WDR 3

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WDR 3
WDR 3 logo 2012.svg
Allgemeine Informationen
Empfang analog terrestrisch, DAB+, Kabel, Satellit, Webstream
Sendegebiet Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Sendeanstalt Westdeutscher Rundfunk Köln
Programmchef Karl Karst
Intendant Tom Buhrow
Sendestart 1962; Vollprogramm seit 30. März 1964
Rechtsform öffentlich-rechtlich
Programmtyp Kulturradio
Liste der Hörfunksender

WDR 3 ist die Hörfunk-Kulturwelle des Westdeutschen Rundfunks in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte[Bearbeiten]

In den Weihnachtsferien 1954/55, sowie ein und zwei Jahre später (bis 1956/57) strahlten WDR und NDR (damals noch NWDR) erstmals ein an das dritte Programm der BBC angelehnte WDR 3 und NDR 3 aus; die Sendungen richteten sich, wie die der BBC, an ein „gehobenes“ Publikum, das nach den Worten des damaligen Intendanten Hanns Hartmann bereit sein solle mitzutun, mitzudenken und mitzuempfinden. Nach Probeläufen für ein Vollprogramm 1962 sendete der WDR ab dem 1. Januar 1963 fünf Tage die Woche „WDR 3“. Ab dem 30. März 1964 sendete das 3. Hörfunkprogramm täglich. Im Unterschied zum heutigen Programmauftrag stand in den ersten Jahrzehnten die Bildung im Vordergrund. Politisches Wort, kulturelles Wort, klassische Musik und weitere Programmelemente wie Hörspiele waren diesem Bildungsbegriff untergeordnet. [1][2]

Ab 1973 wurde das Programm sukzessive zum heutigen musikgeprägten Kulturprogramm umgestaltet und dafür u. a. großflächige Musiksendungen geschaffen. So entstand 1987 die vormittags ausgestrahlte Sendung Klassik-Forum, in der die Redakteure selbst im Studio sind und die von ihnen ausgewählte Musik ausführlich motivieren. Im Gegensatz zum restlichen Tagesprogramm finden hier regelmäßig ganze Werke mit Laufzeiten bis zu einer knappen Stunde ihren Platz.[2]

Seit der Reform im Jahre 2001 ist eine immer deutlichere Positionierung von WDR 3 als Begleitprogramm mit Magazincharakter erkennbar. Dies betrifft insbesondere die Programmschiene von 12 bis 20 Uhr.[3]

Seit 1999 leitet Karl Karst das Programm.[4]

Altes Logo bis 4. April 2014

Konzept[Bearbeiten]

Das Radioprogramm ist laut Selbstdarstellung des WDR dem anspruchsvollen „Wort“ und der klassischen Musik verpflichtet. Auch modernen Ansätzen der Musik werde breiter Raum eingeräumt. Nach WDR 5 ist WDR 3 der Sender mit der höchsten Informationsdichte aus den Bereichen Politik und Kultur. Das Magazin Journal behandelt aktuelle Ereignisse mehrmals täglich. In diesen achtminütigen Sendungen werden Kurznachrichten, ein Kommentar und mehrere Beiträge gebracht. Zu den früheren renommierten Wortsendungen von WDR 3 gehörten unter anderem Am Abend vorgestellt und das 1967 etablierte Kritische Tagebuch[2].

Der Werbe-Claim der Welle änderte sich mehrfach. Ab dem Jahr 1999 (evtl. sogar früher) bis 2007 lautete er: „WDR 3. Das Kulturereignis“; dazu über die Jahre wechselnde, mehr oder weniger abstrakte, jedoch Zielgruppen-unabhängige Symbolbilder, etwa das einer Wasseroberfläche.[5] Ab 2008 war der Claim „WDR 3. Aus Lust am Hören“, und die Webseite und Werbebroschüren wandten sich optisch an die Zielgruppe der „Best Ager“ und Rentner. Auf dem Leitfoto der WDR 3-Webseite war lange Zeit eine Frau über 50 mit Ohrhörern und mp3-Gerät glücklich in freier Natur zu sehen, im Jahr 2011 ein weißhaariger Mann mit Kopfhörer und weißem Notebook-Computer in fast steriler, schneeweißer Umgebung.[6] Seit dem Jahr 2012 fehlt der Welle die Werbezeile.

In loser Folge öffnet WDR 3 sein Programmschema und sendet zu einem bestimmten Thema einen ganzen „Radiotag“, etwa am 21. September 2013, 99 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs: Atemlos, taumelnd, überhitzt. Der Vorabend des Ersten Weltkriegs[7]

Programmreformen und Kontroversen[Bearbeiten]

Wie alle Wellen der ARD durchlief auch WDR 3 im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Programmreformen, die stets Kritik provozierten. Bis zur Reform 2004 wuchs die Welle inhaltlich, die Zahl neuer Sendungen nahm zu, Wortanteile weiteten sich aus. Seit 2004 ist diese Tendenz rückläufig. Viele „Wortinseln“ wurden abgeschafft oder wanderten in veränderter Form zu WDR 5 ab.

Reform 2001[Bearbeiten]

Diese Reform bewarb der WDR so:

Ab März erklingt das neue Programm der Hörfunk-Kulturwelle WDR 3: eine geänderte Programmstruktur, jede Menge neue Sendungen. WDR 3 open, WDR 3.pm oder Resonanzen - Die neuen Sendetitel deuten es schon an: WDR 3 setzt zeitgemäße Akzente - und rückt näher heran an die kulturellen und musikalischen Ereignisse von heute. [...] Die Veränderungen bei WDR 3 setzen die Linie der Programmreform von 1998 fort. Ziel ist eine Bestärkung des Kulturengagements: "Für mich ist dies die konsequente Fortentwicklung eines großen, traditionsreichen Kulturprogramms, das dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut zu Gesicht steht", so Karl Karst, Programmchef WDR 3.[8]

Der Reform fiel unter anderem die literaturkritische Sendung Am Abend vorgestellt (Montag - Freitag 23.05 - 23.30 Uhr) zum Opfer. Von ihr blieb nur die am Mittwoch ausgestrahlte und von Lothar Fend betreute und moderierte Rubrik Gutenbergs Welt übrig und wurde auf den Sonntag 12.05 - 13.00 Uhr verschoben.

Reform 2004[Bearbeiten]

Eine Programmreform am 1. Januar 2004 weitete die beiden kulturellen Magazinsendungen Mosaik und Resonanzen zeitlich stark aus, ohne jedoch die Anzahl der Beiträge, also der Informationen zu erhöhen. Ziel der Programmreform war, durch ein noch breiteres musikalisches Angebot auch jüngere Hörer (ab 30 Jahren) für das Programm zu interessieren. Deshalb wurde eine „Zweiteilung“ des Programmablaufes beschlossen: Von 6:00 Uhr bis 15:00 Uhr sendete die Welle ausschließlich klassische Musik, nach 15:00 Uhr öffnete sich das musikalische Spektrum Richtung Jazz und Easy Listening. Der WDR selbst begründete die Reform mit einem Ausbau des kulturellen Angebots und einer Abgrenzung von anderen WDR-Wellen:

Mit den neuen Angeboten ist WDR 3 eine deutliche Alternative zu den informations- [gemeint ist WDR 2] und servicegeprägten [gemeint ist WDR 5] Sendungen anderer Programme, ohne dass die kulturinteressierten Hörer auf politische Kerninformation verzichten müssten.[9]

Reform 2008[Bearbeiten]

Die nächste Programmreform im Jahr 2008 wurde in der Öffentlichkeit noch kontroverser diskutiert.[10] Insbesondere war vorgesehen, den Wortanteil am Programm noch weiter abzusenken, was den Reformern den Vorwurf der Dudelfunk-Begünstigung einbrachte. Am 1. September 2008 trat diese Reform in leicht überarbeiteter Version in Kraft, bei der unter anderem die monothematischen Musikpassagen am Nachmittag zum Magazin mit klassischer Musik wurden. Der Reform fiel die politische Kommentarsendung Tageszeichen, eine verkürzte Nachfolgerin des legendären Kritischen Tagebuchs, zum Opfer.[11]

Reform 2012[Bearbeiten]

Eine weitere geplante Programmreform sollte schon im März 2012 greifen, stieß jedoch auf noch heftigeren Widerstand, zuletzt in Form einer im Internet geführten Unterschriftenliste, die bis Ende Mai 2012 von fast 19.000 Personen unterzeichnet wurde.[12] Die Unterzeichner von „Die Radioretter - Initiative für Kultur im Rundfunk“ monierten in einem offenen Brief[13] an die Intendantin Monika Piel...

„...die Streichung von täglich 32 Minuten politischer Berichterstattung im „Journal“, das Verschwinden eines wöchentlichen Feature-Platzes für Musik und Literatur, die Verwandlung des werktäglichen aktuellen Kulturmagazins „Resonanzen“ in ein Wiederholungsprogramm und das Aus für das sonntägliche Auslandsmagazin „Resonanzen weltweit“ – um nur einige der als Organisationsreform angekündigten „Kleinigkeiten“ zu nennen.“

und unterstellten den Reformern, insbesondere dem Hörfunkdirektor, „den Blick für die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ verloren zu haben:

„Die Einsparungen im WDR 3-Radio wären ja nur ein Klacks im Vergleich zu den Unsummen, die für den Profi-Fußball im Fernsehen ausgegeben werden. Oder die der gebührenfinanzierte Selbstfindungsprozess teurer Moderatoren im Vorabendprogramm kostet.“[14]

Der WDR verschob die Reform auf den Mai 2012. Hörfunkdirektor Schmitz wies die Kritik in einem offenen Brief zurück:

„Der WDR ist und bleibt die ARD-Anstalt mit den meisten Sendeplätzen für Features und Hörspiele.“

Er unterstellte dem Gros der Unterzeichner der Protestnote:

„Es spricht nach meiner Wahrnehmung einiges dafür, dass viele Feststellungen und Forderungen inspiriert sind von einem Kulturradio-Verständnis, das in den 1970er-Jahren modern war.“[15]

In einer Sitzung des Rundfunkrates des WDR am 2. März 2012 stand die Reform auf der Agenda, obwohl nicht der Rundfunkrat, sondern die Intendantin letzten Endes entscheiden muss. Die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats, Ruth Hieronymi (CDU), forderte in dieser Sitzung:

„Mögliche Änderungen müssen dem Alleinstellungsmerkmal von WDR 3 als musikgeprägtem, anspruchsvollen Kulturprogramm gerecht werden."[16]

In seiner Sitzung am 30. Mai 2012 billigte der Rundfunkrat des WDR schließlich die aufgrund der Proteste nachgebesserte Programmreform. Das Programm werde einerseits um ein aktuelles Kulturmagazin am Sonntag erweitert. Auch der Internetauftritt werde ausgebaut. Andererseits würden „einige wenige Sendungen aufgegeben beziehungsweise gekürzt“. Erhalten blieben die täglichen Kultur-Kommentare und ein wöchentlicher Radio-Essay sowie das Journal am Abend zu den wichtigsten aktuellen Ereignissen des Tages. Eine „permanente ‚Zukunftswerkstatt‘“ soll dauerhaft Raum für Experimente im Programm bieten.[17] An Feiertagen werde ein einstündiges Musikfeature gesendet. Dafür seien zehn Sendeplätze pro Jahr vorgesehen.[12]

Am 7. Oktober 2012 startete das neue sonntägliche aktuelle Kulturmagazin WDR 3. Kultur am Sonntag.

Causa Lemke-Matwey[Bearbeiten]

Am 5. Mai 2014 beendete der WDR die Zusammenarbeit mit der Redakteurin Christine Lemke-Matwey, die auf WDR 3 regelmäßig die Sendung Klassik-Forum moderierte. Der WDR begründet diese Handlung mit Illoyalität und beruft sich auf einen in Die Zeit erschienenen Artikel von Lemke-Matwey, in dem sie den Führungskräften der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten u. a. ein militantes Desinteresse an Hochkultur vorwirft, das sich in der sukzessiven Marginalisierung von Kultur und insbesondere klassischer Musik im Angebot der Rundfunkanstalten äußere. Die Reaktion des WDR wurde in der Presse als unverhältnismäßig kommentiert.[18][19]

Moderatoren (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. [1], [2], [3]: ARD-Chronik des Deutschen Rundfunkarchivs
  2. a b c WDR-Zeitzeichen: Der Start des Hörfunkprogramms WDR3. Abgerufen am 9. Mai 2014 (MP3; 6766 KB).
  3. Programmunterseiten der WDR-3-Website im Webarchiv im Laufe der Jahre Memento von August 2001. Archiviert vom Original am 1. August 2001, abgerufen am 10. Mai 2014.
  4. Homepage WDR 3, abgerufen am 3. Dezember 2013
  5. wdr3.de, archiviert bei archive.org (Version vom 9. November 2000 im Internet Archive). Die Webseite vom 9. November 2000 zeigte in einer Bildergalerie die Themen: Konzertsaal, Kulturpark und Technik.
  6. wdr3.de (Version vom 17. Dezember 2008 im Internet Archive). Die Webseite vom 17. Dezember 2008 wies an erster Stelle Kultur- und nicht Musikinformationen auf, etwa zum Frauenfestival, dem Haus der Geschichte und zur Architektur des Berliner Schlosses.
  7. Radiotag zu 100 Jahre nach 1913 auf der Webseite des WDR
  8. Selbstdarstellung auf wdr3.de (Version vom 28. Juni 2001 im Internet Archive) Abgerufen am 18. März 2012.
  9. Selbstdarstellung auf wdr3.de (Version vom 3. Februar 2004 im Internet Archive). Abgerufen am 18. März 2012.
  10. Zur Kritik an der Reform siehe u. a. [4]Die Zeit vom 28. Februar 2008
  11. Anstelle des Tageszeichens entstand die damit nicht vergleichbare, eher satirische Sendung Politikum auf der Nachbarwelle WDR 5.
  12. a b Rundfunkrat beschließt umstrittene WDR3-Reform. In: Freie Presse (dapd). 30. Mai 2012. Abgerufen am 31. Mai 2012.
  13. Offener Brief der „Initiative Die Radioretter“ an Intendantin Monika Piel
  14. Reaktionen auf die Aktion in der Tagespresse, siehe u. a. Tagesspiegel oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Feuilleton, S. 1, beide vom 4. März 2012
  15. WDR Pressemitteilung
  16. WDR Pressemitteilung vom 2. März 2012
  17. [WDR 3: Geplante Änderungen]. Pressemitteilung des WDR. 30. Mai 2012. Abgerufen am 31. Mai 2012.
  18. Neue Musikzeitung: WDR 3 kündigt Moderatorin Christine Lemke-Matwey die Zusammenarbeit auf. Abgerufen am 10. Mai 2014.
  19. Süddeutsche Zeitung: Fack ju Mozart. Abgerufen am 10. Mai 2014.