Vogelkoje

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Modell einer Vogelkoje

Eine Vogelkoje (aus niederländisch: kooi „Käfig, Verschlag, Stall“, hochdeutsch: Koje; auch Entenkoje) ist eine Einrichtung, die zum Fang von Wildenten dient.

Aufbau und Funktion[Bearbeiten]

Vogelkoje auf Ameland mit Kojenmann und Kojenhund
Vogelkoje im Ütermarkerkoog auf Pellworm
„Pfeife“ einer Vogelkoje

An den Ecken eines künstlichen Teichs wurden meist vier „Pfeifen“ angelegt, die mit Netzen überspannt wurden. Am Ende waren Reusen. Mit Hilfe von gezähmten Lockenten wurden während des Vogelzuges Wildenten in diese Reusen gelockt, wo sie vom Kojenmann oder Kojenwart, der die Koje wartet und betreut, „gekringelt“ bzw. „geringelt“ wurden, das heißt sie wurden getötet durch Umdrehen des Halses. In den Niederlanden benutzte man speziell abgerichtete Kojenhunde, um die Enten in die Pfeifen zu treiben.

In den einzelnen Vogelkojen wurden Tausende Enten gefangen. So wurden in der Amrumer Vogelkoje in Meeram zwischen 1867 und 1935 insgesamt 417.569 Enten gefangen, meist Spießenten, Pfeifenten und Krickenten. In der Alten Oevenumer Koje auf Föhr wurden zwischen 1730 und 1983 sogar 3.033.579 Enten gefangen.[1] Die Arten, die gefangen wurden, variierten von Vogelkoje zu Vogelkoje.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Entenkojen wurden in den Niederlanden im 16. Jahrhundert eingerichtet. Außerdem gab es in England Entenkojen. Ab etwa dem 17. Jahrhundert erbauten Adelige auch Antenkojen im Münsterland, so zum Beispiel in Landersum. 1690 ließ der herzogliche Hof von Celle (Herzog Georg Wilhelm) in Boye eine Entekoje errichten.[2] Seit dem 18. Jahrhundert wurden nach niederländischem Vorbild auch auf den Nordfriesischen Inseln Vogelkojen eingerichtet. Schließlich gab es auf Föhr sechs, auf Sylt vier, auf Amrum und Nordstrand je zwei und auf Pellworm eine Vogelkoje. Auch auf der dänischen Wattenmeerinsel Fanø wurden Ende des 19. Jahrhunderts vier Vogelkojen angelegt. Die meisten Vogelkojen in Nordfriesland wurden im 20. Jahrhundert wieder geschlossen. Bis heute sind einige Vogelkojen erhalten; sie dienen meist touristischen Zwecken. Auf Föhr werden noch heute in einzelnen Vogelkojen Enten gefangen.

Die Enten wurden nicht nur zum frischen Verzehr gefangen, sie wurden auch eingepökelt und in Fässchen exportiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Rheinheimer: Der Kojenmann. Mensch und Natur im Wattenmeer 1860–1900. Wachholtz, Neumünster 2007, ISBN 978-3-529-02776-5.
  • H.-J. Deppe: Entenkojen und Entenzug - Versuch einer Auswertung der Fangergebnisse nordfriesischer Entenkojen. In: Die Vogelwelt 106 (1985), 1-24
  • Hans Rudolf Hilty: Vogelkojen in Nordfriesland. Hansen & Hansen, Münsterdorf 1978
  • Manfred Wedemeyer: Die Vogelkoje Kampen. Ein Sylter Naturschutzgebiet. Boyens, Heide 1974.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vogelkojen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H.-J. Deppe: Entenkojen und Entenzug - Versuch einer Auswertung der Fangergebnisse nordfriesischer Entenkojen. In: Die Vogelwelt 106 (1985), 1-24.
  2. Geschichte des Entenfang Boye