Autonomer Kreis der Tschuktschen
| Subjekt der Russischen Föderation
Autonomer Kreis der Tschuktschen
Чукотский автономный округ Чукоткакэн автономныкэн округ
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67175Koordinaten: 67° 0′ N, 175° 0′ O
Der Autonome Kreis der Tschuktschen (russisch Чукотский автономный округ/ Tschukotski awtonomny okrug, tschuktschisch Чукоткакэн автономныкэн округ), auch Tschukotka genannt, ist eine Verwaltungseinheit (Autonomer Kreis) in Russland.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Tschukotka umfasst den äußersten Nordosten Russlands. Es wird durch die Beringstraße von Alaska getrennt. Die Oberfläche ist vorwiegend bergig und besitzt Mittelgebirgscharakter. An den Küsten gibt es mehr oder weniger ausgedehnte Tiefländer (z. B. das Tschaun-Tiefland). Die Bergländer rechnet man zum Ostsibirischen Bergland. Sie umfassen unter anderem den Nordteil des Korjakengebirges, das Anjuigebirge, das Anadyrgebirge bis zur Tschuktschen-Halbinsel, wo im Kap Deschnjow der östlichste Punkt Russlands bzw. Asiens liegt. Zum Kreis gehören auch mehrere größere Inseln, wie das UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet Wrangelinsel und die Insel Aion.
Der Kreis liegt fast vollständig nördlich der Baumgrenze und wird von Tundra bedeckt. In den höheren Bergregionen geht sie in eine Frostschuttwüste über. Lediglich in den südlichsten Gebieten des Kreises findet man in geschützten Lagen niedrig wachsende Bäume.
Das Klima ist rau. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen zwischen -5 und -10 °C. Der Winter beginnt im September und endet erst im Mai. Wärmster Monat ist der Juli mit etwa 9 °C, kältester der Januar mit -25 °C, Tiefsttemperaturen von unter -40 °C sind möglich. Stürme sind zu jeder Jahreszeit möglich und erreichen oft Orkanstärke.
Bevölkerung [Bearbeiten]
Tschukotka ist abgelegen und äußerst dünn besiedelt. Infolge des Rückgangs des Goldabbaus hat es seit 1989 fast 70 % (1989-2010: -69,2 %) seiner Einwohner, vor allem Russen, durch Abwanderung nach Zentralrussland eingebüßt. Auch die früher stark vertretenen Zuwanderergruppen der Ukrainer, Weißrussen und Tataren sind in Scharen weggezogen. Die indigenen Ethnien sind jedoch, wie in den meisten Gebieten Sibiriens und des Fernen Osten, trotzdem noch in der Minderheit.
Die folgende Tabelle zeigt die Zeitentwicklung der Gesamtbevölkerung und ihrer Zusammensetzung nach Nationalitäten:
| Volksgruppe | VZ 1939 | VZ 1959 | VZ 1970 | VZ 1979 | VZ 1989 | VZ 2002 | VZ 2010 1 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | |||
| Tschuktschen | 12.111 | 56,3 % | 9.975 | 21,4 % | 11.001 | 10,9 % | 11.292 | 8,1 % | 11.914 | 7,3 % | 12.622 | 23,5 % | 12.772 | 25,3 % | ||
| Tschuwanen 2 | 944 | 0,6 % | 951 | 1,8 % | 897 | 1,8 % | ||||||||||
| Russen | 5.183 | 24,1 % | 28.318 | 60,7 % | 70.531 | 69,7 % | 96.424 | 68,9 % | 108.297 | 66,1 % | 27.918 | 51,9 % | 25.068 | 49,6 % | ||
| Ukrainer | 571 | 2,7 % | 3.543 | 7,6 % | 10.393 | 10,3 % | 20.122 | 14,4 % | 27.600 | 16,8 % | 4.960 | 9,2 % | 2.869 | 5,7 % | ||
| Eskimos 3 | k.Ang. | ? % | 1.064 | 2,3 % | 1.149 | 1,1 % | 1.278 | 0,9 % | 1.452 | 0,9 % | 1.534 | 2,9 % | 1.529 | 3,0 % | ||
| Ewenen | 817 | 3,8 % | 820 | 1,8 % | 1.061 | 1,0 % | 969 | 0,7 % | 1.336 | 0,8 % | 1.407 | 2,6 % | 1.392 | 2,8 % | ||
| Weißrussen | 60 | 0,3 % | 578 | 1,2 % | 1.669 | 1,6 % | 2.448 | 1,7 % | 3.045 | 1,9 % | 517 | 1,0 % | k.Ang. | ? % | ||
| Tataren | 48 | 0,2 % | 504 | 1,1 % | 1.607 | 1,6 % | 1.995 | 1,4 % | 2.272 | 1,4 % | 534 | 1,0 % | k.Ang. | ? % | ||
| Jukagiren 4 | k.Ang. | ? % | k.Ang. | ? % | k.Ang. | ? % | 109 | 0,08 % | 144 | 0,09 % | 185 | 0,3 % | 198 | 0,4 % | ||
| Andere | 2.734 | 12,7 % | 1.887 | 4,0 % | 3.773 | 3,7 % | 5.307 | 3,8 % | 6.930 | 4,2 % | 3.196 | 5,9 % | 5.801 | 11,5 % | ||
| Einwohner | 21.524 | 100 % | 46.689 | 100 % | 101.184 | 100 % | 139.944 | 100 % | 163.934 | 100 % | 53.824 | 100 % | 50.526 | 100 % | ||
| 1 2.770 Personen konnten keiner Volksgruppe zugeteilt werden. Diese Leute verteilen sich vermutlich anteilmäßig gleich wie die ethnisch zugeschiedenen Einwohner.[4] 2 1939-1979 zu den Tschuktschen gezählt 3 1939 unter übrige sibirische Völker 4 1939-1970 unter übrige sibirische Völker | ||||||||||||||||
Verwaltungsgliederung [Bearbeiten]
Die heutige Verwaltungsgliederung in einen Stadtkreis und sechs Rajons besteht seit 2008, als am 30. Mai die vormaligen Rajons Iultin und Schmidtowski (mit der Wrangelinsel) zum Rajon Wostotschny („Ostrajon“) und die Rajons Anadyrski und Beringowski zum Rajon Zentralny („Zentralrajon“) vereinigt wurden. Am 18. November 2008 erhielten die beiden Rajons wieder die Namen jeweils eines der alten Rajons: der Ostrajon wurde zum Rajon Iultin und der Zentralrajon zum Rajon Anadyr.
Den Rajons sind insgesamt 7 Stadt- und 37 Landgemeinden unterstellt.
| [A 1] | Rajon/ Stadtkreis |
Einwohner[5] | Fläche (km²) |
Bevölkerungs- dichte (Ew./km²) |
Stadt- bevölkerung |
Land- bevölkerung |
Verwaltungssitz | Weitere Orte[A 2] | Anzahl Stadt- gemeinden |
Anzahl Land- gemeinden |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anadyr | 11.777 | 21 | 561 | 11.777 | – | 1 | – | |||
| 1 | Anadyr | 9.048 | 287.509 | 0,03 | 4.775 | 4.273 | Ugolnyje Kopi | Beringowski | 2 | 11 |
| 2 | Bilibino | 7.696 | 174.652 | 0,04 | 5.277 | 2.419 | Bilibino | 1 | 5 | |
| 3 | Iultin[A 3] | 5.897 | 143.600 | 0,04 | 3.434 | 2.463 | Egwekinot | Mys Schmidta | 2 | 7 |
| 4 | Prowidenija | 4.234 | 27.286 | 0,16 | 2.558 | 1.676 | Prowidenija | 1 | 5 | |
| 5 | Tschaunski | 5.341 | 58.091 | 0,09 | 4.434 | 907 | Pewek | 1 | 3 | |
| 6 | Tschukotski | 4.598 | 30.247 | 0,15 | – | 4.598 | Lawrentija | – | 6 |
Anmerkungen:
- ↑ Nummer des Rajons (in alphabetischer Reihenfolge der Namen im Russischen)
- ↑ Siedlungen städtischen Typs bzw. Stadtgemeinden
- ↑ einschließlich Wrangelinsel (auf der Karte nicht gezeigt)
Städte und städtische Siedlungen [Bearbeiten]
Im Autonomen Kreis der Tschuktschen gibt es drei Städte (*) und fünf Siedlungen städtischen Typs.
| Stadt*/Städt. Siedlung | Russisch | Rajon | Einwohner (14. Oktober 2010)[2] |
|---|---|---|---|
| Anadyr* | Анадырь | Stadtkreis | 13.045 |
| Beringowski | Беринговский | Anadyr | 1.401 |
| Bilibino* | Билибино | Bilibino | 5.506 |
| Egwekinot | Эгвекинот | Iultin | 2.790 |
| Mys Schmidta | Мыс Шмидта | Iultin | 492 |
| Pewek* | Певек | Tschaunski | 4.162 |
| Prowidenija | Провидения | Prowidenija | 1.970 |
| Ugolnyje Kopi | Угольные Копи | Anadyr | 3.368 |
Die in den 1990er-Jahren noch existierenden städtischen Siedlungen (vorwiegend Bergarbeitersiedlungen) Aliskerowo, Baranicha, Iultin, Komsomolski, Krasnoarmeiski, Leningradski, Schachtjorski, Walkumei und Wstretschny sind inzwischen von ihren Bewohnern verlassen worden und somit zu Geisterstädten geworden.
Geschichte [Bearbeiten]
Die russische Besiedlung begann im 17. Jahrhundert gegen heftigen Widerstand der Tschuktschen, der bis ins frühe 20. Jahrhundert anhielt. Im Jahr 1930 wurde der Autonome Kreis gegründet.
Politik [Bearbeiten]
Im Dezember 2000 wurde Roman Abramowitsch mit 92 % aller Stimmen zum neuen Gouverneur gewählt und im Oktober 2005 in diesem Amt bestätigt. Er begann, selbstfinanzierte Lebensmittel, Fertighäuser aus Kanada und Treibstoff in den Autonomen Kreis zu verschiffen. Während sich Abramowitsch bei der einheimischen Bevölkerung aufgrund dieser Maßnahmen hoher Beliebtheit erfreute, sicherte sein Amt dem in London lebenden Oligarchen den Schutz vor Strafverfolgung (politische Immunität). In neuen russischen Presseberichten über den reichsten Mann des Landes heißt es aber auch vielfach, dass der damalige Präsident Wladimir Putin ihn gebeten habe, sich auf diese Weise um die rückständige Region zu kümmern. Allein die jährlich entrichteten Steuern von Abramowitsch würden den Regionalhaushalt um ein Vielfaches übersteigen. Im Juli 2008 trat Abramowitsch als Gouverneur von Tschukotka zurück; als Nachfolger wurde Roman Kopin ernannt.
Als Grenzgebiet zu den Vereinigten Staaten ist Tschukotka für Ausländer nur mit Sondergenehmigung zu bereisen. Diese muss vom Gouverneur erteilt werden.
Wirtschaft [Bearbeiten]
Wichtigster Wirtschaftszweig ist immer noch der Goldabbau, obwohl dieser in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Die derzeit laufenden Investitionen von Kinross Gold, einer kanadischen Bergbaufirma, werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich wieder zu einem Anstieg der Goldproduktion führen. Die traditionellen Wirtschaftszweige der Tschuktschen und anderen indigenen Ethnien sind Rentierzucht, Pelzfang und auch die Jagd auf Meeressäugetiere.
Kultur [Bearbeiten]
Einer der wenigen im Ausland bekannten Intellektuellen war der 1930 in Uelen geborene und 2008 verstorbene Schriftsteller Juri Rytchëu, dessen Werke eine Vorstellung vom Leben der indigenen Völker geben.
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Internetseite von Tschukotka
- Factbytes: Chukotka
- Fototour durch Sibirien: Weiße Hölle im Abendrot, Artikel von Michael Martin in Spiegel Online, 24. April 2012
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Administrativno-territorialʹnoe delenie po subʺektam Rossijskoj Federacii na 1 janvarja 2010 goda (Administrativ-territoriale Einteilung nach Subjekten der Russischen Föderation zum 1. Januar 2010). (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
- ↑ a b Čislennostʹ naselenija gorodskich naselennych punktov, selʹskich naselennych punktov po Čukotskomu avtonomnomu okrugu. (Bevölkerungszahl der städtischen Ortschaften, der ländlichen Ortschaften im Autonomen Kreis der Tschuktschen.) Download von der Website des Territorialorgans Autonomer Kreis der Tschuktschen des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation
- ↑ Naselenie po nacional'nosti i vladeniju russkim jazykom po sub"ektam Rossijskoj Federacii. In: Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2002 goda. Rosstat, abgerufen am 1. November 2011 (XLS, russisch, Ethnische Zusammensetzung und Kenntnis der russischen Sprache nach Föderationssubjekt, Ergebnisse der Volkszählung 2002).
- ↑ Bevölkerung der russischen Gebietseinheiten nach Nationalität 2010 (russisch;Zeilen 1118-1130) http://www.gks.ru/free_doc/new_site/population/demo/per-itog/tab7.xls
- ↑ Einwohnerzahlen 2010 beim Föderalen Dienst für staatliche Statistik Russlands (Berechnung per 1. Januar; Exceldatei; 562 kB)
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