Tunix-Kongress

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Der Tunix-Kongress fand vom 27. bis 29. Januar 1978 in der West-Berliner TU Berlin statt und diente der Orientierung der Kräfte in Deutschland, die heute als Neue soziale Bewegungen der 1970er Jahre bezeichnet werden. Er gilt als Ende der Spontibewegung und als Beginn der Autonomen- und Alternativbewegung in Berlin. Die Zahl der Teilnehmer wird auf etwa 5.000 bis 20.000 geschätzt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Der Tunix-Kongress wurde von der Berliner Spontiszene in Reaktion auf den Deutschen Herbst initiiert und stand, bis auf den Dogmatikern, dem gesamten linken Spektrum offen. Im Ankündigungstext kritisieren die Initiatoren den polizeilichen Fahndungsdruck jener Wochen und die repressiven Auswüchse der damaligen sozialliberalen Politik, welche gern mit dem Begriff Modell Deutschland etikettiert wurde:

Uns langt's jetzt hier! Der Winter ist uns zu trist, der Frühling zu verseucht und im Sommer ersticken wir hier. Uns stinkt schon lange der Mief aus den Amtsstuben, den Reaktoren und Fabriken, von den Stadtautobahnen. Die Maulkörbe schmecken uns nicht mehr und auch nicht mehr die plastikverschnürte Wurst. Das Bier ist uns zu schal und auch die spießige Moral. Wir woll'n nicht mehr immer dieselbe Arbeit tun, immer die gleichen Gesichter zieh'n. Sie haben uns genug kommandiert, die Gedanken kontrolliert, die Ideen, die Wohnung, die Pässe, die Fresse poliert. Wir lassen uns nicht mehr einmachen und kleinmachen und gleichmachen. Wir hauen alle ab! ... zum Strand von Tunix.[1]

Innerhalb eines Monats konnten 5.000 Teilnehmer[2], andere Quellen sprechen sogar von 15.000 bis 20.000 Teilnehmern[1], mobilisiert werden.

[Bearbeiten] Bedeutung des Tunix-Kongresses

Der Kongress war der organisatorische Beginn der Alternativbewegung in Berlin. Alternative Zeitungsprojekte, unter anderen das der späteren taz, wurden vorgestellt, auch das Konzept einer bundesweiten Ökologie-Partei Die Grünen. Die schwul-lesbischen Christopher-Street-Day-Paraden ab 1979 sowie die homosexuelle Entsprechung des Tunix-Kongresses, der Homolulu-Kongress, und das Netzwerk Selbsthilfe wurden hier initiiert.

Kritisiert wurde am Tunix-Kongress, dass er eine Reaktion auf den Deutschen Herbst gewesen sei und eine Parallelgesellschaft etablieren wollte, statt weiter an einer Gesellschaftsveränderung zu arbeiten. Die Presse konzentrierte ihre Berichterstattung im Schatten des Deutschen Herbstes auf die gewaltsamen Aktionen während des sonst weitgehend friedlich-verspielten Demonstrationszuges. Er führte von der Justizvollzugsanstalt in der Rathenower Straße bis zum Kranzler-Eck, wo eine Deutschlandfahne verbrannt wurde.

[Bearbeiten] Ablauf des Kongresses

[Bearbeiten] Programm

Das Programm des Tunix-Kongresses umfasste aktuelle Themen eines Teils der Linken, insbesondere der Spontis.[3]

[Bearbeiten] Kulturprogramm

Neben den Diskussionen und Vorträgen wurde der Kongress von einem Kulturprogramm begleitet. Hier trat unter anderem die Kabarettgruppe Die 3 Tornados auf.

[Bearbeiten] Abschlussdemonstration

An der Abschlussdemonstration nahmen 5.000 Menschen teil. An verschiedenen Stellen der Demoroute flogen Eier und Pflastersteine.

[Bearbeiten] Quellen

  1. a b Geronimo: Feuer und Flamme
  2. Michael Sontheimer: Auf zum Strand von Tunix!
  3. Koordinationsausschuß TUNIX: TUNIX und was alles passieren wird, Flugschrift Januar 1978

[Bearbeiten] Literatur

  • Dieter Hoffmann-Axthelm, Otto Kallscheuer, Eberhard Knödler-Bunte: Zwei Kulturen. TUNIX, Mescalero und die Folgen. Verlag Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1978, ISBN 3-88245-201-3.
  • Ronald Glomb: Auf nach Tunix. In: J. Gehret (Hrsg.): Gegenkultur heute. Die Alternativbewegung von Woodstock bis Tunix. Azid Presse, Amsterdam 1979, ISBN 90-70215-03-9, S. 137–144.
  • Jens Gehret (Hrsg.): Gegenkultur. Von Woodstock bis Tunix, von 1969 bis 1981. MarGis, Asslar 1985, ISBN 3-921764-12-2.
  • Wolfgang Neuss: Tunix ist besser als arbeitslos. Sprüche eines Überlebenden. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1986, ISBN 3-499-15556-7.
  • Geronimo: Feuer und Flamme. Zur Geschichte der Autonomen. 4. Auflage. Edition ID-Archiv, Berlin 1995, ISBN 3-89408-004-3.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Siehe auch

Tuwat-Kongress

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