Ungarische Wicke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ungarische Wicke
Ungarische Wicke (Vicia pannonica subsp. pannonica)

Ungarische Wicke (Vicia pannonica subsp. pannonica)

Systematik
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Fabeae
Gattung: Wicken (Vicia)
Art: Ungarische Wicke
Wissenschaftlicher Name
Vicia pannonica
Crantz
Gestreifte Pannonisch-Wicke (Vicia pannonica subsp. striata)
Vicia pannonica subsp. pannonica: Hülsenfrucht

Die Ungarische Wicke, Pannonisch-Wicke oder Pannonische Wicke (Vicia pannonica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wicken (Vicia) in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae). Im deutschen Sprachraum ist sie nur im pannonischen Gebiet Österreichs indigen und tritt im westlichen Mitteleuropa meist nur unbeständig auf.

Beschreibung[Bearbeiten]

Habitus und Blätter[Bearbeiten]

Die Ungarische Wicke ist eine einjährige krautige Pflanze. Der niederliegende, aufsteigende oder kletternde, höchstens am Grunde verzweigte und 20 bis 50 cm lange Stängel ist gerillt und ebenso wie die Laubblätter meist weich bis zottig behaart.

Die kurz gestielten bis fast sitzenden Laubblätter sind gefiedert und mit sieben bis neun Paaren sehr kurz gestielter Fiederblättchen und einfachen oder verzweigten, ziemlich schwachen Ranken ausgestattet. Die Fiederblättchen sind lineal bis schmal verkehrt-eiförmig, 1 bis 1,5 cm lang und 2 bis 5 mm breit, stumpf oder gestutzt bis seicht ausgerandet und kurz bespitzt sowie mehr oder weniger anliegend behaart.

Die Nebenblätter sind klein, eiförmig-lanzettlich bis halbspießförmig, spitz und mit schmalen, braunen Nektarien versehen.

Blüten[Bearbeiten]

Die an kurzen Stielen nickenden Blüten befinden sich einzeln oder bis zu viert in den Blattachseln. Die zygomorphen Blüten sind 1,5 bis 1,8 cm lang. Die Kelchblätter sind zu einem röhrigen bis glockigen Kelch verwachsen, der sehr schief, grünlich-weiß, dicht behaart ist und mit pfriemlichen bis fädigen Zähnen endet. Die untere Kelchzähne sind etwa so lang wie die Kelchröhre und deutlich länger als die oberen. Die Krone ist mehr oder weniger dreimal so lang wie die Kelchröhre, gelblich bis violettbräunlich. Die Fahne ist gerade vorgestreckt, außen dicht angedrückt behaart, mit meist braunrotem Mittelstreif und wenig länger als die Flügel und das Schiffchen. Sie blüht in den Monaten April bis Juni.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die Hülsenfrüchte sind 2,5 bis 3 cm lang und 7 bis 9 mm breit, nach beiden Enden stark verschmälert, hellbraun, anliegend zottig bis seidig schimmernd behaart und enthalten zwei bis acht Samen.

Die Samen sind kugelig oder stärker abgeflacht und samtartig rau.

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Ungarischen Wicke reicht von Spanien und Algerien im Westen bis zum Kaukasus und Nordwestiran im Osten.[1] Im Norden reichen indigene Vorkommen bis Zentralfrankreich, die ehemalige Tschechoslowakei und die nördliche Ukraine.[2] In Deutschland,[3] der Schweiz[4] und den Niederlanden ist sie ein eingebürgerter Neophyt.[2]

In Österreich tritt die Ungarische Wicke im pannonischen Gebiet zerstreut bis selten, sonst nur unbeständig in der collinen bis submontanen Höhenstufe auf. Die indigenen Vorkommen beschränken sich auf die Bundesländer Wien, das Burgenland, Niederösterreich und Oberösterreich.[5] In Deutschland kommt sie zerstreut bis selten und meist unbeständig vor allem in der Mitte und im Südwesten vor, in Bayern vor allem im Bereich der Stromtäler von Main und Donau.

Die Ungarische Wicke wächst in Mitteleuropa in Getreide-, Klee- und Luzernenäckern, an Feldrainen, Wegrändern sowie Bahndämmen und ähnlichen trocken-warmen Biotopen.[1] Er gilt im pflanzensoziologischen System als Charakterart der Secalinetea.[3] Die Bestände sind im Rückgang begriffen.[6]

Systematik[Bearbeiten]

Vicia pannonica Crantz[3] kommt in zwei Unterarten vor, die sich in der Blütenfarbe unterscheiden:

  • die Gewöhnliche Ungarische Wicke oder Pannonische Wicke im engeren Sinne (Vicia pannonica Crantz subsp. pannonica)[7] weist hellgelbe bis fast weiße Blüten auf.
  • die Gestreifte Ungarische Wicke oder Gestreifte Wicke (Vicia pannonica subsp. striata (M.Bieb.) Nyman, Syn.: Vicia striata M.Bieb., Vicia pannonica var. purpurascens (DC.) Ser.) [8] weist schmutzigviolette Blüten auf.

Nutzung[Bearbeiten]

Die Ungarische Wicke wird in Österreich zur Böschungsbegrünung und wurde zumindest früher als Futterpflanze angebaut.[5]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gustav Hegi, H. Gams, H. Marzell: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band IV. Teil 3: Angiospermae: Dicotyledones 2 (5) (Leguminosae – Tropaeolaceae), Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1964, ISBN 3-489-70020-1, S. 1552–1553 (unveränderter Nachdruck von 1923–1924 mit Nachtrag).
  •  Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0, S. 880.
  •  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 3: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Droseraceae bis Fabaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1992, ISBN 3-8001-3314-8, S. 353–355.
  •  Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer, Manfred A. Fischer (Hrsg.): Exkursionsflora von Österreich. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6, S. 477.
  •  Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  •  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Gustav Hegi, H. Gams, H. Marzell: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band IV. Teil 3: Angiospermae: Dicotyledones 2 (5) (Leguminosae – Tropaeolaceae), Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1964, ISBN 3-489-70020-1, S. 1552–1553 (unveränderter Nachdruck von 1923–1924 mit Nachtrag).
  2. a b  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae, Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X, S. 134 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b c Ungarische Wicke. In: FloraWeb.de.
  4. Vicia pannonica. In: Info Flora (Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora).
  5. a b  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 738.
  6.  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 3: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Droseraceae bis Fabaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1992, ISBN 3-8001-3314-8, S. 353–355.
  7. Gewöhnliche Ungarische Wicke. In: FloraWeb.de.
  8. Gestreifte Ungarische Wicke. In: FloraWeb.de.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ungarische Wicke – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien