Union of Concerned Scientists

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Union of Concerned Scientists (UCS, übersetzt etwa Vereinigung besorgter Wissenschaftler) ist eine US-amerikanische Wissenschaftlervereinigung, die sich für Abrüstung und Umweltschutz einsetzt.

Aus einem Teach-in hervorgegangen, wurde sie 1969 am Massachusetts Institute of Technology von Wissenschaftlern und Studenten gegründet.[1][2] Ihr Hauptsitz befindet sich in Cambridge (Massachusetts). Die UCS hat nach eigenen Angaben mehr als 250.000 Mitglieder, sowohl ausgewiesene Wissenschaftler wie auch Privatleute, die die Ziele der Vereinigung unterstützen.

Standpunkte und Aufgabenbereiche[Bearbeiten]

Die Union of Concerned Scientists ist eine gemeinnützige („non-profit“) Interessengruppe, zu deren Aufgabenschwerpunkten die Bekämpfung der Umweltverschmutzung, der Abbau des Arsenals nuklearer Waffen, ein Verbot von Weltraumwaffen, die bundesgesetzliche Regulierung bestimmter Biotechnologien, der Artenschutz und Maßnahmen gegen den Klimawandel gehören. Die UCS befürwortet darüber hinaus die Forschung zu Erneuerbaren Energien, schadstoffarmen Verkehrsmitteln und nachhaltiger Landwirtschaft. Dabei spricht sich die UCS nicht grundsätzlich gegen die Nutzung der Kernenergie aus, befürwortet jedoch strenge Sicherheitsvorschriften.

Die Organisation wendet sich zudem gegen die Deckelung der Steuernachlässe zur Entwicklung von Hybridfahrzeugen, denen sie eine eigene Website namens Hybrid Center gewidmet hat.[3] Die UCS ist gegen die gentechnische Manipulation von Nutztieren und plädiert gegen den nichttherapeutischen Gebrauch von Antibiotika, weil dieser die Gefahr von Resistenzen berge.

Zu den fundamentalen Zielsetzungen heißt es auf der Website der Vereinigung: „Das UCS verbindet unabhängige wissenschaftliche Forschung mit Bürgeraktivitäten, um innovative, praktische Lösungen zu entwickeln und verantwortungsbewusste Änderungen der Regierungspolitik, der Praxis der Unternehmen und bei den Kaufentscheidungen der Konsumenten zu bewirken.“

Kurt Gottfried, ein früherer hochrangiger Mitarbeiter am CERN, war von 1999 bis 2009 Vorsitzender des UCS-Verwaltungsrats; sein Nachfolger ist James J. McCarthy.[4] Executive Director ist derzeit (Stand April 2011) Kathleen Rest; Kevin Knobloch fungiert als Präsident.[5]

Zweimal jährlich erscheint die für UCS-Mitglieder kostenlose Zeitschrift Catalyst.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Union of Concerned Scientists wurde 1969 durch Studenten und Mitarbeiter diverser Fakultäten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) ins Leben gerufen. Einer der Mitbegründer war der Physiker und spätere Nobelpreisträger Henry W. Kendall.

1977 unterstützte die UCS eine Scientists’ Declaration on the Nuclear Arms Race (Erklärung von Wissenschaftlern zum nuklearen Rüstungswettlauf), in der ein Ende des Wettrüstens, die Einstellung der Atomtests und die Beendigung der Aufstellung von Kernwaffen in den USA bzw. in der Sowjetunion gefordert wurde.[7]

1984 erhielt die Organisation den Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte. Als Antwort auf die Strategic Defense Initiative (SDI) in der Regierungszeit von Ronald Reagan lancierte die UCS die Petition An Appeal to Ban Space Weapons (Ein Appell für das Verbot von Weltraumwaffen), der sich mehr als 700 Mitglieder der National Academy of Sciences, inklusive 57 Nobelpreisträgern, anschlossen.[8]

1992 wurde eine von Kendell verfasste Erklärung zur Dringlichkeit des Umweltschutzes von 1700 Wissenschaftlern unterzeichnet, einschließlich der Mehrheit der Nobelpreisträger in den Naturwissenschaften.[9] In der Eingabe A Call to Action (Ein Aufruf zum Handeln) von 1997 forderte die UCS die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch die USA. Die Petition wurde von über 1500 Wissenschaftlern und von 110 Nobelpreisträgern unterzeichnet.[10][11]

Im Februar 2004 veröffentlichte die UCS den Report Restoring Scientific Integrity in Policymaking (Wiederherstellung wissenschaftlicher Rechtschaffenheit bei der Gestaltung von Politik),[12] der mediale Aufmerksamkeit erregte.[13][14][15] Dieser Bericht kritisierte eine „Politisierung“ der Wissenschaft durch die Regierung von US-Präsident George W. Bush. So seien etwa höchst alarmierende Berichte zur globalen Erwärmung durch die US-Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency abgeändert worden und Mitglieder in wissenschaftliche Beiräte aufgrund ihrer politischen Einstellungen anstatt ihrer wissenschaftlichen Erfahrungen berufen worden. Kurt Gottfried warf der Regierung vor, Praktiken an den Tag zu legen, die fundamental im Konflikt mit dem Geist der Wissenschaft und ihrer Methoden stünden, und schwerwiegende Risiken für die langfristigen Lebensbedingungen der Nation zu ignorieren.[16] Begleitet wurde der Bericht von einem Schreiben, in dem führende Wissenschaftler ihre Besorgnis über diese Praktiken ausdrückten.[17][18] In den folgenden vier Jahren unterzeichneten 15.000 Wissenschaftler und Ingenieure die Erklärung.[19][20] Im Juli 2004 warf die UCS in einem Zusatz zu ihrem Bericht der Bush-Regierung vor, dass Berichte zum Tagebau in West Virginia unsachgemäß verändert und dass „höchst qualifizierte“ Kandidaten für Regierungsstellen wie etwa der Nobelpreisträger Torsten Wiesel wegen ihrer offenen Kritik an der Politik der Bush-Regierung abgelehnt worden seien.[21]

John Marburger, Direktor des Amts für Wissenschafts- und Technologiepolitik des Weißen Hauses (Office of Science and Technology Policy), verwarf den UCS-Bericht als „voreingenommen“[22] und politisch motiviert[23] und wies in einem offiziellen Statement die Kritik als „falsch“, „verkehrt“ und „Verzerrung“ zurück.[24][25] Die UCS nannte diese Behauptungen „ungerechtfertigt“ und wies später darauf hin, dass sich die Bush-Regierung zu den Anschuldigungen selbst geradezu ausschweige.

Seit Oktober 2004 betreibt die Vereinigung als Reaktion auf „ein sich wandelndes politisches Klima“ die Schaffung ein „Programm für wissenschaftliche Integrität“ (Scientific Integrity Program) an, bei dem die wissenschaftliche Rechtschaffenheit analysiert und gegen politisch motivierte Einflussnahme verteidigt werden soll.[26]

Im Dezember 2008 legte die USC einen Zehn-Punkte-Plan für die neue US-Regierung von Barack Obama vor, in dem es neben der Forderung nach sauberer Luft und sicheren Medikamenten vor allem um Transparenz und die ungehinderte Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse geht.[27][28]

Im April 2011, nach der katastrophalen Unfällen von Fukushima, veröffentlichte die UCS Dokumente der amerikanischen Atomaufsichtsbehörde NRC (Nuclear Regulatory Commission). Die UCS hatte deren Herausgabe auf Grundlage des Freedom of Information Act verlangt. Es handelt sich vor allem um E-Mails und Memos, die Teil eines internen NRC-Gutachtens sind. Dieses untersucht ein Szenario an zwei amerikanischen Atomkraftwerken in den Bundesstaaten Pennsylvania und Virginia: Was passiert bei einem vollständigen längerandauernden Stromausfall? Der Stromausfall in Fukushima führte zu mehreren Explosionen und drei Kernschmelzen.[29] [30]

Die USC veröffentlichte auch verschiedene, von David Lochbaum und David Wright verfasste Berichte und Analysen zu den Vorgängen in Fukushima.[31]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Union of Concerned Scientists: UCS Celebrates 40 Years Working for a Healthy Environment and a Safer World.
  2. Union of Concerned Scientists: Founding Document: 1968 MIT Faculty Statement
  3. Hybridcenter.org − a project of the Union of Concerned Scientists
  4. Union of Concerned Scientists: UCS Board Members
  5. Union of Concerned Scientists: Staff
  6. Union of Concerned Scientists: Catalyst
  7. Union of Concerned Scientists: Scientist Statement: Scientists’ Declaration on the Nuclear Arms Race
  8. Union of Concerned Scientists: 1985 Appeal by American Scientists to Ban Space Weapons
  9. Union of Concerned Scientists: 1992 World Scientists’ Warning to Humanity
  10. Union of Concerned Scientists: World Scientists’ Call for Action (1997) (Version vom 20. Juni 2007 im Internet Archive) (Internet Archive)
  11. Text mit Liste der unterstützenden Nobelpreisträger
  12. Restoring Scientific Integrity in Policymaking: The Bush Administration’s Misuse of Science. Februar 2004
  13. The New York Times: Scientists Say Administration Distorts Facts. 19. Februar 2004
  14. Los Angeles Times: White House Accused of Science Bias. 19. Februar 2004
  15. Süddeutsche Zeitung: Schwere Vorwürfe – US-Forscher wehren sich gegen Bush. 9. März 2004
  16. Telepolis: Über den Verfall der Kunst des politischen Lügens. 23. Februar 2004
  17. The New York Times: Scientists Accuse White House of Distorting Facts. 18. Februar 2004
  18. Neue Zürcher Zeitung: Sorgen um die Wissenschaft in den USA. 19. Mai 2004
  19. Union of Concerned Scientists: 2004 Scientist Statement on Restoring Scientific Integrity to Federal Policy Making
  20. Spiegel Online: USA: 10.000 Forscher protestieren gegen Gängelung durch Bush-Regierung. 14. Dezember 2006
  21. Union of Concerned Scientists: Scientific Integrity in Policy Making: Further Investigation of the Bush Administration’s Misuse of Science (PDF; 366 kB). Juli 2004
  22. Wired: Scientists: Bush Distorts Science. 18. Februar
  23. The Chronicle of Higher Education: How Sound Is Bush’s „Sound Science“? 3. März 2004
  24. Statement of the Honorable John H. Marburger, III. On Scientific Integrity in the Bush Administration (PDF; 215 kB). 2. April 2004
  25. The Washington Post: Science Not Being Distorted, White House Aide Says. 3. April 2004
  26. Union of Concerned Scientists: Scientific Integrity
  27. Union of Concerned Scientists: New Year’s Resolutions for the New Administration (PDF; 56 kB). Dezember 2008
  28. Spiegel Online: Machtwechsel: US-Forscher sehnen die Ära Obama herbei. 20. Dezember 2008
  29. spiegel.de 8. April 2011: Behörde sorgt sich um US-Atommeiler
  30. ucsusa.org: nternal NRC Documents Reveal Doubts About Measures to Ensure U.S. Plants Survive Fukushima-Type Events
  31. All Things Nuclear: Archive (englisch)