Leben[Bearbeiten]

Als Kind erhielt er in Ostrów Wielkopolski Klavierunterricht, später wurde er Schüler am Konservatorium in Posen (Klavierunterricht und Musiktheorie). Nach der Unterbrechung durch den Krieg entschied er sich für das Medizinstudium. Als Student knüpfte er Kontakte mit der Krakauer Untergrund-Jazz-Szene. Man traf sich in Privatwohnungen oder Nachtclubs. Sein Interesse für Unterhaltungsmusik und Tanzmusik veränderte sich über Dixieland und Bebop zu zeitgenössischem Jazz.

Gedenktafel in Posen von Michał Selerowski

Den ersten nationalen Erfolg feierte Komeda-Trzciński im August 1956 auf dem ersten Jazz-Festival in Sopot mit dem Komeda-Sextett. Der Hals-Nasen-Ohr-Arzt verwendete seitdem den Künstlernamen Komeda, um vor den Ärztekollegen seine Leidenschaft für eine Musikrichtung zu verbergen, der man im damaligen Polen noch mit Misstrauen begegnete. Inhaltlich galt das Repertoire des Komeda-Sextetts als Synthese der damals bekannten Jazz-Gruppen wie The Gerry Mulligan Quartet und Modern Jazz Quartet.

In den Jahren 1956–1962 folgten weitere Festivals im In- und Ausland (Moskau, Grenoble, Paris). Komeda begann auch Filmmusik zu komponieren. Insgesamt schrieb er die Musik zu 70 Filmen.[2] Am bekanntesten davon sind Nóż w wodzie (dt. Das Messer im Wasser), Tanz der Vampire und Rosemary's Baby, alle drei vom Regisseur Roman Polański. Für die Musik zu Rosemary's Baby erhielt er 1969 eine Golden Globe Nominierung für die beste Musik.

Auf dem Jazz Jamboree 1962 stellte Komeda seine Ballet-Études vor. Sie wurden in der Heimat des Musikers kühl aufgenommen, aber sie ebneten ihm den Weg zu einer europaweiten Karriere. Komeda gastierte in den Konzerthallen in Stockholm und Kopenhagen, auf Jazz-Festivals in Prag, Bled, ging auf Tournee nach Bulgarien sowie Ost- und Westdeutschland.

Seine Quintett-Einspielung Astigmatic von 1965 mit Tomasz Stanko und Zbigniew Namysłowski mit Songs wie Svantetic gilt bei Kennern der europäischen Jazzszene als gelungener Ausdruck einer eigenständigen europäischen Jazz-Ästhetik. In Polen wird dieses Album bis heute als das zentrale Jazzalbum angesehen.[3] Seine Platte Dichtung und Jazz (1967), eine Aufnahme mit polnischen Gedichten in deutscher Übersetzung, ist in der Zeit des Kalten Krieges politisch riskant und ungewöhnlich.

1967 holte ihn Polański nach Hollywood, um gemeinsam mit ihm weitere Filmprojekte auszuarbeiten, darunter die Filmmusik zu Rosemary's Baby. Nach Angaben von Joachim-Ernst Berendt trug er sich bei einem unglücklichen Sturz im Januar 1969 eine chronische Hirnblutung zu.[4] Der Schriftsteller Marek Hłasko war ein gemeinsamer Freund der beiden Freunde und bekannt für sein Temperament und seine körperliche Stärke. Als Hłasko wieder einmal bei einem Gelage den schmächtigen Komeda hochleben ließ und ihn dabei auf den Armen trug, soll er dabei ausgerutscht sein und Komeda wäre mit dem Kopf auf eine Tischkante aufgeschlagen. (Anderen Quellen zufolge soll die Unglücksursache ein Auto-Unfall in Los Angeles gewesen sein.[1]) Im Krankenhaus wurde ein Hämatom im Gehirn nicht korrekt diagnostiziert und behandelt. Komeda fiel ins Koma. Nach mehreren Monaten flog man Komeda nach Polen, wo polnische Spezialisten ihn operieren sollten. Kurz darauf verstarb Komeda. Nachdem Hłasko von der Nachricht gehört hatte, beging er Selbstmord.[2] Er wurde auf dem Powązki-Friedhof in Warschau beigesetzt.

Komeda war seit 1959 verheiratet mit der Musikmanagerin Zofia Komedowa, geb. von Tittenbrun (1929-2009).[5]

Diskographie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1961 – Jazz Jamboree. Komeda Trio
  • 1964 – Jazz Greetings from the East.
  • 1966 – Astigmatic. K. Komeda Quintet
  • 1967 – Meine süße europäische Heimat. Dichtung und Jazz mit Helmuth Lohner als Sprecher

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Roman Polański, der Komeda seit 1958 kannte, würdigte seinen Freund mit den Worten: „Komedas Musik war kühl und modern, aber in ihr schlug ein menschliches Herz. Er war der Filmmusiker par excellence. Er gab meinen Filmen Wert. Sie wären wertlos ohne seine Musik.“ [6]
  • Seit 1995 wird ihm zu Ehren das «Komeda Jazz Festival» in Słupsk bei Danzig alljährlich im November veranstaltet.[7] Das Festival dient der Förderung junger Jazzmusiker und schreibt auch einen Komponierwettbewerb aus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim-Ernst Berendt: We’ll Remember Komeda. In: Ein Fenster aus Jazz. Essays, Portraits, Reflexionen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1977, 428 S., Ill., ISBN 3-10-003801-0, S. 117–123.
  • Zofia Komedowa Trzcińska: Komeda, Zośka i inni. (Komeda, Sophie und andere.) J.P. - Poland, Warschau 1996, 267 S., ISBN 83-906497-0-5, Autobiographie.
  • Roman Kowal: Polski jazz. Wczesna historia i trzy biografie zamknięte: Komeda - Kosz - Seifert. Akademia Muzyczna, Kraków 1995, 205 S., ISBN 83-901888-5-6.

Dokumentarfilm[Bearbeiten]

  • Krzysztof Komeda. Soundtrack für ein Leben. Dokumentation, Deutschland, Polen, 2009, 52 Min., Regie: Claudia Buthenhoff-Duffy.[8]

Radio-Feature[Bearbeiten]

  • Doctor Trzcinski & Mr. Komeda. Der Jazzmusiker und Filmkomponist Krzysztof Komeda. Radio-Feature und Hörspiel, Deutschland, 2006, 54:30 Min., Buch: Waclaw Stawny, Produktion: WDR.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Bilder

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bert Noglik: Ein Lyriker des Klanges. Krzysztof Komeda – Erinnerungen an eine polnische Jazz-Legende. In: Jazzzeitung, 2006, Nr. 4, S. 13
  2. a b Werner Wunderlich: Fast wie ein Heiliger verehrt, Südwestfunk, 16. April 1990, MP3-Datei, 3:19 Min.
  3. Hans Kumpf Solopianistische Ehrung für die Filmmusiklegende Krzysztof Komeda: Leszek Mozdzer. In: Jazz Podium, 2011, Nr. 9, S. 7.
  4. Joachim-Ernst Berendt: We’ll Remember Komeda. In: Ein Fenster aus Jazz. Essays, Portraits, Reflexionen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1977, 428 S., Ill., ISBN 3-10-003801-0, S. 117–123.
  5. Prezydent odznaczył "Crazy Girl", offizielle Internetpräsenz des polnischen Präsidenten, 11. September 2009
  6. Polański wird zitiert in Berendt: We’ll Remember Komeda, online-Quelle
  7. Offizielle Seite des Komeda Jazz Festivals, (polnisch), Übersetzung von Google
  8. Musik: Andreas & Matthias Hornschuh, Produktion: Benedikt Pictures und Studio Filmowe Kalejdoskop, arte-ZDF, Polnisches Fernsehen, SF, DR, YLE Teema, gefördert durch media und SFP Poland, Development gefördert durch DEFA-Stiftung, Erstsendung: 21. Februar 2010 bei arte, Filmankündigung von arte. FIPA D'Argent Biarritz 2010, Nominiert für Prix Europa 2010
  9. Inhaltsangabe des Features vom Deutschlandradio