DVB-C

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DVB-C (Abkürzung für engl.Digital Video Broadcasting – Cable“; also dt. „digitale Videoübertragung via Kabel“) bezeichnet eine Variante von DVB, die für die Übertragung von digitalen Hörfunk- und Fernsehsignalen über Kabelanschluss verwendet wird.

Hintergrund[Bearbeiten]

Wie auch bei den anderen Übertragungswegen Antennenfernsehen und Satellitenfernsehen, soll auch das Kabelfernsehen digitalisiert werden, um so durch Komprimierung wesentlich mehr Programme mit einer deutlich besseren Bildqualität übertragen zu können – im Kabelnetz reicht so bisher für einen analogen Sender verwendete Kapazität für 10–12 Sender in SDTV oder 5–6 in HDTV.

Durch die digitale Ausstrahlung können, synchronisiert mit dem Bildsignal, auch interaktive Funktionen wie MHP, EPG und digitaler Teletext bereitgestellt werden. Auch kommerzielle Dienste wie Video-on-Demand (VOD) und Pay-per-View (PPV) sind umsetzbar. Diese werden – wie auch das bereits aus der analogen Ära bekannte lineare Pay-TVverschlüsselt ausgestrahlt und sind gegen Bezahlung einer Gebühr abonnierbar. Die Entschlüsselung erfolgt über den Digitalreceiver durch Benutzung einer personalisierten Smartcard. Diese wird über eine standardisierte Schnittstelle, das Common Interface, angesprochen. Vereinzelt werden auch proprietäre Lösungen ohne CI-Interface und Smartcard verwendet.

Nachdem lange Zeit nur Set-Top-Boxen für DVB-C erhältlich waren (oftmals nur durch die Kabelnetzbetreiber vertrieben), sind etwa seit dem Jahr 2010 die meisten neuen Fernseher mit entsprechenden Tunern ausgestattet. Im Gegensatz zu anderen Empfangswegen basiert die Übertragung von HDTV dabei auf der gleichen Version des Sendestandards; dennoch müssen die Auflösung und der Videocodec H.264 vom Gerät unterstützt werden.

Technik[Bearbeiten]

Das Programmangebot über DVB-C kann über eine Satellitenposition ähnlich hoch sein wie bei DVB-S, obwohl die Bandbreite dieser im Ku-Band um ca. den Faktor 4 größer ist. Das liegt daran, dass die von DVB-S verwendete QPSK-Modulation mehr Bandbreite pro Kanal braucht als die meistens von DVB-C verwendete 256-QAM-Modulation.

Als Modulation kommt dabei die sogenannte Quadraturamplitudenmodulation (QAM) zum Einsatz. Der Anbieter Kabel Deutschland überträgt dabei meist in der Variante 256-QAM, welche die höchste Bandbreite erlaubt. Zum Teil wird dort aber auch noch 64-QAM genutzt. Zu den verwendeten Profilebenen für die Videoübertragung gehören MPEG-2 MP@ML, MPEG-2 MP@HL und MPEG-4 AVC/H.264 HP@L4. Letztere erlauben die Übertragung von HDTV.

DVB-C2[Bearbeiten]

Unter der Bezeichnung DVB-C2 wurde bereits ein Nachfolge-Standard für DVB-C entwickelt, der jedoch bisher – anders als DVB-S2 für Satellit und DVB-T2 für Antenne – noch keine praktische Anwendung findet. Dies liegt vor allem daran, dass die Ausstrahlung von HDTV auch in DVB-C bereits möglich und üblich ist.

Die Spezifikation des DVB-C2-Standards wurde im April 2010 durch das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) als EN 302 769 veröffentlicht. DVB-C2 wird dabei große Ähnlichkeit zu DVB-T2 aufweisen und daher wie DVB-T2 auf dem Modulationsverfahren COFDM basieren. Zusätzlich werden der Fehlerschutz LDPC und eine Vorwärtsfehlerkorrektur eingeführt. Die Spektrale Effizienz wächst von 50 MBit/s pro 8 MHz (6 Bit/s Hz) bei DVB-C mit 256-QAM auf mehr als 80 MBit/s pro 8 MHz (10 Bit/s Hz) bei DVB-C2 mit 4096-QAM. Die maximale Downstreamgeschwindigkeit erhöht sich durch diese zwei Maßnahmen in einem bis 862 MHz ausgebauten Netz von derzeit 5 Gbit/s auf 8 Gbit/s.

Während es schon diverse Feldversuche mit DVB-C2 gab,[1] ist ein Regelbetrieb erst in Verbindung mit der Ausstrahlung von UHDTV und dann wohl im HEVC-Videocodec zu erwarten.[2] Das Angebot an Geräten, die mit DVB-C2 kompatibel sind, war Anfang 2014 noch minimal.

Geschichte[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

2004 erstmals von Kabel Deutschland angebotener Kabel-Digital-Receiver von Pace
Anschlüsse auf der Rückseite des Receivers
Aktueller HD-DVR RCI88-320 KDG von Sagemcom Broadband SAS. Dieser beinhaltet die Komponenten HD-Digitalreceiver, Set-Top-Box und HD-Digital Video Recorder für Aufnahmen auf der integrierten Festplatte und für zeitversetztes Fernsehen (Time-Shift)

Die Digitalisierung erfolgte im Kabelnetz wesentlich langsamer als bei anderen Empfangswegen. Neben den ohne Zusatzkosten frei empfangbaren öffentlichen-rechtlichen Sendern und dem Fernsehanbieter Sky (damals noch Premiere) gab es lange Zeit nur ein überschaubares Angebot im Kabel, meist in Form kostenpflichtiger ausländischer Programmpakete. Erst seit Januar 2006 sind in vielen Kabelnetzen auch die Programme der RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1 Media digital im Kabel zu empfangen. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit der Betreiber mit den Sendern über Gebühren und Verschlüsselung.

In der Folgezeit waren bei vielen Anbietern sämtliche Privatsender grundverschlüsselt, so dass eine kostenpflichtige Smartcard für den Empfang erforderlich war. Erst Anfang 2013 wurde diese Verschlüsselung als Folge einer Entscheidung des Kartellamtes generell aufgegeben.

Das Angebot an digitalen Programmen übersteigt mittlerweile deutlich das analoge Angebot; derzeit werden jedoch freiwerdende Plätze im analogen Angebot noch stets neu bestückt. Vornehmlich werden dabei ortsfremde dritte Programme durch kleine Privatsender ersetzt. Für die vollständige Abschaltung der analogen Sender existiert derzeit kein Termin,[3] so dass größere Bandbreiten für die digitale Übertragung noch nicht zur Verfügung stehen. Die Umsetzung einer vorliegenden Abschaltungs-Verpflichtung für Ende 2014 in Sachsen gilt derzeit als unsicher.[4] Dass es mittelfristig zu einer Abschaltung kommen wird, ist jedoch sicher.

Programme in HDTV werden im Kabel im Vergleich zum Satellitenfernsehen nur sehr begrenzt angeboten und sind (mit Ausnahme von Das Erste, ZDF und teilweise Arte) fast ausschließlich verschlüsselt.

Österreich[Bearbeiten]

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Kabelfernsehen und auch digitales Kabelfernsehen DVB-C ist in Österreich, besonders in den Ballungszentren, weit verbreitet, auch wenn Eigentümer und Mieter, auch in einem Mehrparteienhaus, prinzipiell das Recht genießen, eine Satellitenantenne zu installieren.[5] Das Programm des Pay-TV-Anbieters Sky ist üblicherweise ebenso im Angebot enthalten wie die digitale Version der ORF-Programme.

Der größte Breitbandkabel-Provider außerhalb der Vereinigten Staaten UPC Telekabel mit 550.000 Kabel-TV-Kunden in Österreich, begann am 21. Mai 2008 damit, die seit 2001 „frei“ empfangbaren Digital-Programme, welche als DVB-C Standard Definition (720x576) Transport Stream an jedem Koaxialkabelanschluss vorhanden waren, im Zuge einer von zahlreichen Digitalsystem-Umstellungen zu verschlüsseln – natürlich mussten auch vorher Analog-Gebühren bezahlt werden, es handelt sich mehr oder weniger um das komplette Programmbouquet plus 60 digitale Radioprogramme. Seitdem war es also nicht mehr möglich, mittels einer handelsüblichen DVB-C-Karte am PC/Mac oder mit den in vielen TV-Geräten eingebauten DVB-C-Receivern digital fernzusehen. Seit 4. Februar 2013 bietet UPC Telekabel alle zuvor nur analog gesendeten TV-Kanäle nun zusätzlich wieder unverschüsselt in digitaler Qualität an, für die lediglich ein TV-Gerät mit eingebauten DVB-C-Receiver notwendig ist.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist das DVB-C je nach Kabelnetzbetreiber sehr unterschiedlich. Das Angebot des größten Kabelnetzbetreiber UPC Cablecom mit gut 50 % Marktanteil im Kabel-TV-Bereich umfasst im Juli 2009 rund 120 TV-Sender im digitalen Grundangebot und weitere rund 120 Sender aufgeteilt auf verschiedene Pay-TV-Pakete. Hinzu kommen diverse HDTV-Kanäle und ein Video-on-Demand-Angebot, das allerdings (Stand: Juli 2009) noch nicht in allen Netzen und nicht für alle eingesetzten Set-Top-Boxen der UPC Cablecom verfügbar ist. Alternativ bot die UPC Cablecom bis September 2009 ein Near-Video-on-Demand-Angebot. Dieses Angebot umfasste 16 Cinema Sender (13 für Spielfilme und 3 für Erotikfilme).

Die anderen Kabelnetzbetreiber (über 200 meist kleine Anbieter, gemeinsam rund 50 % Marktanteil) bieten oftmals in einem Verbund (Quickline, Digital Cable Group) ein der UPC Cablecom sehr ähnliches Angebot. Sowohl bei der UPC Cablecom, wie bei den meisten kleinen Netzen ist das gesamte digitale TV-Angebot codiert. Die UPC Cablecom setzt dazu auf ein Verfahren von Nagravision, viele kleine Netze auf Conax. Die Verschlüsselung des Grundangebotes sollte nach einer Motion von Simonetta Sommaruga per Gesetz verboten werden, was jedoch nicht gelang.[6] [7]

Größter digitaler Pay-TV-Anbieter ist die Schweizer Plattform Teleclub. Sie bietet derzeit in ihrem Kabelangebot 17 TV-Kanäle. Am Rande der Deutschschweiz und in der Westschweiz ist ein digitales Programmpaket der französischen Anbieter Canal Plus und CineCinema (CanalSat) verfügbar.

Ende 2008 nutzten gemäß Branchenverband Swisscable über 500.000 Kabelhaushaltungen Digital-TV. Die Wachstumsrate betrug 2008 rund 25 %. Die Kabelbranche der Schweiz steht in einem starken Wettbewerb zu einem IPTV-Angebot des größten Schweizer Telekomanbieters Swisscom. Dessen Angebot Swisscom-TV ist technisch in rund 80 % der Haushaltungen verfügbar und daher eine potentielle Alternative.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.digitalfernsehen.de/Kabel-Deutschland-macht-erste-Tests-mit-DVB-C2.102850.0.html
  2. http://www.video-magazin.de/ratgeber/dvb-c2-und-dvb-t2-zukunft-des-digitalen-fernsehens-1720553.html
  3. Kabelfernsehen noch bis 2018 analog?. www.digitalfernsehen.de. 18. Juli 2011. Abgerufen am 9. Januar 2013.
  4. http://www.digitalfernsehen.de/Politik-will-Analogabschaltung-im-Kabel-weiter-verschieben.112771.0.html
  5. OGH-Urteil Geschäftszahl 5Ob199/03f
  6. parlament.ch: KVF-N: Keine Regelung für Set-Top-Boxen, 1. Februar 2011, Zugriff am 8. Januar 2012
  7. parlament.ch: 10.084 – Geschäft des Bundesrates Bundesgesetz über Radio und Fernsehen. Änderung, Zugriff am 8. Januar 2012