Toronto Star

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
The Toronto Star
Beschreibung Tageszeitung
Sprache Englisch
Erstausgabe 1892
Erscheinungsweise werktäglich
Verkaufte Auflage 400.000 Exemplare
Chefredakteur J. Fred Kuntz
Herausgeber Jagoda Pike
Weblink The Star
ISSN 0319-0781
ZDB 82293-0

Der Toronto Star ist eine kanadische Zeitung. Sie ist das auflagenstärkste Blatt des Landes, obwohl die Druckausgabe fast nur in Ontario verteilt wird, und befindet sich im Besitz der Toronto Star Newspapers Ltd., einer Abteilung der Star Media Group, die wiederum zur Torstar Corporation gehört.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Der Star (ursprünglich als The Evening Star und The Toronto Daily Star bekannt) wurde am 3. November 1892 von streikenden Druckern und Schreibern der Afternoon News gegründet. In seinen ersten Jahren schnitt das neue Blatt schlecht ab, doch unter Joseph "Holy Joe" Atkinson, von 1899 bis zu seinem Tod 1948 Herausgeber, begann das Blatt zu prosperieren.

Atkinson hatte ein starkes Sozialbewusstsein. Er kämpfte für viele Angelegenheiten, die dem modernen Wohlfahrtsstaat zugeordnet werden: Altersrente, Arbeitslosenversicherung, und Gesundheitsfürsorge. Er wurde beispielsweise als ""Radikaler" im besten Sinne des Wortes" beschrieben. Über den Star heißt es in derselben Quelle weiter: "Der Star war in seiner beständigen, permanenten Verteidigung der Interessen der gewöhnlichen Leute einzigartig unter den nordamerikanischen Zeitungen. Die Freundschaft Atkinsons, des Herausgebers, mit William Lyon Mackenzie King, dem Premierminister, hatte einen starken Einfluss auf die Entwicklung der kanadischen Sozialpolitik."

Doch Atkinson war auch ein gewitzter Geschäftsmann, der zum maßgeblichen Aktienbesitzer des Stars wurde und ein beträchtliches persönliches Vermögen anhäufte. Der Toronto Daily Star wurde oft dafür kritisiert, den Boulevardjournalismus dieser Zeit auszuüben. Jahrzehntelang beinhaltete das Blatt neben einem starken Eifer, soziale Veränderungen durchzusetzen, große Portionen von Sensationslüsternheit.

Seine frühe Opposition und Kritik am nationalsozialistischen Regime im Deutschen Reich führte dazu, dass es die erste in Deutschland verbotene nordamerikanische Zeitung wurde.

Seit der Mitte der Fünfzigerjahre suchte der Star vermehrt den Respekt der Leser, dies durch die Anhebung der professionellen Standards und die Vermeidung der Sensationslüsternheit der vergangenen Jahre. Er stellte einige der respektiertesten Journalisten des Landes ein und verteidigte den Ausbau des Wohlfahrtsstaates.

1971 benannte sich der Toronto Daily Star in Toronto Star um und zog in einen modernen Büroturm an der Yonge Street und dem Queens Quay um. Das alte Gebäude der Zeitung an der King Street West 80 wurde abgerissen. Ursprünglich beherbergte das neue Gebäude die Druckmaschinen. Die Druckerei wurde 1992 aus der Stadt nach Vaughan verlegt.

Am 5. September 2006 lancierte der Star eine Gratiszeitung im PDF-Format namens Star P.M., die jeden Werktag ab 3:30 von der Website der Zeitung heruntergeladen werden kann. Am 28. Mai 2007 führte der Star eine Zeitung mit einem neuen Design ein[1], das größere Schrift, schmalere Seiten, weniger und kürzere Artikel, umbenannte Abschnitte, höhere Gewichtung der Lokal- und geringere Gewichtung der internationalen Nachrichten, Kolumnen und Meinungsartikel beinhaltete.

[Bearbeiten] Die Prinzipien Atikinsons

Hochhaus des Toronto Star, Yonge Street 1

Kurz vor seinem Tod im Jahre 1948 übereignete Atkinson die Zeitung einer wohltätigen Organisation, dies mit dem Auftrag, die liberale Tradition des Blattes fortzusetzen. Ontarios konservative Regierung erließ ein Gesetz, das den wohltätigen Organisationen verbot, große Teile des gewinnorientierten Geschäfts zu besitzen. Dieses Gesetz verlangte den Verkauf des Stars. Die fünf Treuhänder der Wohltätigkeitsorganisation umgingen das Gesetz, indem sie die Zeitung selbst kauften und vor dem obersten Gerichtshof Ontarios schworen, die Grundsätze Atkinsons zu verteidigen:

  • Ein starkes, geeintes und unabhängiges Kanada
  • Soziale Gerechtigkeit
  • Bürgerrecht
  • Engagement für Gemeinschaft und Bürger
  • Die Rechte der Arbeiter
  • Die nötige Rolle der Regierung

Nachkommen der ursprünglichen Besitzer, bekannt als die „fünf Familien“, besitzen noch immer die Stimmrechte bei Torstar und die Atkinson-Prinzipien leiten die Zeitung noch heute. Leitartikel aus der jüngeren Vergangenheit trugen Überschriften wie „Gerechtigkeit für die Gehörlosen“ und „Öffentliche Politik verstärkt Armut“. Im Februar 2006 schrieb die Star Media-Kolumnistin Antonia Zerbisias auf ihrem Weblog: „Wir alle haben die Atkinson-Prinzipien – und deren multikulturelle Werte – auf unsere Ärsche tätowiert. Von mir aus gerne! Wenigstens sind wir offen mit unseren Werten, und sie funktionieren fast immer für den Bau eines besseren Kanadas.“

[Bearbeiten] Politische Position der Redaktion

Das alte Bürogebäude in der King Street West 80 in den 1930ern

Liberal und stolz darauf, ist der Star in der politischen Landschaft Kanadas links der Mitte. Die genaue Position im politischen Spektrum — besonders in Bezug zum größten Konkurrenten, The Globe and Mail — wird erregt diskutiert. Das Blatt war lange eine Stimme des kanadischen Nationalismus, doch in den Achtzigerjahren lehnte man den Freihandel mit den USA ab und hat erst jüngst seine Besorgnis über die US-Übernahmen kanadischer Firmen ausgedrückt.

Redaktionelle Positionen überraschen die Leser manchmal. Der Star war ein früher Gegner des Irakkriegs und kritisiert die Politik George W. Bushs größtenteils. Dennoch wurde die kanadische Teilnahme am kontinentalen Raketenabwehrprogramm der USA unterstützt. Jüngere Leitartikel brandmarkten die politische Korrektheit an kanadischen Universitäten und stellten sich gegen die Verhältniswahl.

Das Blatt hat fast immer die Liberale Partei Kanadas unterstützt. Der Star war die einzige größere Tageszeitung, die das bei den Bundeswahlen von 2006 tat, während viele der anderen großen Blätter die Konservativen befürworteten. Der Star unterstützte niemals die sozialdemokratische Neue Demokratische Partei, obwohl er 1990 provinziell nah daran war. Die Zeitung befürwortete die Progressive Conservative Party of Ontario in vielen der Provinzwahlen von den Vierziger- bis zu den Achtzigerjahren.

Dies bedeutet, dass heute nur wenige größere Tageszeitungen weiter links stehen als der Star. Doch die Journalisten des Blattes vermeiden scharfe Vertretung von radikalen sozialen Veränderungen, sie bevorzugen eine schrittweise Reform, die von ernsten Aufrufen und Appellen zu Mitgefühl angeheizt werden soll. In der jüngeren Vergangenheit konzentrierten sich Serien auf Armut und Multikulturalismus. Anhänger preisen das fortwährende Bekenntnis des Stars zu seinen Gründungsprinzipien.

Kritiker nennen die Zeitung "das einzige Blatt der Welt, das von einem toten Mann herausgegeben wird" (eine spöttische Anspielung auf die Atkinson-Prinzipien) oder zielen auf formularische "Heulsusen"-Berichte ab, die die Notlage der Armen und Unterdrückten ins Licht der Öffentlichkeit ziehen. Manche beschuldigen sie auch, ein Sprachrohr der Liberalen Partei zu sein. In den letzten Jahren haben einige Kritiker sogar eine alte Herabsetzung wieder aufgenommen, nämlich die des "Red Star" (Roter Stern).

[Bearbeiten] Charakteristika

Der Star ist die einzige kanadische Zeitung, die einen Ombudsmann beschäftigt. Weitere besondere Merkmale sind etwa:

  • Ein Gremium, dessen Mitglieder Artikel über ihre Meinungen schreiben, die auch manchmal die Zeitung kritisieren
  • Einen Immigrations- oder Vielfaltsreporter
  • Wohltätige Kampagnen, die Beteiligungen von den Lesern erbitten
  • Eine ganze Seite Leserbriefe täglich
  • Umfassendere Berichte über Armut und soziale Themen als jede andere kanadische Zeitung
  • Ein jährlicher Wettbewerb, der Torontos beste Angestellte würdigt

Der Star versucht, möglichst alle Leser zu gewinnen, anstatt eine Lesergruppe auf Kosten einer anderen anzuziehen. Er veröffentlicht spezielle Sparten für das chinesische Neujahrsfest und die Gay Pride Week, genau wie regelmäßige Artikel über Eigentumswohnungen und Einkaufen.

[Bearbeiten] Wettbewerbsposition

Mit vier konventionellen Tageszeitungen und zwei Gratiszeitungen in einer Agglomeration von etwa 5,5 Millionen Einwohnern ist Toronto eine der wettbewerbsintensivsten Zeitungsstädte in Nordamerika. Die Einführung der National Post 1998 rüttelte den Markt wach. Im folgenden Umbruch stiegen die Ausgaben der Redaktionen und viele Journalisten wurden eingestellt oder entlassen. Leser, Inserenten und Reporter profitierten vom verschärften Wettbewerb, Aktienbesitzer kaum. Torontos Zeitungen müssen schon die großangelegten Entlassungen durchführen, die die meisten anderen nordamerikanischen Zeitungen bereits unternehmen mussten.

Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten warf der Toronto Star in den meisten Jahren der jüngeren Vergangenheit Gewinn ab. Die Zeitung wurde zu einem Muss für die meisten Inserenten. Einige der Konkurrenzblätter verlieren laufend Geld, andere sind nur geringfügig profitabel. Der Star wurde lange für Massenverkäufe zu Niedrigpreisen kritisiert.

Doch die Differenz sinkt und man musste einige Verluste hinnehmen. 2006 drückten zahlreiche Finanzanalytiker ihre Unzufriedenheit mit dem Star aus und senkten ihre Empfehlungen für die Aktien der Muttergesellschaft Torstar. Im Oktober 2006 wurden der Herausgeber und der Chefredakteur des Stars ersetzt, im Mai 2007 wurde ein neudesigntes Blatt lanciert (siehe oben).

[Bearbeiten] Herausgeber

[Bearbeiten] Bekannte Kolumnisten


[Bearbeiten] Trivia

Joe Shuster, einer der beiden Schaffer Supermans arbeitete in den Zwanzigerjahren als Zeitungsjunge für den Star. Shuster benannte Clark Kents Zeitung - The Daily Star - nach dem Toronto Daily Star. Der Name von Kents Zeitung wurde später in The Daily Planet geändert.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.thestar.com/News/article/218300
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen