UKW-Rundfunk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

UKW-Rundfunk (Englisch: FM radio) ist Rundfunk auf Ultrakurzwelle.

Technische Details[Bearbeiten]

Basisbandsignal eines UKW-Rundfunkprogrammes

Weltweit wird UKW-Rundfunk im VHF-Band II zwischen 87,5 MHz und 108,0 MHz betrieben. In manchen Ländern werden nur Teilbereiche davon genutzt. Lediglich Japan und einige Länder des ehemaligen Ostblocks verwenden teilweise andere Frequenzbereiche. Als Modulationsart wird die Frequenzmodulation (FM) benutzt. Diese ermöglicht eine weniger störungsanfällige Übertragung von Rundfunksignalen, da sie im Vergleich zu der im Lang-, Mittel-, und Kurzwellenbereich verwendeten Amplitudenmodulation (AM) recht unempfindlich gegenüber atmosphärischen Störungen ist. Der im Band II verfügbare Frequenzbereich ist mit 20,5 MHz darüber hinaus zwanzigmal so groß wie derjenige im Mittelwellen-Band. Dieser Bereich ist in Kanäle von jeweils 300 kHz Breite aufgeteilt (Kanalraster). In der Praxis haben diese Kanäle heutzutage aber keine Bedeutung mehr. Der Abstand zwischen den einzelnen Frequenzen beträgt nur noch 100 kHz (in Italien sogar 50 kHz).

Allerdings wird versucht, bei den relevanten Sendern einer Region wenigstens 200 bis 300 kHz Abstand einzuhalten. Dennoch steht den einzelnen Rundfunksendern eine gegenüber dem Rundfunk in den AM-Bändern wesentlich größere Bandbreite zur Verfügung, die es erlaubt, eine qualitativ hochwertige Tonqualität (High Fidelity) sowie zweikanalige Stereo-Übertragung zu realisieren. Zur Verbesserung der Empfangsqualität wird beim UKW-Rundfunk außerdem der Frequenzgang des gesendeten Signales verändert und diese Änderung auf der Empfängerseite wieder rückgängig gemacht. Diese Technik wird mit Emphasis bezeichnet. Hier ergeben sich aus technischer Sicht Unterschiede zwischen dem UKW-Rundfunk in den USA und dem Rest der Welt. Die für Präemphase/Deemphase in Europa verwendete Zeitkonstante beträgt 50 µs.

Das Kanalraster erlaubt wegen der höheren Bandbreite die Übertragung weiterer Zusatzdienste wie Verkehrsfunk-Durchsagen mit ARI-Kennung sowie das Radio Data System (RDS).

Zwischen 1974 und 1998 wurde in Deutschland auf den Frequenzen 87,340 MHz und 87,365 MHz das sogenannte Eurosignal ausgestrahlt. Dieser üblicherweise amplitudenmodulierte Funkrufdienst diente zur einseitigen Übertragung von Tonsignalen an mobile Empfänger. Sollte ein Teilnehmer benachrichtigt werden, so konnte dies per Telefon, ISDN oder Mobiltelefon (C/D-Netz) geschehen. Die mobilen Empfänger verfügten meistens über vier LEDs zur Anzeige eines Rufes. Eine Übertragung von Sprache oder Zahlen über das Eurosignal war nicht möglich.

UKW-Rundfunk in Großbritannien und Irland[Bearbeiten]

In Großbritannien und Irland wird der Bereich von 88,0 MHz bis 107,9 MHz verwendet.

UKW-Rundfunk in den Ländern Osteuropas[Bearbeiten]

In den ehemals sozialistischen Ländern Osteuropas (mit Ausnahme der DDR), der Sowjetunion und der Mongolei wurde der Frequenzbereich von 65,9 bis 73,1 MHz, das so genannte OIRT-Band, für UKW-Rundfunk festgelegt. Erst nach der Wende 1989/90 wechselten einige Länder schrittweise auf das Band II, das in den westeuropäischen Ländern verwendet wurde.

Heute sind vielfach noch beide Frequenzbereiche aktiv – in Russland unterscheidet man beispielsweise (im Alltagssprachgebrauch) zwischen FM (87,5 MHz bis 108,0 MHz) und UKW (65,9 bis 73,1 MHz).

UKW-Rundfunk in Japan[Bearbeiten]

In Japan wird für den UKW-Rundfunk der Frequenzbereich 76 bis 90 MHz verwendet.

UKW-Rundfunk in Südkorea[Bearbeiten]

In Südkorea wird für den UKW-Rundfunk der Frequenzbereich 88 bis 108 MHz verwendet.

UKW-Rundfunk in den Vereinigten Staaten[Bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten ist der nutzbare Frequenzbereich festgelegt auf 87,9 bis 107,9 MHz. Die Höhenanhebung beim Senden (Preemphasis) ist gegenüber den anderen Ländern auf einen anderen Wert festgelegt. Hieraus ergibt sich eine – überwiegend unwesentliche – Inkompatibilität bei den Empfangsgeräten. Zudem wird in den USA nur auf ungeraden Frequenzen mit 0,2 MHz (200 kHz) Abstand gesendet (also auf 87,9 MHz, 88,1 MHz, 88,3 MHz usw). Die in den USA für Präemphase/Deemphase verwendete Zeitkonstante beträgt 75 µs (Mikrosekunden).

Geschichte[Bearbeiten]

1925 fand zwischen Jena und Kahla die erste UKW-Übertragung der Welt durch Professor Abraham Esau statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf der Internationalen Rundfunkkonferenz in Atlantic City die Frequenzen für europäische Rundfunksender neu vergeben. Nach dem Kopenhagener Wellenplan erhielten die Verlierer-Staaten nur sehr wenige, ungünstige Frequenzen im Mittelwellenbereich zugeteilt. Daher wurde insbesondere in diesen Staaten der Einsatz von Ultrakurzwellensendern geplant. Der erste europäische UKW-Sender wurde am 28. Februar 1949 in München-Freimann vom Bayerischen Rundfunk (90,1 MHz) in Betrieb genommen.

Anzahl der UKW-Sendestationen (Funkmasten) in der Bundesrepublik Deutschland 1952:

Bayerischer Rundfunk 27
Hessischer Rundfunk 7
Nordwestdeutscher Rundfunk 29
Radio Bremen 2
Süddeutscher Rundfunk 12
Südwestfunk 27
Sender Freies Berlin 2
Insgesamt 106

Bis in die 1980er Jahre wurden für den UKW-Rundfunk in Deutschland fast nur Frequenzen im Bereich von 87,5 MHz und 100 MHz eingesetzt. Die Frequenzen oberhalb 100 MHz wurden erst nach der Einführung von Privatsendern im großen Stil freigegeben, weshalb in diesem Bereich die meisten privaten Programmanbieter zu finden sind. Dies geschah in zwei Stufen, zunächst bis 104 MHz und Anfang 1990er Jahre bis 108 MHz.

In der Bundesrepublik Deutschland werden UKW-Sender zurzeit (2014) von den neuen Landesrundfunkanstalten, dem Deutschlandradio (mit den beiden UKW-Programmen Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur), von ausländischen Rundfunkanbietern wie AFN und BFBS und natürlich von privaten Programmanbietern betrieben.

Die Ausstrahlung von Stereo-Sendungen auf UKW begann in den 1960er-Jahren.

Seit 2006 ist in Deutschland und in der Schweiz der Betrieb von UKW-Sendern mit kurzer Reichweite von einigen Metern (bis zu 50 nW ERP erlaubter Strahlungsleistung), z. B. zur Übertragung von Signalen eines MP3-Players zum Autoradio, erlaubt.[1] Diese Geräte werden im Handel als FM-Modulator, FM-Transmitter (Minisender) usw. angeboten.[2]

Die Zukunft des UKW-Rundfunks[Bearbeiten]

Als Nachfolger des analogen UKW-Rundfunks wurde der digitale Rundfunk in Gestalt von DAB (Digital Audio Broadcasting) angesehen. Es war vorgesehen in der EU die analoge Verbreitung von Rundfunkprogrammen im Jahr 2012 einzustellen, wenn sich der digitale Rundfunk verbreitet hätte. Dieses Ziel wurde deutlich verfehlt, siehe Analogabschaltung. In Deutschland und Österreich konnte sich DAB nicht durchsetzten, daher wurde es dort eingestellt. In Deutschland wurde inzwischen der inkompatible Nachfolger DAB+ eingeführt. In der Schweiz war die Einführung von DAB erfolgreicher, aber auch dort soll DAB+ eingeführt werden. Im Rest von Europa ist die Situation unübersichtlich, mancherorts wurde der Betrieb wieder eingestellt, in anderen Ländern scheint er teilweise erfolgreich zu sein. Siehe auch Digital Audio Broadcasting in Europa

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 stellte die Bundesregierung fest, „dass [...] der UKW-Hörfunk durch Digital Audio Broadcasting (DAB) abgelöst werden soll.“ Voraussetzung hierfür wäre, dass sich DAB im Markt durchsetzt. Durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten sollte erreicht werden, dass im Jahr 2010 die weit überwiegende Mehrzahl der Hörer Digitalradio nutzt und damit die analoge Hörfunkübertragung ab 2010 auslaufen könnte. Schon im Jahr 2005 stellte die Initiative Digitaler Rundfunk in einem Bericht fest, dass sich DAB noch nicht hinreichend etablieren konnte und daher der analoge UKW-Hörfunk noch auf lange Sicht der wichtigste Verbreitungsweg bleiben wird. Ungeachtet dessen wird an dem Ziel, die analoge UKW-Hörfunkübertragung durch ein digitales System zu ersetzen, weiterhin festgehalten und das Band II soll dauerhaft dem Rundfunk zur Verfügung stehen.

Zwischenzeitlich gab es Überlegungen, den UKW-Bereich mit den schmalbandigen Systemen DRM+ oder HD-Radio zu digitalisieren. Diese Technik hätte es erlaubt einzelne UKW-Frequenzen von analoger auf digitale Nutzung umzustellen.

Nachdem die Einführung von DAB misslang, machte man 2011 mit der Einführung des Nachfolgers DAB+ einen Neustart. Da die Standards inkompatibel sind müssen neue Geräte angeschafft werden. Dennoch zeigen sich teilweise Erfolge bei der Verbreitung (2014).

Situation in Österreich[Bearbeiten]

Situation in der Schweiz[Bearbeiten]

Situation in Italien[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesnetzagentur: Verwaltungsvorschrift für Frequenzzuteilungen für den Rundfunkdienst, Drahtlose Audio-Funkanwendungen
  2. Bundesnetzagentur gestattet Privatfunk mit 50 Nanowatt auf heise online vom 8. März 2006

Weblinks[Bearbeiten]