Victory-Zeichen

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Ein Iraker zeigt die Victory-Geste anlässlich der Wahl vom 30. Januar 2005. Der Zeigefinger ist zum Zeichen der abgegebenen Stimme markiert.

Das Victory-Zeichen (englisch victory ‚Sieg‘) ist eine Handgeste, bei der der Zeige- und Mittelfinger zu einem „V“ ausgestreckt werden, während der Ringfinger und der kleine Finger eingezogen bleiben. Der Daumen wird über die beiden Finger gelegt und die Handinnenseite zeigt vom Ausführenden weg.

Bedeutung[Bearbeiten]

Die Geste hat international sehr unterschiedliche Bedeutungen. In Deutschland und den meisten westlichen Ländern wird sie oft als Zeichen für den Sieg verstanden. Dem entspricht die Deutung, dass das von Zeige- und Mittelfinger geformte „V“ für das englische victory stehe.

Andere, ebenfalls übliche Bedeutungen sind die Zahl 2 oder Hasenohren (spaßeshalber auf Fotos hinter dem Kopf nebenstehender Personen gezeigt, um diese zu ärgern). Auch wird es als Friedenszeichen verstanden.

Junge Japanerinnen posieren mit V-Zeichen, Tokyo (2006).

Wenn die Handinnenseite zum Ausführenden zeigt, bzw. mit dem Handrücken vom Ausführenden weg, hat sie in Großbritannien, Irland, Australien, Neuseeland und Südafrika aber eine schwer beleidigende Bedeutung, etwa vergleichbar mit dem Stinkefinger.[1] Bei der beleidigenden Form müssen Zeige- und Mittelfinger auch nicht ganz ausgestreckt sein, sondern werden oft auch leicht gekrümmt gezeigt. Die „V“-Form muss hierbei nicht so ausgeprägt sein, man kann die beiden Finger auch zusammen lassen.

In ostasiatischen Ländern wie Japan, Südkorea und Taiwan wird die Geste auch sehr oft auf Fotos oder Filmaufnahmen gemacht. Hierbei ist die Bedeutung in etwa glücklich, soll also einfach nur ein Lächeln unterstreichen. Die historischen Konnotationen aus Zweitem Weltkrieg und Kaltem Krieg, sowie die beleidigende Abwandlung mit einer umgedrehten Hand sind zumeist unbekannt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Winston Churchill grüßt mit dem Victory-Zeichen, Downing Street, 5. Juni 1943.
1941 hatten deutsche Besatzungstruppen am norwegischen Parlamentsgebäudes Stortinget in Oslo ein „V“-Zeichen angebracht. Darunter auf einem Banner den Spruch „Deutschland siegt an allen Fronten“.

Die erste belegte Dokumentation des beleidigenden V-Zeichens findet sich 1901 in England, als Arbeiter vor Parkgate ironworks in Rotherham die Geste verwenden (auf Film festgehalten), um deutlich zu machen, dass sie nicht gefilmt werden möchten.[3]

Die große Popularität des (positiven) Victory-Zeichens im Zweiten Weltkrieg hat ihren Ursprung wohl in Belgien: In einer Radioansprache am 14. Januar 1941 in der BBC rief der ehemalige belgische Justizminister Victor de Laveleye seine Landsleute auf, das V zu verbreiten[4]. Denn neben dem bereits erwähnten Bezug zum englischen Wort victory, ist es ebenso der Anfangsbuchstabe des französischen Wortes Victoire und des niederländischen Wortes Vrijheid. Die BBC unterstützte die Verbreitung in Europa durch ihre „V for Victory“-Kampagne[5], in der der Morsecode für „V“ (•••–) als Jingle verwendet wurde. Der Morsecode für „V“ entspricht des Weiteren dem Kopfmotiv von Beethovens 5. Sinfonie („Ta Ta Ta Taaa“), welches die BBC mit einer gewissen Ironie (Beethoven war Deutscher und das Motiv war das „Schicksalsmotiv“) als Erkennungszeichen ihres Programmes auch in besetzte Länder ausstrahlte. Schnell verbreitete sich der Gebrauch der Geste in ganz Europa[6]. Im gleichen Jahr griff auch Winston Churchill die „V for Victory“-Kampagne auf und gebrauchte das V-Zeichen fortan bei öffentlichen Auftritten[7].

Und auch die Deutschen setzten das „V“-Symbol ein, wie nebenstehendes Bild aus dem Jahr 1941 vom Stortinget aus dem besetzten Norwegen zeigt.

1941 beanspruchte der britische Okkultist Aleister Crowley die gezielte Einführung des V-Zeichens als Gegensymbol zum nazi-deutschen Hakenkreuz für sich: Er verwies darauf, dass seine 1913 erschienene Publikation Magick beide Symbole auf einer Bildtafel zeige[8].

Nach dem Zweiten Weltkrieg findet sich die Geste unter anderem als markante Geste des U.S. Präsidenten Richard Nixon: als Siegeszeichen[9], sowie bei seinem Rücktritt 1974[10].

Auch bei Protesten gegen den Vietnam- und andere Kriege, sowie in Kreisen der so genannten Gegenkultur wurde das V-Zeichen zu einer gängigen Geste bei Begrüßungen, Kundgebungen und auf Fotos. Die von Hippies verwendete Kombination der Geste mit dem Ausspruch peace (englisch peace ‚Frieden‘ oder ‚Friede‘), sowie der Gebrauch auf Anti-Kriegs-Demonstrationen betonten die friedensbefürwortende Bedeutung des V-Zeichens.[11]

Für das Aufkommen des V-Zeichens in der japanische Popkultur Anfang der 1970er Jahre gibt es verschiedene Erklärungen.[2] Diese weitestgehend entpolitisierte Variante der Victory-Geste verbreitete sich im ostasiatischen Raum und findet sich vor allem in Japan, Südkorea, Taiwan und Hongkong.[11]

Unicode[Bearbeiten]

Unicode definiert das Victory-Zeichen mit U+270C ().

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Victory-Zeichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Victory-Zeichen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eric Patridge, Tom Dalzell, Terry Victor. (2008) The Concise New Partridge Dictionary of Slang and Unconventional English, Routledge, S. 683. ISBN 0-203-96211-7
  2. a b Vgl. Beitrag des Ostasieninstituts der Hochschule Ludwigshafen zur asiatischen Variante der V-Geste. Abgerufen am 11. Februar 2013.
  3. Vgl. The V sign, Beitrag auf der Website ICONS. A portrait of England. Abgerufen am 11. Februar 2013.
  4. Vgl. Beitrag der BBC: The BBC at War - Overseas programming. In: bbc.co.uk. Abgerufen am 11. Februar 2013. 
  5. Vgl. Beitrag der BBC: Newswatch 1940s. In: news.bbc.co.uk. Abgerufen am 11. Februar 2013. 
  6. Vgl. The V sign at BBC’s H2G2 website. BBC.co.uk. 1. November 1990. Abgerufen am 11. Februar 2013.
  7. Vgl. Eintrag auf This Day in Quotes. Abgerufen am 11. Februar 2013.
  8. Kaczynski, Richard. Perdurabo: The Life of Aleister Crowley. North Atlantic Books, 2010, S. 511.
  9. Vgl. Wahlkampffoto auf history.com. Abgerufen am 11. Februar 2013.
  10. Vgl. Rücktrittsfoto auf corbisimages.com. Abgerufen am 11. Februar 2013.
  11. a b Vgl. The Japanese Version (the Sign of Peace) Beitrag auf der Website ICONS. A portrait of England. Abgerufen am 11. Februar 2013.