Uhland-Gymnasium Tübingen

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Uhland-Gymnasium Tübingen
Uhland-Gymnasium Tübingen
Schulform Gymnasium
Gründung vor 1274
Adresse

Uhlandstr. 24

Ort Tübingen
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 31′ 4″ N, 9° 3′ 14″ O48.5177777777789.0538888888889Koordinaten: 48° 31′ 4″ N, 9° 3′ 14″ O
Schüler etwa 700
Lehrkräfte etwa 70
Leitung Andrejs Petrowski
Website Offizielle Website

Das Uhland-Gymnasium ist ein Humanistisches Gymnasium in Tübingen, Baden-Württemberg, an dem etwa 700 Schüler von der 5. bis zur 12. Klasse in zumeist drei Parallelklassen unterrichtet werden. Das Kollegium umfasst etwa 70 Lehrkräfte. Das Uhland-Gymnasium wurde nach dem Tübinger Dichter und Politiker Ludwig Uhland (1787–1862) benannt und ist eine der ältesten Schulen Deutschlands[1].

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte des Uhland-Gymnasiums lässt sich bis zu einer mittelalterlichen Lateinschule zurückverfolgen. Ein genaues Gründungsdatum ist allerdings nicht mehr feststellbar. Das gelegentlich als Gründungszeitpunkt angegebene Jahr 1301 beruht auf der Fehlinterpretation einer historischen Urkunde. Das älteste Dokument, das mit relativ hoher Sicherheit auf die Existenz einer Lateinschule in Tübingen schließen lässt, stammt aus dem Jahr 1274. Dieses Dokument berichtet im Zusammenhang mit einer Steuererhebung von einem Schüler aus Tübingen. Da vor der Reformation in Deutschland kaum deutschsprachige Schulen, sondern fast nur Lateinschulen bestanden haben, ist davon auszugehen, dass der erwähnte Schüler die Tübinger Lateinschule, also den Vorläufer des Uhland-Gymnasiums besucht hat.

Diese Tübinger Lateinschule wurde 1535 de facto zur staatlichen Schule erhoben, indem ihr Herzog Ulrich eine dauerhafte staatliche Finanzierung gewährte. Die Schule befand sich damals auf dem Schulberg, der dieser Tatsache seinen noch heute gebräuchlichen Namen zu verdanken hat. Nach dem Schulstandort, der bezogen auf die damaligen Stadtgrenzen ganz im Osten Tübingens lag, erfolgte die Benennung der Schule als Schola anatolica, was so viel wie östliche Schule bedeutet (altgr. ἀνατολή / anatolē: Osten). Zu den Schülern der Schola anatolica zählten unter anderem Ludwig Uhland (Schulbesuch von 1793 bis 1801)[2], Wilhelm Hauff (Schulbesuch von 1809 bis 1816)[3], der 1975 seliggesprochene Carlo Steeb[4] sowie der Philosoph und Theologiekritiker Immanuel Carl Diez[5].

Gedenktafel für die Schola anatolica
Ehemaliges Schulhaus der Schola anatolica

Gemäß dem Schulgesetz von 1559 wurde die Schola anatolica in den Folgejahren zu einer Lateinschule mit vier Klassen ausgebaut[6]. Da die meisten Schüler die Schule aber sechs bis acht Jahre besuchten, hatte dies zur Folge, dass sich eine Klasse stets aus Schülern mit unterschiedlichem Wissensstand zusammensetzte. Alle vier Klassen wurden in einem einzigen nur durch Bretterwände in einzelne „Klassenzimmer“ unterteilten Saal unterrichtet. An diesen spartanischen Verhältnissen änderte sich über mehrere Jahrhunderte wenig. Auch die Aufteilung in vier Klassen blieb lange erhalten. Erst 1811 erfolgte die Einführung einer fünften Klasse und 1818 die Umwandlung der Lateinschule zu einem Lyzeum, das die Bezeichnung Schola anatolica ablegte. In den Folgejahren diente das Lyzeum als Musterschule für die praktische Ausbildung von Lehramtskandidaten und wurde 1855 mit der Einführung einer sechsten Klasse zum ersten Gymnasium Tübingens erhoben. Das Gymnasium verließ 1861 den Schulberg zu Gunsten eines neuen Standorts in der Wilhelmstraße. Der Umzug in das noch heute genutzte Gebäude in der Uhlandstraße erfolgte 1901.

Die politischen Umbrüche der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ließen auch das Tübinger Gymnasium nicht unberührt. Im Ersten Weltkrieg fielen 116 ehemalige Schüler, das Schulgebäude wurde für Heereszwecke beschlagnahmt und der Unterricht in andere Schulen ausgelagert. In die Zeit der Weimarer Republik fiel die Anstellung der ersten weiblichen Lehrkraft (die erste Schülerin wurde schon 1906 zugelassen) sowie die Einführung eines Elternbeirats. In der NS-Zeit unterlag das Gymnasium wie alle Schulen der nationalsozialistischen Gleichschaltung. Lehrpläne und Unterricht wurden nach und nach nationalsozialistischen Vorstellungen angepasst. Der Zweite Weltkrieg forderte noch mehr Opfer als der erste. Unter den ehemaligen Schülern sind 198 Gefallene zu beklagen. Der einzige jüdische Schüler des Gymnasiums, Arnold Wochenmark, konnte sich im Sommer 1933 durch Ausreise in die Schweiz antisemitischer Verfolgung entziehen. Nur ein Schulereignis aus dieser Zeit ist gänzlich unpolitisch. Das bis dahin namenlose Gymnasium erhielt 1937 aus Anlass des 150. Geburtstags von Ludwig Uhland den Namen Uhland-Gymnasium.

Nachdem am 19. April 1945 die französischen Armee in Tübingen einmarschiert war, wurde das Schulgebäude abermals zweckentfremdet und zum „centre d´accueil des prisonniers et des déportés“ erklärt. Unterricht fand zunächst nur sporadisch statt, bis das Gebäude am 30. August 1945 wieder für den Schulbetrieb freigegeben wurde. Allerdings musste sich das Uhland-Gymnasium das Gebäude bis 1953 mit dem benachbarten Wildermuth-Gymnasium teilen, da dessen Gebäude mehrere Jahre beschlagnahmt blieb. Die nachfolgenden Jahrzehnte waren am Uhland-Gymnasium vor allem durch eine Entwicklung weg von der rein altphilologischen Ausrichtung der Schule gekennzeichnet. 1971 wurde der Zug „neusprachlich I“ eingeführt, der mit der Sprachenfolge Latein – Englisch – Französisch zu ersten Mal ein Abitur am Uhland-Gymnasium ohne Altgriechisch ermöglichte.[7]

Das Uhland-Gymnasium heute[Bearbeiten]

Das Uhland-Gymnasium ist heute das kleinste der fünf Tübinger Gymnasien, an dem mit der Sprachenfolge Latein – Englisch – Altgriechisch nach wie vor ein altsprachlich ausgerichteter Zug gewählt werden kann. Es besteht daneben aber auch die Möglichkeit für die neusprachliche Variante mit der Sprachenfolge Latein – Englisch – Französisch zu optieren. Seit Jahren entscheidet sich die Mehrheit der Schüler für den neusprachlichen Zug. Das Uhland-Gymnasium bietet darüber hinaus seit dem Schuljahr 2007/2008 einen Zug für Hochbegabte an.

Seit 2008 besteht die Möglichkeit, die Schule freiwillig in der Form einer offenen Ganztagsschule zu besuchen. Es findet regelmäßiger Schüleraustausch mit zwei französischen Partnerschulen in Beauvais und in Besançon sowie mit der US-amerikanischen Partnerschule in Ann Arbor statt.[2]

Der Gemeinderat Tübingen genehmigte 2011 einen Erweiterungsbau direkt westlich neben dem Altbau in der Uhlandstraße. Der Erweiterungsbau integriert die Sporthalle des Uhlandgymnasiums und wurde am 30. Juli 2014 seiner Bestimmung übergeben.[8]

Schulleiter[Bearbeiten]

Ansicht vom Anlagensee

Die Schulleiter des Uhland-Gymnasiums waren beziehungsweise sind[9]:

  • 1855–1864: Wilhelm Matthäus Pahl
  • 1864–1874: Karl Hirzel
  • 1874–1885: Ferdinand Baur
  • 1885–1898: Ludwig Majer
  • 1898–1902: Oskar Treuber
  • 1902–1922: Theodor Knapp
  • 1922–1945: Otto Binder (ab 1942 kommissarisch; offizieller Schulleiter 1942–1945: Erich Keller)
  • 1946–1948: Eugen Bückle
  • 1948–1966: Erich Haag
  • 1966–1989: Hermann Steinthal
  • 1989–2004: Eberhard Bansbach
  • 2004–2014: Ute Leube-Dürr
  • seit 2014: Andrejs Petrowski

Bekannte ehemalige Lehrer[Bearbeiten]

Bekannte ehemalige Referendare[Bearbeiten]

Bekannte ehemalige Schüler[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FOCUS Schulkompass
  2. a b Website der Schule
  3. Hinz, Ottmar: Hauff, Rowohlt-Verlag, Reinbek 1989, S. 146, ISBN 3-499504-03-0
  4. Leben und Wirken von Carlo Steeb
  5. Mitteilungen 2002/03 Heft 13
  6. Hauer, Wolfram: Lokale Schulentwicklung und städtische Lebenswelt, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2003, S. 122, ISBN 978-3-515-07777-4
  7. Schwemer, Gottfried: Zur Geschichte des Uhland Gymnasiums, in dieser pdf S. 28–60
  8. Städische Bauvorhaben der Stadt Tübingen, abgerufen am 12. August 2013.
  9. Jubiläumsbuch des Uhland-Gymnasiums (PDF; 2,0 MB), S.380

Literatur[Bearbeiten]

  • Kollegium und Verein der Freunde des Uhland-Gymnasiums Tübingen (Hrsg.): Schola Anatolica, Tübingen 1989, ISBN 3-926326-05-0
  • Steinthal, Hermann: Aus meinem Leben, Tübingen 2008, ISBN 3-928011-63-4
  • Uhland-Gymnasium Tübingen (Hrsg.): Jubiläumsbuch des Uhland-Gymnasiums, Tübingen 2001, als PDF
  • Lothar Müller-Güldemeister: Uhlandgymnasium. Roman, Tübingen 2013, ISBN 978-3863510527

Weblinks[Bearbeiten]