Vemasse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Vemasse (Begriffsklärung) aufgeführt.
Suco Vemasse
Der Suco Vemasse liegt im Westen des Subdistrikts Vemasse.
Der Ort Oralan (Suco Viqueque) in Reisfelder in der Mitte der Trockenzeit
Daten
Fläche 182,42 km²[1]
Einwohnerzahl 4.679 (2010)[2]
Chefe de Suco Carlos Freitas (Acau)
(Wahl 2009)
Orte Position[3] Höhe
Bahamori 8° 31′ S, 126° 14′ O-8.5091666666667126.2280555555684 84 m
Caicua 8° 31′ S, 126° 14′ O-8.5125126.22583333333174 174 m
Karabela 8° 29′ S, 126° 17′ O-8.4811111111111126.2777777777817 17 m
Lor 8° 30′ S, 126° 14′ O-8.5038888888889126.2366666666723 23 m
Oralan 8° 30′ S, 126° 13′ O-8.5072222222222126.2191666666761 61 m
Raha 8° 31′ S, 126° 12′ O-8.5158333333333126.202552 52 m
Vemasse 8° 31′ S, 126° 13′ O-8.5105555555556126.2105555555637 37 m
Vemasse (Osttimor)
Vemasse
Vemasse

Vemasse (Vemassi, Vemase, Vermasse, Vemassey, Vemace, ehemals Ade) ist ein osttimoresischer Ort und Suco im Nordwesten des osttimoresischen im Subdistrikt Vemasse (Distrikt Baucau). Sie sind nach dem ehemaligen Reich von Vemasse benannt. Der Name leitet sich von „Wemasi“ ab, dem Galoli-Wort für „salziges Wasser“.[4]

Der Ort[Bearbeiten]

Blick von Norden auf Vemasse, über den gleichnamigen Fluss

Das Dorf Vemasse ist der Hauptort des Subdistrikts und des Sucos Vemasse. Hier leben knapp 3.000 Menschen.[5] Das Dorf liegt 28 km westlich der Distriktshauptstadt Baucau (39 km auf der Straße) und 70 km östlich von der Landeshauptstadt Dili auf einer Meereshöhe von 138 m, an der Nordküste Timors und der verhältnismäßig gut ausgebauten Küstenstraße, die Dili mit dem Osten des Landes verbindet. An der Straße liegen, wie auf einer Perlenschnur aufgereiht, die Ortsteile Raha, Oralan, Bahamori und Lor. Etwas südlich liegt der Ortsteil Caicua.

In Vemasse befinden sich die präsekundäre Schule Escola Presecundaria Vemasse[6] und insgesamt vier Grundschulen. Außerdem gibt es hier eine Polizeistation, ein kommunales Gesundheitszentrum und einen Hubschrauberlandeplatz.[7] Oberhalb des Ortes liegen die Reste eines alten, portugiesischen Fort.[5]

Der Suco[Bearbeiten]

Quelle an der Straße von Baucau nach Manatuto im Suco Vemasse
Reisfelder beim Ort Oralan kurz vor der Ernte in der Regenzeit

In Suco Vemasse leben 4.679 Einwohner (2010,[2] 2004: 4.506[9]). Etwa 70 % der Einwohner geben Waimaha als ihre Muttersprache an. Eine kleine Minderheit spricht Mideki. Beide werden zu den Kawaimina-Sprachen gezählt. Etwa 15 % sprechen Tetum Prasa, etwa 10 % Galoli.[10]

Der Suco nimmt einen Großteil des Westens des Subdistrikts Vemasse und die gesamte Küste im Norden an der Straße von Wetar ein. Vemasse hat eine Fläche von 182,42 km².[1] Östlich liegen die Sucos Ostico, Caicua und Ossouala und der Subdistrikt Baucau mit seinem Suco Bucoli. Im Westen von Vemasse liegen der Suco Uaigae und der Subdistrikt Laleia (Distrikt Manatuto) mit seinen Sucos Haturalan, Lifau und Cairui. Im Süden grenzt Vemasse an den Distrikt Viqueque mit den Sucos Laline (Subdistrikt Lacluta) und Bibileo (Subdistrikt Viqueque). Im Süden entspringt der Fluss Bina. Er fließt nach Süden in den Mori, der die gesamte Grenze des Sucos im Süden bildet. Der Mori gehört zum Flusssystem des Laleia, der an der Grenze zwischen Vemasse und Lifau in die Straße von Wetar mündet. Ebenfalls im Süden Vemasses hat der Bohodani seine Quelle. Er fließt Richtung Norden und mündet in den Fluss Vemasse. Nachdem in den Vemasse der Bucaloli gemündet hat, verlässt der er den Suco in Richtung Uaigae und kehrt nach Zufluss des Robohicdi in den Suco zurück. Nachdem er den Ort Vemasse durchquert hat, mündet der Fluss Vemasse in die Straße von Wetar. Weiter östlich fließt der Manuleiden ins Meer. Die Flüsse Vemasses führen aber nur in der Regenzeit Wasser. Östlich der Mündung des Manuleiden liegt an der Küstenstraße der Ort Karabela (Cairabela, Caravela).[11]

Der Suco Vemasse teilt sich in die vier Aldeias Betulale, Lor, Oralan und Raha.[12]

Politik[Bearbeiten]

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Carlos Freitas (Acau) zum Chefe de Suco gewählt[13] und 2009 in seinem Amt bestätigt.[14]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Escola do Reino de Vemassim aus den Jahren um 1930 (1970). Sie war im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden.
Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche wurde 1970 wieder aufgebaut

Ein Großteil des Distrikts Baucau war früher Teil des Reichs von Vemasse oder stand unter dessen Einfluss. Früher hieß das Reich Ade.[15] Bis 1668/69 hatten hier noch Händler aus Makassar großen Einfluss.[16] 1752 existierte bereits eine katholische Kirche in Vemasse.

Enge Beziehungen herrschten mit der von den Niederlanden dominierten Insel Kisar. Regelmäßig besuchte man sich, Handel mit Gold und Wasserbüffel wurde getrieben und der Raja von Vonreli auf Kisar zahlte einen Tribut an den Liurai von Vemasse. Erst Ende des 19. Jahrhunderts unterband der portugiesische Gouverneur Timors José Celestino da Silva (1894 bis 1908) jeden Kontakt, da sich der Raja weigerte vom Protestantismus zum katholischen Glauben überzutreten. Doch bereits 15 Jahre später wurden die Kontakte erneuert, als der Raja von Kisar mit einer Flotte von 20 kleinen Schiffen am Strand von Baucau anlegte.[17]

Nachdem Gerüchte aufkamen, dass die indonesischen Invasoren am 11. Dezember 1975 zehn Zivilisten in Karabela ermordet hätten, floh die Bevölkerung aus Vemasse zunächst zum Berg Lame, wo man einfache Baracken errichtete. Dort schlossen sich ihnen Einwohner von Karabela und Bucoli an. Die Bevölkerung konnte zu ihren Ackerflächen zur Ernte zurückkehren, da die Indonesier keine Besatzungstruppen in Vemasse zurückgelassen hatten. So konnten sich die Flüchtlinge mit genügend Nahrungsmittel versorgen, doch in der Mitte vom März 1976 griffen die Indonesier das Flüchtlingslager mit Panzerfäusten und Mörsern an und zerstörten sowohl die Hütten, als auch das Nahrungsmittellager. Die Einwohner flohen entlang des Rio Vemasse acht Kilometer weiter nach Süden, nach Uaigae, wo sie wieder Gärten zur Selbstversorgung anlegten. Doch als die Kämpfe näher kamen, mussten sie erneut fliehen, bis sie schließlich in Uai-Mori (heute Suco Bibileo, 20 km südlich von Vemasse), im Schutz der FRETILIN, erneut Zuflucht fanden. Hier entstand eine base de apoio, eine Widerstandsbasis. Zusammen mit Flüchtlingen aus Dili, Viqueque und anderen Landesteilen lebten sie zwei Jahre hier. Mit der Zeit kam es immer mehr zur Nahrungsmittelknappheit, da immer mehr Menschen eintrafen. 1978 wurde auch Uai-Mori von indonesischen Streitkräften angegriffen. Die meisten Einwohner flohen, einige wurden von den Indonesiern gefangengenommen und in das Sammellager von Bucoli gebracht.[18]

In Lobito wurde der osttimoresische Freiheitskämpfer Aquiles Freitas Soares und einige seiner Anhänger von der FRETILIN hingerichtet.[19] Hier befand sich eine Widerstandsbasis (bases de apoio).[18]

Im Ort Vemasse gab es Ende 1979 ein indonesisches Umsiedlungslager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den Besatzern umgesiedelt werden sollten.[18]

Im November 2005 starben zwei osttimoresische Polizisten durch eine Bombe, die in Vemasse auf ihr Fahrzeug geworfen wurde.

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Im Dorf Wailakama nahe dem Ort Vemasse wurde Carlos Filipe Ximenes Belo, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger Bischof von Dili geboren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vemasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Census 2010; PDF; 22,6 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  3. Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  4. Geoffrey Hull: The placenames of East Timor, in: Placenames Australia (ANPS): Newsletter of the Australian National Placenames Survey, Juni 2006, S. 6 & 7, abgerufen am 28. September 2014.
  5. a b Friends of Vemasse
  6. Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB)
  7. UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 499 kB)
  8. Seeds of Life
  9. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  10. Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Vemasse (Tetum; PDF; 8,6 MB)
  11. Timor-Leste GIS-Portal (Version vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
  12. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  13. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 - Resultados (Version vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  14. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 - Resultados (Version vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  15. Hans Hägerdal: Lords of the Land, Lords of the Sea; Conflict and Adaptation in Early Colonial Timor, 1600-1800. (2012)
  16. Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650-1769
  17. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  18. a b c „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  19. „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,5 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)

-8.5105555555556126.21055555556Koordinaten: 8° 31′ S, 126° 13′ O