Nomadismus

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Der Nomadismus ist eine mobile, auf Viehzucht basierende Wirtschafts- und Gesellschaftsform. Im Unterschied zur Transhumanz oder zur (saisonal) pflegelosen Viehhaltung (z.B. mongolischer Nomaden) begleiten die Nomaden, die Eigentümer der Herden, das Vieh im geschlossenen Familienverband mitsamt dem Hausrat auf mehr oder weniger intermittierender Wanderung, angepasst an den jahreszeitlichen Rhythmus, um die jeweilig beanspruchten Weiden aufzusuchen.

Der Wohnplatzwechsel erfordert transportable, schnell auf- und abzubauende Behausungen (meist Zelte). Feldbau wird selten und unregelmäßig betrieben. Pflanzliche Nahrungsmittel werden ggf. von einer benachbarten ackerbautreibenden Bevölkerung eingetauscht oder gekauft. Jüngere völkerkundliche und kulturgeographische Forschungen haben nachgewiesen, dass der Nomadismus entgegen früheren Ansichten in der Entwicklungsgeschichte einen zeitgleich oder bereits zuvor entstandenen Seitenzweig des sesshaften Bauerntums darstellt. Manche Nomaden haben sich später auf Handel spezialisiert. Es werden Entfernungen von über 1000 km zurückgelegt. Was die Ursprünge der reinen Handelsnomaden betrifft, z. B. die im Altertum erwähnten Kedar, eine den Hebräern nahestehende Gruppe, haben sie sich, wegen veränderter geographischer, Klimatischer und wirtschaftlicher Bedingungen, aus Hirtennomaden entwickelt. Die Wildbeuternomaden (z. B. Prärie-Indianer, Inuit), stellen eine Stufe der Jäger und Sammler dar.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptverbreitungsgebiet des Nomadismus ist der altweltliche Trockengürtel: die Halbwüsten, Steppen und Savannen Nordafrikas, Osteuropas, Vorder- und Zentralasiens. Tiere, die für die nomadische Weidewirtschaft infrage kommen, sind Rinder, Ziegen und Schafe, Yaks, Pferde bei den Bergnomaden, und Kamele. In den polaren Gebieten basiert der Nomadismus auf der Haltung von Renherden. Einige Tiere dienenzugleich als Reit- und Lasttiere.

In den letzten Jahrzehnten wurde in vielen Ländern aus staatspolitischen Gründen die Sesshaftmachung der Hirtenvölker betrieben und zumeist gleichzeitig der Viehwirtschaft ein Ende gesetzt. Das Zurückdrängen nomadischer Lebensformen in der heutigen Zeit hat in der Geschichte der alten Nomadenreiche der Hunnen und Mongolen seine historische Parallele.

Formen des Nomadismus[Bearbeiten]

Als Halbnomadismus wird eine Wirtschaftsform bezeichnet, bei der Ackerbau getrieben wird und nur Teile der Familie wandern. Eine Variante des Halbnomadismus stellt der Bergnomadismus dar, mit jahreszeitlich bedingten Wanderungen (Transhumanz) zwischen Tal/Vorland und Gebirge. Die jahreszeitlich wechselnden Weideplätze der Bergnomaden liegen u. U. nicht näher beieinander als die der Vollnomaden.

Um verschiedene Formen des Nomadismus unterscheiden zu können, können verschiedene Kriterien verwendet werden. Gängige Kriterien sind die Art der Wanderung, die Behausungsform und die Herdentiere:

Unterscheidung nach Art der Wanderung[Bearbeiten]

Die Art der Wanderung kann auf zwei verschiedene Arten differenziert werden:

  • Horizontale Wanderung bzw. Flächennomadismus: Wanderung in der Steppe oder Savanne
  • Vertikaler Nomadismus bzw. Gebirgsnomadismus: Wanderung von der Steppe (Winter) ins Gebirge (Sommer)

bzw.

  • Fernwandernder Nomadismus: Im Laufe eines Jahres werden mehrere 100 Kilometer zurückgelegt (z.B. in Spanien)
  • Nahwandernder Nomadismus: Zwischen Sommer- und Winterweidegebieten liegen nur wenige Kilometer

Diese Unterscheidungen überschneiden sich oft. So sind die Kirgisen des Pamir nahwandernde Gebirgsnomaden, die Kasachen meist fernwandernde Flächennomaden.

Unterscheidung nach Behausung[Bearbeiten]

Im altweltlichen Trockengürtel vom Burgenland bis in die Mongolei oder in Bereichen Afrikas kann folgende Differenzierung vorgenommen werden:

Unterscheidung nach Art der Herdentiere[Bearbeiten]

Die Art der Herdentiere wird von der geomorphologie der Landschaft und der Vegetation bestimmt. Die Unterscheidung erfolgt nach der wirtschaftlichen Bedeutung oder der ideologischen Wertschätzung der Tiere.

Man unterscheidet grob Reiternomaden, Kleinviehnomaden und Kamelnomaden.

Verbreitungsgebiete des Nomadismus[Bearbeiten]

Die klassischen Formen des Nomadismus, wie sie über die oben beschriebenen gängige Kriterien eingegrenzt werden, sind ein Phänomen der so genannten „Alten Welt“, d. h. sie finden sich im altweltlichen Trockengürtel, der vom subtropischen Nordafrika (Marokko im Westen, Sudan- und Sahelgürtel), über Arabien, den gesamten Nahen und Mittleren Osten über Osteuropa bis Zentrale- und nördliche Ostasien reicht. Über Sibirien sind die nordeuropäischen Sami an diese geschichtlich immer eng mit nomadischen Kulturen verbundene Region verknüpft.

Nomadismus in Afrika[Bearbeiten]

Nomadismus in Asien[Bearbeiten]

historisch:

Moderne:

  • Arabische Halbinsel
  • Iranisches Hochland
  • Jakutien
  • Kasachstan
  • Kirgisistan
  • Mongolei
  • Nord-Mandschurei: Ewenken, Orotschen
  • Tadschikistan
  • Tibetisches Hochland: kasachische und mongolische Stämme im Nordwesten bzw. Nordosten, tibetische Nomaden in fast allen Teilen des Hochlandes außer dem Nordwesten
  • Türkei
  • Xinjiang

Nomadismus in Europa[Bearbeiten]

Kulturhistorischer Beitrag der Nomaden[Bearbeiten]

Der abendländisch-christliche Kulturkreis ist entscheidend vom Nomadismus geprägt, da mehrere Religionsstifter monotheistischer Religionen aus Nomadenvölkern stammen: Judentum, Christentum und Islam nennt man nicht von ungefähr die Wüstenreligionen. Abraham (aram. Av-ha-am: Vater der Völker), Isaak und Jakob, die Erzväter des Judentums, waren Nomaden.

Literatur[Bearbeiten]

  • E. Vardiman: Nomaden, Schöpfer einer neuen Kultur im Vorderen Orient.
  • Galsan Tschinag, mongolischer Schriftsteller welcher auf deutsch schreibt und sehr anschaulich vom Leben mongolischer Nomaden schreibt.
  • Thomas Staubli: Das Image der Nomaden, im alten Israel und in der Ikonographie seiner sesshaften Nachbarn, 1991 Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen
  • Arnold Beuermann: Fernweidewirtschaft in Südosteuropa - ein Beitrag zur Kulturgeographie des östlichen Mittelmeergebietes. Westermann, München 1967.
  • Thede Kahl: Auswirkungen von neuen Grenzen auf die Fernweidewirtschaft in: C. Lienau (Hg.): Grenzen und Grenzräume in Südosteuropa. Südosteuropa-Jahrbuch 32, München, S. 245–272.
  • A. M. Khazanov Nomads and the Outside World, Cambridge 1984; Fokus liegt auf den Interaktionen zwischen den nomadischen und den sesshaften Kulturen
  • Margret Causemann: Märchen tibetischer Nomadenfrauen, München 21994, ISBN 3-424-01203-3

Weblinks[Bearbeiten]

  • Differenz und Integration: Sonderforschungsbereich an den Universitäten Halle-Wittenberg und Leipzig, der sich mit den Beziehungen zwischen Nomaden und Sesshaften in Geschichte und Gegenwart befasst.

Siehe auch[Bearbeiten]

Andere Formen der Wanderviehwirtschaft: Transhumanz und Almwirtschaft