Ameland

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Gemeinde Ameland
Flagge der Gemeinde Ameland
Flagge
Wappen der Gemeinde Ameland
Wappen
Provinz Friesland
Bürgermeister Albert de Hoop (D66)
Sitz der Gemeinde Ballum
Fläche
 – Land
 – Wasser
268,50 km²
59,18 km²
209,32 km²
CBS-Code 0060
Einwohner 3.576 (1. Jan. 2014[1])
Bevölkerungsdichte 13 Einwohner/km²
Koordinaten 53° 27′ N, 5° 45′ O53.4502777777785.7536111111111Koordinaten: 53° 27′ N, 5° 45′ O
Bedeutender Verkehrsweg -
Vorwahl 0519
Postleitzahlen 9161–9164
Website www.ameland.nl
Lage von Ameland in den Niederlanden
Der Strand bei Buren
Entlang der Nordseite der Insel erstreckt sich eine weitläufige Dünen-Landschaft und Sandstrand
Campingplatz „Klein Vaarwater“ bei Buren
Der Hauptort Nes aus der Luft
Der Leuchtturm bei Hollum
Reet-gedeckte Häuser sind typisch für die Insel

Ameland ist eine der fünf bewohnten westfriesischen Inseln in der Nordsee. Sie gehört zu den Niederlanden. Die Insel ist ein beliebtes Ferien-, Reise- und Ausflugsziel für Familien, Caravancamper, Schulklassen und Ferienfreizeiten.

Geographie[Bearbeiten]

Entstehung der Insel[Bearbeiten]

Die westfriesischen Inseln entstanden vor etwa 10.000 Jahren. Nach der letzten Eiszeit, der so genannten Weichseleiszeit, stieg der Meeresspiegel und füllte die südliche Nordsee mit Wasser. Am Ufer bildeten sich große Moore, die von Gezeitenabsätzen wie Sand und Lehm überlagert wurden. Die Wogen der Nordsee schoben Sand immer weiter an die Küste und es kam zur Entstehung von Sandbänken vor der Küste. Durch Pflanzenwachstum wurden sie nach und nach höher und formten sich zu einer geschlossenen Dünendecke. Einige Jahrhunderte nach Beginn unserer Zeitrechnung zerbrach das Meer die Dünenkette in einzelne Teile. Das Wasser drang ein und überflutete das heutige Wattenmeer. So entstanden sowohl die West- als auch die Ostfriesischen Inseln.

Orte[Bearbeiten]

Ameland hat 3.503 Einwohner (31. Dez. 2009[1]). Auf der Insel gibt es heute vier Ortschaften (aufgelistet von Ost nach West):

  • Buren ( Aussprache?/i) (673 Einwohner Stand 2004) ist das östlichste Dorf der Insel. Ursprünglich ein Bauerndorf, dessen Einwohner sich ihr mageres Einkommen mit Strandräubereien (Niederländisch: strandjutten) aufbesserten. Heute ist der Ort im Sommer geprägt durch die vielen Ferienlager, die in umgebauten Bauernhöfen Unterkunft finden. Im Dorfzentrum findet man einige Imbissbuden, einen Supermarkt und einige kleinere Läden.
  • In Nes (1.189 Einwohner Stand 2004) liegt der Hafen, wo die Fähre vom Festland (Holwerd), 25 km nordöstlich der Provinzhauptstadt Leeuwarden, anlegt. In Nes findet sich der Fremdenverkehrsverein, das Naturkundemuseum und die Polizeistation der Insel.
  • Ballum (371 Einwohner Stand 2004) ist ein beschauliches Dorf westlich von Nes, das eher weniger vom Tourismus geprägt ist. Hier steht das Rathaus der Insel, an der Stelle, wo früher das Schloss der Camminghas stand. In der Nähe von Ballum befindet sich der Flugplatz von Ameland, von dem aus man Rundflüge über die Insel machen oder zum Festland fliegen kann. Gegenüber vom Flugplatz liegt der Campingplatz Roosdunen.
  • In Hollum (1.296 Einwohner Stand 2004) steht ein alter Leuchtturm, der fast von jedem Ort aus sichtbar ist und einen Blick über die gesamte Insel bietet. Der Ort ist das größte Dorf der Insel.
  • Der Ort Sier ist inzwischen verschwunden, an ihn erinnert noch der Name einer Fähre, die Ameland mit dem Festland Holwerd verbinden. Die zweite Fähre, "Oerd" ist ebenso nach einem längst verschwundenen Ort im Osten der Insel benannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die frühe Geschichte der Insel liegt im Dunkeln, es gibt kaum Quellen oder archäologische Funde. Allerdings wird bei Plinius d. Ä. eine Insel erwähnt, die "von den Barbaren Austeravia [genannt wird] ... [und von dem römischen Feldherrn] Germanicus Glaesaria, weil auf ihr Bernstein entstehe..."[2]. Einige Autoren meinen, hiermit sei Ameland gemeint, was allerdings umstritten ist.[3]. Ferner ist bekannt, dass Seefahrer und Fischer die Insel als Zufluchtsort vor Stürmen nutzten, was vermutlich erste Ansiedlungen zur Folge hatte. Schon um 800 soll es eine Kirche gegeben haben, die Kirche in Hollum steht auf Fundamenten vom Beginn des 12. Jahrhunderts.

1398 gaben die holländischen Grafen Ameland als Lehen an Arend van Egmond. Nach 1400 entzog sich aber Ameland bald der holländischen Autorität. Der Landtag 1405 in Hartwerd (bei Bolsward) regelte das Verhältnis zwischen dieser Insel und Friesland; die getroffene Übereinkunft kam einer Unabhängigkeit gleich. Sie wurde 1428 von Philipp dem Guten und 1469 von Karl dem Kühnen bestätigt.

Wie auf Terschelling herrschten auf der Insel Ameland friesische Häuptlinge, erst aus der Familie Jelmera. Ritske Jalmera baute sich um 1400 in Ballum ein Steinhaus („stins“), ein kleines Schloss. Dann folgte die Herrschaft der Familie Donia und schließlich ab 1463 ein Heringa, der sich später Hayo von Cammingha nannte. 1474 wurde ihm das Schloss in einem Prozess offiziell zugewiesen, unter anderem mit erblichem Seerecht. 1494 erkannte der römisch-deutsche König Maximilian I. Pieter Cammingha als Erbherr von Ameland an.

Die Camminghas regierten zweihundert Jahre lang die Insel. Man hielt sich im Wesentlichen neutral, als Beispiel sei hier der Spanisch-Niederländische Krieg genannt. Die Staaten von Friesland erkannten diese Neutralität und Unabhängigkeit an, die Generalstaaten und die Staaten von Holland erhoben allerdings Ansprüche auf die Insel. Auch gab es einige Streitigkeiten mit den Wassergeusen; Ameland wurde, wie auch Terschelling, im Jahr 1569 kurzfristig besetzt.

Die Familie Cammingha vermochte sich bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zu halten. 1680 verstarb Frans Duco van Cammingha kinderlos. Die Herrschaft über Ameland ging 1681 auf drei Nichten über (Familie Theo Schwartsenberg Hohenlandsberg). 1704 verkauften sie die Insel für 170.000 Gulden an Johan Willem Friso van Nassau-Dietz, Erbstatthalter von Friesland und Groningen. Ameland befand sich damit zunächst in den Händen der Oranje, bis sie es durch die französischen Besatzung 1795 wieder verloren. Ameland wurde 1801 der Provinz Friesland zugeschlagen. Als 1813 die Unabhängigkeit der Niederlande wieder hergestellt war, endete der Status Amelands als Freie Herrlichkeit. Das Schloss der Camminghas, das nun vom Bürgermeister bezogen wurde, fiel schließlich in den Besitz des Kaufmannes Jan Scheltema, der es zum Abbruch kaufte und 1829 dem Erdboden gleichmachen ließ.

Im 18. Jahrhundert bildete der Walfang eine Haupteinnahmequelle der Insulaner. 1770 wohnten 128 Seeleute und Kapitäne auf der Insel, die in Walfängern zur See fuhren und der Insel einen bis dahin ungekannten Wohlstand bescherten. Diese Blütezeit war abrupt beendet, als 1777 viele Ameländer im arktischen Packeis den Tod fanden, was vom damaligen Kommandeur Hidde Dirks Kat ausführlich in seinem Tagebuch beschrieben wurde.

Die Einwohnerzahlen sanken im Laufe der Jahre stark, erst mit der Anlage der Deiche gab es die Möglichkeit, die Insel landwirtschaftlich zu nutzen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts spielte der Tourismus eine immer wichtigere Rolle und bildet heute die wesentliche Einnahmequelle der Insel.

Tourismus und Verkehr[Bearbeiten]

Seit mindestens 75 Jahren gibt es Kinderfreizeiten auf Ameland, die ersten deutschen Kinder vom Niederrhein kamen 1920 oder 1921 zur „Kinderlandverschickung“ auf die Insel. Besonders nachdem der katholische Priester Edmund Janssen einen Kontakt nach Ameland herstellte, haben Bauern ihre Ställe zur Verfügung gestellt, die den Kindern z. T. auch heute noch in renovierter Form als Übernachtungsmöglichkeit dienen. Viele neue Gruppenunterkünfte ("Lager") sind in den letzten Jahren hinzugekommen. In den Sommerferien bevölkern ca. 20.000 Jugendliche die Insel und sind damit eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle. In den Sommerferien des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen richtet der Malteser Hilfsdienst aus der Diözese Münster in Buren eine Ambulanz für die Jugendlager ein, um die ortsansässigen Ärzte zu entlasten. Neben den Gruppenunterkünften gibt es vier große Campingplätze, einige Hotels und eine Vielzahl von Ferienappartements auf der Insel. Die Insel beherbergt den kleineren der beiden Flughäfen der westfriesischen Inseln. 2001 zählte er knapp 6.000 Starts und Landungen, womit sich die Zahl gegenüber 1986 mehr als verdoppelt hat.[4]

Versorgung[Bearbeiten]

Die Energieversorgung der Insel erfolgt durch den holländischen Erdgas-Förderer ENECO. Dieser betreibt vor der Insel Erdgasförderplattformen und musste bei der Anbindung dieser an das niederländische Verbundnetz eine Versorgungsleitung mit aufbauen.

Auf der Insel werden seit Ende 2007 Feldtests zur Injektion von Wasserstoff in das lokale Erdgasnetz durchgeführt. Dazu wurde eine kleine Häusergruppe vom Netz abgekoppelt und mit einer separaten Versorgungsstation verbunden. Der Wasserstoffanteil liegt zur Zeit bei 15 % und kann bei Bedarf auf 20 % gesteigert werden.[5]

Ausflugsziele[Bearbeiten]

Die beliebtesten Ausflugsziele auf Ameland sind der Leuchtturm und der lange Strand Richtung Nordsee. Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist der Wasserspielplatz "in de Vleyen" in Nes. In unmittelbarer Nähe eröffnete im Juni 2009, an alter Stelle am Strandweg, das neu erbaute Naturzentrum mit seinem Aussichtsturm. Darüber hinaus gibt es ein Strandgut- und Landwirtschaftsmuseum und die Nassau-Entenkoje in Buren sowie das Rettungsmuseum und das kulturhistorische Museum "Sorgdrager" in Hollum. Bekannt auf Ameland sind auch die Robben- und Muschelfahrten zu Robbenbänken vom Hafen aus. In Buren gibt es ein kleines modernes Schwimmbad mit Kinderbecken, Rutsche und einem Becken mit normaler Tiefe. Des Weiteren gibt es den Strandexpress, der eine Führung ins Naturschutzgebiet "De Hon" ermöglicht. Das alte große Schwimmbad in Nes wurde vor Jahren wegen Geldmangels und hygienischer Unzulänglichkeiten stillgelegt. Ob es abgerissen wird, ist noch unklar.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • im Sommer (meist 2x monatlich) - im Winter (meist monatlich):
Wasserung des Rettungsbootes „Abraham Fock“
Wasserung des Rettungsbootes im Juli 2010
Naturschutzgebiet "De Hon" im Osten der Insel
  • Juni: Ameland Beach Rugby Festival
  • August: Roggenfest in Nes
  • September: Jährlich findet in Ameland der ETU-Cross-Triathlon („Tri-Ambla“) statt.
  • November: Kunstmarkt in Nes und auf der gesamten Insel Kunstmonat (Kunstmaand)
  • Das Ameländer Motorrad-Pfingsttreffen in Duinoord fand bis 2005 statt

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Einst sollen einige Ameländer des nachts Holzbalken von der Insel Terschelling gestohlen haben, um daraus einen Galgen zu bauen. Ein bekannter Reim lautet: De Amelander schalken, stalen eens 3 balken, des avonds in de maneschijn, daarom zal dit hun wapen zijn.

Das Wappen wurde am 20. Februar 1816 durch königlichen Beschluss wie folgt festgelegt: ein Schild, in der Mitte durchgeschnitten, die rechte Hälfte von Gold, verziert mit drei schwarzen Balken welche von links oben nach rechts unten verlaufen, die linke Hälfte ist lasiert und beladen mit einem wachsenden Mond in Silber. Der Schild wird oben von einer goldenen Krone gedeckt.

Das Aussehen der Gemeindeflagge wurde durch einen Ratsbeschluss am 27. Juni 1950 festgelegt: vier gleich hohe Bahnen von blau und gelb, mit darin mittig der blauen ein in weiß gehaltener Halbmond, in der gelben Bahn drei schwarze schräg gestellte Holzbalken nebeneinander.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ameland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Ameland – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 12.04.2014Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. Plinius der Ältere: Historia naturalis. Buch VI, Kap. 11 (42); in F. Waldmann: Der Bernstein im Altertum. Fellin 1883; in deutscher Übersetzung.
  3. William Smith: Dictionary of Greek and Roman Geographie. London 1854
  4. Jacobus Hofstede und andere: "Human Activities" in: Wadden Sea Ecosystem No. 19 - 2005 S. 33 als pdf
  5. Genlab Frank: The possibility of a gas-free island. Presseurop.eu, 7. Juli 2009, abgerufen am 22. Juli 2010 (englisch).