Kawaimina

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Kawaimina

Gesprochen in

Osttimor
Sprecher 49.096 (Stand 2010)[1]
Linguistische
Klassifikation
  • Kawaimina
Offizieller Status
Sonstiger offizieller Status in: OsttimorOsttimor Osttimor (Nationalsprache)
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

map

ISO 639-3:

krd, nxa, wmh

Die größten Sprachgruppen in den Sucos Osttimors.[2]

Kawaimina (port.: Cauaimina) ist eine gemeinsame Abkürzung für vier ähnliche Dialekte in Osttimor. Diese Abkürzung wird von Linguisten für die Sprachen verwendet, nicht für die Sprecher selbst. Die Dialekte sind Kairui (Cairui), Waimaha, Midiki (Mideki) und Naueti. Insgesamt sind 49.096 Osttimoresen Muttersprachler einer dieser Dialekte (2010).[1]

Überblick[Bearbeiten]

Die Kawaimina-Sprachen gehören zum Timorzweig der zentral-malayo-polynesischen Sprachen. Aufgrund ihrer Nachbarschaft zu den Papua-Sprachen, speziell zu Makasae, gibt es einige Anleihen, speziell beim Naueti. Die Sprachen fallen sowohl durch anarchische, als auch durch ungewöhnliche sprachliche Neuerungen, wie zum Beispiel Vokalharmonie, Aspiration und Post-Glottalization bei Konsonanten in ihrem Tonsystem. Die Grammatik ist (mit teilweiser Ausnahme bei Naueti) sehr einfach in ihrer Struktur. Kawaimina ist eine der 15 in der Verfassung anerkannten Nationalsprachen Osttimors.

Bei Zählungen der Muttersprachler der einzelnen Sprachen ist eine Unterscheidung zwischen ihnen schwierig, da Kairui- und Midiki-Sprecher sich teilweise selbst als Waimaha-Sprecher bezeichnen.[3]

Die Zahlen in den verschiedenen Dialekten der Kawaimina-Dialekte
Zahl Kairui Waimaha Midiki Naueti
1 se se se se
2 kirua kairuo kairuo kairua
3 kitele kaitelu kaitelu kaitelu
4 kihoo kaihaa kaihaa kaihaa
5 kiliim kailime kailime kailima
6 kinee kainena kainee kailima-resin
7 kihiti kaihitu kaihitu kailima-resi-kairua
8 kikoho kaikaha kaikaha kailima-resi-kaitelu
9 kisia kaisiwe kaisiwe kailima-resi-kaihaa
10 bosé basé basé welisé

Kairui und Midiki[Bearbeiten]

Kairui (Karui) wird hauptsächlich im Grenzgebiet zwischen den Distrikten Baucau und Distrikt Viqueque (in den Sucos Builale und Liaruca)[4] gesprochen. Die Sprecher verteilen sich auf die Distrikte Baucau (1.671 Sprecher), Manatuto (564) und Viqueque (3.647). Insgesamt geben 2010 5.993 Osttimoresen Kairui als ihre Muttersprache an.[1]

Midiki spricht man in den Subdistrikten von Lacluta und Venilale und im Suco Liaruca. Einige Midiki-Sprecher nahe Ossu im Distrikt Viqueque nennen ihre Sprache Osomoko (Oso Moko). In einigen Gebieten werden Midiki und Kairui abwechselnd gesprochen. Midiki geben 9.586 Menschen als ihre Muttersprache an (5.675 aus dem Distrikt Baucau, 652 aus Manatuto und 3.019 aus Viqueque).

Ethnologue ordnet Osomoko als Dialekt zum Naueti und fasst Midiki und Kairui als eine Sprache zusammen.[5]

Waimaha[Bearbeiten]

Anteil von Waimaha-Muttersprachlern in den Sucos Osttimors.
Waimaha
Bilabial Coronal Velar Glottal
stimmlos, ohne Aspiration p t k ʔ
stimmlose Aspiration
stimmlose ejektive
stimmhaft flach b d ɡ

Waimaha (Waima'a in der eigenen Sprache,[6] Waimoa für andere Timoresen, weitere Schreibformen: Uai Ma'a, Waimoa, Uaimo'a)[7] wird entlang der Nordküste Timors zwischen Vemasse und Bucoli und außerhalb der Stadt Baucaus von 18.467 Menschen als Muttersprache gesprochen (Zensus 2010; 18.243 im Distrikt Baucau, 152 in Dili).[8] Die Eigenbezeichnung Waima'a leitet sich von den Wörtern wai für „Wasser“ und ma'a für „leer“ ab. Das Sprachgebiet gehört zu den trockensten Regionen Timors.[6]

Waimaha ist, neben Yapesisch, eine von zwei austronesischen Sprachen, die ausstoßendes Abbrechen (ejective stops) kennen. Waimaha kann man in zwei Dialekte aufteilen: Küsten-Waimaha und Berg-Waimaha. Der Küstendialekt wird in den Sucos Bahu, Bucoli, Caibada, Triloca und Tirilolo gesprochen, Berg-Waimaha in den Sucos Loilubo, Ostico, Ossouala, Uaigae und Uato-Lari. Gerade in den Sucos Bahu, Bucoli und Tirilolo, die zum Teil zur Stadt Baucau gehören oder nahe zu ihr liegen, nehmen immer mehr junge Leute die Amtssprache Tetum als ihre Erstsprache an. Während der indonesischen Besatzungszeit (1975 bis 1999) wurden einige Sprecher des Berg-Waimaha nach Manatuto zwangsumgesiedelt, wo sie mit Sprechern der Nationalsprache Galoli zusammenlebten. Obwohl einige der Zwangsumgesiedelten wieder in ihre alte Heimat zurückkehrten, ist die Verwendung des Waimaha bei ihnen zurückgegangen. Christianisierte Waimaha nahmen christlich-portugiesische Namen an, während die Anhänger des traditionellen Glaubens weiter die alten Namen führen. Sie bilden aber nur noch eine sehr kleine Minderheit und sind zumeist jene, die nur Waimaha sprechen. Christliche und Waimaha mit zunehmender Bildung sprechen meist mehrere Sprachen, wie zum Beispiel Tetum, Galoli und Portugiesisch. Auch Makasae, dass in der Stadt Baucau dominiert, wird immer häufiger auch in den traditionellen Waimaha-Gebieten gesprochen.[3]

Kultur[Bearbeiten]

Die Waimaha-Sprecher heirateten traditionell innerhalb ihrer patrilinealen Clans (Endogamie), die jeweils mit einem bestimmten Totemhaus (umo-baha) verbunden waren. Die Totemhäuser kann man an den auf ihnen angebrachten Büffelhörnern erkennen. Die Hochzeit von Cousins wird aber durch den Einfluss der katholischen Kirche, der inzwischen die meisten Einwohner Osttimors angehören, fast nicht mehr praktiziert. Man heiratet nun zumeist Partner von außerhalb des Clans. Animistische Traditionen haben sich aber dennoch im Alltagsleben gehalten. So ist noch immer ein hoher Brautpreis (weli) zu zahlen. Dies kann für die Familie des Bräutigams die Zahlung eines Mehrfachen des durchschnittlichen Jahresgehalts bedeuten.[3]

Naueti[Bearbeiten]

Anteil von Naueti-Muttersprachlern in den Sucos Osttimors.

Naueti (Nauhete, Nauete, Naóti, Nauote, Nauoti) wird von den 13.634 Mitgliedern der gleichnamigen Ethnie an der Südküste im Distrikt Viqueque um die Orte Uato-Lari[9] und Uatucarbau gesprochen. Eine kleine Gruppe von 1.062 Naueti lebt im Distrikt Baucau in Baguia. Das Gebiet ist umgeben von Makasae-Sprechern, weswegen Naueti viele Lehnwörter aus dem Makasae übernommen hat. Insgesamt ist Naueti die Muttersprache von 15.045 Osttimoresen.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Census 2010; PDF-Datei; 21,53 MB)
  2. Statistisches Amt Osttimors, Ergebnisse der Volkszählung von 2010 der einzelnen Sucos
  3. a b c John Bowden und Tatiana Romanovsky
  4. UHM Department of Linguistics: Makasae Osoroa
  5. Ethnologue Kairui-Midiki
  6. a b Australian National University, Research School of Pacific and Asian Studies, The Waimaha language of East Timor
  7. Ethnologue Waimaha
  8. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  9. Ethnologue Nauete