Verkehrsberuhigter Bereich

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Verkehrsberuhigter Bereich

Ein Verkehrsberuhigter Bereich, umgangssprachlich häufig auch Spielstraße, seltener Wohnstraße, bezeichnet in Deutschland eine mit Verkehrszeichen 325.1 beschilderte Straße oder Verkehrsfläche. Der Bereich dient der Verkehrsberuhigung in geschlossenen Ortschaften. Erste Modellprojekte wurden seit 1977 realisiert. Die offizielle Einführung in die StVO erfolgte 1980.

Verwandte Konzepte sind die Wohnstraße in Österreich, die Begegnungszone in der Schweiz, in Frankreich und Belgien und der Verkehrsberuhigte Geschäftsbereich in Deutschland. Im Unterschied zum Verkehrsberuhigten Bereich, wo nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf und Kfz-Fahrer und Fußgänger gleichberechtigt sind, gelten in der Begegnungszone Tempo 20 und eine Bevorrechtigung der Fußgänger. Der Verkehrsberuhigte Geschäftsbereich lässt ebenfalls höhere Geschwindigkeiten zu, gehört aber verkehrsrechtlich zur Tempo-30-Zone.

Straßenverkehrsordnung[Bearbeiten]

Der Verkehrsberuhigte Bereich wird durch das Verkehrszeichen 325.1 angekündigt und durch das Verkehrszeichen 325.2 aufgehoben.[1]

Innerhalb dieses Bereiches gilt:[2]

  • Fußgänger dürfen die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen; Kinderspiele sind überall erlaubt.
  • Der Fahrzeugverkehr muss Schrittgeschwindigkeit einhalten.
  • Die Fahrzeugführer dürfen die Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig müssen sie warten.
  • Die Fußgänger dürfen den Fahrverkehr nicht unnötig behindern.
  • Das Parken ist außerhalb der dafür gekennzeichneten Flächen unzulässig, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen, zum Be- oder Entladen. Die Markierung der Parkflächen geschieht meist nicht durch Schilder, sondern über Markierungen wie verschiedenfarbige Pflasterungen.[2]
  • Nach einem Gerichtsurteil ist das Überholen im Verkehrsberuhigten Bereich per se ausgeschlossen. In einem Verkehrsberuhigten Bereich muss man nicht damit rechnen, überholt zu werden.[3]

Beim Ausfahren aus einem Verkehrsberuhigten Bereich ist gemäß § 10 StVO eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Wie beim Ausfahren aus einem Grundstück ist man gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern wartepflichtig. Rechts-vor-Links gilt nicht. Dies ist sogar der Fall, wenn zwischen dem Verkehrszeichen »Ende des Verkehrsberuhigten Bereichs« und der Hauptstraße noch bis zu 30 Meter zurückzulegen sind.[4]

Verwaltungsvorschriften[Bearbeiten]

Die Kennzeichnung von Verkehrsberuhigten Bereichen setzt voraus, dass die in Betracht kommenden Straßen, insbesondere durch geschwindigkeitsmindernde Maßnahmen des Straßenbaulastträgers oder der Straßenbaubehörde, überwiegend Aufenthalts- und Erschließungsfunktion haben. Das bedeutet, der Verkehrsberuhigte Bereich muss baulich so angelegt sein, dass der typische Charakter einer Straße mit Fahrbahn, Gehweg, Radweg nicht vorherrscht. In der Regel wird dies durch einen niveaugleichen Ausbau (Pflasterung), Pflanzbeete, wechselseitige Parkstände, Plateau-Aufpflasterungen und Einengungen erreicht.

Umstritten sind kostengünstige „Sperren“, wie zum Beispiel Bremsschwellen, Rampensteine und Beton-Pflanzkübel. Sie beeinträchtigen das optische Gesamtbild und können für Radfahrer, ältere und behinderte Menschen gefährlich werden und Rettungsfahrzeuge behindern.

Durchgangsverkehr und LKW-Verkehr sind nicht grundsätzlich verboten, der Verkehrsberuhigte Bereich ist also keine Anliegerstraße. Um den Durchgangsverkehr aus diesen Gebieten herauszuhalten, werden oftmals Sackgassen angelegt oder die Einfahrt wird nur von einer Seite aus erlaubt.

Spielstraße[Bearbeiten]

Vor Einführung des verkehrsberuhigten Bereichs in die StVO der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1980 wurden ab Ende der 1960er Jahre allgemeinen Verkehrsverbotszeichen mit dem Zusatzschild „Spielstraße – Anliegerverkehr frei“ in Wohnstraßen eingeführt. Mit dem Inkrafttreten der Neufassung der StVO 1971 erhielt erstmals ein bildliches Zusatzschild mit der Bedeutung „Kinder dürfen auf der Fahrbahn und dem Seitenstreifen spielen“ seine Gültigkeit. Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben in der StVO wurde es mit dem allgemeinen Verkehrsverbotszeichen Zeichen 250 aufgestellt.[5]

In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde ein Sperrschild mit der Aufschrift „Spielstraße“ ab 1956 in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen. Das Zeichen verbot Fahrzeugen aller Art den als Spielstraße ausgewiesenen Weg zu befahren. Lediglich Anlieger durften passieren.[6]

Der eingängige Begriff „Spielstraße“ hielt sich im Sprachgebrauch, obwohl die betreffenden Straßen nach und nach als Verkehrsberuhigte Bereiche ausgewiesen wurden. Ab 2000 erhielt die Verwendung des Begriffs durch die Diskussionen um Shared Space und die Begegnungszone neuen Aufwind.[7]

Heute ist eine „Spielstraße“ gemäß Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (VwV-StVO) § 41 Abs. 2 Nr. 6 StVO durch das Zeichen 250 für Fahrzeuge aller Art gesperrt. Durch das Zusatzzeichen 1010-10 wird Kindern erlaubt, auf der Fahrbahn und den Seitenstreifen zu spielen. Auch Sport kann durch ein Zusatzschild erlaubt sein. In der Verwaltungsvorschrift zu Zeichen 250 StVO heißt es dazu: „Das uneingeschränkte Verbot jeglichen Fahrverkehrs rechtfertigt die Benutzung der ganzen Straße durch Fußgänger und spielende Kinder.“ Da eine Sperrung der Straße durch Zeichen 250 auch die Anlieger betreffen würde, ist diese Konstellation – die eigentliche Spielstraße – jedoch recht selten und deshalb wenig bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Frank Höfler: Verkehrswesen-Praxis, Band 1: Verkehrsplanung. Bauwerk Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-934369-52-9, S. 231 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Verkehrsberuhigter Bereich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Internationale Schilder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Spielstraße – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Wohnstraße – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Abgerufen am 7. Januar 2013.
  2. a b SichereStraßen.de. Abgerufen am 7. Januar 2013.
  3. LG Dortmund v. 26.08.2005. Abgerufen am 7. Januar 2013.
  4. FAHRLEHRERVERBAND Baden-Württemberg e. V.: Wo enden verkehrsberuhigte Bereiche? Abgerufen am 7. Januar 2013.
  5. Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1970, Nr. 108, Tag der Ausgabe: Bonn, 5. Dezember 1970. S. 1588.
  6. Rolf Jedicke: Verordnung über das Verhalten im Straßenverkehr – Straßenverkehrsordnung (StVO) – vom 4. Oktober 1956. In: Der deutsche Straßenverkehr. Sonderheft, November 1956. (ohne Seitenzahlen)
  7. Sprachgebrauch des Begriffs „Spielstraße“ im Google Ngram Viewer von 1960 bis 2008.
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