Vemasse

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Ort, Suco und Subdistrikt Vemasse. Für die den Fluss Vemasse siehe Vemasse (Fluss).
Subdistrikt Vemasse
Vemasse (Osttimor)
Red pog.svg
Der Ort Oralan in Reisfelder in der Mitte der Trockenzeit
Hauptstadt Vemasse
Fläche 374,62 km²[1]
Einwohnerzahl 9.008 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Caicua 54
Loilubo 1.146
Ossouala 665
Ostico 1.240
Uaigae 366
Uato-Lari 858
Vemasse 4.679
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Baucau
Lage des Distrikts Baucau

Vemasse (Vemase, Vermasse, Vemassey, Vemace, ehemals Ade) ist ein Ort, Suco und Subdistrikt im Nordwesten des osttimoresischen Distrikt Baucau. Sie sind nach dem ehemaligen Reich von Vemasse benannt.

Der Ort[Bearbeiten]

Blick von Norden auf Vemasse, über den gleichnamigen Fluss

Das Dorf Vemasse ist der Hauptort des Subdistrikts und des Sucos Vemasse. Hier leben knapp 3.000 Menschen.[3] Das Dorf liegt 28 km westlich der Distriktshauptstadt Baucau (39 km auf der Straße) und 70 km östlich von der Landeshauptstadt Dili auf einer Meereshöhe von 138 m. Es liegt an der Nordküste Timors an der verhältnismäßig gut ausgebauten Küstenstraße, die Dili mit dem Osten des Landes verbindet. An ihr liegen, wie auf einer Perlenschnur aufgereiht die Ortsteile Raha, Oralan, Bahamori und Lor. Etwas südlich liegt der Ortsteil Caicua.

In Vemasse befinden sich die Präsekundäre Schule Escola Presecundaria Vemasse[4] und insgesamt vier Grundschulen. Außerdem gibt es hier eine Polizeistation, ein kommunales Gesundheitszentrum und einen Hubschrauberlandeplatz.[5] Oberhalb des Ortes liegen die Reste eines alten, portugiesischen Fort.[3]

Der Suco[Bearbeiten]

Suco Vemasse
Orte Position[6] Höhe Orte Position Höhe
Bahamori 8° 31′ S, 126° 14′ O-8.5091666666667126.2280555555684 84 m Caicua 8° 31′ S, 126° 14′ O-8.5125126.22583333333174 174 m
Karabela 8° 29′ S, 126° 17′ O-8.4811111111111126.2777777777817 17 m Lor 8° 30′ S, 126° 14′ O-8.5038888888889126.2366666666723 23 m
Oralan 8° 30′ S, 126° 13′ O-8.5072222222222126.2191666666761 61 m Raha 8° 31′ S, 126° 12′ O-8.5158333333333126.202552 52 m
Vemasse 8° 31′ S, 126° 13′ O-8.5105555555556126.2105555555637 37 m
Quelle an der Straße von Baucau nach Manatuto im Suco Vemasse

In Suco Vemasse leben 4.679 Einwohner (2010,[2] 2004: 4.506[7]). Etwa 70 % der Einwohner geben Waimaha als ihre Muttersprache an. Eine kleine Minderheit spricht Mideki. Beide werden zu den Kawaimina-Sprachen gezählt. Etwa 15 % sprechen Tetum Prasa, etwa 10 % Galoli.[8]

Der Suco nimmt einen Großteil des Westens des Subdistrikts Vemasse und die gesamte Küste im Norden an der Straße von Wetar ein. Vemasse hat eine Fläche von 182,42 km².[9] Östlich liegen die Sucos Ostico, Caicua und Ossouala und der Subdistrikt Baucau mit seinem Suco Bucoli. Im Westen von Vemasse liegen der Suco Uaigae und der Subdistrikt Laleia (Distrikt Manatuto) mit seinen Sucos Haturalan, Lifau und Cairui. Im Süden grenzt Vemasse an den Distrikt Viqueque mit den Sucos Laline (Subdistrikt Lacluta) und Bibileo (Subdistrikt Viqueque). Im Süden entspringt der Fluss Bina. Er fließt nach Süden in den Mori, der die gesamte Grenze des Sucos im Süden bildet. Der Mori gehört zum Flusssystem des Laleia, der an der Grenze zwischen Vemasse und Lifau in die Straße von Wetar mündet. Ebenfalls im Süden Vemasses hat der Bohodani seine Quelle. Er fließt Richtung Norden und mündet in den Fluss Vemasse. Nachdem in den Vemasse der Bucaloli gemündet hat, verlässt der er den Suco in Richtung Uaigae und kehrt nach Zufluss des Robohicdi in den Suco zurück. Nachdem er den Ort Vemasse durchquert hat, mündet der Fluss Vemasse in die Straße von Wetar. Weiter östlich fließt der Manuleiden ins Meer. Die Flüsse Vemasses führen aber nur in der Regenzeit Wasser. Östlich der Mündung des Manuleiden liegt an der Küstenstraße der Ort Karabela (Cairabela, Caravela).[10]

Der Suco Vemasse teilt sich in die vier Aldeias Betulale, Lor, Oralan und Raha.[11]

Politik[Bearbeiten]

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Carlos Freitas (Acau) zum Chefe de Suco gewählt[12] und 2009 in seinem Amt bestätigt.[13]

Der Subdistrikt[Bearbeiten]

Vemasse Westen im des Distrikts Baucau
Reisfelder beim Ort Oralan kurz vor der Ernte in der Regenzeit

Der Subdistrikt nimmt den Westen des Distrikts Baucau ein. Im Osten grenzt er an die Subdistrikte Baucau und Venilale, im Süden an den Distrikt Viqueque mit den Subdistrikten Lacluta, Viqueque und Ossu und im Westen an den Distrikt Manatuto mit dem Subdistrikt Laleia. Teile von Vemasse gehören zur Important Bird Area Monte Mundo Perdido, mit einer Reihe seltener Vogelarten, aber auch anderer Tiere und seltener Orchideen.

Vemasse teilt sich in sieben Sucos: Caicua, Loilubo, Ossouala (Ossoala), Ostico, Uaigae, Uato-Lari (Uatu-Lari) und Vemasse (Vemase).

Im Subdistrikt leben 9.008 Menschen (2010,[1] 2004: 8.886[7]). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher des Waimaha. Außerdem wird hier Galoli gesprochen. Der Altersdurchschnitt beträgt 18,4 Jahre (2010,[1] 2004: 18,3 Jahre[14]).

53 % der Haushalte bauen Reis an, 47 % Kokosnüsse, 48 % Mais, 37 % Maniok, 19 % Kaffee und 28 % Gemüse.[2] Im Subdistrikt finden sich große Mengen von Mangan. Außerdem gibt es Gold, Silber und Kupfer.[15]

Im Dorf Wailakama nahe Vemasse wurde Carlos Filipe Ximenes Belo, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger Bischof von Dili geboren.

Seit Mai 2009 verbindet den Subdistrikt Vemasse eine Partnerschaft mit dem australischen Monash City.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Königreich von Vemasse[Bearbeiten]

Kolonialfestung in Vemasse
Die Escola do Reino de Vemassim aus den Jahren um 1930 (1970). Sie war im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden.
Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche wurde 1970 wieder aufgebaut

Ein Großteil des Distrikts Baucau war früher Teil des Königreichs von Vemasse oder stand unter dessen Einfluss. Früher hieß das Reich Ade.[17] Bis 1668/69 hatten hier noch Händler aus Makassar großen Einfluss.[18]

Im September 1731 rebellierte das Reich von Varella gegen die Portugiesen. Vemasse unterstützte die Rebellen. Ein Friedensvertrag wurde am 16. März 1732 geschlossen. 1752 existierte bereits eine katholische Kirche in Vemasse.

Laut mündlichen Überlieferungen waren die Mitglieder der Herrscherfamilie Topasse, die aus Larantuka, an der Ostspitze der Insel Flores stammen. Über Oecussi waren sie im 18. Jahrhundert nach Osttimor gekommen, in der Erwartung die Portugiesen würden hier ihre neue koloniale Hauptstadt auf Timor gründen, nachdem sie 1769 aus Lifau vertrieben worden waren. Im selben Jahre wurde dann aber Dili zum neuen Sitz des Gouverneurs ausgebaut. Dom Felipe de Freitas Soares, der Herrscher von Vemasse war einer von 42, die kurz darauf in Dili Portugal ihre Treue schworen.

1803 wurde Dom Felipe de Freitas, der uneheliche Sohn des Liurais, von Gouverneur João Vicente Soares da Veiga (1803 bis 1807) als erster Timorese nach Goa verbannt, nachdem er eine Rebellion gegen die Portugiesen geführt hatte. Bisher war diese Strafe nicht üblich gewesen.

Schließlich wurde der Führer der Topasse, der Galoli sprechende Dom Domingos da Costa Freitas (auch Gali Kai) von den Portugiesen zum Dato-hei (timoresischer Fürst) von Vemasse gemacht.

1859 führte Dom Domingos de Freitas Soares eine kleinere Revolte gegen die Portugiesen, die aber schnell niedergeschlagen wurde. Dom Domingos wurde noch im selben Jahr ins Exil nach Lissabon geschickt. Bereits im Frühjahr 1861 unterstützte Vemasse die Kolonialmacht mit Kämpfern gegen den Aufstand in Laclo.

Das Bündnis Vermasses mit den Portugiesen endete endgültig mit der Rebellion von 1867. Im August erhoben sich die Einwohner von Vemasse und belagerten Lalcia. Gouverneur Texeira da Silva beendete die Belagerung und schlug den Aufstand mit Hilfe verbündeter Liurais (timoresische Kleinkönige) nieder. Der Liurai von Vemasse wurde durch seinen Stellvertreter, dem Dato-hei ersetzt, der einen Bündnisschwur ablegte und friedliche Beziehungen zu den Nachbarn versprach. 1869 wurde der Sohn Gali Kais, Dom Francisco da Costa Freitas zum Liurai von Baucau ernannt, während sein Schwiegersohn Tomas de Costa Soares Dato-hei von Letemumo wurde.

1882 kam es zu Kämpfen zwischen Vemasse und Laleia, wofür der Kommandant der Militärkommandantur verantwortlich gemacht wurde.

Enge Beziehungen herrschten mit der von den Niederlanden dominierten Insel Kisar. Regelmäßig besuchte man sich, Handel mit Gold und Wasserbüffel wurde getrieben und der Raja von Vonreli auf Kisar zahlte einen Tribut an den Liurai von Vemasse. Erst Ende des 19. Jahrhunderts unterband der portugiesische Gouverneur Timors José Celestino da Silva (1894 bis 1908) jeden Kontakt, da sich der Raja weigerte vom Protestantismus zum katholischen Glauben überzutreten. Doch bereits 15 Jahre später wurden die Kontakte erneuert, als der Raja von Kisar mit einer Flotte von 20 kleinen Schiffen am Strand von Baucau anlegte.[19]

Nach der Kolonialzeit[Bearbeiten]

Reisernte bei Karabela

Nachdem Gerüchte aufkamen, dass die indonesischen Invasoren am 11. Dezember 1975 zehn Zivilisten in Karabela ermordet hätten, floh die Bevölkerung aus Vemasse zunächst zum Berg Lame, wo man einfache Baracken errichtete. Dort schlossen sich ihnen Einwohner von Karabela und Bucoli an. Die Bevölkerung konnte zu ihren Ackerflächen zur Ernte zurückkehren, da die Indonesier keine Besatzungstruppen in Vemasse zurückgelassen hatten. So konnten sich die Flüchtlinge mit genügend Nahrungsmittel versorgen, doch in der Mitte vom März 1976 griffen die Indonesier das Flüchtlingslager mit Panzerfäusten und Mörsern an und zerstörten sowohl die Hütten, als auch das Nahrungsmittellager. Die Einwohner flohen entlang des Rio Vemasse acht Kilometer weiter nach Süden, nach Uaigae, wo sie wieder Gärten zur Selbstversorgung anlegten. Doch als die Kämpfe näher kamen, mussten sie erneut fliehen, bis sie schließlich in Uai-Mori (heute Suco Bibileo, 20 km südlich von Vemasse), im Schutz der FRETILIN, erneut Zuflucht fanden. Hier entstand eine base de apoio, eine Widerstandsbasis. Zusammen mit Flüchtlingen aus Dili, Viqueque und anderen Landesteilen lebten sie zwei Jahre hier. Mit der Zeit kam es immer mehr zur Nahrungsmittelknappheit, da immer mehr Menschen eintrafen. 1978 wurde auch Uai-Mori von indonesischen Streitkräften angegriffen. Die meisten Einwohner flohen, einige wurden von den Indonesiern gefangengenommen und in das Sammellager von Bucoli gebracht.[20]

In Lobito, im Suco Vemasse, wurde der osttimoresische Freiheitskämpfer Aquiles Freitas Soares und einige seiner Anhänger von der FRETILIN hingerichtet.[21] Hier befand sich eine Widerstandsbasis (bases de apoio).[20]

Im Ort Vemasse gab es Ende 1979 ein indonesisches Umsiedlungslager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den Besatzern umgesiedelt werden sollten.[20]

Im November 2005 starben zwei osttimoresische Polizisten durch eine Bombe, die in Vemasse auf ihr Fahrzeug geworfen wurde.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vemasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b c Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  3. a b Friends of Vemasse
  4. Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB)
  5. UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 499 kB)
  6. Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  7. a b Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  8. Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Vemasse (Tetum; PDF; 8,6 MB)
  9. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Census 2010; PDF; 22,6 MB)
  10. Timor-Leste GIS-Portal
  11. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  12. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 - Resultados
  13. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 - Resultados
  14. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  15. Ministry of State Administration & Territorial Management, Timor-Leste: Baucau District profile (PDF; 276 kB)
  16. a b c Seeds of Life
  17. Hans Hägerdal: Lords of the Land, Lords of the Sea; Conflict and Adaptation in Early Colonial Timor, 1600-1800. (2012)
  18. Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650-1769
  19. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  20. a b c „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  21. „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,5 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)

-8.5105555555556126.21055555556Koordinaten: 8° 31′ S, 126° 13′ O