Vukovar
| Vukovar | ||
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| Basisdaten | ||
|---|---|---|
| Staat: | ||
| Gespanschaft: | ||
| Höhe: | 108 m. i. J. | |
| Einwohner: | 31.670 (2001) | |
| Telefonvorwahl: | (+385) 032 | |
| Postleitzahl: | 32 000 | |
| Kfz-Kennzeichen: | VU | |
| Struktur und Verwaltung (Stand: 2009, vgl.) |
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| Gemeindeart: | Stadt | |
| Bürgermeister: | Željko Sabo (SDP) | |
| Koalitionspartner: | keine | |
| Webpräsenz: | ||
Vukovar [ˈʋukɔʋaːr] (serbisch: Вуковар, ungarisch: Vukovár, deutsch: Wukowar) ist eine Stadt im Osten Kroatiens mit 31.670 Einwohnern. Sie ist die Hauptstadt der Gespanschaft Vukovar-Syrmien (kroatisch Vukovarsko-srijemska županija). Die Region um Vukovar an der Grenze zu Serbien war während des Kroatien-Kriegs 1991-1995 das am stärksten umkämpfte Gebiet. Bei der serbischen Belagerung und der Schlacht um Vukovar wurde Vukovar weitgehend zerstört.
Inhaltsverzeichnis |
Etymologie [Bearbeiten]
Die erste Silbe Vuk- weist auf den Fluss Vuka hin, der durch Vukovar fließt. Die zweite Silbe var (ung. vár oder város) ist ungarisch für Burg oder Stadt. Übersetzt bedeutet der Stadtname „Burg an der Vuka“. Der Flussname selbst entspricht Südslawisch vuk mit der Bedeutung „Wolf“. Zusammen mit dem ungarischen Wort vár ergibt sich daher auch die Deutungsmöglichkeit Wolfsburg.
Geographie [Bearbeiten]
Die Stadt liegt an der Mündung der Vuka in die Donau. Die Altstadt liegt auf der linken Seite der Vuka und erstreckt sich am Fuße eines kleinen Hügels entlang, teilweise auch auf dessen Flanken.
Bevölkerung [Bearbeiten]
Laut der Volkszählung 2001 lebten zu diesem Zeitpunkt auf dem politisch zur Stadt Vukovar gehörenden Gebiet 31.670 Menschen, darunter 57,5 % Kroaten und 32,9 % Serben. Davon lebten 30.126 Einwohner in der eigentlichen Stadt, die übrigen in drei benachbarten Dörfern.
| Jahr | Gesamt | Kroaten | Serben | Deutsche | Ungarn | Andere | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2001 | 31.670 | 18.199 | 57,5 % | 10.412 | 32,9 % | 58 | 0,2 % | 387 | 1,2 % | 2.614 | 8,3 % |
| 1990 | 44.639 | 21.065 | 47,2 % | 14.425 | 32,3 % | 94 | 0,2 % | 694 | 1,5 % | 8.361 | 18,8 % |
| 1971 | 30.222 | 14.694 | 48,6 % | 9.132 | 30,2 % | 60 | 0,2 % | 835 | 2,8 % | 5.501 | 18,2 % |
| 1948 | 17.223 | 10.943 | 63,5 % | 4.390 | 25,5 % | 54 | 0,3 % | 913 | 5,3 % | 923 | 5,3 % |
| 1931 | 10.242 | 5.048 | 49,6 % | 1.702 | 16,6 % | 2.670 | 26,1 % | 571 | 5,6 % | 215 | 2,0 % |
| 1910 | 10.359 | 4.092 | 39,5 % | 1.628 | 15,7 % | 3.503 | 33,8 % | 954 | 9,2 % | 183 | 1,8 % |
Zur Zeit der Volkszählung von 1991 lebten in der damalige (Groß-)Gemeinde Vukovar, die neben der Stadt Vukovar zahlreiche weitere benachbarte Ortschaften umfasste, insgesamt 84.189 Menschen, davon 36.910 Kroaten (43,8 %), 31.445 Serben (37,4 %), 1.375 Ungarn (1,6 %), 6.124 Jugoslawen (7,3 %) und 8.335 andere (9,9 %).
Einige der umliegenden Dörfer waren fast ausschließlich von Serben besiedelt, die meisten jedoch von Kroaten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren manche Orte zum Teil deutsch besiedelt - von den so genannten Donauschwaben. In diese deutschen Orte wurden vorwiegend Serben angesiedelt (siehe auch Sotin).
Aufgrund der immer noch schlechten Wirtschaftslage sind viele Flüchtlinge aus dem Kroatien-Krieg bis heute noch nicht zurückgekehrt.
Die Stadt wird von ethnischer Separation beherrscht. Auch wenn es keine geographische Abgrenzung zwischen serbischen oder kroatischen Stadtteilen gibt, so kommen die Einwohner im täglichen Leben doch nur wenig miteinander in Berührung. Von den Schulen angefangen und bis hin zu Gaststätten sind die meisten Einrichtungen entweder explizit serbisch oder kroatisch.
Der kroatischen Gesetzgebung zufolge haben Kinder aller nationaler Minderheiten Anspruch auf muttersprachlichen Schulunterricht. Daher findet die Schulbildung für kroatische Kinder in der lateinischen Schrift und in der kroatischen Sprache, der Unterricht der Serben in serbischer Sprache und in kyrillischer Schrift statt.
Politik [Bearbeiten]
Von den 29 Mitgliedern des Stadtrates (Gradsko vijeće) werden derzeit 11 von der HDZ, 13 von der SDP, 3 von der SDSS (die die serbische Bevölkerung vertritt) und 2 von der Hrvatska Stranka Prava dr. Ante Starčević gestellt. Bürgermeister ist Željko Sabo (SDP), Vorsitzende des Stadtrates Zdenka Buljan (HDZ).
Geschichte [Bearbeiten]
Vor der Stadtgründung [Bearbeiten]
Die Region ist seit der Jungsteinzeit besiedelt. Eine jungsteinzeitliche Tonfigur, die Vučedol-Taube, ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Die archäologische Ausgrabungsstätte der Vučedol-Kultur befindet sich in der gleichnamigen Siedlung etwa 5 km außerhalb der Stadt.
Zur Römerzeit gab es zahlreiche Siedlungen und Kastelle entlang der Donaugrenze.
Seit dem 6. Jahrhundert wanderten Slawen ein.
Im Jahr 852 beschreiben Chronisten das Reich des kroatischen Fürsten Trpimir als „usque ad ripam Danubii et pene per totum Regnum Chroatorum“ („bis hin zur Donau durch das gesamte Kroatien“).
Entstehung der Stadt [Bearbeiten]
Im 10. Jahrhundert wurde die Festung Vukovo gegründet, an der sich die Stadt langsam entwickelte.
Ab dem Hochmittelalter war die Region Teil des zur Ungarischen Krone gehörenden Königreiches Slawonien.
Ab dem 14. Jahrhundert wurde der Ort als Vukovar bezeichnet.
Von der osmanischen Zeit bis zum sozialistischen Jugoslawien [Bearbeiten]
Von 1526 bis 1687 stand die Region unter osmanischer Herrschaft.
Danach wurde sie Teil Österreich-Ungarns mit kroatischer, ungarischer, deutscher und serbischer Bevölkerung. Vukovar war Sitz des Komitates Syrmien (Szerém), das innerhalb der Ungarischen Krone zu Kroatien-Slawonien gehörte.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam es 1918 zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem späteren Jugoslawien.
Im Zweiten Weltkrieg war die Region 1941 bis 1945 Teil des "Unabhängigen Staats Kroatien".
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Deutschstämmigen vertrieben und vermehrt Serben, aber auch Kroaten aus ärmeren Regionen wie z. B. dem Zagorje angesiedelt.
Der Kroatienkrieg in Vukovar [Bearbeiten]
Ende der 1980er Jahre gab es zunehmende Spannungen zwischen Serben und Kroaten. Die Spannungen verstärkten sich, als die antikroatische Propaganda aus Belgrad und die antiserbische Propaganda aus Zagreb bei einem Teil der Serben und Kroaten Wirkung zeigte. Die Extremen unter ihnen bewaffneten sich, gingen in den umliegenden Dörfern in Stellung. 1991 kam es hier zum ersten größeren Zusammenstoß zwischen kroatischer Polizei und Serben, nachdem sich die Bewohner des überwiegend von Serben bewohnten Dorfes Borovo Selo geweigert hatten, die kroatische Fahne vor ihrem Gemeindeamt aufzuhängen (siehe Scharmützel von Borovo Selo). Aus Ferngeschützen fielen die ersten Schüsse auf das umzingelte Vukovar.
In den nächsten drei Monaten schlugen während der Schlacht um Vukovar bis zu 8000 Granaten täglich ein, insgesamt sechs Millionen Geschosse. Den kroatischen Truppen – 800 Soldaten und Polizisten, dazu gut 1000 Freiwillige – stand ein größeres Regiment der Jugoslawischen Volksarmee und serbischen Freischärler gegenüber, die Vukovar mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen, Flugzeugen und schwerer Artillerie einnehmen wollten.
Die Belagerung der Stadt durch die Jugoslawische Volksarmee dauerte 87 Tage und endete am 18. November 1991. Als die Soldaten an jenem Tag in die inzwischen fast völlig zerstörte Stadt einmarschierten, lebten dort noch 2000 Menschen. Viele von ihnen hatten während des Bombardements Zuflucht im Krankenhaus von Vukovar gesucht.
Massaker [Bearbeiten]
Nach Schilderung des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) trieben Soldaten der de facto serbischen Jugoslawischen Volksarmee sowie Freischärler 300 Personen aus dem Hospital zusammen (darunter auch verwundete kroatische Soldaten), verfrachteten sie in Busse und brachten sie zunächst in eine Lagerhalle auf einer Schweinefarm nahe der Ortschaft Ovčara. 100 von ihnen wurden dann in 10er- und 20er-Gruppen geteilt und in nahe gelegene Orte gebracht. Am Abend des 20. November 1991 wurden etwa 200 Menschen wenige Hundert Meter entfernt auf einem Feld beim Massaker von Vukovar erschossen und von den Soldaten in einem Massengrab vergraben.[2]. Mindestens 1500 Bewohner Vukovars wurden in serbische Internierungslager gebracht.[2]
Nach der Belagerung [Bearbeiten]
Danach wurde die Stadt einige Zeit lang zum Zentrum der serbisch kontrollierten Gebiete Ostslawonien und Baranja, ein Großteil der kroatischen Bevölkerung wurde vertrieben. Dagegen siedelten sich viele serbische Vertriebene aus dem restlichen Kroatien an, insbesondere den Städten Osijek und Vinkovci. Anders als jene Gebiete wurde Ostslawonien mit Vukovar nicht militärisch zurückerobert: Das Gebiet kam 1995 nach dem Abkommen von Erdut vom 12. November 1995 zwischen der kroatischen Regierung und einer serbischen Delegation unter provisorische UN-Verwaltung (UNTAES – United Nations Temporary Administration of Eastern Slavonia), um die friedliche Wiedereingliederung nach Kroatien vorzubereiten. Ab 1997 wurden Rückkehrer zugelassen, wobei es erneut zu Spannungen kam. 1998 wurde das Gebiet in Kroatien reintegriert, behielt aber ebenso wie die gesamte Gespanschaft Osijek-Baranja bestimmte Sonderrechte für die serbische Minderheit (z. B. keine Wehrpflicht in der Kroatischen Armee und ein fünfjähriges Moratorium im Schulfach Geschichte, insbesondere der Geschichtsschreibung im Zeitraum 1991–1995).
Die verantwortlichen Offiziere für das Massaker im Krankenhaus von Vukovar, Mile Mrkšić, Veselin Šljivančanin und Miroslav Radić, die so genannte Vukovar-Trojka, wurden später vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag angeklagt.[3] Mrkšić und Radić stellten sich im Mai und Juni 2002, Veselin Šljivančanin wurde im Juni 2003 festgenommen.
Wirtschaft [Bearbeiten]
Vormals war Vukovar ein Zentrum der Textil- und Gummiindustrie (VUTEKS, BOROVO) und ist nach wie vor ein wichtiger Donauhafen.
BOROVO war die größte Schuhfabrik im ehemaligen Jugoslawien, und hatte 1990 21.000 Beschäftigte. Der Vorort Borovo Naselje gehört zu den am meist zerstörten Gegenden in Vukovar, und von dem einstigen Großbetrieb sind nur noch einige Hallen übrig, welche derzeit noch knapp 3.000 Personen einen Arbeitsplatz bieten.
Ostslawonien ist ein sehr fruchtbarer Landstrich. So wundert es auch nicht, dass die ehemalige Agrargenossenschaft VUPIK, bekannt vor allem für ihre Weißweine, zu den bedeutendsten Unternehmen gehört. Es sind aber als Folge des Krieges immer noch große Flächen vermint und somit für die Landwirtschaft unbrauchbar.
Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Der Stadtkern von Vukovar ist ein Kleinod barocker Baukunst. Besonders hervorzuheben sind das Schloss der Grafen von Eltz und das Franziskanerkloster, welches seit 2000 auch wieder in neuem Glanz erstrahlt. Der Großteil der Stadt ist allerdings immer noch stark zerstört, und es wird mehr in oft dem Stadtbild nicht entsprechende Neubauten von Banken, Versicherungen und Einkaufszentren investiert als in die aufwendige Wiederherstellung der alten Bausubstanz.
Das Mahnmal Ovčara befindet sich an der Stelle, an dem serbische Soldaten im Jahr 1991 beim Massaker von Vukovar 200 aus dem städtischen Krankenhaus entführte Patienten ermordeten.
Selbst mehr als zehn Jahre nach dem Krieg ist Vukovar in weiten Teilen eine Geisterstadt geblieben. Seit der Wiedervereinigung mit Kroatien ist die Stadt ein Ziel für Schulklassen aus dem ganzen Land, welchen hier anschaulich die Brutalität des Krieges, aber auch die Tragödie des eigenen Volkes vor Augen geführt werden soll.
Das Schloss der Grafen Eltz [Bearbeiten]
Hauptartikel: Schloss Eltz (Vukovar)
Der Mainzer Kurfürst Philipp Karl von Eltz kaufte im Jahr 1736 das Gut Vukovar. Mit dem Bau des Schlosses wurde im Jahr 1749 unter dem Bauherrn Anselm Kasimir Eltz begonnen. Zunächst wurde der Mittelteil fertiggestellt. Später wurde das Schloss mehrmals erweitert. Sein heutiges Aussehen hat das Schloss seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Seit dem Jahr 1968 befindet sich darin das Stadtmuseum von Vukovar. Das Gebäude wurde während der serbischen Angriffe auf die Stadt zu Beginn des Kroatienkrieges schwer beschädigt.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Die folgende Übersicht enthält bedeutende, in Vukovar geborene Persönlichkeiten. Ob die Personen ihren späteren Wirkungskreis in Vukovar hatten oder nicht, ist dabei nebensächlich. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- Leopold Ružička (1887-1976), Chemiker und Nobelpreisträger
- Siniša Glavašević (1960 - 1991), Schriftsteller und Journalist
- Mirna Jukić, Schwimmerin
- Pavao Pavličić, Schriftsteller
- Siniša Mihajlović, Fußballer und Trainer
- Jakob von und zu Eltz
Weblinks [Bearbeiten]
- Geschichte der Stadt Vukovar. Abgerufen am 23. November 2011 (englisch).
- Grad Vukovar. In: Homepage der Stadt Vukovar. Abgerufen am 23. November 2011 (englisch).
- Luka Vukovar. In: Offizielle Webpräsenz des Donauhafens Vukovar. Abgerufen am 23. November 2011.
- Vukovarske Novine. In: Homepage von Vukovarske Novine. Abgerufen am 23. November 2011 (Lokalzeitung).
- Hrvatski radio Vukovar. In: Homepage von Hrvatski radio Vukovar. Abgerufen am 23. November 2011 (Lokaler Radiosender).
- Erich Rathfelder: Die Mühsal mit der Toleranz. Vukovar, 20 Jahre nach der Zerstörung. In: die tageszeitung. 22. November 2011, abgerufen am 23. November 2011 (deutsch, Hintergrundbericht über das Zusammenleben in der Stadt, 20 Jahre nach der Schlacht um Vukovar im Kroatienkrieg).
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Website der Stadt Vukovar: Stanovništvo grada Vukovara.
- ↑ a b Quelle für die Zahlen und weitere Inhalte: ITCY, Anklage gegen Slobodan Milošević, Absatz 36k
- ↑ Kriegsverbrecher in ehem.Jugoslawien
Städte: Ilok | Otok | Vinkovci | Vukovar | Županja
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