Walter Bauer (Theologe)
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Walter Bauer (* 8. August 1877 in Königsberg (Preußen); † 17. November 1960 in Göttingen) war ein Theologe, der sich vor allem in der neutestamentaren Forschung der Alten Kirche einen Namen gemacht hatte. Auf ihn geht die Theorie der proto-orthodoxen Lehrmeinung zurück. Er ist der Schöpfer des „Griechisch-Deutschen Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur“ das bis heute ein mehrfach übersetztes Standardwerk ist.
[Bearbeiten] Leben
Da der Vater von Bauer Hochschullehrer war, siedelte er als Kind mit seiner Familie nach Marburg über. Dort begann er sein Studium der Theologie, welches er in Berlin und Straßburg fortführte. Er habilitierte sich 1903 in Marburg und wurde 1913 Professor in Breslau und 1916 in Göttingen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1946 verblieb. Er starb dort 1960.
[Bearbeiten] Werk
Bauer beschäftigte sich mit der Erforschung des frühen Christentums. Sein berühmtestes Werk ist wohl "Rechtgläubigkeit und Ketzerei im ältesten Christentum" (Tübingen 1934) Darin gelingt ihm der Nachweis, dass die orthodoxe Lehrmeinung der frühen Kirche keines Wegs die älteste Lehrmeinung darstellt. Vor allem durch Schriftfunde in Ägypten und Kleinasien konnte er nachweisen, dass die urchristlichen Gemeinden zunächst gnostische Vorstellungen entwickelten. Im Laufe der Zeit haben sich aber schließlich die Glaubenssätze der römischen Kirche durchgesetzt, die ihre entwickelte Lehrmeinung als die ursprüngliche bezeichnete und die ursprünglichen Lehrmeinungen zu späteren häretischen Abweichungen stigmatisiert hat. Diese Vorstellung hat sich erst langsam durchsetzen können. Obwohl es 1934 in Tübingen publiziert wurde, wurden die Beiträge der deutschen Wissenschaft in der Nachkriegszeit zumeist international ignoriert. Erst 1971 erfolgte die Veröffentlichung in Englisch. Heute wird Bauers Ansicht weitgehend von der Wissenschaft geteilt, die daher die orthodoxe Lehrmeinung der Kirche in die proto-orthodoxe Lehrmeinung zuordnete hat. Ein weiterer bedeutender Beitrag Bauers ist neben der Kommentierung der Johannesschriften und vor allem das „Griechisch-Deutschen Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur“. Es ist heute weltweit das Standardwerk für die neutestamentliche Forschung aller christlichen Kirchen aller Länder der Welt.
[Bearbeiten] Schriften
- Mündige u. Unmündige bei dem Apostel Paulus (Diss. Marburg), 1902
- Der Apostolos der Syrer in der Zeit v. der Mitte des 4. Jh.s bis z. Spaltung der syr. Kirche, 1903
- Das Leben Jesu im Zeitalter der nt. Apokryphen, 1909 (Nachdr. 1967)
- Die kath. Briefe des NT, 1910; Das Joh.ev., 1912
- Die Apostol. Väter. II. Die Briefe des Ignatius v. Antiochia u. der Polykarpbrief, 1920
- Die Oden Salomos, 1933
- Rechtgläubigkeit u. Ketzerei im ältesten Christentum, J.C.B.Mohr, Tübingen 1934, 2. von Georg Strecker überarbeitete Auflage 1964, engl. Übers. Orthodoxy and Heresy in earliest Christianity, hg. und erweitert von Robert A. Kraft, Gerhard Kroedel u.a., Fortress Press, Philadelphia 1971, aktualisierte Onlineausgabe 1993
- Lehrbuch der neutestamentaren Theologie, 2 Bde
- Griechisch-Deutschen Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur, 1925
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bauer, Walter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Theologe |
| GEBURTSDATUM | 8. August 1877 |
| GEBURTSORT | Königsberg (Preußen) |
| STERBEDATUM | 17. November 1960 |
| STERBEORT | Göttingen |

